Pressestimmen zu Faust I+II, Premiere Salzburger Festspiele

Pressestimmen zu Faust I+II, Premiere Salzburger Festspiele




So, wie Nicolas Steman den ,Faust I+II' inszeniert, hat man ihn noch nicht gesehen. Seine Inszenierung ist selbst ein faustisches Ereignis, ein Grübeln und Ergründen, was dieses Drama im Innersten zusammenhält, was es bereithält - für uns heute.

Begründung der Jury für die Verleihung des 3sat-Preises des Berliner Theatertreffens 2012

Das Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele verdankt seine gute Schlussbilanz, gewichtet nach Mut und Kunstwert, deutscher Hilfe. "Faust I + II" sowie Handkes "Immer noch Sturm" wurden vom Thalia-Theater Hamburg mitproduziert. Dem dortigen Direktor Joachim Lux, bis 2009 Dramaturg an der Burg, ist als Helfer, vielleicht Retter der zu Ende gehenden Saison zu danken.

Wiener Zeitung

Langweilig wird es nie, auf- und anregend intensiv dagegen oft. […] Von den teils großartigen Schauspielleistungen ganz abgesehen. […] Den langen Weg, den Faust beschritt […], geht auch Stemann Schritt für Schritt, indem er die Inszenierung zunehmend öffnet, neue, wilde, wirre Dinge herein- und zulässt. […] Und so wird Faust I zu einem inhaltlich wie atmosphärisch sehr dichten, zunehmend berührenden Texttheater, in dem drei (auch sprachlich) grandiose Schauspieler zu bestaunen sind. […] Dafür gab es begeisterten Applaus.

Süddeutsche Zeitung

So genial treffend ist der Beginn der Tragödie erster Teil noch nie inszeniert worden. Und auch noch nie so schonungslos. […] Wie tief sich Stemann in die Figuren hineinbegeben hat, wie klug und geniegelassen er sie durchdringt. […] Hochmair ist gut und aasig. Sebastian Rudolph […] mühelos und virtuos. Patrycia Ziolkowska, in deren Gretchen so viele Frauen stecken, wirkt, als werfe sie mit Händen nur so schwereleicht und luftig-frivol um sich, die sie schlangengleich abstreift. […] Ein Theaterereignis.

FAZ

So war „Faust I“ bis dato selten zu erleben: ein formales Experiment, der Dichtung nichts Fremdes aufnötigend, wie aus ihrem Geist entsprungen, das Goethes poetische Wunderkraft respektiert und strahlend zur Geltung bringt. Klar, dass solches Verfahren Ausführende von Rang braucht: Patrycia Ziolkowska, in erster Linie Margarete, und Philipp Hochmair, der Haupt-Mephisto, sind Sebastian Rudolph durchaus ebenbürtig, insgesamt ein äußerst präzises Trio der Verwandlungskünstler.

Welt

Rudolphs Solo ist eine Sensation. Er schafft es spielerisch leicht, sich mit dem Publikum in einen Text zu begeben, den die meisten gut zu kennen glauben – und hier trotzdem neu entdecken können. [...] Stemann bringt kein Drama auf die Bühne, sondern einen Text. [...] Zum glühend introvertierten Rudolph kommt mit dem exaltierten Philipp Hochmair ein Mephisto-Darsteller hinzu, der ein identisch kostümiertes Alter Ego von Faust darstellt. [...] Dieser „Faust I“ ist ein großer Wurf. [...] Natürlich weiß auch Stemann, dass man an „Faust II“ nur scheitern kann. Aber er scheitert so lustvoll, einfallsreich und selbstironisch, dass auch der zweite Teil sehr vergnüglich ist. [...] „Faust II“ wird hier behandelt, als wär’s ein Text von Elfriede Jelinek: Schauen wir mal, was alles geht. Stemann nimmt den Text zum Anlass, verschiedene Spielformen des zeitgenössischen Theaters durchzudeklinieren – und diesen Vorgang dann auch noch ironisch zu thematisieren.

Theater heute

Zwei Superlative hat es in der Faust-Aufführungspraxis der vergangenen Jahre gegeben: das Ganze und das Nichts. Peter Stein […] und Christoph Marthaler. […] Wie macht es Stemann? Er, einer unserer schlauesten Regisseure, macht beides: Stemann verbindet den Steinschen Größenwahn und die Marthalersche Verknappung. […] Der erste Teil zeigt, wie aus einem Kopf eine Welt entsteht. Der zweite Teil bewirtschaftet und verschwendet diese Welt. Der erste Teil ist sparsam, ökonomisch, zauberhaft; der zweite Teil ist laut, überstürzt, voller Mummenschanz. […] Grandiose Schauspieler – allen voran Sebastian Rudolph sowie Philipp Hochmair und Patrycia Ziolkowska.

