Vor uns die Sintflut

Vor uns d
ie Sintflut

Von fliehenden Kreuzfahrern und seeräubernden Weltbummlern

Ja, für eine Fahrt ans Mittelmeer, Mittelmeer, Mittelmeer, geb’ ich meine letzten Mittel her, Mittel her, Mittel her
Die Goldenen Zitronen: Wenn ich ein Turnschuh wär

Eine illustre Gesellschaft hat sich an Bord eines Luxusdampfers versammelt. Doch wo wollen all diese tollen Leute eigentlich hin? Ihre letzten Mittel mussten sie für die geheimnisvolle Fahrt jedenfalls nicht hergeben. Sie wissen, sich elegant zu kleiden, schätzen die französische Küche und sind es gewohnt, bedient zu werden. Die Sänger, Tänzer, Künstleragenten und (Möchtegern-)Bohémiens beschäftigen angegriffene Stimmbänder mehr als der bevorstehende Flüchtlingsansturm auf die Tore Europas. Selbst der ebenfalls auf dem Schiff anwesende Reise-Reporter fühlt sich stärker zur genauen Beobachtung junger Schönheiten berufen, als sich für die internationalen Krisenlage zu interessieren. Nur eine rätselhaft modebewusste Dame scheint von der Welt außerhalb des Schiffssalons etwas mehr zu wissen als die passenden Tanzschritte zur Musik der nur vorgeblich aus Osteuropa stammenden Bordkapelle: „Tam, Tam, Tam... irgendwo da draußen wird an Zäunen gebaut, um die Festung zu sichern. Tag und Nacht.“

Was geschieht nun, wenn diese Zäune plötzlich durchlässig werden? Wenn sich der Chor der Heizer zur Flüchtlingsschar verwandelt und Einlass in die exklusive Schiffsgesellschaft fordert. Wenn der staatenlose Matrose, der seine Papiere verloren hat, zum unerwünschten Staatenlosen wird und zwischen Grenzen hin und her geschickt wird. Wenn die Balletttänzerin mit den Neuankömmlingen ein heidnisches Fruchtbarkeitsritual choreographiert und der Journalist einem junges Flüchtlingsmädchen in die Augen schaut. Wenn sich also Menschen begegnen, die sich sonst nie begegnen würden.

Diese Kollision von nicht Zusammengehörigen ist es, die der begeisterte Sänger, Segler und Regisseur Schorsch Kamerun in „Vor uns die Sintflut“ herausfordert. Um sich geschart hat er hierzu in elbnaher Zeltspielstätte ein furchtloses Ensemble, 3 Hamburger Musiker im Balkankostüm und über 20 Chorsänger, die keine Seemannslieder erklingen lassen werden. Und wie aus dem nichts tritt die größte Diva aller Zeiten (Special Guest: Nadja Tiller) noch ein letztes Mal auf und singt ihr schönstes Lied.

Das Thalia Zelt steht bis Mitte Oktober am Strandkai, Nähe Marco-Polo-Terrassen / Unilever-Haus. Wir empfehlen die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: U3 (Baumwall), U1 (Messberg), Metrobusse 3, 4 und 6 (HafenCity/Marco- Polo Terrassen). Parkmöglichkeiten: im Unilever-Haus (Strandkai 1 / Hübenerstraße), in der Tiefgarage des Überseequartiers (Überseeallee 3) sowie im Parkhaus Speicherstadt (Am Sandtorkai 6-8).

 

Premiere am 4. September 2010 im Thalia im Zelt (HafenCity) 

 

Mit freundlicher Unterstützung der HafenCity Hamburg

PRESSESTIMMEN

„Die ihre Neurosen pflegende Oberklasse auf dem Sonnendeck gleicht eher einer Fin-de-Siècle-Bohème als glamourösen Globetrottern, erstklassig verkörpert vom Ensemble. Operndiva Maria (Sandra Flubacher) bandelt mit der kasachischen Tänzerin Monika (Marina Galic) an. Nachwuchsschauspieler Stéphane (Paul Pötsch) hofft auf den großen Durchbruch, den ihm Künstleragent Claus von Lotzow (Thomas Niehaus) allerdings nicht versprechen will. In seinem Namen vermengt sich eine von vielen Insideranspielungen auf die Hamburger Musikszene, hier Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow sowie deren Manager und Zitronen-Trommler Stephan Rath. Zusammengehalten wird das Ganze von den Erklärungen, die Felix Knopp als Reisejournalist Pascal wie aus dem Schulbuch vorträgt und zweifelt: "Wovon will ich eigentlich erzählen? Worum geht es eigentlich?"“ - Hamburger Abendblatt

 

„Es gibt aber auch die anderen, die wunderbaren, berührenden Momente an diesem Abend. Wenn Lisa Hagmeister als geheimnisvolle Monique mit ihren Sternstaub verhangenen Augen klimpert und einen rauschhaften Monolog hält über kenternde Flüchtlingsschiffe, ihre Kenntnis blumiger Getränke wie des Cocoloco-Cocktails oder das Wissen darum, wie man eine Schwimmweste über dem Abendkleid trägt. Wenn sie sich selbst am Ende "Aida" nennt und der gleichnamige Dampfer wie auf Befehl laut tutend am Zelt vorbeirauscht.“ - Hamburger Abendblatt

