Prozess gegen Deutschland

von Milo Rau
Eine Podiumsdiskussion mit mehreren Personen auf der Bühne. Im Hintergrund sind Fahnen und ein großer Bildschirm sichtbar.
Content Notes
Der »Prozess gegen Deutschland« verhandelt rechtsextreme und faschistische Positionen sowie Rassismus, Gewalt und Hass gegenüber marginalisierten Gruppen. Bei Unwohlsein und Gesprächsbedarf steht während der gesamten Prozess-Termine unser Awareness-Team zur Verfügung – erkennbar an rosafarbenen Thalia-Caps und roten Umhängetaschen. Das Awareness-Team ist im Zuschauer*innenraum und Eingangsfoyer stationiert, wie auch während aller Prozess-Termine telefonisch über das Awarenesshandy unter 0151-74 46 90 39 zu erreichen.

JURY FORDERT PRÜFUNG EINES AFD-VERBOTS
Am Ende der dreitätigen Veranstaltung Prozess gegen Deutschland fand die Jury zu einem sehr differenzierten Urteil: Sie hält die AfD in wesentlichen Punkten für eine verfassungswidrige Partei und fordert die Prüfung eines Verbotsverfahrens. Zudem sprach sich die Jury dafür aus, die AfD von jeder staatlichen Finanzierung auszuschließen. 

Das Votum der siebenköpfigen Jury vom 15.2.2026 im Detail:

FRAGEN ZU FALL I:

Ist Ihrer Meinung nach die AfD eine verfassungswidrige Partei gemäß Artikel 21 Grundgesetz?

Die Antwort der Jury gliedert sich in die drei Säulen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung:
- Verfassungswidrig im Sinne der Rechtsstaatlichkeit: Ja: 3; Enthaltung: 1; Nein: 3 - insgesamt: Nein
- Verfassungswidrig im Sinne des Demokratieprinzips: Ja: 4; Enthaltung: 1; Nein: 2 - insgesamt: Ja
- Verfassungswidrig im Sinne der Menschenwürde: Ja: 5: Nein: 2 - insgesamt: Ja

Sollte Sie daher vom Bundesverfassungsgericht verboten werden? 

Die Antwort der Jury: Ja: 2; Enthaltung: 2; Nein: 3 - insgesamt: Nein

Die Jury fordert die Verfassungsorgane der BRD auf, das Verbot der AfD zu prüfen.

Und zwar im folgenden Verhältnis: Ja: 5; Nein: 2 - insgesamt: Ja

Falls Nein: Soll die AfD gem. Artikel 21 Abs. 3 GG von der staatlichen Finanzierung ausgeschlossen werden?

Die Antwort der Jury: Ja: 4; Nein: 3 - insgesamt: Ja


FRAGEN ZU FALL II:

Ist der Einfluss privater Akteure und Geldgeber auf mediale Plattformen so massiv, dass dadurch die demokratische Meinungsbildung (etwa durch massenhafte Verbreitung „alternativer Fakten“ und Lügen) verunmöglicht und der soziale Frieden gefährdet wird?

Die Antwort der Jury: Ja: 5; Nein: 2 - insgesamt: Ja

Ist es nötig, mediale Plattformen einer gesellschaftlichen und demokratischen Regulierung zu unterwerfen?

Die Antwort der Jury: Ja: 3; Enthaltung: 2; Nein: 2 - insgesamt: Nein


FRAGEN ZU FALL III:

Stachelt die AfD Ihrer Ansicht nach zu Gewalt auf, indem sie eine gewaltverherrlichende Sprache anschlägt?

Die Antwort der Jury: Ja: 6; Enthaltung: 1 - insgesamt: Ja

Sollte daher der Partei AfD, vertreten durch die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla, beispielsweise untersagt werden, wörtlich oder sinngemäß die Behauptung aufzustellen oder zu verbreiten, es drohe ein „großer Austausch“, der eine schrittweise Verdrängung der heimischen angestammten Bevölkerung mit sich bringe und den „Tod des deutschen Volkes“ herbeiführe?

