Startseite > blogging - stimmenausdemexil > Stimmen aus dem Exil 5

Stimmen a
us dem Exil
أصوات من الشتات

Blogging: Stimmen aus dem Exil

Die Embassy of Hope hat momentan zwar geschlossen, aber das "Stimmen aus dem Exil" - Kollektiv des Thalia Gauß bloggt auf unserer digitalen Bühne wöchentlich Texte, Erinnerungen, Songs, Illustrationen, Videos und vieles mehr aus den letzten zwei Jahren der mehrsprachigen szenischen Lesereihe.

 

Reisende Dichter*innen II 5. Mai 2019

Eindrücke von "Stimmen aus dem Exil" vom 5. Mai 2019  

Video: Gulzat Matisakova

Foto: Shorouk El Hariry

Qahirah (Cairo)

 

Chapter 1: Resumé

I tried to sum up Al Qahirah*: her non-veggie meals,

school gossip, and passport stamps in two A4 sheets, but

my words got trapped in Anglo-Saxon

format: font type, margins,

before they turned hollow, and got swallowed

by an all-knowing cloud. How could I explain it:

I was only there because of blood?

Drained from it, I unwrapped my head

under airport watch; opened my intestine and hips

to foreign things: fluids and smoke.

Because the light at the end of the tunnel

was neon pink.

Anything seems possible, when you’ve managed to escape

Al Qahirah’s honour tunnel – for which there should be

no Wiki-page, if there is.

How could I explain it,

that I wanted to shed her off my skin, yet with love?

Brown said the mirror; white screamed the neurons.

Arabi said my past; Afrangi* grunted my future,

in protest. Home,

dreamed my naïve heart; “Ghareeba*

thought everyone else.

 

Chapter 2: Ghareeba*

Dripping white noise into my ears and

dipping my head into the Elbe, washing

the Nile off my spine: Cultural immersion, they called it.

Planting my seeds in someone else’s backyard,

expecting nobody to notice, or to be noticed: an accessory.

A lonely artefact whose edges fit into

nobody’s puzzle, for which no history will be written:

she was part of none.

A poorly edited compilation, a non-alphabetic

dictionary, a pixelated image

morphing between time-zones, and within:

 “Ghareeba*”.

 

Chapter 3: Letter from aArabiyah*

Dear Qahirahs*,

Love came ‘round for a visit –

brief as visits can be. It unbuttoned

my white dress, revealed my gallabiyah,

told me, “I like you. You are Arabiyah*”.

It strangled my hybrid machine, replaced it

with a heart that beat

in qaf, dad, ain, haa’ and khaa’.

Departed.  Leaving me thirsty

for its shadda and sukoon.

It was then nothing short of betrayal

to speak of you, Qahirah*,

in anything but the script of this love.

But I was not enough for love,

for every fat-ha and damma – it was

a kasra after all.

 

I am sorry. I bet it’s hard for you to understand.

I am sorry. I can no longer entertain you

on a note you can hear or comprehend.

I can no longer learn the footwork to your charade.

I can no longer be here to be polite.

And it terrifies me: Love burnt down my lexicon,

left me an amputee. It terrifies me:

To be aware I was an orphan all along,

never Arabiyah* enough to sway my words,

to take this stage by an Arabic storm.

It terrifies me.

 

Chapter 4: Willkommen zurück

I return to the Arrivals Hall. My dissociations

fragment my Arabic some days. Or with some

people, or in some places. Cairo International Airport

just happens to be the day, people and place.

Yes. Arabiyah*. Born and raised.

 

My Qahirahs*:

How dare you speak the truth so blatantly,

yet lead multiple lives? How dare you,

with no permission, mirror your wilderness,

your contradictions, in me.

How dare you, paint me in grey, your oldest colour:

the shade of her hair last August,

the sidewalk, the Azan at dawn, the naked bodies.

 

I mourn both, and I am yet to know:

if I mourn them, or an ancient myth

of what they could have been –

a mother, a home:

words more foreign to me

than my Arabi is to you.