 

„Oder wenn Alexander Simon als Seemann ohne Papiere in den Fängen der Behörde landet und wie ein geborener Punk-Sänger den wunderbaren Zitronen-Song "Wenn ich ein Turnschuh wär" anstimmt: "Über euer scheiß Mittelmeer käm ich, wenn ich ein Turnschuh wär. Oder als Flachbildscheiß. Ich hätte wenigstens einen Preis." Dazu spielt die Bord-Kapelle "Die Vögel (+1)" aus Musikern der Goldenen Zitronen und der Hamburger-Schule-Band "Die Sterne im Salonhintergrund" aufs Raueste auf.“ - Hamburger Abendblatt

 

„Für Überraschung ist gesorgt, als auf einmal die totgeglaubte Operndiva leibhaftig an Bord erscheint. Gespielt von Nadja Tiller, Kino-Star der 1950er und 60er Jahre («Das Mädchen Rosemarie»). Der Auftritt der Grand Dame, opulent gekleidet in schwarzem Paillettenkleid, mit goldener Robe und Krone auf dem Kopf, zählt zu den Höhepunkten des als «hysterisch-surreal» angekündigten Stücks.  Die Rolle sei perfekt auf Tiller zugeschnitten. «Den Diva-Gestus erfüllt sie unheimlich gut», erklärte Kamerun. Deshalb habe er sie einfach direkt gefragt, ob sie mitspielen wolle. Die Operndiva alias Tiller steht also noch einmal auf, und beschwert sich über das, was sie vorfindet. Sie singt das Kamerun-Lied «Monster regieren dieses Planet» und kritisiert darin die zunehmende Gleichförmigkeit der Städte, in deren Zentren überall die gleichen Kettenläden auftauchen.“ - Hamburger Morgenpost

 

„Ein spielfreudiges Ensemble müht sich um große Wirkung und erzielt sie auch. Sandra Flubacher ist eine Operndiva, die nicht singen kann. Marina Galic gibt die exaltierte Tänzerin und ihre Geliebte. Der blinde Passagier und Seemann ohne Papiere mit dem Piratennamen Gödeke wird von Alexander Simon vorgestellt. Lisa Hagmeister ist die somnambule Wandlerin zwischen den Durchgeknallten und den Normalos, die aus vertrauter Nähe die Macken der Kreuzfahrerklientel aufs Korn nimmt und das Wummern der Ausgeschlossenen wahrnimmt. Auf diesem Schiff übernimmt deren Rolle ein Hamburger Chor in Alltagskleidung, der am Ende Opfer einer Tanztherapie wird. Als stärkste Annäherung an das Thema.“ - Frankfurter Rundschau 

Ausgewählte Kommentare
Hallo,
ich war gestern drin und hatte Spaß. Tolle Musik, tolle Schauspieler und witzige Show. Außerdem ist der Ort ziemlich cool. Ein Bier mit Blick auf die Elbphilharmonie ist ein Muss. Es gibt jetzt auch keine Pause mehr, wie angeblich bei der Premiere noch und der Abend dauert nur noch 90 Minute.
Andreas Linz, 11.09.10
"Vor uns die Sintflut" von Schorsch Kamerun ist ein kleines, feinsinnig inszeniertes Meisterwerk! Unkonventionell, doch gerade deswegen einzigartig werden alle Vorzüge und Möglichkeiten des Theaters spielerisch genial eingesetzt. Das Stück beginnt überraschend mit einem schelmisch charmanten Puppenspiel, die immer wieder eingeworfenen Musikstücke (von einer Liveband) ergänzen das Geschehen wunderbar und auch die Kostüme und das Bühnenbild sind erfrischend kreativ gestaltet! Es geht nicht einfach um "Herrschende Klasse" vs. "Mittellose Gesellschaft". Es geht um menschliches Verhalten im Allgemeinen; und genau dieses Thema wird sehr geistreich und mit einem Augenzwinkern rübergebracht. Die Schauspieler spielen unaufgeregt gut, bewegen sich nuanciert und beherrschen die vielen Tempowechsel meisterhaft! Aber neben dem ganzen Flüchtlingsthema, also der politischen Botschaft (wenn einem das denn so wichtig ist), überrascht das Stück in so vielen Momenten mit kleinen, feinen aber genialen Ideen, ohne dabei den Faden zu verlieren. Das ganze Stück ist eigentlich wie ein verdammt guter Traum: irgendwie verändert sich alles immer wieder, nichts bleibt so wie es ist, mal werden laute, dann wieder leise Töne angeschlagen, mal blitzt hier und mal blitzt da ein Licht auf. Und am Ende wacht man auf und kann sich nur noch an Einzelteile des Traums erinnern - aber man weiß, dass es sich gut angefühlt hat. Das war ein echter Traum, weitaus besser als die "Inception" von Christopher Nolan, die zurzeit über die Leinwände geistert. Wer aus diesem Stück nicht mehr als die "politische Botschaft" mitnehmen kann, hat scheinbar vergessen auf die kleinen Dinge zu schauen, die manchmal viel wichtiger sind.

Herausragend gut!
Anton von Lucke, 06.09.10
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