In einer Zeit, in der Worte schnell zu Vorwürfen und Zerwürfnissen führen, schafft die Veranstaltungsreihe einen Raum, in dem respektvolles Zuhören und empathisches Verstehen wichtiger sind als die endlosen (Vor)Urteile. Im Zentrum stehen hierbei nicht die allseits bekannten historischen oder politischen Fakten, sondern die persönlichen Erfahrungen und Begegnungen.
Die Reihe wird von The Embassy gestaltet und lädt ein, im Dialog Menschlichkeit zu bewahren, wo politische Gewissheiten versagen.
Zuhören: Israelische und palästinensische Stimmen im Gespräch
4.2.26, Box Gaußstraße, in Englischer Sprache
The Embassy lädt ein zu einem Gespräch über eine der schmerzlichsten Konfliktlinien unserer Gegenwart ein: Die Situation in Israel und Palästina/Gaza-Streifen.
Mit Eliah Levin, Camil Jammal
Eliah Levin studiert Philosophie, Politik und Wirtschaft an der Universität Haifa und ist Aktivistin bei der israelisch-palästinensischen Bewegung Standing Together.
Camil Jammal hat palästinensiche Wurzeln. Sein Vater kommt aus Haifa. Seit der Spielzeit 25/26 gehört Camil Jammal als Schauspieler und Musiker zum Ensemble des Thalia Theaters.
ERINNERN: an Hanau und an die ermordeten Menschen rassistischer Gewalt,
ZUHÖREN: Betroffene Stimmen im Gespräch
19.2.26, Thalia Nachtasyl
Mit Ibrahim Arslan, Hüseyin Topel
Am 19. Februar 2020 erschütterte ein rassistisch motivierter Anschlag die Stadt Hanau: Ein Mann betrat in den Abendstunden gezielt Shisha-Bars und erschoss deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund. Neun Menschen wurden ermordet, darunter Angehörige unterschiedlicher Familien und Generationen, mehrere weitere Menschen wurden schwer verletzt. Der Anschlag machte erneut deutlich, wie alltäglicher Rassismus in tödliche Gewalt umschlagen kann, und hinterließ tiefe gesellschaftliche Wunden. Dieses Ereignis reiht sich ein in eine lange Reihe rassistisch motivierter Gewalttaten in Deutschland, die exemplarisch auch in den Brandanschlägen von Mölln 1992 und Solingen 1993 sichtbar wurden. In Mölln wurden drei Menschen der türkischen und kurdischen Community ermordet, Häuser zerstört und ganze Familien traumatisiert. Ein Jahr später wurden bei einem ähnlichen Brandanschlag in Solingen fünf weitere Menschen ermordet und andere schwer verletzt.
Diese Taten zeigen, dass rassistische Gewalt kein singuläres, isoliertes Ereignis ist, sondern Ausdruck dessen, wie tief rassistische Motive noch immer bei einigen Menschen verankert sind. Strukturelle Ausgrenzung, die sich über Jahrzehnte wiederholt und in unterschiedlichen Formen manifestiert. Sie verdeutlichen die Notwendigkeit, Erinnerung als aktiven gesellschaftlichen Prozess zu verstehen, der Verantwortung einfordert, die ermordeten Menschen in Erinnerung ruft und strukturelle Ursachen benennt, um sie zu bekämpfen.
Vor diesem Hintergrund eröffnet das Thalia Theater in der Reihe ERINNERN die Installation Say Their Names. Die Namen der ermordeten Menschen werden sichtbar aufgelistet und gleichzeitig akustisch durch die Stimmen der Schauspielerinnen und Schauspieler des Hauses erfahrbar gemacht. Ziel ist es, die ermordeten Menschen nicht als abstrakte Zahlen, sondern als Menschen mit individuellen Geschichten, Hoffnungen und Träumen erfahrbar zu machen.
Im Anschluss folgt die Vorführung des mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Films Die Möllner Briefe. In einfühlsamer Weise rückt der Film die persönlichen Schicksale der Ermordeten Menschen in den Vordergrund, vermittelt über Briefe, Erinnerungen und Berichte der Hinterbliebenen. Die Geschichten der Menschen werden damit greifbar und nachvollziehbar und damit nicht der Vergessenheit überlassen.
Den Abschluss bildet ein Gespräch aus der Reihe ZUHÖREN mit dem überlebenden der rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992 Ibrahim Arslan. Er ist heute historisch-politischer-Bildner und Aktivist und er berichtet über seine persönlichen Erfahrungen und die langfristigen Folgen rassistischer Gewalt für die Betroffenen. Ergänzt wird das Gespräch durch den Journalisten Hüseyin Topel der Mitinitiator von Kein Denkmal ist, die sich kritisch mit Erinnerungskultur mit dem Brandanschlag in Solingen auseinandersetzt. Die Initiative hinterfragt Denkmäler und tritt für die Sichtbarkeit der ermordeten Menschen rassistischer Gewalt ein. Gemeinsam zeichnen sie ein Bild davon, wie Erinnerung heute aussehen muss, um gesellschaftliche Verantwortung, Solidarität und Prävention zu verbinden.