 

 

Definitions:

*Al Qahirah (adj.): the dominant one; the conqueror

*Afrangi (adj.): Foreign; European

*Ghareeba (adj.): Stranger; foreign

*My Qahirahs - translation is currently unavailable.

 

 Shorouk El Hariry

 

 

Foto: Mohammed Ghunaim

Weil ich dich liebe, muss ich bekennen

 

Weil ich dich liebe, muss ich bekennen, dieses Land ist kein Land.

Es ist Besetzung / Behauptung / Belagerung / Bestrafung und Beschränkung / Verhaftung / Gerede / Geld und Blut / Betrug / Petrol und Tod.

Es ist Weinen / Heulen / Flucht und Kugeln.

Es sind Gräber / Soldaten / Geschosse / Wunden.

Dieses Land ist kein Land.

Gibt es ein Land, wie dieses Land, in dem die Trauer geboren wird?

Dieses Land besteht aus Truhen verschlossener Erinnerungen. Die, die Bismillah sagen, werden als Gotteslästerer bezeichnet von jenen, die im Namen derselben Verse Ehebruch begehen, töten und stehlen. Die Erinnerung in den Köpfen der Armen: wenn sie explodiert, explodiert sie wie tausend Bomben.

Vorsicht, Vorsicht vor diesem Land.
Vorsicht, weckt nicht die Erinnerung, sie würde sonst ihre Zukunft ändern.
Seid lieber wie nickende Schafe, behauptet was sie behaupten, stimmt einfach zu.

Wie lange müssen wir noch die Sünden der Mörder tragen,
während das Land über unseren Tod entscheidet
und uns nicht einmal ein Grab umarmt?

Leichen über Leichen / Wir bringen Leichen zur Welt / Wir lieben die Leichen / Wir töten Leichen / wir weinen wie Leichen / Wir lachen wie Leichen / Wir leben wie Leichen

Das Alte ist weggelaufen und läuft weg und wird weglaufen, aber wann werden wir auferstehen. Wo ist der auferstandene Mensch dem wir ein neues Leben schenken? Wer lehnt diese Ewigkeit ab? Ist da wer?

Es ist kein Land, glaubt mir, es sind bloß große Namen, Geißel, Feinde und Versuche.
Glaubt mir, so etwas kann kein Land sein, wenn ihr es nicht glaubt, so applaudiert und verschenkt euer Blut.

Den Thronen der Länder ist alles erlaubt:
Das Blut der Menschen wie der Wein einer trunkenen Nacht.
Fässer von Blut, gelagert entlang des Weges der Demütigung.

Aber kein Problem, kein Problem meine Herren:

erheben Sie weiter Ihre Gläser, suhlen Sie sich weiter, tanzen Sie,

ficken Sie, kotzen Sie, beginnen Sie zu brüllen.

Und ihr, die ihr immer noch nicht glaubt,
glaubt oder seid leise und hört diesem Bellen zu.
Bietet euer Fleisch an, damit sie satt werden.
Bietet eure Häute an, damit sie euch zu Trommeln machen
Bietet eure Knochen an, damit ihr ihre Trommelstäbe werdet
Jetzt können sie trommeln und trommeln, auch in Zukunft werden sie trommeln, mit euren Knochen auf euren Kindern – unseren Kindern.

Dieses Land wird nie von Gott besucht, wie könnt ihr also davon ausgehen, dass wir seine Sklaven sind?

Gleichen wir Menschen?Wir gleichen Männern, gleichen Frauen, gleichen Kindern.
Doch eigentlich gleichen wir noch nicht einmal denen, die gleichen.

Dieses Land ist kein Land!
Wieso glaubt ihr nicht,
wenn es uns doch ewig in seinen Fängen hält?

Dieses Land ist kein Land!
Nur wenn ihr daran glaubt,
kann dieses Land wieder werden ein Land.
Kann dieses Land wieder werden ein Land.

