Baracke
KURZ GEFASST
Autor Rainald Goetz, rasender Chronist der Gegenwart, denkt in einer sprachgewaltigen Collage aus Szenen und Stimmen jüngste deutsche Gegenwart und Vergangenheit zusammen. Sein Lebenslauf der Liebe fragt nach der Entstehung von Hass und Gewalt und analysiert, wie rechtes Gedankengut und patriarchale Machtstrukturen in der bürgerlichen Kleinfamilie wurzeln.
Die Clique von Bea, Uwe und Ramin gerät in den 90ern in die Wirren der Wendezeit und driftet ab ins rechte Milieu. In einem Versuch, der Enge ihrer Herkunftsfamilie zu entkommen, verliebt sich Bea zunächst in Ramin – und heiratet dann Uwe. Die beiden gründen eine Familie und steigen gesellschaftlich auf. Im Umgang miteinander und mit ihren Kindern spiegeln sie das Leben ihrer Eltern und geben so weiter, was über Generationen gelernt wurde.
Bei einem Hochzeitsfest versammelt Goetz Jahre später die Großfamilie und lässt sie verschiedenste Vorstellungen über das Zusammenleben im 21. Jahrhundert diskutieren. Ein Gegenentwurf?
Doch unter der bürgerlich-aufgeklärten Oberfläche, im Keller des Hauses, haben der Hass, die Verachtung und der Krieg überlebt. Am Jahrestag der Aufdeckung der politischen Morde des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) wird die Kleinfamilie von der Vergangenheit eingeholt.
Regisseur Stefan Pucher inszeniert den 2023 entstandenen brisanten Gegenwartstext mit sechs Spieler*innen des Thalia Ensembles als Panoptikum zwischen Performance und Familienstück.
Susanne Meister
Die Nähe der Körper, der geschlossene Raum, die Sexualität, der hohe Druck, die lange Dauer der Tage, der Jahre, nicht zuletzt auch die von den Genen mitbewirkte Übernähe der Charaktere: das ist das fundamental explosive Setting der Familie, das sich fast normalfallhaft in gewalttätigen Ausbrüchen entlädt.