Richard II.

Von William Shakespeare
In einer Fassung von Cornelia Rainer
und Susanne Meister
Nach einer Übersetzung
von August Wilhelm Schlegel

If not king, how can I be Richard?

Richard II. - im Kern die Geschichte eines Mannes, der ein Königreich verliert und eine Seele gewinnt – wird in diesem „Monolog für einen Schauspieler“ vom Ende her erzählt. Als rechtloses Subjekt findet sich der einst so mächtige Herrscher im Kerker wieder, abgesetzt vom Usurpator Bolingbroke, allein mit den vorwurfsvollen Stimmen der Vergangenheit, oszillierend zwischen Selbstbetrug und Erkenntnis, Aufbegehren und Selbstzerstörung. Alle Stadien seines bitteren Sturzes vom Thron durchlebt er – eingekerkert und von aller Welt verlassen - noch einmal, und so zwingt ihn der Verlust der Königswürde, sich im Angesicht der eigenen Vernichtung seiner selbst bewusst zu werden. In den blutigen Königsdramen Shakespeares versinkt die Welt in Mord und Blutrunst. Am Beginn dieser Höllenfahrt steht zwangsläufig ein Sündenfall: die Unterbrechung der gegebenen Ordnung durch die Absetzung eines von Gott eingesetzten Königs. Damit markiert Richards Sturz aus allen Gewissheiten in die Unbehaustheit der Existenz exemplarisch jenes Erwachen der menschlichen Individualität, das als revolutionäre Entdeckung des Ichs in der Renaissance beginnt und direkt in die Unübersichtlichkeit und Geworfenheit unseres modernen Lebens führt.

Richard II. ist ein schlechter Herrscher und ein interessanter metaphysischer Dichter. Sein Königtum nimmt in dem Maße ab, in dem seine Dichtung größer wird. Er ist ein törichter König, ungeeignet für die Würde, die er bekleidet, und er ist ebenso sehr das Opfer seiner eigenen Psyche und seiner extravaganten Dichtkunst wie der Machenschaften Bolingbrokes.
Harold Bloom

In Zusammenarbeit mit den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Premiere am 15. November 2009 im Thalia Theater


Einladungen:

Ludwigsburger Schlossfestspiele
24. und 26. Juni 2010

Burgtheater Wien, Akademietheater
23. und 24. Oktober 2010

Besetzung
Fotos
Pressestimmen zu Richard II.

Kommentare

Sven-Eric Bechtolf als Richard ist einfach grandios. Habe alle Vorstellungen besucht. Das ist echte Schauspielkunst und heute leider kaum noch auf der Bühne anzutreffen. Hoffentlich kommt Herr Bechtolf in weiteren Rollen ans Thalia Theater. Einfach toll.
Aus dem Gästebuch, 14.04.11

Richard II. - was für ein Abend!
Aus dem Gästebuch, 02.03.11

Keine Wut, keine Trauer
Sven-Eric Bechtolf in Richard II. Also bei mir ist kein Gefühl angekommen. Ich habe Richard als apathisch erlebt, keine Wut, keine Trauer, keine Höhen, keine Tiefen. Nicht eine Frage habe ich mit nach Hause genommen außer: was wollte mir die Regisseurin damit sagen?
Ernst Neumann, 28.02.11

Theater. Großes.
Ein Ein-Personen-Stück, die ersten Minuten in kunstvoll-komplizierter Sprache... Wollte ich mich da wirklich drauf einlassen? - Und wie ich das wollte! Sven-Eric Bechtolf gelang es binnen kürzester Zeit, ins Stück zu ziehen. Großes Interesse an diesem Künstler-König zu wecken und seiner Suche nach seinem Platz im Leben. Alle Fragen warf er auf, alle Personen erweckte er zum Leben - mit so sparsam wie genial eingesetzten Mitteln. Der Funke sprang über! Am Ende war es ein wunderbarer Theaterabend! Herzlichen Dank, Herr Bechtolf. P.S.: Nichts gegen den großen Shakespeare - aber Sie könnten vermutlich selbst ein Telefonbuch so inszenieren, dass es spannend ist... Heike Blenk
Heike Blenk, 11.05.10

Damenkleid? Versailles?
Es scheint mir, der Darsteller trägt ein Damenkleid, bizarre Anspielung auf die Zustände am Königshof von Versailles?
Jost Ruwoldt, 27.02.10

Richard II. Eine kurze Rückmeldung
90 Minuten eine Ein-Mann-Show, dazu der für unsere Ohren schwierige Shakespeare-Text, dass alles auf der großen Bühne und nicht etwa in einem privaten Theater-Rahmen – es hat funktioniert. Die überaus einfallsreiche Inszenierung von Cornelia Rainer hat gut gewirkt. Es sind schöne Bilder im Spiel mit Licht und Kostüm - ich möchte hier die Thronszene hervorheben - entstanden, die von der teilweise mystisch wirkenden Musik wirkungsvoll untermalt wurden. Sven-Erich Bechtolf gehört ein großes Lob für seine Darstellung des Richard und der vielen anderen Rollen, die er spielte. Immer war klar, ist er jetzt Richard, ist er Gaunt, ist er Bolingbroke? Das zum Teil dialogartige Übernehmen der verschiedenen Rollen hat sehr gut funktioniert. Wir haben ihn kennen gelernt, den Richard, ihn und sein Schicksal, seine inneren Kämpfe, seine Selbsterkenntnis. Nur am Ende – dies ist ein Bauchgefühl – viel die Spannung ab, ab dem Zeitpunkt als Bolingbroke die Krone übernahm. Warum? Ich weiß es nicht. War es, weil das Ende der Geschichte schon klar war, die Konzentration beim Publikum nachlässt, die leise und ruhige Inszenierung des Schlusses uns zu sehr forderte, die Einfälle fehlten? Fazit: Alles in allem ein spannender und sehenswerter Shakespeare-Abend ! Gruß Detlef Götz Abonnent 21.11.2009
Detlef Götz, 21.11.09

Warum verspüre ich eine solche Distanz?
Ein begeistertes Publikum! Aber was ist mit mir (fast 60 jähriger Theaterfan mit 11 Jahren Thalia-Abo Erfahrung) los? Habe ich doch in den vergangenen Jahren 2 Solo-Stücke mit Monologen im "Kerker "gesehen mit großartigen Schauspielern - Ole Lagerpusch in Hikikomori und jetzt Sven-Eric Bechtolf in Richard II . Warum hat mich Hikikomori so gepackt, berührt und begeistert, dass ich es noch ein zweites Mal gesehen habe? Warum sitze ich jetzt so unberührt in Richard II und kämpfe gegen die Müdigkeit und verspüre so eine Distanz zum Theater?
Ulrich Dr. Pieper, 21.11.09

Groß: Wie bei Jürgen Flimm
Was für ein Abend - großes Theater. Ich fühle mich an die Zeit bei Jürgen Flimm erinnert.
Rosmarie Bender, 17.11.09