Der zerbrochne Krug

Der zerbrochne Krug
von Heinrich von Kleist
Regie Bastian Kraft



Wer die Lüge öffentlich zur Wahrheit machen will, muss wendig, kommunikativ und manipulativ sein. Wenn man sich das Straucheln von Politikern ansieht, ob nun von Wulff, Guttenberg, oder weiter zurückliegend von Clinton oder Barschel, zeigt sich auch, dass die Sprache nicht nur verhüllt, sondern dass sie es ist, die die Wahrheit, oft ungewollt, offenbart. Nun steht Kleists Richter Adam nur in einer kleinen politischen Öffentlichkeit, in einem Dorf bei Utrecht, wo sein Wort Gesetz ist. Die Täuschung, das Lügen, Betrügen, das Schmeicheln, also die Kunst des Verstellens im großen Stil beherrscht auch er vortrefflich. Er verstrickt sich immer mehr in ein Gespinst aus Lügen und Ausflüchten, im Netz der Sprache, die verschleiern soll und gleichzeitig enthüllt und verrät. Für Kleist ist dies eine zerbrechliche Welt – zerbrechlich wie der Krug von Marthe Rull. Und für ihn liegt sie wie der Krug in Scherben: Der Fall, über den Adam Recht sprechen soll, wird ihm von Marthe Rull vorgetragen, die mitten in der Nacht einen fremden Mann im Zimmer ihrer Tochter über rascht hat. Der Fremde flüchtete durch das Fenster und zerbrach dabei den Krug. Marthe Rull hat Ruprecht, den Bräutigam ihrer Tochter, im Verdacht, heimlich die Nacht bei Eve verbracht zu haben. Nun soll Dorfrichter Adam den Fall klären und sitzt so über sich selbst zu Gericht. Mit gewieften Verschleierungstaktiken und unlauteren Verhörmethoden setzt er allen Eifer daran, mehr Dunkel als Licht in den Fall zu bringen. Der Mensch bei Kleist ist gefangen in einem Gewirr aus Licht und Dunkel, Wahrheit und Lüge, Ordnung und Chaos. Kleist stellt die Frage nach einer Ordnung der Welt, mit der sich der Mensch identifizieren und der er vertrauen kann.

Premiere am 22. September 2012 im Thalia Theater


Einladungen:


Theater Duisburg
19. und 20. März 2013

Pressestimmen zu Der zerbrochne Krug
 
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Kommentare

fantastisch
ich war gestern Abend mit meinem Deutschkurs in Ihrem „Zerbrochnen Krug“ und wir durften das Stück aus der ersten Reihe genießen. Es war fantastisch! Von meinen Schülerinnen und Schülern richte ich Ihnen ein herzliches Danke aus und freue mich schon auf den nächsten Besuch im Thalia-Theater.

Herzliche Grüße!

Ein Lehrer, 26.03.14

I Love It!
Ich war mit meiner Klasse da und war sehr begeistert. Das Bühnenbild war eindrucksvoll und Gigantisch. Die Idee das geschehen auf der Bühne zu filme und Live zu übertragen war echt gelungen! Die Geschichte wurde zwar ein bisschen modernisiert, aber es wurde doch sehr echt und zum Teil auch sehr lustig rübergebracht. Ich was schon öfter im Thalia Theater und gehe bald wieder hin um mir " den Zerbrochenen Krug" anzuschauen. Tolles Stück! Super Schauspieler! I Love It!
Linus Weber, 09.03.14

Die Welt wackelt
Die Welt wackelt. Die unter der Leitung von Bastian Kraft aufgeführte Komödie hinterlässt gemischte Gefühle. Einerseits überzeugen Darsteller, Kostüme und Bühnenbild auf ganzer LInie und die Themen Wahrheit, Machtmissbrauch und moralische Fehltritte erschienen hochaktuell und hervorragend präsentiert; doch in manchen Momenten versinkt das Publikum auch in Langeweile wie 1808, als Goethe seine Isnzenierung von Kleist in Weimar spielen ließ. Und Verwirrung kommt auf durch die pausenlosen Videoprojekionen zu Anfang! Die Botschaft wird aber wunderbar klar vermittelt - Sprache "verschleiert und offenbart Wahrheit" und die Welt wackelt, Ordnung fehlt.
Caja Hoffmann, 19.12.13

Großartiger Abend
Ein großartiger Abend ! Die wunderbare Sprache Kleists bleibt erhalten und wird nicht krampfhaft modernisiert . Das Bühnenbild, das Klirren und Schwanken, die Wippe und die Brüchigkeit der Wahrheiten - einfach toll. Danke an die wunderbaren Schauspieler . Es hat Spaß gemacht zuzuschauen !
Rita Knobel , 06.05.13

Höchste Zeit, Bühnen-Oscars zu verleihen!
Nach der Premiere im September wohnte ich gestern einer Aufführung bei, zu der das Stück über ein gutes halbes Jahr heranreifen durfte und erlebte Theaterglück von der ersten bis zur letzten Sekunde.
Vereinnahmend, wie Evchen das ihr Widerfahrende zu Beginn erzählt – ich wünschte beinahe, sie würde nicht mehr aufhören und abendfüllend ihr ganzes Leben schildern.
Absolut überzeugend, wie das moderne, ästhetische und für mein Empfinden trotzdem schlichte Bühnenbild Dorfrichter Adams verzweifelten Versuch ausdrückt, inneres Straucheln durch fragwürdigen Machtanspruch auszugleichen.
Erfrischend, wie durch Lichts eigene Art, Protokoll zu führen ausufernde Monologe Witz erlangen, ohne dass dabei Kleists Sprache lächerlich gemacht wird. Sie wird noch mehr -ein Hochgenuss.
Beindruckend und betörend, wie Philipp H. sich die Sprache und mit ihr die Rolle einverleibt und mit jeder Zelle seines Körpers den Dorfrichter auslebt, aushumpelt, auswringt, ausbrüllt.
Höchste Zeit, Bühnen-Oscars zu verleihen!