 

Shahin Shekho

 

 

لاني احبك لا بد ان اعترف

 

لاني احبك لا بد ان اعترف: ﻫﺬي اﻟﺒﻼد ﻟﯿﺴﺖ ﺑﻼد 

أﻧﻬﺎ اﺣﺘﻼلٌ / اﺣﺘﻤﺎلٌ / اﻋﺘﻘﺎلٌ / اﺣﺘﻔﺎلٌ / اﺧﺘﺰال /  ﻗﺒﻮرٌ / ﻗﯿﻮدٌ / ﺟﻨﻮدٌ / رﺻﺎصٌ / ﻗﺼﺎصٌ ادﻋﺎء / ﻋﻮاءٌ / دﻣﺎءٌ/ ﺑﻜﺎءٌ / دوﻻرٌ / ﺣﺼﺎرٌ /  ﻓﺮارٌ / أرﻗﺎمٌ / ﻛﻼمٌ  / أﻋﺪادٌ / إﻋﺪامٌ / ﻧﻔﻂٌ ﺟﺮحٌ / ﻣﻮتٌ / ﻓﺮحٌ ﺧﺠﻮلٌ ﯾﺄﺗﻲ ﻓﻲ ﻣﯿﻼد اﻟﺤﺰن ﻓﻬﻞ ﻣﻦ ﺑﻼدٍ ﻏﯿﺮ ﻫﺬه اﻟﺒﻼد ﻓﯿﻬﺎ ﻟﻸﺣﺰان ﻣﯿﻼد ...؟؟؟ 

ﺗﻠﻚ اﻟﺒﻼدُ ﺻﻨﺎدﯾﻖُ ﻣﻦ ذاﻛﺮة ﻣﻘﻔﻠﺔ ٬ ﻛﻞ ﻣﻦ ﻣﺪ ﯾﺪﯾﻪِ ﻟﯿﻘﺮأ ﻟﻬﺎ اﻟﺒﺴﻤﻠﺔ٬  ﮔﻔﺮوهُ ﺑﺂﯾﺎتٍ ﺑﻬﺎ ﯾﺰﻧﻮن وﯾﻘﺘﻠﻮن وﯾﺴﺮﻗﻮن ﻓﺎﻟﺬاﻛﺮة ﻓﻲ رؤوس اﻟﻔﻘﺮاء, إذا ﻣﺎ اﻧﻔﺠﺮت ﺑﺄﻟﻒ ﻗﻨﺒﻠﺔ

ﺣﺬارِ ..... ﺣﺬارِ ﻣﻦ ﺗﻠﻚ اﻟﺘﻲ اﺳﻤﻬﺎ ﺑﻼد 

ﺣﺬارِ ﻣﻦ أن ﺗﻮﻗﻈﻮا اﻟﺬاﻛﺮة ﻛﻲ ﻻﺗﻮﻗﻈﻮا اﻟﻐﺪ اﻟﺬي ﯾﻜﺮﻫﻮن واﺑﻘﻮا ﺧﺮاﻓﺎً ﺗﻬﺰ اﻟﺮؤوسَ ﻟﻤﺎ ﯾﺪﻋﻮن ، أﺟﻞ ﺗﻠﻚ اﻟﺒﻼد اﻟﺘﻲ ﯾﺪﻋﻮن ، لماذا ﻧﺤﻤﻞُ  ذﻧﻮب اﻟﻘﺘﻠﺔ ؟؟ 