Durch die Verbindung von Installation, Film und Gespräch entsteht ein vielschichtiger Raum des Erinnerns, in dem visuelle, akustische und narrative Ebenen zusammenwirken. Die Veranstaltung lädt dazu ein, die Kontinuität rassistischer Gewalt zu erkennen, den betroffenen Menschen zuzuhören und die eigene Verantwortung in Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Reflexion bewusst zu machen. Wir laden Sie ein, diesen Abend im Thalia Theater im Nachtasyl gemeinsam zu begehen – zuhörend, reflektierend und erinnernd.
ERINNERN: „Verbotene Gefühle in Zeiten des Kriegs“ von Mädchen vom Jupiter
ZUHÖREN: Ukrainische Stimmen im Gespräch – Ukraine Haus Hamburg
24.2.26, Thalia Nachtasyl
Der Krieg im Osten der Ukraine begann im Frühjahr 2014 zwar lange vor dem 24. Februar 2022 mit der massiven Eskalation der russischen Armee. Wir wollen aber am 24. Februar 2026 an diese groß angelegte Invasion der russischen Truppen in die Ukraine erinnern.
Zu diesem Anlass lädt das Thalia Theater in der Reihe ERINNERN zu einem Abend im Nachtasyl ein, der sich gegen ritualisierte Formen des Gedenkens stellt, dabei auf politische Parolen, programmatische Einordnungen oder strategische Debatten verzichtet. Stattdessen richtet sich der Blick auf das Innere des Krieges. Was bleibt, wenn der Lärm der Schlagzeilen produziert, verstummt. Welche Gefühle finden im öffentlichen Diskurs keinen Platz? Dazu werden biografische Brüche wiedergegeben, die sich nicht erzählen lassen, ohne zuzuhören.
Im Zentrum des Abends steht die Lesefassung des dreisprachigen Dokumentartheaterprojekts Verbotene Gefühle in Zeiten des Kriegs des Kunstkollektivs Mädchen vom Jupiter. Ukrainische, russische und deutsche Stimmen begegnen sich auf einer Bühne. Grundlage des Textes sind Interviews, die seit 2023 in mehreren Zyklen geführt wurden. Menschen, die gekämpft haben oder aus dem Krieg zurückkehren, Menschen, die in Russland unter Repressionen leben oder Formen von Mikro-Widerstand entwickeln, sowie Menschen im europäischen Exil, die zwischen Solidarität, Erschöpfung, Schuld und Hoffnung ringen. Erzählt wird keine Chronik militärischer Ereignisse, sondern eine Geschichte der inneren Zustände: von Angst und Wut, von Scham und Schuld, von Sehnsucht, Begehren, Überlebenswillen, Erschöpfung und manchmal auch von Momenten unerwarteter Freude. Dass diese Stimmen hörbar werden, die selten Raum bekommen, ist das Besondere an diesem Abend. Für diese besondere literarische und performative Kraft wurde das Projekt 2025 mit dem Hamburger Literaturpreis in der Kategorie „Drama und Experimentelles“ ausgezeichnet.
An die Lesung schließt sich ein Gespräch der Reihe ZUHÖREN an. Beteiligte und Betroffene sprechen in Kooperation mit dem Ukraïne Haus Hamburg über ihre persönlichen Erfahrungen mit einem Leben im Ausnahmezustand. Es geht um innere Zerrissenheit, über Loyalitätskonflikte, Sprachlosigkeit und die Erosion von Vertrauen, aber auch über Formen von Resilienz, über kleine Gesten der Nähe und über das Aushalten widersprüchlicher Gefühle. Das Gespräch versteht sich nicht als Debatte oder therapeutischen Raum, sondern als Einladung zum aufmerksamen, nicht-wertenden Zuhören. Der Abend öffnet damit einen Raum für ein vielstimmiges, fragiles und zugleich kraftvolles Erinnern, das Komplexität zulässt und Ambivalenzen nicht auflöst.
Es geht nicht um einen historisch-politischen Rückblick, sondern um das Ankommen und Leben in Hamburg. Es geht um das Ernstnehmen individueller Erfahrungen jenseits nationaler Zuschreibungen und politischer Lager, um das Aushalten von Uneindeutigkeit und um die Frage, wie Zuhören selbst zu einer Form von Verantwortung werden kann.
Dates
- 21.00-22.30, Gaußstraße BoxTalk in English without translation
Zuhören - Erinnern
Israelische und palästinensische Stimmen im Gespräch, Mit: Eliah Levin & Camil JammalSold out
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