ZEIT

Faust I +II dauern länger als ein Atlantikflug nach New York und hinterlassen eindringlich schöne Momente. […] Ein Abend, der fesselt, verwirrt, nervt und erhellt.

Hamburger Abendblatt

Intensivtraining gegen die Angst
Die Regie-Arbeit […] ist ganz dicht an Goethe und doch dicht an uns, denn Goethes Bilder- und Symbolflut wird leichtfüßig ins 21. Jahrhundert übersetzt. […] Dem Bühnenbildner Thomas Dreißigacker und Regisseur Nicolas Stemann gelingen mutige Bilder-Serien, deren Hauptkennzeichen die Verzweigung ist. Dabei entstehen auch große Gefühle.

Frankfurter Rundschau

Mit seinem Ensemble vom Thalia Theater Hamburg bringt Stemann ein „Faust“-Feuerwerk zum Leuchten, das so intelligent, chaotisch und kurzweilig ist wie nur irgend möglich.

Berliner Zeitung

Nicolas Stemann ist ein hervorragender Ruinenbaumeister. Er präsentiert „Faust I+II“ als gigantisches Endspiel, als Abwicklung aller Vorstellungen von Machbarkeit. […] Aber der Regisseur feiert gewissermaßen als Widerspruch zum eigenen kulturpessimistischen Ansatz auch das Machbare. Mit Goethe, nicht gegen ihn. […] Eine herrliche Überforderung. Die Zuschauer sind begeistert. […] Sebastian Rudolph macht das großartig mit viel Energie und Witz und Verzweiflung. […] Das Publikum ist hingerissen. […] Stemann gelingt ein Kunststück: Obgleich er allerlei Schaumstoffgestalten (von den wunderbaren Figurentheaterspielern der Berliner Gruppe „Das Helmi“) mitspielen lässt, wirkt sein „Faust II“ viel weniger figurentheaterhaft als der von Peter Stein. Manches ist unfertig, manches leicht, schwebend, manches abenteuerlich schön.

Hannoversche Allgemeine Zeitung

Nicht zu fassen, dieser Faust. [….] Nicolas Stemanns Assoziationsbombe zündet. Er komponiert über weite Strecken schier mühelos. Das Banale wird nicht verneint, und doch wird das Außergewöhnliche geschaffen. Es ereignet sich, was als süffiger Pop-Schlusschor, erleichtert und selbstbewusst, von allen Akteuren angestimmt wird: „Das Unbeschreibliche – es ist getan.“

Salzburger Nachrichten

Der Applaus am Ende war ohrenbetäubend. […] Der Abend beginnt großartig. Eine leere Bühne, ein Schauspieler, ein zerfleddertes Reclam-Heft. Der Schauspieler beginnt zu blättern. Und langsam wächst „Faust“ aus dem Bühnenboden. Fast wünscht man sich, der ganze Abend bliebe so, […] ein großartiges Wortkonzert. […] Nach der ersten Pause dann „Faust II“: Faust erfindet im Vorbeigehen Papiergeld und Kapitalismus, sein Famulus Wagner erschafft den Kunstmenschen Homunculus. Auf der Bühne bricht das reinste Chaos aus: Puppenspiel, improvisiertes Kabarett, Selbstironie, Talkshow-Parodie, grelle Kapitalismus-Kritik, ein Jean-Ziegler-Zitat. […] Stemann erzählt die Geschichte vom Versuch, den ganzen „Faust“ auf die Bühne zu bringen. Er erzählt vom Theater, von Schauspielern, Tänzern, Sängern, Bühnenbildner, Musikern. Lichtkünstlern, deie versuchen, aus Luft und Staub eine neue Welt zu formen. Er erzählt vom Versuchen, nicht vom Gelingen. Und darum geht es im „Faust“. Einmal kommt eine Sängerin auf die Bühne und macht aus einem Stück „Faust“-Sekundärliteratur eine Opernarie. Was für ein Abend!

Kurier, Wien

Höhepunkt der Salzburger Festspiele: Sebastian Rudolph und Philipp Hochmair vom Thalia Theater in Faust I und II auf der Pernerinsel.

Ö1, ORF

Fünf Stunden Handke, acht Stunden Goethe: Das sind Dimensionen, die fast schon dem Bayreuther Wagnermarathon Konkurrenz machen können.

Badische Zeitung

Ein großes Theaterereignis.“

Rbb Inforadio

„Ein absoluter Höhepunkt des Theatertreffens, eine fulminante Aufführung des Thalia Theaters Hamburg. Dieser Marathon von Goethe war keine Minute öde.“

Bild Berlin



19.08.2011 / 14:42 Uhr / Pressestimmen

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