Gertrud

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Gertrud von Hjalmar Söderberg Regie Eirik Stubø

Fluchtartig verlässt Hjalmar Söderberg im Jahre 1906 Stockholm und schifft sich nach Kopenhagen ein. Er ist tief verletzt, kurz zuvor hatte er auf einer Party zufällig von dem Verhältnis seiner Geliebten Maria von Platen, Schauspielerin, zu einem sehr viel jüngeren Mann, Schriftsteller wie er, erfahren. Auf der Überfahrt lässt er sich gegenüber einem Journalisten zu der Behauptung hinreißen, er schreibe als nächstes ein Schauspiel. Gesagt, getan. Das Stück „Gertrud“ entsteht in wenigen Wochen, in dem er sein selbst erlittenes Liebesdesaster verarbeitet. Noch sechs Jahr später beschäftigt es ihn so sehr, dass er dieses Motiv zur Grundlage seines Romans „Ein ernstes Spiel“ macht.
Kreative Paarkonstellationen enden meist katastrophal oder tragisch – zumindest noch in der Literatur des 19. Jahrhundert. Ibsen stellt in seinem Künstlerdrama „Wenn wir Toten erwachen“ die Kunst und die Liebe antithetisch gegenüber, die nur im Tod eine Synthese erreichen. Tschechows Künstlerpaare, die Schauspielerin Arkadina und der erfolgreiche Schriftsteller Trigorin, die Nachwuchsschauspielerin Nina und der junge Autor Treplev scheitern menschlich, in der Liebe und in der Kunst. Das erfolgreiche, ältere Paar hat in seiner Beziehung sowie in seiner Kunst Arrangements getroffen, das jüngere scheitert an seinem Absolutheitsanspruch an die Liebe und an die Kunst.
Auch Gertrud, eine ehemalige Opernsängerin, scheitert zu Beginn des 20. Jahrhunderts an ihrem Anspruch der absoluten Liebe, doch sie hat eine Zukunft, wenn auch eine ungewisse. Söderberg erlaubt ihr zwar nur eine unerfüllte Künstlerliebe und ein mediokres Künstlerdasein. Aber am Ende lässt sie sich auf keine Arrangements ein und drei Männer, zwei davon sind Künstler, bleiben zurück. Sie entscheidet sich für ein selbstbestimmtes Leben, entgegen der gesellschaftlichen Konvention. Der Widerspruch zwischen Kunst und Liebe scheint unüberbrückbar.

 

Premiere am 6. Dezember 2014 im Thalia in der Gaußstraße

PRESSESTIMMEN

„Stubø präsentiert das postnaturalistische Dekadenzstück von der nach Liebe fahndenden Frau zwischen drei Männern betont skizzenhaft reduziert, als karge Konversation auf leerer Bühne, was den schwer erträgliche redseligen Text wohltuend herunterkühlt.“ - Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
„Da Stubø erstklassige Schauspieler zur Verfügung stehen, die sehr gut sprechen können, glückt ihm mit dieser Inszenierung ein spannender und hochklassiger Abend.“ - Hamburger Abendblatt

Foto: Krafft AngererFoto: Krafft AngererFoto: Krafft Angerer
Ausgewählte Kommentare
Minimalistisch, großartig. Die Schauspielern sind hervorragend, besonders Tilo Werner (wie immer). Es war ein toller Abend, danke Thalia!
08.12.15
Sollte auf jeden Fall mehr gesehen werden. Besonders aufgrund der großartigen schauspielerischen Leistung!
11.03.15
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