
Um alles in der Welt - Lessingtage 2010
Die Stimmen der Presse:
Am Ende der von Lux initiierten Thalia-Lessingtage muss man sagen: So. So geht das. Denn „der Neue“ hat sich nicht nur schnell eingelebt, er gestaltet längst entscheidend mit – und machte den zuletzt eher vernachlässigten Lessing, der sich verblüffend ideal als geistiger Patron unserer Zeit anbot, zum plötzlich nahe liegenden Festival-Anlass. Ein alter Aufklärer als frischer Anreiz, um in all der Globalisierungs-Unsicherheit auch die Chancen eines Weltbürgertums und des interreligiösen Dialogs zu erkennen und einzufordern. Dazu fabelhafte Gastspiele ein klug kuratiertes Begleitprogramm, das Theater und Ideen direkt in die Stadt hineintrug – die Lessingtage stehen Hamburg ausgesprochen gut zu Gesicht. Die Stadt sollte manches dafür tun, dieses so gut aufgenommene Festival dauerhaft hier zu verankern.
Hamburger Abendblatt
Kultursenatorin Karin von Welck sah [in ihrer Rede zur Eröffnung der Lessingtage] gleich einen neuen „Fixstern“ am Hamburger Kulturhimmel installiert.
Mopo
Wie spannend es sein kann, sich mit einem Klassiker wie Lessing zu befassen, zeigte Ilija Trojanow in seiner kenntnisreichen Rede.
NDR 90,3 Abendjournal am 27.1. zur Eröffnungsveranstaltung
Wenn die Lessingtage sich mit solch aufregenden Gastspielen etablieren, brauchen wir den nach Berlin abgewanderten Autorentheatertagen keine Träne nachzuweinen.
Hamburger Abendblatt am 28.1. zu „Das Goldene Vlies“ von Franz Grillparzer, Schauspiel Köln
Es ist eine großartig gespielte - neben Schrader traten Ziolkowska, Manfred Zapatka und Carlo Ljubek auf - und psychologisch scharfsinnige Auseinandersetzung mit einem großen Mythenstoff.
Mopo am 28.1. zu „Das Goldene Vlies“ von Franz Grillparzer, Schauspiel Köln
Ronen und ihr Ensemble geben keine Antworten, sie zeigen lediglich weit auseinander liegende Positionen und geben damit Denkanstöße zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Holocaust, seinen Folgen und dem Fundamentalismus. So ernsthaft die Themen sind, so amüsant verläuft dieser Theaterabend. Die Witze sind jedoch bitterböse.
Hamburger Abendblatt am 30.1. zu „Dritte Generation – work in Progress“ von Yael Ronen & the Company, Schaubühne Berlin / Habima National Theatre of Israel
Als Arieh Gelber, Kantor der jüdischen Gemeinde Hamburg, zu singen anfängt, wird es still im Thalia Theater. Nach seinem bewegenden Vortrag brandet begeisterter Beifall los.
DIE WELT am 1. 2. zur „Langen Nacht der Weltreligionen“
Die Lessingtage am Thalia Theater bescheren uns dieses schiere Theaterglück voll spielerischen Zaubers als Gastspiel vom Wiener Burgtheater. Thalia-Intendant Joachim Lux dürfte sich derzeit als Hans im Glück fühlen.
DIE WELT am 2.2. zu „Der goldene Drache“ von Roland Schimmelpfennig, Burgtheater Wien
Die von [Schimmelpfenning] auch inszenierte Wiener Uraufführung eroberte sich bei den Lessingtagen das Publikum im Thalia Theater.
Hamburger Abendblatt am 2.2. zu „Der goldene Drache“ von Roland Schimmelpfennig, Burgtheater Wien
Totenstill ist es im ausverkauften Thalia Theater. Zwei Stunden lang folgte das Publikum wie hypnotisiert den fünf Akteuren. "Öl" steht auf dem Spielplan - während der "Lessingtage", bei denen es "Um alles in der Welt" geht, darf das Stück um den wichtigsten Rohstoff unseres Planeten natürlich nicht fehlen.
Mopo am 4.2. zu „Öl“ von Lukas Bärfuss, Deutsches Theater Berlin
Die Zuschauer, die trotzt halbmeterhohen Matsches am Dienstag ins ausverkaufte Theater gefunden hatten, applaudierten begeistert dem glänzenden Ensemble.
Hamburger Abendblatt am 4.2. zu „Öl“ von Lukas Bärfuss, Deutsches Theater Berlin
Die Diskussion gab Einblick in die wirtschaftliche Situation eines subventionierten Stadttheaters, die Einnahmen, Kostenverteilung und Sparzwänge, die eine Erhöhung der Preise um fünf Prozent ab nächster Spielzeit verursachen. „Aber es bleibt möglich, zum Kinopreis zu uns zu kommen“, betonte Lux.