Die Antwort der Jury: Ja: 3; Enthaltung: 3; Nein: 1 - insgesamt: Nein


Milo Raus spektakuläre theatrale Prozessformate zählen längst schon zu den Klassikern des politischen Theaters. In Hamburg nahm sich der Regisseur, Autor und Festivalintendant nun – gemeinsam mit Mia Massmann und Robert Misik – in einem Prozess gegen Deutschland die aktuellen Zustände vor. Ist ein Verbot der AfD möglich, ja rechtlich geboten, weil sie »aggressiv kämpferisch« die Demokratie bedroht? Verstößt sie fortgesetzt gegen das Grundgesetz, indem sie mit allen Mitteln die Meinungsfreiheit ihrer Kritiker*innen bekämpft? Diese Fragen wurden genauso verhzandelt wie der Missbrauch des Rechts durch die Welt des Techno-Faschismus, die MAGA-Propagandawalze des Silicon Valley und das mediale Ökosystem rechtsextremer Gehirnwäsche – in Deutschland und auch international. 

Beteiligt waren keine Schauspieler*innen, sondern rund 35 echte Spitzenjurist*innen, echte Ankläger*innen, echte Verteidiger*innen, und Expert*innen, Protagonist*innen, Skandalfiguren, Influencer*innen, Betroffene und Opfer. 

  • Vorsitzende Richterin
    • Herta Däubler-Gmelin
  • Beisitzer
    • Benjamin Däubler
  • Gerichtsdienerin
    • Songül Eroglu
  • Ankläger:innen
    • Gabriele Heinecke
    • Andreas Speit
  • Verteidigung
    • Liane Bednarz
    • Frédéric Schwilden
  • Gerichtsreporter:innen
    • Daniel Herder
    • Christoph Rybarczyk
    • Anika Würz
  • Eröffnungsredner:innen, Auskunftspersonen, Expert:innen
    • Michel Abdollahi
    • Erik Ahrens aka Andrew Y
    • Joram Bejarano
    • Michael Bouteiller
    • Carsten Brosda
    • Joana Cotar
    • Robert Farle
    • Kathrin Groh
    • Ingo Hasselbach
    • Peter Hoeres
    • Andreas Kemper
    • Feroz Khan
    • Aaron Korn
    • Jens Lehrich
    • Harald Martenstein
    • Robert Misik
    • Susan Neiman
    • Nam Duy Nguyen
    • Wolfgang Palaver
    • Jean Peters
    • Frauke Petry
    • Leonie Plaar
    • Kay Ray
    • Andreas Rödder
    • Valentin Schwarz
    • Jason Stanley
    • Pauline Voss
    • Volker Weiß
  • Hamburger Jury
    • Denise Bellmann
    • Verena Dittrich
    • Michael Raab
    • Arnold Rautenberg
    • Liam Sielaff
    • Nils Tetzner
    • Helena Untiedt
  • Regie und Idee
    • Milo Rau
  • Recherche, Casting & Dramaturgie
    • Mia Massmann
    • Robert Misik
  • Bühne und Ausstattung
    • Constanze Bieber
    • Anton Lukas
  • Video-Konzept
    • Moritz Von Dungern
  • Video/ Live-Kamera
    • Florian Baumgarten
  • Live-Kamera
    • Martin Prinoth
    • Lilli Thalgott
  • Live-Videoregie
    • Julian Besch
  • Lichtdesign
    • Susanne Stoltzenberg
  • Produktionsleitung
    • Cesca Carnieer

Pressestimmen

  • „Und plötzlich diskutiert das ganze Land." (Die Zeit)
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  • "Ist dies der letzte Moment, um die Demokratie zu retten?" (FAZ)
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  • "Staatstheatergericht hält AfD für verfassungswidrig." (taz die tageszeitung)
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  • „Die radikale Wirklichkeit der Kunst, der magische Realismus des Lebens.“ (Die Welt)
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  • "Milos Kack-Theater." (Backstage Classical)
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Termine

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