Die Blechtrommel

Die Blecht
rommel

von Günter Grass / Regie Luk Perceval
Foto: Krafft AngererFoto: Krafft Angerer

An seinem dritten Geburtstag beendet Oskar Matzerath sein Wachstum und wird als scheinbar harmloses Kind Zeuge der historischen Ereignisse seit den 1920er Jahren in Danzig und Deutschland.  Er berichtet von Ehebruch und Pädophilie, von Naziparaden und Pogromnacht und dem Aufbruch in Richtung Westen.

Mit dem Erscheinen von „Die Blechtrommel“ 1959 findet die deutsche Literatur wieder Anschluss an die Weltliteratur und zurück zur Moderne. Günter Grass, wie auch Siegfried Lenz Autor der Gruppe 47, zieht die Empörung konservativer Ideologen auf sich, die dem „Jugendverderber“ Grass Nihilismus, Blasphemie und Pornografie vorwerfen. Auslöser der verbissenen Kritik sind unter anderem jene Szenen, die in die Literaturgeschichte eingehen sollten, wie die Zeugung unter kaschubischen Röcken, die Aale im Pferdekopf, das Brausepulver, das verschluckte Parteiabzeichen und der Zwiebelkeller. Oskar Matzerath erzählt die Geschichte seiner Familie und seines Jahrhunderts. Als „hellhöriger Säugling“ verfügt er über uneingeschränkte Erinnerungen und beendet an seinem dritten Geburtstag sein Wachstum. Das scheinbar harmlose Kind lebt als verkannter Außenseiter unter den Erwachsenen und ist Zeuge der historischen Ereignisse seit den 1920er Jahren in Danzig und Deutschland, der privaten und politischen Bigotterie seiner Elterngeneration. Er berichtet von Ehebruch und Pädophilie, von Naziparaden und Pogromnacht, vom Gefecht um die polnische Post in Danzig und vom Beginn der Adenauer-Ära. Grass zeichnet ein Sittenbild einer Gesellschaft, in der der Einzelne die Auswirkungen seines Handelns nicht überblickt, aber individuelle Schuld auf sich lädt.

Bereits in Hans Falladas „Jeder stirbt für sich allein“ beschäftigt sich Regisseur Luk Perceval mit den Sehnsüchten, Nöten und Abgründen des deutschen Kleinbürgertums während des Zweiten Weltkrieges. Und er führt dies nun 70 Jahre nach Kriegsende mit Grass’ Generationenroman über die Familie des Kolonialwarenhändlers Matzerath fort.

Premiere 28. März 2015, Thalia Theater

PRESSESTIMMEN

 „Luk Perceval hat gerade eine neue Theaterversion […] der Blechtrommel erfunden, und damit ganz sicher einen der Hits des anbrechenden Theaterfrühlings.“ - Die Welt

„Kühl modelliert, dabei liebevoll erschlossen, so abstrakt wie plastisch bringt Luk Perceval seine Version der „Blechtrommel“ auf die Bühne. Nicht Wort für Wort, aber von allen Seiten, nicht buchstabengetreu, aber ergreifend gut getroffen.“ - Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Günter Grass, der als Ehrengast der Premiere seinen Homunkulus Oskar in der grandiosen, mehr als 70-jährigen Barbara Nüsse  bewundert, darf zufrieden sein. Hier wird Literatur gefeiert.“ - Frankfurter Rundschau

„Perceval choreographiert und komponiert genau, mit Sinn nicht nur für das Düstere, sondern auch für die Komik der Vorlage.“ - NDR Online 

Ausgewählte Kommentare
Barbara aus Freiburg:
Als Kennerin des Romans und mit familiärem Bezug zu Danzig wurde ich schnell gepackt von der atmosphärisch dichten Darstellung. Allerdings erschien mir die Inszenierung eher als Aufbereitung des Romans denn als eigentliches Spiel aufgrund der langen vom Band eingespielten narrativen Passagen. Im großen und Ganzen habe ich einen schönen Theaterabend verbracht.
Milena, häufiger Gast des Thalia Theaters:
Ich bin überraschst, dass das Theater es sich leisten kann, hochkarätige Schauspieler wie Alexander Simon im Wesentlichen 2 Stunden lang hinter Wäscheleinen herumstehen zu lassen.
Ein Rat fürs Publikum: Bringen Sie weiße 60 Grad Wäsche mit, denn es wird Sie in den Fingern jucken, diese dem unterbeschäftigt wirkendem Ensemble in die Hände zu drücken...
Den größten Redeanteil hat definitiv das Tonband übernommen. Muss ich dafür im Theater sitzen?
Nicht unbedingt, aber ich habe dennoch nicht gänzlich unzufrieden den Saal verlassen und einen guten Einblick in die skurrile, grausame und von Misstönen begleitete Romanwelt bekommen und den Rhythmus der Sprache erspüren können.
Milena Rüdy, 08.04.15
Zunächst etwas unerwartetes Theater - bei der Blechtrommel habe ich die Verfilmung im Hinterkopf, ein opulentes, deftiges Stück Filmgeschichte - und wundere mich über die Umsetzung, die Luk Perceval gewählt hat.

Aber im Laufe des Stückes merkt man, warum.
Er konzentriert sich auf die wesentlichen Aussagen des Buches und schafft eine eindrucksvolle Visualisierung. Man identifiziert sich mit Oscar, sieht in ihm den einzig Vernünftigen zwischen lauter Gestörten.
Es gibt nur kleine Szenen, angespielt und durch!
Aber dieses "Kleine" bewegt und schockiert.
Und am Ende hat man die ganze Dramatik des Stoffes erlebt - in weniger als zwei Stunden.
Es lohnt sich.
Dirk Schneefuß, 23.06.15
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