Take part

Verwandlung

by Burhan Qurbani based freely on the story by Franz Kafka directed by Burhan Qurbani
Duration 1 Hours 40 min., no interval
World Premiere 17.10.25, Thalia Gaußstraße
Content Notes
Reproduction of racist language; discussion of suicide, drug and alcohol consumption, genocide, depression, self-harm, experiences of displacement; strobe lighting, occasionally loud music.
Bir sabah bunaltıcı düşlerden uyandığımda kendimi dönüşmüş buldum: Ich fand mich verwandelt… verwandelt in einen Kanaken.

Nach diesem Satz gehen die Lichter aus. Die Stimme verliert sich im Dunkel. Eine Melodie beginnt, der eine oder die andere im Publikum erkennt sie vom Anfang des Stückes. Dazu ein Rhythmus, wie Herzschläge. Auf Zupfinstrumenten gespielt. Dumm dumm, dumm dumm, dumm, dumm.

 

Nach diesem Satz geht das Stück weiter und mit ihm eine Geschichte über Sprache, Zugehörigkeit und die Gewalt des Blicks der anderen. Doch wann beginnt eigentlich eine Verwandlung? In dem Moment, in dem Menschen anfangen, dich anders zu sehen? Oder dann, wenn man beginnt, sich selbst durch diesen Blick zu betrachten?

 

Wer entscheidet darüber, wer dazugehört? Was macht eine Sprache mit einem Menschen? Und was passiert, wenn Herkunft nicht Erinnerung, sondern Zuschreibung wird? Und was passiert, wenn einem genau das verwehrt wird?

 

All diesen Fragen widmet sich die Inszenierung „Verwandlung“ von Burhan Qurbani. Ausgehend von Franz Kafkas berühmter Erzählung entwickelt das Stück eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit Migration, Entfremdung und Identität. Im Zentrum steht ein junger Mensch, der zwischen Deutschland und der Heimat seines Vaters, zwischen familiären Erwartungen und gesellschaftlichen Zuschreibungen, zwischen Anpassung und Widerstand zerrieben wird. Seine Geschichte verbindet sich mit den Erfahrungen weiterer Figuren, deren Erinnerungen, Träume und Verletzungen ineinandergreifen.

 

Die Inszenierung erzählt dabei nicht linear, sondern in Bildern, musikalischen Passagen, Wiederholungen und chorischen Textflächen. Immer wieder tauchen Motive von Sprache, Scham und Verwandlung auf: die Erfahrung, beobachtet zu werden; das Gefühl, sich selbst unsichtbar machen zu wollen; die Wut darüber, nur geduldet statt wirklich akzeptiert zu sein. Besonders eindrücklich wird dabei die Frage verhandelt, wie tief sich gesellschaftliche Zuschreibungen in Körper und Denken einschreiben können.

 

Trotz der Schwere ihrer Themen findet die Inszenierung immer wieder Momente von Humor, Nähe und Zärtlichkeit. Musikalität, rhythmische Sprache und choreografierte Bewegungen schaffen eine poetische Form, die emotional berührt, ohne einfache Antworten zu geben. Gerade für Schüler*innen eröffnet „Verwandlung“ dadurch einen Zugang zu komplexen gesellschaftlichen Fragen: zu Rassismus, familiären Prägungen, psychischer Belastung und der Suche nach einer eigenen Identität.

 

Diese Materialmappe soll Anregungen bieten, um die Inszenierung im Unterricht vor- und nachzubereiten, zentrale Themen gemeinsam zu vertiefen und Räume für Austausch und Diskussion zu öffnen.

 

Wir weisen an dieser Stelle auch auf die Content Notes hin: Reproduktion rassistischer Sprache; Thematisierung von Suizid, Drogen- und Alkoholkonsum, Genozid, Depressionen, Selbstverletzung, Fluchterfahrung; Stroboskop, teilweise laute Musik

sowie auf das digitale Programmheft:  Thalia Theater - Verwandlung