ﻟﺘﺤﯿﺎ ﺑﻼدٌ ﻓﻮق ﻣﻮﺗﻨﺎ وﻧﺤﻦ ﺑﻼ ﻗﺒﺮٍ ﯾﻀﻤﻨﺎ 

ﺟﺜﺚٌ ﻋﻠﻰ ﺟﺜﺚ  / ﻧﻨﺠﺐ ﺟﺜﺚ / ﻧﺤﺐ ﺟﺜﺚ ﻧﻘﺘﻞ ﺟﺜﺚ / ﻧﺒﻜﻲ ﺟﺜﺚ / ﻧﻀﺤﻚ ﺟﺜﺚ /ﻧﺤﯿﺎ ﺟﺜﺚ 

ﻋﻤﺮٌ ﻣﻀﻰ وﯾﻤﻀﻲ وﺳﯿﻤﻀﻲ .. ﻓﻤﺘﻰ ﻧﺒﻌﺚ ؟؟  

أﯾﻦ اﻹﻧﺴﺎن اﻟﺬي ﺑﻌﺜﻨﺎهُ ؟  ﻣﻦ ﯾﺮﻓﺾ ﻫﺬا اﻷﺑﺪ؟ ﻫﻞ ﻣﻦ اﺣﺪ؟ 

... ﻟﯿﺴﺖ ﺑﻼدٌ ﺻﺪﻗﻮا

 أﻧﻬﺎ أﺳﻤﺎءٌ / اﺑﺘﻼءٌ / أﻋﺪاءٌ / ﻣﺤﺎوﻟﺔ

 ﻟﻜﻦ ﺻﺪﻗﻮا ﻟﯿﺴﺖ ﺑﻼد ٫ أو ﺻﻔﻘﻮا إذاً .. إن ﻟﻢ ﺗﺼﺪﻗﻮا

 ﻗﺪﻣﻮا دﻣﻜﻢ ﺑﺎﻟﻤﺠﺎن  ﻓﻜﻞُ ﺷﻲء ﻣﺒﺎح ﻓﻲ ﺳﺒﯿﻞ ﻛﺮاﺳﻲ اﻷوﻃﺎن

ﻫﺬه اﻟﺒﻼد دم اﻹﻧﺴﺎن ﻓﯿﻬﺎ ﻛﺎﻟﺨﻤﺮِ ﻓﻲ ﻟﯿﻠﺔ ﺳُ ﻜﺮ  ﺑﺮاﻣﯿﻞٌ ﻣﺼﻔﻮﻓﺔ ﻋﻠﻰ ﻃﻮل اﻟﺬل وﻋﺮض اﻟﻤﻬﺰﻟﺔ..

 اذاً ﻻﺑﺄس ﻻﺑﺄس ﯾﺎ ﺳﺎدﺗﻲ ارﻓﻌﻮا اﻷﻗﺪاح ﺗﺨﺒﻄﻮا ﻓﻮﻗﻨﺎ  ﺗﺮاﻗﺼﻮا / ﺗﻨﺎﻛﺤﻮا / ﺗﺘﻀﺎﺟﻌﻮا / ﺗﻘﯿﺌﻮا  وﺑﺎﺷﺮوا ﺑﺎﻟﺼﯿﺎح

 وأﻧﺘﻢ ﻣﻦ ﻟﻢ ﺗﺼﺪﻗﻮا ﺻﺪﻗﻮا أو اﺻﻤﺘﻮا وأﻧﺼﺘﻮا ﻟﻤﻮﺳﯿﻘﻰ اﻟﻨﺒﺎح  ﻗﺪﻣﻮا ﻟﺤﻤﻜﻢ ﻟﯿﺸﺒﻌﻮا ﻟﯿﺼﻨﻌﻮا اﻟﻄﺒﻮل ﻣﻦ ﺟﻠﻮدﻛﻢ

 وﻣﻦ ﻋﻈﺎﻣﻜﻢ ﻋﺼﺎ ﻟﻤﻦ ﻋﺼﻰ ﻣﻦ ﺑﻌﺪﻛﻢ … و ﯾﻘﺮﻋﻮا / و ﯾﻘﺮﻋﻮا ..  ﻟﺘﺤﯿﺎ ﺑﻼدﻫﻢ اﻟﺘﻲ اﺳﻤﻬﺎ ﺑﻼد

