Nathan der Weise

Nathan
der We
ise

Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing Regie Nicolas Stemann Mit dem Sekundärdrama "Abraumhalde" von Elfriede Jelinek

„Nun wessen Treu und Glauben zieht man denn / am wenigsten in Zweifel? Doch der Seinen? (…) Doch deren, die uns nie getäuscht, als wo / getäuscht zu werden uns heilsamer war?“ Gotthold Ephraim Lessing

Es brennt. Schon einmal hatte es gebrannt. Nathans Frau und die gemeinsamen Söhne sterben in den Flammen. Nur Nathan überlebt. Er scheint verdammt, weiterzuleben, auch wenn das „nackte Nichts“ an die Stelle tritt, wo ehemals sich Sinn ereignete. Aber Lessing lässt Nathan sich das Leben zurückerobern – Lessing widmet diesem Kampf um Wiedererlangung der Würde, um Wiedererlangung des Glaubens an den Menschen sein Stück.

Ziehtochter Recha ist hierzu Nathans Heilsweg. Denn das ist das Unfassbare: Nathan wird sich einer Christin annehmen, auch wenn Christen es waren, die seine Familie, den Sinn, am Leben zu sein, auslöschten. Nathan wird die junge Recha aufziehen, als wäre es die eigene Tochter. Durch sie wird die Wahrscheinlichkeit Nathan erst zur Wirklichkeit Nathan. In Recha überwindet er das, wie es scheint, Unüberwindliche: dass die Geschichte stets wiederkehrt, dass Gleiches sich stets mit Gleichem vergilt. Nathan setzt eine Metaphysik der aufgeklärten Selbstüberwindung gegen die nackte Physik der Selbstbehauptung und das in Zeiten, da Kreuzzüge Häuser wieder abbrennen. Da ein Sultan Tempelherren hinrichten lässt, und Tempelherren Waffenruhen brechen. Nathan gibt ein Versprechen: dass der Mensch in Würde frei sein kann, frei von jeder diesseitigen wie jenseitigen Bevormundung, befreit von jeder Abhängigkeit, frei aus sich selbst heraus. Dass der eine und der ganz andere sie selbst, und sie beide darin grundverschieden sein können und doch eines beide zusammenhält: ein Mensch zu sein. Es ist ein Versprechen. Und ist auch ein unmissverständlicher Anspruch: die Erziehung eines Menschengeschlechtes.

 

In Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Köln.

Premiere 3. Oktober 2009 im Thalia Theater


Einladungen:

Deutsches Theater Berlin
24. und 25. Oktober 2010

PRESSESTIMMEN

„Höhnische Satire über das Scheitern jeder Utopie. Nicolas Stemanns beeindruckende Inszenierung konfrontiert den Klassiker mit einem Text von Elfriede Jelinek: Geld, Gier und Religion sind die Themen.“

Hamburger Abendblatt

„…die 120 pausenlosen Minuten gerieten hinreißend. Nicolas Stemann (…) gab dem Abend Struktur, Melodie und Rhythmus, hat ihn buchstäblich durchkomponiert. Die szenischen Mittel setzte er ebenso klug wie sparsam ein: In der bewussten Beschränkung liegt die Fülle.“

Die Welt

„Stemann und Jelinek lenken den Blick aber vor allem auf die Verdrängungsleistung, die es braucht, um Lessings Appell seine Leuchtkraft zu erhalten. Dieser lessingsche/jelineksche „Nathan“ ist kein appellierendes Rührstück über die Vernunft des Glaubens, sondern eine Denkherausforderung, die nur auf den ersten Blick ohne Theater auszukommen scheint, dann aber doch mit ihm fasziniert.“

Salzburger Nachrichten

„Vielleicht ist das genau der richtige, weil ehrlichste Ansatz: Erst mal alles beiseite räumen, was diesem Stück und seinem Hauptgedanken durch eine komplizierte Rezeptionsgeschichte aufgebürdet wurde. Es gibt schließlich wenige Dramen, die derart oft instrumentalisiert wurden wie Lessings „Nathan der Weise“. (…) Es ist notwendig, erst mal auf den Text zu hören. Das ist die Idee von Nicolas Stemanns bedenkenswerter Inszenierung (…). Er lässt zu Beginn ein großes, gelbes Megaphon aus dem Schnürboden herabsinken und seine Schauspieler den Text hörspielen. (…) Elfriede Jelinek (…) hat mit „Abraumhalde“ eine Art interlinearen Lessing-Kommentar verfasst, der die Ringparabellehre als weltfremd entlarvt.“

Berliner Zeitung

„Hören Sie mich können? Radio ratlos: (…) belanglos, uninteressant und ziellos. (…) Vor allem indes zeigt das Ensemble seinen fatalen Abstand zu einem werk, an das es nicht herankommt, und die traurige Ratlosigkeit einer Inszenierung, die bereits an dessen verbaler Oberfläche scheitert – von den tiefenschichten ganz zu schweigen. (…) Nathan, auf der Tonspur verstummt.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Oktober 2009

„Sogar den einzig gültigen Einwand gegen seine Art von Theater, dass es nämlich so seelen- und persönlichkeitslos sei, entkräftet Stemann wie nebenbei – wenn neben dem prachtvollen Kollektiv der Hörspiel-Performance die zwei Alten, Katharina Matz und Christoph Bantzer, plötzlich sprechen wie von vorvorgestern, überbetont und hoch emotional, und fast zu Tränen rühren. Mit Worten, die Lessing schrieb vor 230 Jahren – „Nathan“ in Hamburg: ein Ereignis.“

DLF Köln, Kultur heute

Ausgewählte Kommentare
Endlich eine Inszenierung, die nicht langweilt. Wunderbar! Die Fragwürdigkeiten von Lessings Stück wurden aufgebrochen und das Traumatische, das dahinter liegt, konnte sichtbar werden.
aus dem Gästebuch, 23.04.10
Es geht nicht, dass Religionen durch den Kakao gezogen werden! Ich bin zwar Christ, allerdings ist der Christliche glaube ein Angebot, so dass jeder, das glauben soll was er will. Wir sollten allerdings die Achtung vor den verschiedenen Glaubensrichtungen und die Gefühle der anders Gläubigen nicht verletzen. Hitler gehört überhaupt nicht hierher. Das Stück von Lessing wurde verfälscht.
aus dem Gästebuch, 27.10.09
Mein Kommentar
Kommentar
Abschicken
Bedingungen

Mit dem Versenden dieses Kommentarformulars erklären Sie sich damit einverstanden, dass die von Ihnen angegebenen Daten elektronisch erfasst, gespeichert und auf unserer Webseite veröffentlicht werden. Wir verwenden Ihre Daten ausschließlich zur Veröffentlichung Ihres Beitrags. Ihre Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden, z.B. per E-Mail an widerruf@thalia-theater.de. Ihr Beitrag und Ihre persönlichen Daten werden dann gelöscht. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte verschicken Sie keine Karten- oder sonstige Anfragen über die Kommentarfunktion. Über die Kommentarspalte gestellte Anfragen werden nicht beantwortet. Für Fragen zu Programm etc. steht Ihnen das Kartentelefon unter 040. 32 814 – 444 oder die E-Mail¬Adresse theaterkasse@thalia-theater.de zur Verfügung.

BEITRÄGE