Milena, 12.04.13

Das will was heißen
Ich bin mit zwei Teenagern (13/16) heute beim´ "Zerbrochenen Krug" gewesen (volles Risiko).
Beide waren ganz dabei und fühlten sich bestens unterhalten. Das will was heißen, denn zumindest der eine geht auch genauso gerne in " Django unchained". Auch ich habe die Leistung der Darsteller, und Tempo der Inszenierung genossen. Sehr kurzweilig und schön, aktuell in der Aussage und der Darstellung. Die Kinder würden wieder gehen.
Christian Guse, 26.03.13

Großartig
Modern, ganz anders und großartig eindringlich inszeniert mit viel symbolhafter Technik und ein bisschen mit richtig gewagter Akrobatik. Das Spiel des Ensembles leicht und flüssig mit äußerster Präzision bringt den Ablauf in eine sich steigernde Dramatik und ist in sich stimmig. Herausragend in der gesamten Entwicklung der Rolle gestaltet Dorfrichter Adam die Doppelbödigkeit, die geschickte Verschlagenheit und fast an Dummheit grenzende Dreistigkeit dieser Person mit einer unglaublichen Dynamik, die einfach mitreißt !
Ein großes Lob für die Gesamtleistung von Regie, Bühnenbild, Effekten und last not least schauspielerischer Gesamtleistung mit einem brillanten Glanzpunkt in der Hauptrolle !
Vielen Dank für ein tolles Erlebnis dieses bekannten Stücks in einem ganz neuen und schillernden Gewand, das mehr Eindruck macht und mehr Tiefe in die gegensätzlichen Motivationen der Personen bringt !
Einar PETERSEN, 26.03.13

Gelungen
Gelungen-
bis auf die Videospielereien, die teilweise recht überzogen sind ...
Hartmut Klinger, 24.01.13

Gelungen
Insgesamt eine gelungene Inszenierung mit gelungener Bildsprache (die Wahrheit auf schlingerndem Untergrund). Das Gastspiel der Wiener Burg hatte uns aber doch besser gefallen, vor allem der Schlamm auf dem Bühnenboden, der Sumpf, in dem die Wahrheit zu versinken droht. Auch war das Schauspiel etwas komödiantischer angelegt. Etwas nervig war in der Hamburger Inszenierung die gegenseitigen Kameraprojektionen der Schauspieler, ein Effekt, der in letzter Zeit etwas überstrapaziert wird.
Michael Ernst, 05.01.13

Was ist Wahrheit?

Was ist Wahrheit? Wonach wird gesucht, wenn nach der Wahrheit gesucht wird?
Diese Frage bewegte Kleist vor über 200 Jahren durch sein Erwachsenenleben. "Wir können nicht entscheiden, ob das, was wir Wahrheit nennen, wahrhaft Wahrheit ist , oder ob es uns nur so scheint."
Dieses schrieb Kleist im Jahre 1801 an seine Verlobte. Sieben Jahre, bevor" Der zerbrochene Krug" anno 1808 im Hoftheater in Weimar uraufgeführt wurde.
Ausgehend davon, dass es keine Wahrheit per se, sondern nur Übereinstimmungen gibt stiftet Dorfrichter Adam , brilliant von Philipp Hochmair dargestellt, gezielt Verwirrung in der Frage, wer denn nun den Krug zerbrach.
Anfänglich erfolglos, weil immer wieder von der sehr spielstarken, dominanten Sabine Orleans zurechtgewiesen, zeigt auch diese immer stärkere Ermüdungserscheinugen, als ihr immer mehr gesammelte Ungereimtheiten um die Ohren fliegen. Jeder Spieler hat einen eigenen Käfig, alle Käfige sind miteinander verbunden. Wenn ein Käfig wackelt wackeln alle- wenn ein Einzelteil der Gesellschaft sich verändert verändern alle sich oder geraten zumindest vorrübergehend ins Schwanken. Und während die Aussagen hin und her schwanken kritzelt Adams schreiber Licht, der selbst auf den Richterposten spekuliert, streberhaft scheinbar Adams Sätze hin- je sinnentlleerter der Satz ist desto eifriger schreibt er, auffällig- unauffällig zur Gerichtsrätin Walter schauend. Überflüssig zu erwähnen das Thilo Werner virtuos wie immer spielte. Spätestens nach der Aussage der Frau Brigitte ist klar, dass Richter Adam den Krug zerbrach, als er aus dem Fenster von Eve floh.
Aber soviel Wahrheit will dann letztendlich, obwohl alle sie kennen, doch niemand wahrhaben. Ruprecht Tümpel sieht ein, das Eve keine Schuld hatte, beide heiraten. Dieses private Glück ist besonders hervorzuheben, weil Kleist sein 44jähriges, durch seine Selbsttötung beendetes Leben lang nach privatem, stabilem Glück suchte. Mehr Wahrheit ist hier nicht möglich. Und würde auch keinen Sinn machen, denn die Kultur der Beliebigkeit im Umgang mit Selbiger bliebe bestehen.
Danke an alle Mitwirkenden, wirklich gelungen
Nicola und Cara Lange
Nicola Lange, 12.11.12

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