Jeder stirbt für sich allein

von Hans Fallada, in einer Fassung von Luk Perceval und Christina Bellingen Regie Luk Perceval Termine
Ein Mann und eine Frau stehen auf einer Bühne. Der Mann trägt einen Pullover und die Frau hat die Arme verschränkt.
Dauer 4 Std. 15 Min., keine Pause
Premiere 13.3.12, Thalia Theater

Spitzel und Denunzianten, Spieler und Betrüger bevölkern das Berlin der frühen vierziger Jahre. Mit beharrlicher Widerständigkeit kämpfen die Eheleute Anna und Otto Quangel gegen das Nazi­Regime, rufen mit handgeschriebenen Karten zum Kampf gegen Hitler auf. Doch bald sind die beiden im klaustrophobischen Berlin selbst Gejagte.

„Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet!“  Mit diesem Satz auf einer Postkarte beginnt der ungewöhnliche Widerstand eines einfachen Arbeiterpaares zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Berlin. Fallada erzählt die Geschichte von Anna und Otto Quangel, die nach dem Kriegstod des Sohnes mit einfachsten Mitteln den Kampf gegen die Maschinerie des Nazistaates aufnehmen. Über 200 handgeschriebene Postkarten und Briefe, abgelegt auf Treppen und Hausfluren willkürlich ausgesuchter Wohnhäuser, verteilt das Paar in den Jahren 1940 bis 1942. Doch schon bald geraten sie ins Visier des Kriminalkommissars Escherich, der selbst, mehr karrierebewusster Mitläufer als glühender Nazi, unter dem Druck seiner Vorgesetzten in Zugzwang gerät. Ein erstes Licht in das Dunkel seines Falles scheint die Anzeige einer Sprechstundenhilfe zu bringen. Sie bezichtigt den arbeitsscheuen Simulanten Enno Kluge, eine hochverräterische Karte vor der Arztpraxis abgelegt zu haben. Diese falsche Spur führt Kommissar Escherich in das zwielichtige Milieu der Pferderennwetter und Kleinkriminellen. Zu spät erkennt er die Zwecklosigkeit seiner Ermittlungen. Es gibt nur eine Möglichkeit, sein Versagen vor dem sadistischen Obergruppenführer Prall zu vertuschen: Enno Kluge muss sterben.

Wie Ratten in der Falle sitzen die Menschen in der von Tag zu Tag enger werdenden Kriegsstadt. Spitzel und Denunzianten, Nichtsnutze, Spieler und Betrüger bevölkern die Großstadt. Arbeiterwohnungen, Hinterhöfe, Wettkneipen, Tanzlokale, Gestapo-Büros und schließlich das Gefängnis in Plötzensee bilden die Kulisse dieser Jagd durch Berlin, für die die Bühnenbildnerin Annette Kurz ein gigantisches Architekturmodel aus 4000 Gebrauchs- und Haushaltsgegenständen jener Zeit gebaut hat.


Hans Fallada verfasste den Roman anhand der Prozessakten des Ehepaares Otto und Elise Hampel, die 1943 im Gefängnis Plötzensee von den Nazis hingerichtet wurden und deren Karten bis heute überliefert sind. Hilflose, unorganisierte und folgenlose Widerstandsversuche zweier isolierter Einzelkämpfer? Für Luk Perceval birgt gerade die Naivität und selbstlose Liebe dieses Paares die utopische Sprengkraft des Stoffes. 60 Jahre nach seinem Tod avanciert Falladas Roman in erstmals unveränderter Ausgabe gerade zum internationalen Bestseller. Es ist der erste Widerstandsroman eines nicht emigrierten Schriftstellers, verfasst in einer atemberaubenden Schreibwut. Zwischen Aufenthalten in Nervenkliniken schreibt Fallada manisch 899 Seiten in vier Wochen und stirbt drei Monate nach Beendigung an Herzversagen.

 

 

Inszenierung des Jahres 2013 „Theater heute“
Bühnenbild des Jahres 2013 „Theater heute“
Deutscher Theaterpreis DER FAUST 2013 für Regie und Bühne
Eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2013

  • Regie
    • Luk Perceval
  • Bühne
    • Annette Kurz
  • Kostüme
    • Ilse Vandenbussche
  • Musik
    • Lothar Müller
  • Live-Musik
    • Lothar Müller
  • Dramaturgie
  • Otto Quangel
  • Anna Quangel
  • Kommissar Escherich
  • Eva Kluge
  • Enno Kluge
    • Daniel Lommatzsch
  • Emil Barkhausen
    • Alexander Simon
  • Trudel Baumann
    • Marie Löcker
  • Karl Hergesell
    • Mirco Kreibich
  • Kammergerichtsrat Fromm, Obergruppenführer Prall
  • Hete Häberle, u. a.
  • Das Füchslein, u.a.
    • Benjamin-Lew Klon

Pressestimmen

  • »Konzentriertes, großartiges Ensembletheater.« (Hamburger Abendblatt)
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  • »Angst und Liebe sind die großen Kräfte in diesem Stück.« (Die Zeit)
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  • »„Ein Beispiel, wie Theater ohne drastische Symbolik über politische Handlungsfähigkeit sprechen kann.« (Süddeutsche Zeitung)
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  • »Ein Ensemble voll großartiger Solisten.« (spiegel.de)
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  • »Wie in einem dunklen, sachlichen Menschenvarieté gelingen Glanznummern der Figurenzauberei« (Die Zeit)
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  • »Wider besseren Wissen weigert sich Perceval, den Zyniker zu geben; er appelliert an das Einzige, was den Menschen am Leben hält und ihm Hoffnung gibt: die Liebe.«
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  • »Das Größte spiegelt sich im Kleinsten, das Kleinste im Größten.«
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  • »Keine Figur gleitet in Nichtigkeit ab.« (nachtkritik.de)
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  • »Moralisches Theater im allerbesten Sinne.« (Publikation Theatertreffen)
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  • »Vier Stunden packend und niemals langweilig.« (BILD)
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Termine

Do 16.4.26
  • 19.00-23.15, Thalia Theater

    Jeder stirbt für sich allein

    von Hans Fallada, in einer Fassung von Luk Perceval und Christina Bellingen
    Regie Luk Perceval
    Tickets
    ab 19 € / erm. ab 11 €
Do 23.4.26
  • 19.00-23.15, Thalia Theater

    Jeder stirbt für sich allein

    von Hans Fallada, in einer Fassung von Luk Perceval und Christina Bellingen
    Regie Luk Perceval
    Tickets
    ab 19 € / erm. ab 11 €

Weitere Vorstellungstermine sind in Planung.