Andersen. Trip zwischen Welten

Ein Realitätstransformator auf Dauerstrom. Hans Christian Andersen war ein Phantast. In seinen Werken, seinen Märchen zumal, wie im Leben. Ein Traumtänzer, der die Welt nicht hinnimmt, wie sie ist. Und das nicht erst mit 14 Jahren, als er seinem Heimatort Odense den Rücken kehrt und allein nach Kopenhagen zieht, um berühmt zu werden. Leben und Kunst, das ist bei Andersen nicht zu trennen. Er schuf sich seine eigene Wirklichkeit. Nicht gleich lässt sie sich nach Belieben modellieren, sie stößt ihn ab, als er versucht, ans Theater zu kommen, als er vorsingt, vor spielt, vortanzt, auch erste Stücke schreibt. Was ihn zu Tränen rührt, wenn er es vorträgt, erscheint der Welt grotesk. Später aber, als ihn Könige empfangen, wird ein Star zu sein zur selbstverständlichen Attitüde seines Lebens. Sein Selbstbewusstsein ist demonstrativ, seine Extravaganz pathetisch. Und eben deretwegen wird ihm die Welt nie wirklich nahe kommen können. Sein Raum in ihr ist begrenzt, das Geltungsbedürfnis seines Egos dagegen grenzenlos. Deshalb braucht er die Literatur. Eine Gemeinschaft der Exzentriker, eine Warholsche Factory vielleicht, ist zu der Zeit noch nicht in Sicht. In Beziehung zu den Menschen tritt er, wenn er ihnen vorliest. Das Mitgefühl derer, die verzaubert zuhörten, ihre Anerkennung, galt dann ihm – er war nicht allein. Denn das war er tatsächlich, einsam. Während die anderen lebten, schuf er. Er wiederum lebte, wenn er schuf, auch sich erschuf. Stefan Pucher und sein Musiker Carsten „Erobique“ Meyer (u.a. „Studio Braun“ und „International Pony“) stellen sich Andersen im Michael-Jackson-haften Neverland seiner Phantasie vor; ein Künstler zwischen den Welten. Was er geschaffen hat, umgibt ihn, seine Märchenfiguren, sein Schatten, der lebt, was er nicht lebt, liebt, wonach er sich sehnt. Stets kehrt er zu ihm zurück, es ist ja der eigene. Was aber, wenn er es, wie in seinem Märchen „Der Schatten“, einmal nicht täte? Was wenn seine Kunst ihn nicht befreit, sondern ihn ums Leben bringt? Oder muss es nicht so sein: dass der Künstler stirbt, sein Schatten aber lebt? Und – wer war noch mal wer?

Uraufführung am 6. März 2010 im Thalia Theater

Bei der Kritikerumfrage von Theaterheute zu den Höhepunkten der Saison 2010/2011 wurde Mirco Kreibich für seine Rolle in "Andersen. Trip zwischen Welten" als bester Nachwuchskünstler genannt.

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Pressestimmen zu Andersen. Trip zwischen Welten
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Kommentare

Is there anyone who know the song's name in third video (01:38 ~)?? Pls help me, Bitte bitte
Nam EVE, 31.07.12

Würdevoller Abschied
Was für ein würdevoller Abschied! Gestern das letzte Mal. Gestern die beste Vorstellung! Gestern der stärkste Applaus! Gestern das größte Glück gespürt...Was die Zeit heute mit sich bringt, das vermag ich nicht zu sagen. Aber einen Tag ohne im Haus der Poesie zu sein, ist höchstwahrscheinlich ein verlorener.. Ich möchte mich bei allen Schauspielern für ihr unglaubliches Engagement bedanken, für ihre Spielfreude, für ihre Faszination der Charaktere, die sie interpretieren, jeder auf seine Weise. Für ihre Stärke sich von den alltäglichen Dingen jedes einzelnen Menschen zu befreien um die Augen für eine sonst verschlossene Welt zu öffnen. Nicht zu vergessen die Musik, die nicht minder nur als Begleitung angesehen werden kann, sondern als ein tragendes Mittel, das die Verschmelzung zweier Welten zur endgültigen Reife bringt. Und die Integration der beiden musikalischen Wunderknaben auf der Bühne ist ein ebenso großer Augen - wie Ohrenschmaus gewesen. "Lichter brannten, über tausend Lichter, der eine sprach, und der andere sang, und die Leute spazierten, Wagen fuhren, Maultiere trabten, 'klingelingeling'. lalalalalalalalalalala...
Christina Gradtke, 13.06.12

