Jeder stirbt für sich allein

Nach dem Roman von Hans Fallada
In einer Fassung von Luk Perceval und Christina Bellingen

Eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2013!!!

„Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet!“ 
Mit diesem Satz auf einer Postkarte beginnt der ungewöhnliche Widerstand eines einfachen Arbeiterpaares zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Berlin. Fallada erzählt die Geschichte von Anna und Otto Quangel, die nach dem Kriegstod des Sohnes mit einfachsten Mitteln den Kampf gegen die Maschinerie des Nazistaates aufnehmen. Über 200 handgeschriebene Postkarten und Briefe, abgelegt auf Treppen und Hausfluren willkürlich ausgesuchter Wohnhäuser, verteilt das Paar in den Jahren 1940 bis 1942. Doch schon bald geraten sie ins Visier des Kriminalkommissars Escherich, der selbst, mehr karrierebewusster Mitläufer als glühender Nazi, unter dem Druck seiner Vorgesetzten in Zugzwang gerät. Ein erstes Licht in das Dunkel seines Falles scheint die Anzeige einer Sprechstundenhilfe zu bringen. Sie bezichtigt den arbeitsscheuen Simulanten Enno Kluge, eine hochverräterische Karte vor der Arztpraxis abgelegt zu haben. Diese falsche Spur führt Kommissar Escherich in das zwielichtige Milieu der Pferderennwetter und Kleinkriminellen. Zu spät erkennt er die Zwecklosigkeit seiner Ermittlungen. Es gibt nur eine Möglichkeit, sein Versagen vor dem sadistischen Obergruppenführer Prall zu vertuschen: Enno Kluge muss sterben.

Wie Ratten in der Falle sitzen die Menschen in der von Tag zu Tag enger werdenden Kriegsstadt. Spitzel und Denunzianten, Nichtsnutze, Spieler und Betrüger bevölkern die Großstadt.
Arbeiterwohnungen, Hinterhöfe, Wettkneipen, Tanzlokale, Gestapo-Büros und schließlich das Gefängnis in Plötzensee bilden die Kulisse dieser Jagd durch Berlin, für die die Bühnenbildnerin Annette Kurz ein gigantisches Architekturmodel aus 4000 Gebrauchs- und Haushaltsgegenständen jener Zeit gebaut hat.

Hans Fallada verfasste den Roman anhand der Prozessakten des Ehepaares Otto und Elise Hampel, die 1943 im Gefängnis Plötzensee von den Nazis hingerichtet wurden und deren Karten bis heute überliefert sind. Hilflose, unorganisierte und folgenlose Widerstandsversuche zweier isolierter Einzelkämpfer? Für Luk Perceval birgt gerade die Naivität und selbstlose Liebe dieses Paares die utopische Sprengkraft des Stoffes. 60 Jahre nach seinem Tod avanciert Falladas Roman in erstmals unveränderter Ausgabe gerade zum internationalen Bestseller. Es ist der erste Widerstandsroman eines nicht emigrierten Schriftstellers, verfasst in einer atemberaubenden Schreibwut. Zwischen Aufenthalten in Nervenkliniken schreibt Fallada manisch 899 Seiten in vier Wochen und stirbt drei Monate nach Beendigung an Herzversagen.



Eingeladen zum Theatertreffen 2013

Premiere am 13. Oktober 2012 im Thalia Theater
Vorstellungen
Zurzeit sind keine Vorstellungen im Verkauf
Besetzung
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Pressestimmen zu Jeder stirbt für sich allein

Every Man Dies Alone
based on the novel by Hans Fallada
in an adaptation by Luk Perceval and Christina Bellingen

