Platonow

Wie jedes Jahr: Die Städter ziehen auf ihr Gut aufs Land, um dort den Sommer zu verbringen. Die Ortsansässigen erwachen aus ihrem langen Winterschlaf und wie immer trifft man sich bei der Generalin Anna Petrowna, der jungen Witwe, um die ewigen Rituale der Saison wieder aufzunehmen. Neuigkeiten werden ausgetauscht, der Alkoholpegel steigt und zwischen den Themen Liebe und Geld erahnt man das Endspiel einer Gesellschaft, in dem alle hungrig nach Möglichkeiten zum Aufbruch in ein neues Leben suchen – gierig nach Veränderung, gleichzeitig in ihren Krisen festgefahren. Platonow, der mit seinen schonungslosen Bemerkungen für gefährliche Unterhaltung sorgt, wirkt wie ein Brandbeschleuniger. Selbst unfähig, aus seinen Beobachtungen prinzipielle Konsequenzen für sein eigenes Leben zu ziehen, übt er eine fatale Anziehungskraft auf Frauen aus. Es kommt zu unent wirrbaren emotionalen Verstrickungen. Und am Ende wird bezahlt: mit dem Besitz, der einem schon längst nicht mehr gehört und dem bisherigen Leben, in dem man sich nicht einrichten konnte. Die einen kassieren ab, die anderen werden vertrieben.

„Das Stück ohne Titel“, auch „Die Vaterlosen“ und üblicherweise „Platonow“ genannt, hat Tschechow vermutlich im Alter von 18 Jahren geschrieben. Schon in diesem ersten Theaterstück zeigt sich seine große Gabe, über die genaue Beobachtung des Banalen den Kern des existentiellen Dramas wiederzugeben. Es ist ein wildes Ungetüm, ein bewundernswerter Versuch, das pralle Leben in seiner Komplexität und Widersprüchlichkeit abzubilden.

 
Premiere am 1. September 2012 im Thalia Theater
Pressestimmen zu Platonow
  
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Kommentare

Vier Stunden Freude!
Es war super! Vier Stunden Freude! Wir kommen wieder - die Möwe ist schon gekauft.
JuTo B., 16.02.14

Sehr berührend
Eine großartige Vorstellung, ein tolles Ensemble - und für den Platonow (Jens Harzer) fehlen mir die Worte. Gelacht, geweint - sehr berührend. Danke für die geniale Vorstellung!
Agnes Rickert, 30.11.13

Starke Ensemble-Leistung
Vier Stunden Gerede! Ich hatte meine Befürchtungen vor diesem Abend, diese waren aber glücklicherweise unbegründet. Endlich wieder eine Inszenierung, die sich auf den Text und die guten Schauspieler verlässt. Keine Mätzchen und eine starke Ensemble-Leistung um die starken Frauen Victoria Trauttmannsdorff und Marina Galic herum. So gerne häufiger!
Lars Böhme, 12.10.13

Chapeau
Wie immer beeindruckende Schauspielkunst. Chapeau vor den Textmengen, die bewältigt werden. Wir sind zum zweiten Mal in der Mammutinszenierung und freuen uns schon auf den nächsten Besuch.
Aus dem Gästebuch, 24.04.13

Verdammt gut...
Verdammt gut....
... und das ist mehr als eine Untertreibung. Das Ensemble brilliert auf ganzer Linie. Jens Harzer ist grandios, einzigartig - und vermittelt dien Zwiespalt unserer Wünsche & Sehnsüchte, und die dazu gehörige Zerissenheit auf imposante Weise. Man möchte ihn wachrütteln. Ein weiteres ' Geschenk' ist für mich die Besetzung des Ossip's, (Rafael Stachowiak) die hier viel zu wenig Beachtung gefunden hat. Wunderbar verrückt und real verkörpert er diese Figur. Die zwar eher der Unterschicht angehört, und somit nicht zur feinen Gesellschaft zu gehörig ist.
Besitzt diese Figur doch als Einzige die Fähigkeit den eigenen Trieben und Wünschen nachzukommen, und diese klar zu benennen. Wohin gegen sich der Rest verfängt in Seelenschmerz und Selbstmitleid. Das gesamte Ensemble hat sich seinen Applaus redlich verdient, ohne Einschränkung, denn nicht nur die schauspielerischen Fähigkeiten beeindrucken, sondern auch die körperliche Anstrengung und Konzentration über 3 1/2 Std sind allen Respekt wert !
Danke für einen weiteren herrlichen, und nachhaltigen Thalia Theater Abend!!!
C. L., 23.04.13

