Made in Paradise

Gastspiel Kairo/Genf

„Kann man das Thema Islam ansprechen, ohne dass gleich alles in die Luft springt?“ Diese Frage und viele weitere Klischees über den Nahen Osten standen am Anfang des Projekts: Mit einem Stipendium der Pro-Helvetia-Stiftung gingen der Performance-Künstler Yan Duyvendak und die Dramaturgin Nicole Borgeat für ein dreimonatiges Forschungsprojekt nach Ägypten. Vor Ort stellten sie sehr schnell fest, dass der Blick des Westens auf die islamische Welt voll gegenseitigem Misstrauen und Vorurteilen ist. Genau diese Erfahrungen zwischen Fremdheit und Annäherung sind es, die in der Performance „Made in Paradise“ verarbeitet werden. Yan Duyvendak und sein ägyptischer Spielpartner Omar Ghayatt haben zahlreiche Fragmente zwischen Klischees und Vorurteilen, getanzte, erzählte und performative Mini-Szenen, vorbereitet, die in ihrer Gesamtlänge über fünfzehn Stunden dauern würden. Wie kurze Werbeclips stellen sie die einzelnen Wahl-Stücke vor: 9/11, die arabische Flirtschule, die Prediger-Parodie oder ein Stück mit dem Titel „Die Burka des Westens“. Aus diesem Angebot können die Zuschauer in einer demokratischen Abstimmung jeden Abend eine Auswahl von vier Fragmenten bestimmen, die ihnen vorgestellt werden. Spielerisch und mit viel klugem Humor nähern sich die beiden Performer dem Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Kulturkreise. Das Publikum, aktiv bestimmender Teil des Abends, erlebt dabei in „Made in Paradise“ nicht nur, wie sich zumindest zwei Menschen auf Augenhöhe begegnen können, sondern kann auch mit großer Leichtigkeit die Grenzen seiner eigenen Toleranz und Wahrnehmung überprüfen. „Die Offenheit der Darsteller berührt, nie hat man den Eindruck, einer Show zu folgen. Großartig.“ Hannoversche Allgemeine Zeitung

Yan Duyvendak, gebürtiger Holländer mit Schweizer Wohnort, arbeitet seit 1995 im Performancebereich. Seine Arbeiten wurden bereits auf zahlreichen Festivals im In- und Ausland gezeigt und sind mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Die Performance „Made in Paradise“, die nicht nur mit großem Erfolg in Ägypten und Frankreich gezeigt wurde, war zuletzt beim Theaterspektakel Zürich und dem Festival „ Politik im freien Theater“ zu sehen.

Konzept Yan Duyvendak, Omar Ghayatt, Nicole Borgeat
Dramaturgie Nicole Borgeat
Mit Yan Duyvendak, Omar Ghayatt

Koproduktion Théâtre de l‘Arsénic, Lausanne; Dampfzentrale, Bern; GRÜ, Genf; La Bâtie – Festival de Genève

Im Anschluss an die Vorstellung am 4. Februar findet ein Publikumsgespräch mit Yan Duyvendak statt.

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Großes Kompliment
Kein Paradies in Sicht Das interaktive Programm, bei dem das Publikum komplett mit einbezogen wird und sogar darüber abstimmt, welche Programmteile es sehen möchte, faszinierte durch seine innovativen Ideen der Darstellung beider Perspektiven bzw. diverser Perspektiven zum Thema Islam. Die Emotionen rückten näher, berührten, lösten sich in befreiendem Gelächter und stabilisierten sich bei einem zum Abschluss angebotenen ägyptischem Tee. Seelisch berührt, wund und doch geröstet und mit Hoffnung ging ich nach Hause. Ein ganz grosses Kompliment an die beiden Darsteller und den Übersetzer. Von Nicola Lange
Nicola Lange, 04.02.12