Invited to the Berliner Theatertreffen 2013

“The Fuehrer has murdered my son!”
With these words scrawled on a postcard begins a most unusual resistance battle waged by a simple working-class married couple in Second World War Berlin. Fallada tells the tale of Anna and Otto Quangel, who after losing their son take up the fight against the Nazi state machine by the most simple means. Between the years 1940 and 1942 the couple delivers over two hundred handwritten postcards and letters, left out on the staircases and hallways of randomly selected apartment buildings. Their activities soon come to the attention of Chief Inspector Escherich, himself more career-orientated collaborateur than fervent Nazi, but who under the pressure of his superiors’ scrutiny is required to act. An initial ray of light in the darkness of his seemingly futile investigation is provided by the legal proceedings initiated by a doctor’s receptionist. She accuses the work-shy malingerer Enno Kluge of placing a highly treasonable postcard outside her employer’s surgery. This false trail leads Inspector Escherich into the twilight world of bookies and petty criminals. All too late does he come to understand the futility of his efforts. There seems to be only one way for him to obscure his failures from sadistic Obergruppenführer Prall: Enno Kluge must die.
Like trapped rats, the denizens of Berlin are caught within what remains of their daily shrinking War-State. Spies and informers, good-for-nothings, gamblers and con-men inhabit the once great city. Workers’ apartments, back yards, betting shops, dance parlours, Gestapo offices and finally the prison at Plötzensee set the scene for this chase through Berlin, of which set designer Annette Kurz has constructed a gigantic architect’s model using 4000 everyday household objects of the time.
Hans Fallada based his novel on the case files of the married couple Otto and Elise Hampel, who were executed by the Nazis at Plötzensee and whose postcards survive to this day. A helpless, badly organized and inconsequential attempt at resistance by a pair of isolated individuals? For Luk Perceval it is precisely the naiveté and selflessness of this unique couple which provide the utopian volatility of the piece. 60 years after his death, Fallada’s novel hits the bestseller lists, for the first time in its original form. It is the earliest resistance novel by a non-emigrating author, written with breathtaking hypergraphic energy. In between stays at mental institutions, Fallada manically writes 899 pages in four weeks, dying three weeks later of heart failure.

Premiere: 13th October 2012 at the Thalia Theater

Kommentare

Überzeugt
Vielen Dank für einen eindrucksvollen Abend. Ich war zuerst skeptisch, ob man ein Mammutwerk auch mit 4-Stunden Spielzeit inszenieren muss, aber war am Ende überzeugt. Großartig!
Margarethe, 13.06.13

Absolut überzeugend auch beim Theatertreffen
Auch beim Theatertreffen 2013 in Berlin absolut überzeugend - eine starke, intensive Aufführung mit einem grandiosen Ensemble. Tief beeindruckend. Und so fesselnd, dass es sich eben gar nicht anfühlt, wie über vier Stunden. Keine Sekunde möchte ich missen und werde mir dieses Inszenierung in der nächsten Spielzeit bestimmt noch einmal in Hamburg anschauen. Und großartig auch, Marie Löcker - durch Zufall - schon zwei Abende später wieder als Trudel - und sogar auch noch als Eva Kluge - im Gorki zu sehen. Das selbe Stück also, aber eine ganz andere Inszenierung, deren letzte Vorstellung sie durch ihr spontanes Einspringen gerettet hat. Danke!
Jürgen Büsselberg, 10.05.13

Großartig
Großartig.
Anna Marzinzik, 07.04.13

Wahnsinn
Absoluter Wahnsinn - vielen Dank für diesen wunderbaren Abend; (eine Schauspielschülerin, die es kaum fassen kann) was für eine Schauspielkunst!
Aus dem Gästebuch, 26.03.13

Eines der stärksten Stücke in dieser Spielzeit
Nur ein Tisch auf der Bühne, sechs schwarz gekleidete Schergen des Ns-Regimes stehen herum, Otto Quangel liegt darauf und spricht seine letzten Worte, dann reisst er seinen Kopf nach hinten, als Zeichen, dass das Fallbeil gefallen ist. Keine weitere Aktion auf der Bühne, keine schockierenden Bilder, aber trotzdem ist das gesamte Publikum still und weiß, was dargestellt wurde, ohne das es gezeigt wurde.
Einer er Höhepunkte dieses eindringlichen Dramas. Nur Sprache und wenige Aktionen bringen ein einmaliges "Kopf-Theater", dramatische Bilder, die man so shcnell nicht wieder vergisst.
Eines der stärksten Stücke in dieser Spielzeit.
Dirk Schneefuß, 10.03.13

Sensationell
Sensationell - für mich als Zeitzeuge streckenweise "unerträglich"! Herr Lommatzsch: eine Offenbarung, ebenso Frau Schmeide und Frau Nüsse!!! Danke.
aus dem Gästebuch, 19.02.13

Jeder stirbt für sich allein
Ein großes literarisches Werk stimmig, schlüssig, eindrucksvoll auf der Bühne umzusetzen, ist ein schwieriges Unterfangen. Oft sind namhafte Regisseure daran gescheitert. Hier allerdings bildet Luc Perceval am Thalia die Ausnahme. Seine Bühnenfassung von Falladas Roman "Jeder stirbt für sich allein" passt, ist eindrucksvoll, aufrüttelnd. Kurz: Hier ist es gelungen, der Vorlage mehr als gerecht zu werden; eine Inszenierung, die unter die Haut geht und haften bleibt; ein Ensemble, das wahrhaft überzeugt und mitreißt. Gratulation und Dank an alle (Bühnenbild!), die diese Inszenierung mittragen, besonders aber an Luc Perceval.
Rolf Döring, 30.10.12