Schnee

Sch
nee

von Orhan Pamuk / Regie Ersan Mondtag

Für eine Reportage über Selbstmorde kopftuchtragender junger Frauen reist der Dichter Ka nach zwölf Jahren im deutschen Exil zu­rück ins ostanatolische Kars. Drei Tage lang schneit es ununterbro­chen in der Stadt, die von der Außenwelt abgeschnitten ist. Es stehen Kommunalwahlen an, bei denen sich ein Sieg des islamistischen Kan­didaten abzeichnet. Auf einer Theaterbühne entzündet sich während der Aufführung eines volkspädagogischen Melodrams aus der Ata­türk-­Ära, in dem das Ablegen der Schleier propagiert wird, ein Streit. Darf eine Frau gezwungen werden, das Kopftuch abzulegen? Was wiegt schwerer: die Staatsräson eines säkularen Staates oder die persönliche Freiheit eines religiösen Glaubens? Das Geschehen eskaliert, als Angehörige eines obskuren Sonderkom­mandos die Bühne stürmen und unter der Führung des Staatsschau­spielers Sunay Zaim vorgeben, den Staat vor den Islamisten retten zu müssen. Der Dichter Ka unternimmt den Versuch, die politische Ver­schwörung aufzuklären, verheddert sich aber als Vermittler im Kampf zwischen türkischen und kurdischen Nationalisten, der Armee und islamistischen Fundamentalisten.

Für Regisseur Ersan Mondtag ist Orhan Pamuks „Schnee“ hoch brisant und aktuell. Mit seinem Roman, geschrieben vor dem 11. September 2001, wollte Pamuk die kleine Stadt Kars als Mikrokosmos der Türkei  verstanden wissen. Nach den Attentaten auf das World Trade Center begann Pamuk zu verstehen, dass die Probleme der Türkei die Pro­bleme der Welt wurden. Heute lautet Pamuks Appell an den Westen: „Bitte macht einen Unterschied zwischen der islamischen Gesell­schaft und dem politischen Islam! Bitte macht einen Unterschied zwischen dem politischen Islam und radikalen Fundamentalisten! Nach Anschlägen wie denen gegen Charlie Hebdo verwischen in den Emotionen die Unterschiede. Furchtbar!“

Mitwirkende Musiker bei der Einspielung der Komposition von Max Andrzejewski
: Richard Koch (Trompete), Uli Kempendorff (Klarinette), Benjamin Weidekamp (Bassklarinette)
Choreografische Mitarbeit: Sylvana Seddig

 

Dauer 1:45h, keine Pause

Premiere 25. Februar 2016, Thalia Gauß

Gefördert von

PRESSESTIMMEN

„'Schnee', wie er brisanter nicht sein könnte. (...) Ersan Mondtag setzt klug nur wenige Stellen aus dem Roman um, arbeitet stattdessen mit Choreografien, die bei aller Schönheit auch das Zwanghafte sichtbar machen.“ - Hamburger Abendblatt

„Ersan Mondtag nutzt den Roman als Steinbruch, klopft ihn nach verschiedenen Themen ab und stellt in den Mittelpunkt seiner Arbeit die Suche nach Antworten auf die grundsätzliche Frage, wie Gemeinschaften eigentlich entstehe. (…) Das übersetzt Mondtag in starke Bilder.“ - SWR

„Mit Licht und Schatten setzt Ersan Mondtag sie gekonnt in Szene, zur Musik von Max Andrezjewksi, der sie passend verschiedenen Kulturkreisen entnommen hat, schweben und wirbeln sie über die Bühne. In den leisen Momenten wird die kafkaeske Atmosphäre der Fremdheit besonders schön beschworen.“ - Die Welt

 

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Ausgewählte Kommentare
Sensationell.. hab es mit meiner Theaterklasse angeschaut & kann meine Gedanken immernoch nicht ordnen
Sabrina Finnern, 04.04.17
Der "Schnee" von gestern wirbelt noch immer durch meine Gedanken... Danke an alle Beteiligten (Elemente) für einen tollen Abend!
Janine Schwarze, 21.03.16
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