Hamburger Abendblatt am 6./7.2. zum „Publikumsgipfel“
Als Ulrich Khuon im Sommer die Autorentheatertage mit nach Berlin nahm, hatte wohl kaum jemand geglaubt, dass es so rasch einen Ersatz geben könnte: Die ersten Hamburger Lessingtage sind am Thalia-Theater gestartet. […] Hamburg ist dieser Tage ohne Frage ein Tor zur (Theater-)Welt. LIVE am 28.1.
Thalia Actor´s Studio
zu Gast: Sandra Flubacher
Am 29. Januar um 22 Uhr in der Zentrale
Burgtheater Wien
Der goldene Drache
von Roland Schimmelpfennig
Am 31. Januar um 19 Uhr
Deutsches Theater Berlin
Öl
von Lukas Bärfuss
Am 2. Februar um 20 Uhr
Othello
von William Shakespeare
Am 3. Februar um 20 Uhr
Aufklärer
Party mit Rodion Levin und Oliversum
Am 6. Februar ab 23 Uhr in der Zentrale
Die Eröffnungsreden zum Herunterladen
Ilija Trojanow: Weltbürgertum heute. Rede zu einer kosmopolitischen Kultur
- Flash ist Pflicht!
Weltbürgertum heute. Rede zu einer kosmopolitischen Kultur
Vortrag von Ilija Trojanow zur Eröffnung der Lessingtage
Um alles in der Welt - Lessingtage 2010
Theaterfestival vom 24. Januar bis 7. Februar 2010
Wie könnte eine kosmopolitische Kultur aussehen? Gotthold Ephraim Lessing, mit Hamburg eng verbunden, hat vor über zweihundert Jahren als einer der ersten diese Frage gestellt. Das Theaterfestival „Um alles in der Welt – Lessingtage 2010“ setzt sich mit der Idee einer transnationalen, multireligiösen, multiethnischen Willensgemeinschaft auseinander, wie sie aus der Aufklärung erwachsen ist. Denn eine der großen Fragen des 21. Jahrhunderts richtet sich in weltpolitischer Dimension auf die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Menschen unterschiedlicher Religions- und Kulturkreise, miteinander und nebeneinander zu leben. Das Thalia Theater lädt unter dem Motto „Um alles in der Welt“ große internationale und deutschsprachige Gastspiele ein und öffnet sich darüber hinaus für soziokulturelle Jugendprojekte, die sich, ausgehend von Lessing, mit Fragen der kulturellen Identität beschäftigen. Viele Inszenierungen finden an anderen Orten in Hamburg statt. Auf dem Boot, das auf Hafenrundfahrt geht, am Lessing-Denkmal und im Lessingtunnel.
Erstmals finden in Hamburg Lessingtage statt. Eröffnet werden sie von Ilija Trojanow mit einer Rede zu Fragen einer weltbürgerlichen, kosmopolitischen Kultur heute; beendet werden sie mit der Verleihung des Staatspreises der Stadt Hamburg, dem Lessing-Preis, an Klaus Harpprecht.
Das klingt einigermaßen staatstragend, soll es aber nicht sein. Der alltagssprachlich Fassungslosigkeit signalisierende Ausruf „Um alles in der Welt“ wird zum Titel eines Themenfestivals, das sich mit der epochalen Frage des 21. Jahrhunderts befassen wird: mit der Frage, wie wir uns ins Verhältnis setzen zu einer Welt, die immer kleiner und größer zugleich wird. In der die globalen wirtschaftlichen Fragen ebenso wie die sozialen, religiösen oder interkulturellen eine immer größere Rolle spielen und das Leben jedes Einzelnen bis in den Alltag hinein prägen und für erheblichen Aufruhr sorgen. Viele empfinden die kulturelle Durchmischung als Bedrohung, wollen sich nicht mit anderen Kulturen und Religionen beschäftigen, verbieten Moscheen oder Minarette, andere sehen dies als Bereicherung für unsere eigene kulturelle Identität. Die Frage, ob und wie wir unsere eigene europäische Identität retten oder uns lieber offensiv und heiter neuen Einflüssen hingeben sollten, beschäftigt mittlerweile viele Theoretiker und Philosophen, von Habermas bis Kermani oder eben Trojanow; dass der Suhrkamp Verlag kürzlich einen „Verlag der Weltreligionen“ gegründet hat, ist da nur zusätzliches Detail. Und: Mit diesem Themenkreis hat sich Lessing schon vor über 200 Jahren beschäftigt! Als Reaktion auf den Streit mit dem Hamburger Hauptpastor Goeze, der wegen Lessings religiöser Unzuverlässigkeit