Überragende Schauspieler, fragliche Kostüme und eine Auflösung nach Aktenzeichen XY

Menschen vom Typus Tartuffe sind die Gewinner der heutigen Zeit.

Wo genau soll ich hier eigentlich anfangen..? Für die Tätigkeit als Campus Botschafter habe ich mich bereits vor einigen Wochen beworben, zu einem Zeitpunkt als noch nicht abzusehen war, dass das Wetter Ende Mai sommerliche Züge entwickeln würde. Die zweite Überraschung war, dass der Beginn des ersten Stückes, welches ich mir in meiner Funktion als Campus Botschafter ansehen durfte (Tartuffe), bereits um 19 Uhr war. Die nächste Überraschung war, wie voll der Zuschauersaal und die Ränge trotz des guten Wetters, mit auch vielen jungen Menschen belegt war.
Dann probiere ich mal ´was zum Stück zu schreiben, ohne zu viel zu spoilern (ich mag dieses Wort eigentlich überhaupt nicht, aber da es negativer konnotiert ist als vorwegnehmen, findet dieser abscheuliche Anglizismus in diesem Text Anwendung). Am Anfang dachte ich, dass ähnlich wie bei Moby Dick letztes Jahr die ganze Zeit von einem Protagonisten, der im Stück selbst gar nicht in Erscheinung tritt, die Rede sein wird. Diese Vorahnung sollte sich aber nicht bestätigen. Grundlegend kann ich sagen, bzw. schreiben, dass ich die Gestaltung aller Kostüme mit Ausnahme der von Tartuffe zumindest etwas fraglich finde. Ich denke, ich weiß welche Absicht damit zum Ausdruck gebracht werden sollte, aber da kann man sich doch vielleicht anderer Stilmittel als Punkte bedienen..? Ansonsten sind die Kostüme aber ganz passend zu den Charakteren. Hätte ich bei einer kurzen Vorbesprechung zum Stück nicht erfahren, dass dort ABBA Songs zum Einsatz kommen, hätte ich es selbst erst ab circa der Hälfte der gesamten Vorführung raus gehört, da die Tracks neu instrumentiert und teilweise der Text geschickt an das Stück angepasst wurde. Während ich den Eröffnungsgesang noch etwas leise fand, hatten die zwei darauffolgenden Tracks einen retcht lauten Beat. Danach hatte sich der Tonmann offensichtlich eingegroovt und die Lautstärke war top.
Auf dem Weg aus dem Theater bin ich hinter älteren Besuchern gegangen, die der Meinung waren, dass man die Originallieder von ABBA kennen müsse. Dieser Ansicht möchte ich widersprechen. Ich kenne ja auch nur einen Teil der geremixten Songs im Original, habe mich aber trotzdem gut unterhalten gefühlt, da die Tracks sehr zeitgemäß musikalisch gut interpretiert und textlich neu kontextualisiert wurden. Die Lieder sind so gut, dass sie den ein´oder anderen spontanen Zwischenapplaus hervorriefen.
Die schauspielerische Leistung aller Beteiligten ist überragend, hat mich auf der Bühne jedoch mehr überzeugt als auf den zwischendurch eingeblendeten Projektionen, die insbesondere auf dem bronzefarbenem Bühnenvorhang einen sehr schönen Effekt erzeugten. Wo ich grad´schon beim Thema bin. Die etwas an Aktenzeichen XY anmutende Auflösung zum Happy End, hätte meiner Meinung nach auch nicht sein müssen. Der Besucher verlässt so zwar mit einem guten Gefühl das Theater, aber in der Realität ist es doch leider so, dass sich die Menschen vom Typus Tartuffe durchsetzen und mit solch einer Verhaltensweise gewinnen. Das Ganze natürlich zum Leidwesen der Allgemeinheit. Auch mit einem anderen Ausgang hätten die Besucher mit einem guten Gefühl das Theater verlassen, in der Gewissheit die Hochkultur dem Sonnenbad vorgezogen zu haben richtig gehandelt zu haben.