Brechts hochaktuelles Wirtschaftskrisenstück als Duell zweier Bühnengigantinnen: Stefanie Reinsperger und Kathleen Morgeneyer im Clinch zwischen Realzynismus und großer Emotionalität.
Chicago 1930: Die Viehbörse wird vom »Fleischkönig« Mauler kontrolliert, die Fabriken sind geschlossen. Johanna Dark will den hungernden Arbeitern helfen, sie will wissen, wer an deren Elend schuld ist. In ihren drei Gängen »in die Tiefe« begegnet sie Mauler und glaubt, ihn zur Menschlichkeit zu bekehren. Zunächst will er die Fabriken wieder öffnen, den Arbeitern wieder Lohn und Brot verschaffen. Doch Johanna wurde getäuscht. Die Kälte, die Armut, den Hunger der Arbeiter – Mauler nimmt sie in Kauf, als er die Chance sieht, die anderen Fleischfabrikanten zu erpressen. Johanna kommt zur Einsicht, dass nur »Gewalt hilft, wo Gewalt herrscht«. Doch damit ist sie schon nicht mehr zu hören, sie wird übertönt von den Gesängen, die die Kapitalisten anstimmen. Sie erklären sie darin, jetzt, da sie unwirksam ist, zur Märtyrerin, zu ihrer »heiligen Johanna der Schlachthöfe«.
Bertolt Brecht schrieb das Stück 1929–1931 mitten in der Weltwirtschaftskrise. Mit klarem Blick auf einen Markt, in dem der Mensch nie im Zentrum steht, lesen wir es heute als visionären Kommentar zur Gegenwart.
Eine Produktion des Berliner Ensembles
Mit Stefanie Reinsperger, Kathleen Morgeneyer, Marc Oliver Schulze, Amelie Willberg, Nina Bruns
Regie und Bühne Dušan David Pařízek Kostüme Kamila Polívková Musik Peter Fasching Licht Hans Fründt Dramaturgie Karolin Trachte






