Die kleine Meerjungfrau
kurz gefasst
Wenn die Leute einen Fisch sehen, kommt kein Mensch auf die Idee, zu fragen, ob das ein Männlein ist oder ein Weiblein. In einem Aquarium herrschen diesbezüglich paradiesische Zustände: Man wird in seiner Schönheit bewundert und niemand will einem zwischen deine Beine schauen.
Glücklicherweise sehen wir Menschen unter Wasser unscharf. Formen verschwimmen, Körpergrenzen lösen sich auf, alles kommt ins Fließen. Gleiches passiert im Drag, der schillernden Kunstform, die durch extravagante Kostüme und Make-up Geschlechterrollen auflöst, Identitäten in Glitzer und Pailletten taucht und vor allem eine atemberaubende Show bietet. Hans Christian Andersens Märchen zeigt eine ebensolche Transformation: Eine Meer(jung)frau verliebt sich in einen Menschen und möchte ihren Fischschwanz loswerden. Das Märchen endet bekanntermaßen tragisch. Vielleicht spiegelt es Andersens eigenes Schicksal wider, der sein Leben lang in seinen Jugendfreund Edvard Collin verliebt war und diese Liebe jedoch nie leben konnte. Und gleichzeitig begegnen uns im Märchen von der kleinen Meerjungfrau Imaginationsräume und Beschreibungen, die so alt sind wie die Menschheit selbst, denn es erzählt von Nymphen, Nixen und Wassergeistern, von Verwandlung und der Befreiung aus der zugeschriebenen Rolle.
Regisseur Bastian Kraft taucht gemeinsam mit dem Ensemble und Stars der Berliner wie Hamburger Drag-Szene dorthin, wo Biografie und Märchen ineinanderfließen, um fluide Narrative von Liebe, Identität und Begehren auftauchen zu lassen. Nach einer umjubelten Uraufführung am Schauspiel Zürich kommt die Koproduktion in einer eigenen Version nach Hamburg.