Die Sahnehäubchenkrone!
also der abend heute hat mich sowas von hinweggefegt, es war magisch! ich hätte nicht gedacht, daß so eine "traumhafte" sinneserfahrung im theater möglich ist. wenn das stück wie geplant im nächsten spielplan nicht mehr vorkommt, bin ich euch auf ewig böse. sowas wie heute wird immer das sein, was in keinem anderen theater möglich scheint und euch die sahnehäubchenkrone aufsetzt. ich bitte euch! es gibt zuviele, die das noch nicht gesehen, nicht erlebt haben, reingehn!
vanessa *, 30.03.12

Besseres gewohnt
Die Schauspieler waren wie immer großartig, aber die Musik und die Videoinstallationen waren wirklich furchtbar laienhaft. Da sind wir doch eigentlich besseres vom Thalia gewohnt!
Marte Waschkies, 18.03.12

Empfehlenswert, hingehen!
"Andersen. Trip zwischen Welten" war eine grandiose Inszenierung mit einem großartigen Ensemble - besonders Frau Neuhäuser und Herr Kreibich! Empfehlenswert, hingehen!
Aus dem Gästebuch, 21.02.12

Begeistert
Geniales Bühnenbild, traumhaftes Setting. Der Text ist leider stellenweise sehr offensichtlich schauspielerisch improvisiert und wird dann noch musicalhaft wiederholt. Das habe ich schon bei Disney nicht gemocht. Video hätte dem Bühnenbild etwas gerechter werden können. Bin wegen der surrealen Szenen trotzdem begeistert!
Elio Y, 31.12.11

