Take part
Es ist nicht die Sprache, die dich zur Kurdin macht. Es ist das Bekenntnis. Wenn wir nicht sagen, dass wir Kurden sind, dann gibt es uns nicht.
Das Kurdisch-Sein ist eines von vielen Geheimnissen, die die Figuren in Fatma Aydemirs Roman DSCHINNS umtreiben. Zugleich ist es ein Geheimnis, mit dem möglicherweise die Geschichte dieser Familie beginnt – weit weg von Deutschland.
In diesem Geheimnis bündeln sich verschiedene politische Dimensionen, die in der Familiengeschichte miteinander verwoben sind: Fragen nach Identität und Zugehörigkeit, nach Herkunft und Ausgrenzung, nach dem, was ausgesprochen werden darf, und dem, was über Generationen hinweg verschwiegen wird.
Nach Hüseyins Tod kommt die Familie in Istanbul zusammen. Nicht alle treffen gleichzeitig ein, doch jede*r bringt die eigene Geschichte, die eigenen Erfahrungen und das eigene Päckchen mit.
Mit seiner Inszenierung bringt Hakan Savaş Mican erstmals eine postmigrantische Familiengeschichte auf die große Bühne des Thalia Theaters. Dabei erzählt er nicht nur von einer Familie, deren Lebensrealitäten von Migration, gesellschaftlichen Zuschreibungen und Konflikten geprägt sind. Mican zeigt damit auch, dass die Dschinns – die Geheimnisse, unausgesprochenen Wahrheiten und überlieferten Erzählungen – womöglich in ganz unterschiedlichen Familiengeschichten zu finden sind.
Vor allem junge Menschen, mit und ohne Migrationsgeschichte, können an verschiedenen Stellen der Inszenierung anknüpfen: an ihren ästhetischen Mitteln, an den politischen Fragen, die sie aufwirft, und an den Figuren selbst. Denn diese sind große und kleine Brüder und Schwestern, die widersprüchlich, nahbar und in ihrem Handeln nachvollziehbar sind. Die Inszenierung bringt unterschiedliche Lebensrealitäten auf die Theaterbühne und macht deutlich: Auch postmigrantische Geschichten gehören auf die große Bühne – nicht als Ausnahme, sondern als selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft.