Hamletmaschine

Hamletmasc
hine

von Heiner Müller

 

Regie und Bühne                     

Robert Wilson

 

Licht   

Jennifer Tipton / Robert Wilson

 

Musik

Jerry Leiber / Mike Stoller

 

Dramaturgie   

Wolfgang Wiens

 

 

Mit                 

Lena Stolze (Frau im Drehstuhl)

Kerstin Haberkamp (Frau an den Baum gelehnt)

Kristin Derfler (Frau stehend)

Karen Friesicke (Frau am Tisch 1) 

Katja Junge (Frau am Tisch 2)

Annette Paulmann (Frau am Tisch 3)

Bernhard Bettermann (Mann über die Wand blickend)

Robert Düssler (Mann sitzend)

Marcus Bluhm (Mann mit Buch am Tisch)

Ulrich Hub (Mann nach vorn gebeugt)

Jörg Benthien (Mann aufrecht stehend)

Gökhan Bolcan (Mann auf einem Bein balancierend)

Heidi Ecks (Frau durch den Raum wandernd)

Ulrich Bähnk (Mann hinter der Frau)

Frank Seelke (Mystery man)

„Hamletmaschine, geschrieben nach der Übersetzung von Shakespeares „Hamlet“ für ein Theater in Berlin/DDR, kann gelesen werden als Pamphlet gegen die mörderische Illusion, dass man in unserer Welt unschuldig bleiben kann.“ - Heiner Müller

 

Shakespeares „Hamlet“ war Grundlage für Heiner Müllers 1977 in der damaligen DDR verfassten „Hamletmaschine“. Material, in das er eingriff, das er veränderte und um grundsätzliche Fragen erweiterte. Fragen nach dem Sinn einer zum Scheitern verurteilten oder bereits gescheiterten Revolution, die Frage nach der Rolle des Intellektuellen im Sozialismus. Müllers Text kommentiert und collagiert ohne klare Rollenzuweisung, ist eine Rebellion gegen tradierte Rezeption. Heiner Müllers intensive Beschäftigung mit Shakespeares Texten hatte mit ihrem reichen Fundus an Utopie zu tun, „dass sie nicht mehr geschrieben werden können oder noch nicht wieder, mit der Gefährdung bzw. mit dem Schwund an Utopie“.

Zweimal hat Robert Wilson 1986 Heiner Müllers „Hamletmaschine“ auf die Bühne gebracht, beide Male mit Schauspielstudentinnen und - Studenten. Im Juni hatte seine Inszenierung mit Undergraduate Studentinnen und Studenten der New York University (NYU) Premiere, im Herbst erarbeitete Wilson in seiner ersten Arbeit am Thalia Theater die Inszenierung mit Schauspielsstudentinnen und Studenten der Hamburger Hochschule für Musik und Theater und Ensemblemitgliedern des Thalia Theater im TiK, Thalia in der Kunsthalle, der damaligen zweiten Spielstätte am Glockengießerwall. Annette Paulmann, eine der Studentinnen, die Wilson für seine Produktion ausgesucht hatte, wurde daraufhin von Jürgen Flimm direkt von der Schauspielschule weg ins Thalia Ensemble engagiert.

 

„Robert Wilsons geniale ,Hamletmaschine‘ nebst einem Text von Heiner Müller:  Sachsen ist nicht Texas

 

Der Dichter und der Bilderdichter: ein Mysterium, ein Mißverständnis

 

(...) Robert Wilsons weltberühmte Automaten: Nie ist man wirklich sicher, ob man einer kalten ästhetischen Konstruktion zuschaut oder einem taghellen Traum; ob die Schauspieler bloß aufgezogen sind oder wirklich verzaubert; Sklaven ihres Regisseurs oder Fußgänger der Luft, vom Schweiß der Verstellungen, den Mühen der Menschendarstellung endlich erlöst. Wie geistesabwesend wirkt ihr Spiel - und doch vollkommen geistesgegenwärtig. (...)

Nie, in dieser ersten, stummen, schönsten halben Stunde der „Hamletmaschine“, hat man den Eindruck, sentimentale Zitate zu sehen, Reste eines vergangenen Theaters. Alles sieht offen aus, verheißungsvoll – wie die Anfänge, die ersten Zeichen eines Theaters, das richtig erst nach dem Ende der Aufführung beginnen wird. (...)

Müllers Wörter leiden, bluten, prunken – Wilsons Theater schweigt. Müllers Text wühlt sich hinab in die alte Erde, in die Trümmer des alten Theaters - der Dichter als Totengräber und Leichenschänder, Philosoph und Clown. Wilson, ein anderer Fliegender Robert, möchte sein Theater wohl lieber vom Wind in die Lüfte tragen lassen. Er ist der erste Klassiker des neuen Theaters (und Müller vielleicht der letzte des alten).“

 

Benjamin Henrichs, in DIE ZEIT vom 10. Oktober 1986

 

 

Premiere 4. Oktober 1986, TiK (Thalia in der Kunsthalle)

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