Eine Utopie
Andersen. Trip zwischen Welten Ob Hans Christian Andersen wirklich als Phantast, gar als Traumtänzer zu bezeichnen wäre, wie es der kurzen Beschreibung auf der Website zum vorliegenden Stück zu entnehmen ist, ließe sich bezweifeln, nährt eine solche Beurteilung doch unzulässigerweise den Eindruck, es handele sich hier um einen milde belächelten, nicht ganz ernst zu nehmenden Sonderling. Andersen war ein Künstler, ein Schaffender und verkörperte damit eine Existenzform, die mit herkömmlicher Begrifflichkeit zu erläutern, gar zu deuten sich zumeist nicht ohne Schwierigkeiten anlässt. Leben und Kunst bildeten für den Dichter in der Tat eine Einheit, und wie sollte dies anders interpretiert werden als Fluch und Segen des Künstlertums gleichermaßen?! Immerhin dürfte es wohl nicht ganz verfehlt sein, der Inszenierung eine Grundtendenz abzugewinnen, die Andersen als Prototyp des Künstlers schlechthin auszuweisen sich zum Anliegen macht. Leben und Kunst als Symbiose zu deuten, heißt allerdings nicht, dass das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Leben und die damit verbundenen Enttäuschungen, Verletzungen, Versagungen und Entbehrungen einzuebnen, zu leugnen oder in welcher Weise auch immer zu eskamotieren wären. Lebensproblematik, Antagonismen, Entfremdung, Begrenzungen von Erkenntnis und Wahrnehmung, - sich dieser Aspekte und Phänomene in ihrer ganzen Dimension bewusst zu werden, sie bis auf den Grund nachzuempfinden oder nachzuvollziehen, bleibt zuvörderst denjenigen erspart oder auch vorenthalten – je nach Sichtweise -, die sich in einer bürgerlichen Welt ihren täglichen Aufgaben und Obliegenheiten zu widmen haben und der z.T. völligen Vereinnahmung durch die Strukturen und Zwänge dieser Welt zu entgehen in der Regel keine Möglichkeit finden. Des Spannungsverhältnisses zwischen Kunst und Leben, der vielen Widersprüche und Divergenzen innezuwerden, erfordert Zeit und Muße. Die Einsicht in die Zerbrechlichkeit von Welt und Individuum bleibt Voraussetzung für Künstlertum und Schöpferkraft sowie Bürde des Schaffenden, des sich an der Welt, am rätselhaften Dasein zumeist aufreibenden Künstlers selbst. Das in seiner z.T. recht heterogenen Gesamtpräsentation Traurigkeit und Nachdenklichkeit verströmende Theaterprojekt lässt gleichwohl so etwas wie eine Utopie aufleuchten. Andersen schafft sich seinen eigenen Kosmos, einen Mythos, den er selbst zelebriert. Er braucht das Publikum, das ihm Wohlwollen entgegenbringt und damit zur Entwicklung seines Selbstbewusstseins entscheidend beiträgt, eines Selbstbewusstseins, das sich, wie in der bereits erwähnten Beschreibung zutreffend gesagt wird, zu pathetischer Extravaganz versteigt. Während die Welt ihm Grenzen aufzeigt, erweist sich sein Geltungsbedürfnis in der Tat als grenzenlos: Auch hierin spiegelt sich das Spannungsverhältnis von Welt und Kunst, von Bürger und Künstler wider, - ein Interpretationsparadigma im Übrigen, das uns so leicht über die Lippen geht und so selbstverständlich erscheint, seiner Bedeutung und Tragweite wegen aber immer wieder reflektiert werden sollte. Eine „Gemeinschaft der Exzentriker“ gibt es wohl nicht, vielmehr bleibt der Künstler auf sich selbst gestellt, wird auf sein eigenes Ich zurückgeworfen. Der Einsamkeit vermag er nicht zu entrinnen, weil ihm sein Streben nach Entgrenzung letztlich von der Welt als Illusion und damit als Irrweg vorgehalten wird. Und was bleibt? Die Erkenntnis, dass es etwas gibt, was jenseits unserer von vielen, teilweise unheilvollen Einflüssen kolonisierten Lebenswelt zu suchen wäre, eine Utopie nämlich, wie schon angedeutet. Sie mit Leben und Substanz in Richtung einer den Werten von Freiheit und Emanzipation verpflichteten Welt zu füllen, stellt eine gleichermaßen individuell wie gesellschaftlich zu bewerkstelligende Aufgabe dar. Die Kluft zwischen Dasein und Utopie, aber auch die Notwendigkeit, an einer Utopie festzuhalten, wird dem Zuschauer, wenn auch im Wesentlichen implizit, so doch auf durchaus eindrucksvolle Weise vor Augen geführt. Im Programmheft heißt es: Am Ende des Kreuzwegs des Guten steht ein erbärmlicher, unwürdiger Tod. Und zugleich ein sensationelles Requiem. Die Welt hat das Gute an sich und in sich unachtsam preisgegeben. Nun muss sie umso mehr danach streben. Das aber ist ferne Zukunftsmusik.(...) (Programmheft, 11) Michael Pleister, d. 31.12. 2011
Michael Pleister, Dr., 31.12.11

"Wundertastisch"
Dieser Thaliatrip war wie Benzin für den meist ausgepumpten Motor der Phantasie..Das Bühnenbild ist ein Geniestreich und die Darsteller setzen diesem Kunstwerk spielerisch die Krone auf. Fühle mich tatsächlich nach diesem Abend bereichert und in meinem Kopf thront nun ein ein König Kreibig.. Er hat mit allem verzaubert, was sich wohl manchein Schauspieler zu bieten wünschte.. Erstaunliche Darstellung war das.. schade, dass sich C.Chaplin und Mirco chronologisch verpasst haben. einzige Kritik: zwei Songs weniger hätten es sein dürfen.. ansonsten einfach "wundertastisch" p.s: denke Tim Burton würde das Stück sicher gefallen :-)
Maya Wrobel, 31.12.11

Fantastisch!
FANTASTISCH! ABSOLUT FANTASTISCH!
Claudia Dommenget, 05.04.11

Danke, Thalia!
Einfach nur genial! Super Bühnenbild, tolle Schauspieler und geniale Musik. Danke Thalia
Martin Tilo, 14.01.11

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