Falling Man

Fallin
g Man

Deutsch von Frank Heibert / Für die Bühne bearbeitet von Sandra Strunz und Beate Heine

Als die Türme des World Trade Center in New York fielen, veränderte sich irreversibel die Wahrnehmung von der Welt. Das Ereignis brach in das Leben der Menschen und ihren Alltag ein und führte zu einer fundamentalen Unsicherheit, die auch heute noch gegenwärtig ist und unser Handeln bestimmt. Sechs Jahre nach dem Terroranschlag schrieb DeLillo den Roman „Falling Man“, in dem er den Ort des Persönlichen und Privaten wählt, um sich letztlich doch vor allem dem politischen Schock, den der Anschlag ausgelöst hat, zu nähern.


Ein Mann rettet sich aus den Trümmern der Türme, stolpert durch den Staub und schlägt einen Weg durch die Stadt ein, der ihn, ohne dass er den Grund nennen könnte, zum Haus seiner Ex-Frau führt. Zögernd und vorsichtig tasten sich beide zurück ins Leben. Er sucht den Besitzer der Aktentasche, die er irrtümlich und wie in Trance aus den Türmen getragen hat. Seine Ex-Frau macht die Treffen, die sie für eine Gruppe von Alzheimerpatienten leitet, zu Therapiesitzungen für sich selbst. Ihr gemeinsamer Sohn hält mit dem Fernglas am Fenster Ausschau nach dem Terroristen Bill Lawton. Zurück in ihr altes Leben finden beide nicht mehr. Er verdient sein Geld mit Pokerspielen, die ihn gleichzeitig immer wieder mit der Erinnerung an seinen toten Freund konfrontieren, den er in den Türmen zurücklassen musste. Das Paar fürchtet sich vor U-Bahn-Fahrten und Spaziergängen durch die Stadt. Und immer wieder entdeckt die Frau den Performance-Künstler „Falling Man“, der sich unerwartet von Gebäuden und Brücken in die Tiefe fallen lässt.

 

Uraufführung 21. Januar 2011, Thalia Gauss

PRESSESTIMMEN

„Die neu verglaste Front im Thalia in der Gaußstraße leuchtet einladend. […] Drinnen auf der Bühne herrschen Angst, Schock und Tod. Denn Sandra Strunz' vorwiegend illustrativ bleibendes Erzähltheater nach Don DeLillos Roman handelt von der äußeren und inneren Zerstörung, die der Terrorangriff auf die Zwillingstürme 2001 angerichtet hat. Der Widerspruch zwischen der frischen Hauspolitur und dem gespielten Gefühlschaos wird zum eigentlichen Irritationsmoment des Abends: Was immer passiert, Menschen versuchen nach überstandener Katastrophe weiterzuleben, als ob nichts geschehen wäre. Was bliebe ihnen sonst übrig?“ - Hamburger Abendblatt

 

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Ausgewählte Kommentare
Falling Man am 22. Januar 2011.
Endlich eine Aufführung für den Kopf - jenseits von jeglichem Spaßtheater, auch wenn trotzdem Komik entsteht und leises Lachen zu hören ist. Wir haben uns doch schon alle an 9/11 gewöhnt und die Bilder verinnerlicht. Ach ja, Terrorgefahr - tägliches Risiko. Damals New York, heute Moskau.
Es lohnt sich, diese zwei Stunden guten Schauspielern und Schauspielerinnen zuzuhören, auf der Suche nach der eigenen Identität; nach Haltung und politischer Rechtfertigung jeglichen Terrors. Die ewige Frage nach der Grenze zwischen dem Privatem und dem Politischen.
Die Aufführung entläßt seine Zuschauer nicht mit festgezurrten Bildern und Statements.

Ich will nicht zurück in die 80iger, trotzdem hat mich dieser Abend erinnert, wie es war, als die alternativen Spielstätten in Hamburg entstanden, TIK, Kampnagel, Malersaaal und das Publikum ganz nah dran und mitdiskutierend.
Falling Man könnte wieder so einen Einstieg bieten, sich aus-ein-ander-zu-setzen.
Kompliment.
Anke Scharnowski, 24.01.11
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