Furor

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von Lutz Hübner und Sarah Nemitz

Der 18jährige Enno liegt schwer verletzt auf der Intensivstation. Im Rausch ist er ausgerechnet dem Bürgermeisterkandidaten Heiko Braubach vors Auto gelaufen. Jetzt ist Braubach zu Besuch bei der verzweifelten Mutter. Mit seinem gesellschaftlichen Einfluss will er für den Sohn der Altenpflegerin alles regeln: Einzelzimmer, Ausbildungsplatz, das volle Programm. Nur seine Motive bleiben offen. Da taucht Jerome auf, Paketbote von ganz unten. Für ihn steht Braubach ganz oben auf der Liste der „Volksverräter“. „Politiker rettet Junkie das Leben“, so titelt die „Lügenpresse.“ - Doch ist das die ganze Wahrheit? War Braubach betrunken hinterm Steuer als der Unfall geschah? Das Problem mit seiner Schuld, so der angry young man, kann Braubach nicht einfach weglabern. Er soll zahlen: für Enno, für seinen Ruf, für die Fortsetzung seiner Karriere. Der Politprofi zu Gast bei den Abgehängten der Gesellschaft, seiner ehemaligen Stammwählerschaft- was haben die noch zu verhandeln? Was haben sie gemein? Wut und Fremdheit auf beiden Seiten, die gesellschaftlichen Gräben laufen direkt durch die Mietwohnung der Mutter. Das Stück schickt exemplarisch drei Vertreter einer Gesellschaft, deren Konsens zerfällt, in einen letzten Showdown - mit dem gezückten Messer wird hier die Frage gestellt: Wer repräsentiert die Verlierer des neoliberalen Wettbewerbs?

 

Premiere  28. Februar 2019, Thalia Gauß