 وأﻧﺘﻢ ﺻﻔﻘﻮا إذاً أن ﻟﻢ ﺗﺼﺪﻗﻮا

ﻫﺬي اﻟﺒﻼد ﻻ ﯾﺰورﻫﺎ ااﷲ ﻓﻠﻤﺎ ﯾﺤﺴﺒﻮﻧﻨﺎ ﻓﯿﻬﺎ ﻋﺒﺎد ؟؟ 

 ﻧﺤﻦ  أﺷﺒﺎهُ رﺟﺎل ٬ أﺷﺒﺎهُ ﻧﺴﺎء٬ أﺷﺒﺎهُ أﻃﻔﺎل٬ أﺷﺒﺎهٌ ﻣﻦ اﻷﺷﺒﺎه

 ﻟﯿﺴﺖ ﺑﻼد ﺻﺪﻗﻮا

 ﺗﻠﻚ اﻟﺘﻲ ﺗﻮﻗﻒُ اﻹﻧﺴﺎن ﻋﻠﻰ اﻟﺤﯿﺎد  ﻓﻤﺘﻰ ﻧﺼﺪق ﻟﺘﻌﻮد اﻟﺒﻼدُ ﺑﻼد ؟

 

Shahin Shekho

Oda Thormeyer liest Lul Mohammed: "Ich wohnte neben mir"

Video: Gulzat Matisakova

Von und mit:  Nail Doğan, Yassar Dihni, Shahin Shekho, Shorouk El Hariry, Lul Mohammad sowie dem Kollektiv Critical I mit Anis Hamdoun, Zainab Alsawah, Ahmad Baraa Meskina Live-Musik: Momen Shawish Live-Musik After-Show: TOFFI Hamburg, Refugato Reggae Group Thalia-Ensemble: Oda Thormeyer Szenische Einrichtung: Sophie Pahlke Luz Dramaturgie: Hannah Stollmayer

 

شعراء رُحًّلْ 2| في ال 5 من أيار ٢٠١٩

#LeaveNo
OneBehind

Hier geht es zu der Petition #LeaveNoOneBehind

Tülüfülükülümülü.

 

Wenn ich dir etwas sagen darf, wenn ich dir etwas sagen darf,

Vogel flieg, sonst beneidet dich keiner.

Im Fish Mac kein Fisch. Ich bin
Spanier. Madre aus Barcelona. Padre in Sevilla geboren.

Vater hat ein kleines Restaurant hinten in Wandsbek.

Mutter immer streng, erinnert mich an die Nacht, nicht

romantisch, dein Schlaf nur zu gut, das war’s.

Ich bin Emmett Till. Ich bin Theodoros Boulgarides. Ich Berkin Elvan.

Ich schweinische Gefühlsmalerei, ich bin.

 

Ein Auge hatte mir die Sonne geschlossen, aus dem

anderen Menschen gesehen. Ich bin 

Portugiese, Mãe an der Algarve geboren, Pai

aus Braga. Sprechen beide super deutsch. Super

deutsch super gut super geil.

 

Spaß. Nicht diese 

eine andere Spaß.

 

Ich bin James Baldwin. Mumҫu

Ghassan Kanafani Deniz Gezmiş

Rosa Parks

Fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck fuck.

 

Hab’s. Ich hab’s.

 

Vater Bosnier. Sohn vom Hirten, sanfte

Frau. Mutter Italienerin, in Bayern geboren

aufgewachsen.

 

Ich mag tote bärtige Frauen, lebendig

bärtige nicht.

 

Heuchler. Vor allem Heuchler.

 

Ich bin in Bewegung ich bin Ausländer

Rose ich, Fats Navarro Semra

Ertan Oury Yalloh ich, Perversion a

Schmara bin i, kruzi fix.

 

Sie hat gesagt, sie mag es meine Rippen zu zählen und

ein Trinker, bin ich.

 

Sind gar keine Sterne am Himmel, sind die

Glieder von Hrant Dink. Ich bin Syrer.

Ich bin Tunesier. Nehme ich nur einen Buchstaben 

aus meinem Namen raus, fließ ich im Nil. 

Sohn von Gasttaxifahrer, Gastputzfrau. 