Bravo

Vier Stunden Theater die wie im Flug vergangen und auf eigene Kompromisse und Illussionen hinwiesen, immer wieder.
Matthias Leja überzeugte durch die Authentizität in der Darstellung des einerseits charmanten, anderseits bösartigen, abwertenden Kneipenbesitzers, der die Schuldscheine aller anderen längst besaß.
Das gesamte Ensemble spielte phantastisch , was das begeisterte Publikum mit Bravo- Rufen und begeistertem Klatschen belohnte.
Wir danken für einen tollen Theaterabend
Nicola Lange, 13.04.13

Großartiges Theater
An die gesamte "Platonow-Mannschaft" meine uneingeschränkte Begeisterung, die sich an Regie und Spiel an Ihrem Haus entzündet hat. [...] Schon das Bühnenbild finde ich genial: Nur ein Campingwagen auf der Bühne, seine erleuchteten Fenster erzeugen ein Wärme-und Heimatversprechen, was durch die Geschehnisse des Stückes permanent widerlegt, dennoch aber aufrecht erhalten wird. [...] Großartig, wie die Figuren durch Regie und Spiel davor bewahrt werden, zur Karikatur zu werden. Wie anrührend z.B. der pubertär gezeichnete Trotz und Wille des Sergej Pawlowitsch durch Sebastian Zimmler, der ständig in Aggressionen dennoch nur in sich zusammensackt, obwohl er ständig betont, mit seiner eleganten Frau aufzubrechen. [...] Hier wird keine pädagogisierende Ursachenforschung betrieben das Stück und die Regie und das Spiel der Schauspieler ist viel härter: Jeder bleibt in den Fängen und Fäden seiner Sehnsüchte gefangen, an denen er rüttelt und sich täuscht - das rührte mich besonders in seiner Vergeblichkeit an dem Spiel von Zimmler, weil er uns den halberwachsenen Jungen in großgewachsenen Mann mit ein paar Handbewegungen so atemberaubend nahe bringen und damit ein ganzes Bündel von Gefühlen im Zuschauer befreien kann.
Nicht Typen werden vorgeführt, sondern psychosoziale Zustände werden, wie durch ein Brennglas vergrößert. Alle wollen nochmal leben - wie großartig spielen sie diese Gier und Verzweiflung. [...] Jens Harzer als Platonow, gespielt in fast unverschämter Sanftmütigkeit, asträengleich entfernt von allem. Die resolute Generalin der Victoria Trauttmannsdorff deren geheime Wunden unter dem Charakterpanzer ergreifen, wenn sie eruptiv aufbrechen.
Ganz, ganz großartiges Theater! Danke!!
Michael Magunna, 13.02.13

Unvergesslich
Platonow oder die Reinkarnation des Ensembletheaters

Jane Bosse gelingt mit Tschechows Erstling eine Sternstunde des Ensembletheaters. Diese Präsenz aller Beteiligten ist eins der Geheimnisse dieser Inszenierung. Bosse versteht es aber auch die Charaktere optimal zu besetzen und jeder der Darsteller/innen wächst über sich hinaus. Das Stück beginnt als „humoreskes Konversationsstück“ und endet als Tragödie in der Zerstörung von Leben. Dreh- und Angelpunkt dieses Stückes ist der gescheiterte Intellektuelle Platonow, der ständig zwischen Selbstgerechtigkeit und Zynismus umher wandelt. Sehnsucht nach Liebe verfolgt alle Beteiligten und treibt sie letztendlich in die Verzweifelung. Der zweite Teil wächst sich zur Apokalypse der verlorenen menschlichen Existenz aus. In diesem Teil entfalten die Darsteller/innen ungeahntes Potenzial, um als gebrochenen Kreaturen letztendlich erbärmlich zu enden. Sie sind gebrandmarkt durch die Unfähigkeit zu neuen Ufern aufzubrechen. Menschliche Kreaturen, die zwischen Liebes- und Lebenssehnsucht oszillieren und die Realität des Lebens verlieren, was letztendlich in den Abgrund führt. Grandios wie Bosse den Abstieg einer gesellschaftlichen Klasse inszeniert und mit grausam intensiven Bildern in das Gedächtnis der Zuschauer einbrennt. Dank an alle Beteiligten für diesen unvergesslichen Platonow.
Ein Theaternarr
Reiner Schmedemann

reiner schmedemann, 08.01.13

Spielfreude
Wieder ein ganz tolles Ensemble! So viel Spielfreude erträgt man auch vier Stunden. Wir kommen wieder !

Aus dem Gästebuch, 04.01.13

Danke
Jens Harzer war mal wieder großartig! Aber nichts geht ohne ein ebenso gutes Ensemble! Danke!
Aus dem Gästebuch, 15.10.12

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