Digitales Programmheft

Deutsches Haus

nach dem Roman von Annette Hess Regie Jorinde Dröse
Dauer 2 Std., keine Pause
Uraufführung 11.9.26, Thalia Theater
Content Notes
Thematisieren von Shoah, Verharmlosung und Leugnung der Shoah, explizite Schilderung nationalsozialistischer Gräueltaten (Mord, Folter, Menschenrechtsverletzungen), nationalsozialistisches Vokabular, rassistische Gewalt, Tötungsversuch, selbstverletzendes Verhalten, möglicher Suizid

KURZ GEFASST

Frankfurt, Dezember 1963. Eigentlich hat Eva Bruhns anderes im Kopf. Weihnachten steht vor der Tür, in der elterlichen Gaststätte brummt das Adventsgeschäft, und diesen Sonntag wird Jürgen sich den Eltern vorstellen – Jürgen Schoormann, Sohn aus gutem Hause, der endlich, endlich um ihre Hand anhalten soll. Doch da reißt ein Anruf sie aus den trauten Familienplänen. Berufliches. Ihre Dienste werden gebraucht. Eva ist Übersetzerin, Polnisch-Deutsch, überwiegend Vertragssachen, Wirtschaftsfragen. Dieser Auftrag aber wird sie nicht mehr loslassen: Sie soll Zeugenaussagen dolmetschen, Aussagen darüber, was in Auschwitz geschehen ist.
Zu Hause schlägt ihr eine Welle der Ignoranz entgegen: die Eltern, Schwester Annegret, Jürgen – keiner will hören, was sie erfährt. Mit jedem Verhandlungstag blickt sie tiefer in die jüngste Vergangenheit, mit jeder Aussage wird ihr die vertraute Normalität unbewohnbarer. Bis sie versteht, dass die Frage auch ihr selbst gilt: Haben wir wirklich von all dem
nichts gewusst?


Annette Hess erzählt mit Deutsches Haus von einer Gesellschaft hinter einer aufschwungsglänzenden Fassade der Normalität – und vom Beginn einer Auseinandersetzung, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Und von der Frage, wofür wir uns entscheiden: hinzusehen oder weiterzumachen, als wäre nichts geschehen.

Aufführungsrechte S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
Aufführungsdauer ca. 2 Stunden, keine Pause