Er, zum Beispiel, acht Jahre hinter Gitter

verbracht. Sie, so eine Art, moderne Nomadin,

verrückte Frau, unglaublich tiefe blaue Augen

lasst die Trompeten laufen.

 

Ene mene mu

ene mene mu

ich bin tülüfülükülümülü

ich bin du.

 

Nail Doğan

 

Foto: Abbas Haj Hassan

Auszug aus „Die unbekannte Stadt“ von dem Kollektiv Critcal I

 

Dana             Also, was ist dein Plan für heute, Mike?                          

Mike             Geschmack. Wir versuchen, deine Erinnerungen zurückzubringen, indem wir deinen Geschmackssinn aktivieren.

Dana             Deshalb hast du mir den ganzen Tag untersagt, etwas zu essen?! Ich dachte, du hältst mich für fett.

Mike             Sei nicht sauer, Dana. Denk an das syrische Sprichwort: Je länger du wartest, desto besser schmeckt das Essen.

Dana             Daran erinnere ich mich nicht...

[…]

Mike          Setz dich und schließ deine Augen. (Das Licht und die Atmosphäre ändern sich.)

Mike             Atme ein und aus. Ein und aus. Wir gehen jetzt an einen anderen guten Ort, an einen Ort, wo du essen kannst.

Dana             Bitte, bring mich dahin.

 

Mike macht Radio an - Fairuz` Musik ertönt - Momen an der Oud.

 

Mike               Erinnerst du dich an sie?

Dana             (langsam) Ja.

Mike             Du hörst deine geliebte Fairuz.

Dana             Ihre Stimme erinnert mich an die ersten Momente der Sonne. Ich sehe die Sonne, wie sie in einem Fenster zu scheinen anfängt.

 

Mike gibt ihr ein Glas schwarzen Tee.

 

Mike             Koste mal.

Dana             Er ist süß.

Mike             Und sehr rot.

Dana            (mit geschlossenen Augen) Ich sehe ihn.

Mike            Was siehst du sonst?

Dana             Die Sonne wird heller und heller, ich kann um mich herum nicht wirklich etwas erkennen. Ich habe Hunger.

Mike gibt ihr ein Za’atar-Sandwich. Sie beißt hinein und trinkt dann einen Schluck Tee.

Dana             Das ist so gut.

Mike             Kennst du das?

Dana             Kenn ich das?

Mike             Hör auf die Musik und denk nicht nach.

Dana beginnt mit Fairuz zu singen während sie das Sandwich isst. Sie steht auf und beginnt zu tanzen während sie den Tee und das Sandwich hält.

 

Dana            Ich kenne dieses Lied gut. Ich kenne den Tee und ich erinnere mich irgendwie an dieses Brot. Es war so oft bei mir, am Morgen und nachmittags, es war mein   Lieblingsessen. […] Tee, Za’atar und Fairuz. So haben meine Tage angefangen. Jemand bereitet es für mich zu.

Mike             Deine Mutter?

Dana             Ich weiß nicht, das ist alles sehr verschwommen. Aber neben mir ist so ein Schatten. Der Schatten isst mir manchmal mein Brot weg. Lass das! Nein, nein, nein, geh nicht weg, bleib hier. Ich mach nur Spaß. Du kannst meinen Tee trinken und mein Za’atar essen. Geh nicht, Fairuz singt doch für uns.

Mike             Wer ist das?

Dana             Ich weiß nicht. Geh nicht weg, bitte, bleib. Nimm mich mit. Nimm mich mit zu meinen Erinnerungen. Bleib und erzähl mir von mir, wer bin ich? Kennst du meine Stimme? Meinen Namen? Meine Schule? Meinen Vater? Hab ich eine Familie?

(sie bricht zusammen)

I miss living مشتاق لاعيش

© Yaman Albaker

Stimmen a
us dem Exil
أصوات من الشتات

Hier geht es zu allen früheren Ausgaben von "Stimmen aus dem Exil"