Öl

Deutsches Theater Berlin
Von Lukas Bärfuss

„Bäume. Steppe. Mücken. Kein Öl.“ Auf ihrer Suche nach Erdöl sind Herbert Kahmer, seine Ehefrau Eva und sein Geschäftspartner Edgar Bron in ein Land gekommen, in dem niemand mehr Öl vermutet und aus dem sich die großen Gesellschaften längst zurückgezogen haben. Während die beiden Männer in entlegenen Gebieten im Norden nach dem ersehnten Rohstoff bohren, wartet Eva in der Provinzhauptstadt auf sie. Sie hat sich in den letzten Winkel ihres Hauses zurückgezogen, geht niemals nach draußen, trinkt und verfällt seltsamen Gedanken. Gomua, die tadellos deutsch sprechende einheimische Bedienstete der Kahmers, ist Evas einziger Kontakt mit dem fremden Land, schweigsam erträgt sie Evas egomane Wortkaskaden und knappen Befehle. Als eines Tages eine junge Frau auftaucht, sich als Bekannte Evas ausgibt und an deren Vernunft und Autonomie appelliert, zudem die Männer auf den lang erhofften Ölfund stoßen, zeichnet sich eine Katastrophe am Horizont ab.
Lukas Bärfuss, dessen Ruanda-Roman „Hundert Tage“ preisgekrönt ist, hat zum wiederholten Mal über die Profitgier, Schuld und die Neurosen der Europäer geschrieben, die auf unheilvolle Weise in die Geschicke der Welt verstrickt sind. Für den Regisseur Stephan Kimmig ist es nach den Uraufführungen von „Der Bus“ und „Amygdala“ die dritte Bärfuss-Inszenierung.

Regie Stephan Kimmig Bühne Katja Haß Kostüme Katharina Kownatzki Musik Michael Verhovec Dramaturgie Sonja Anders
Ensemble Nina Hoss (Eva Kahmer), Margit Bendokat (Gomua), Susanne Wolff (Mädchen), Felix Goeser (Herbert Kahmer), Ingo Hülsmann (Edgar Bron)

Uraufführung am 18. September 2009 im Deutschen Theater Berlin

Nach der Vorstellung findet ein Publikumsgespräch mit Stephan Kimmig statt. Moderation: Simone Kaempf (taz)

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Kommentare

Wieder eine Sternstunde
Wieder eine Sternstunde des Theaters! Welch große SchauspielerInnen, die so absolut und schonungslos agierten, dass mir angst und bange wurde... und Hochspannung bis zuletzt, sogar mit komödiantischen Highlights !!! ...und diese phantastisch-schräge, hoch-aktuelle politsche, komprimierte Geschichte von Lukas Bärfuss. Respekt, soviel ist da drin!!! Und Nina Hoss: wie sie ihre Rolle durchdringt: wow, voller Facetten: durchgedreht, arrogant-dumm und so bescheuert! Danke für dieses Gastspiel!
Dagmar Brehmer-Neumann, 05.02.10

Alles hängt vom Öl ab
Je kleiner der Raum, desto riesiger erscheinen oft die Menschen. Eva Kahmer ist riesig, doch kann der Enge des Kellers einfach nicht entfliehen. Sie wirkt auf mich verloren, fremd und falsch am Platz wie eine Figur auf einem Gemälde von Hopper. Es gibt kein Zurück mehr aus dieser desolaten Situation, alles hängt vom Öl ab, letztlich auch das Leben. Gier, Gewissen und die Sehnsucht nach Sinn bestimmen alle Figuren. Am Ende haben die Männer Öl gefunden, ich glaube es ihnen nicht. Das Öl ist der Sinn, aber es ist vielleicht auch die Fata Morgana, die auf die nächste Düne wandert, wenn man sich gerade mit letzter Kraft auf die vor einem liegende gekämpft hat. Wie schön, dass ich diesem eindrucksvollen Gastspiel beiwohnen durfte, wie schön Susanne Wolff wiederzusehen!
Nils Buchholtz, 04.02.10

Ich gehe trotzdem hin
... was für einen SCHRECKEN meinen Sie? ...was für ein WAHRES LEBEN meinen Sie? HOHE KUNST... ohje... Frau Österheld, Ihr Eintrag hält mich trotzdem nicht davon ab, da heute hinzugehen.
Toren Sath, 02.02.10

Nichts wie hin
Nichts wie hin. Hab das Stück Samstag am DT gesehen und gestaunt, gelacht, gewürgt über das Stück, das den Schrecken des wahren Lebens in hohe Kunst verwandelt.
Antje Österheld, 02.02.10