den Druck seiner Schriften verhinderte und damit praktisch ein Berufsverbot verhängte, schrieb Lessing sein Stück „Nathan der Weise“ – ein Stück, in dem Moslems und Juden im Unterschied zu den kreuzritternden Christen geradezu weltoffene Zeitgenossen sind... Lessing hat sich um die Versöhnung der drei monotheistischen Weltreligionen bemüht. Er sagt: Schaut, wie ähnlich ihr euch seid! Aber hat Lessing Recht? Ist der Fremde eigentlich der Bruder? Oder muss man nicht vielmehr auf Unterschieden, ja auf der fundamentalen Differenz bestehen? Wie fremd darf dann der Fremde sein, ohne dass wir ihn abstoßen? Wann schlägt Gastfreundschaft in Hass um? Wie weltoffen ist unsere Gesellschaft demnach wirklich? Die Frage „wer bin ich“, die Frage also nach der eigenen Identität, hat vor dem Hintergrund der Entwicklungen der letzten Jahrzehnte für jeden von uns, für junge wie ältere Menschen, eine völlig neue Dynamik angenommen – und ihre Beantwortung ergibt sich vor allem im Verhältnis zum Fremden…
Zwei Wochen lang sind im Thalia Theater herausragende nationale und internationale Gastspiele zu sehen: aus Berlin, Tel Aviv, Köln, Wien und New York. Hierzu gehört auch – erstmals seit Jahrzehnten – eine Inszenierung von Claus Peymann in Hamburg, eine gerade mit dem höchsten deutschen Theaterpreis („Faust“) ausgezeichnete Inszenierung aus Köln, aber auch die Wiederbegegnung mit Schauspielern des ehemaligen Thalia Theaters. Daneben gibt es – vor allem in der Gaußstraße und an verschiedensten Orten der Stadt – viele soziokulturelle Projekte, von und für junge – Unsinn: für alle Leute! Besonders hinweisen möchte ich Sie auf eine einmalige „Lange Nacht der Weltreligionen“, – etwas, was es so wohl noch nie gegeben hat.
Zwischen Lessings Geburtstag Ende Januar und seinem Todestag Anfang Februar wird das Thalia Theater zum Ort von Begegnungen, Diskussionen, Konzerten und Gastspielen. Und auch das Thalia Theater zeigt eine Reihe von Aufführungen zum Thema. „Es ist so traurig, sich allein zu freuen“, hat Lessing geschrieben. Ein Satz, der sich leicht aufs Theater beziehen lässt, aber auch auf die Verbindung zwischen den Völkern und Kulturen unserer Welt.
Joachim Lux
Wer war eigentlich dieser Lessing?
Gotthold Ephraim Lessing wurde am 22. Januar 1729 in Kamenz in der Oberlausitz geboren und ist heute Namensgeber von Schulen, Straßen und Tunneln. Das verdiente er sich im 18. Jahrhundert als einer der wichtigsten Autoren der deutschen Aufklärung. Die Dramen „Nathan der Weise“, „Emilia Galotti“ oder „Minna von Barnhelm“ stehen in noch heute in jedem Lehrplan.
„Habe Mut, dich deinen eigenes Verstandes zu bedienen“ (Immanuel Kant) war der Leitspruch der Aufklärung. Neben dem Vertrauen auf die Kraft der Vernunft war die Toleranz gegenüber den verschiedenen Religionen ein hoher Wert für die Aufklärer. Die Ringparabel in Lessings „Nathan der Weise“ ist hierfür das berühmteste Beispiel: 3 nicht unterscheidbare Ringe stehen hier stellvertretend für die drei großen Weltreligionen. Auf die Frage, welcher Ring der richtige sei, weiß Nathan zu antworten, dass der richtige Ring sich erst im Tragen zeige. Es gibt also nicht DIE echte Religion, sondern die Verantwortung für das eigene Handeln.
Übrigens: Lessing erfand auch den Beruf des Dramaturgen, als er 1767/1768 am Deutschen Nationaltheater in Hamburg angestellt war und sich kritisch mit dort aufgeführten Stücken und der Dramentheorie („Furcht und Mitleid“) beschäftigte – Ergebnis: ein dickes gelbes Buch mit dem Titel „Hamburgische Dramaturgie“. Auch die Lessingtage werden ständig kritisch begleitet - nicht mehr auf Papier gedruckt, sondern in Form eines Blogs hier auf der Seite, betrieben von Studenten aus dem Masterstudiengang Journalismus der Hamburg Media School, immer aktuell und mitten aus dem Geschehen – Lessing 2.0.







