Die Räuber

Die R
äuber

von Friedrich Schiller / Regie Nicolas Stemann
Fotos: Arno Declair

„Ein allerliebstes köstliches Kind, dessen ewiges Studium es ist, keinen Vater zu haben.“

 

Karl und Franz sind Brüder. Franz, der jüngere, hasst Karl. Er neidet ihm das Erbe, das dem Erstgeborenen zusteht, neidet ihm die Liebe des Vaters, die alles verzeiht. Auch, dass Karl in seinem Studienort über die Strenge schlägt, er die Menschen für ihre Schwächen und Verfehlungen verachtet. Franz, der alles entbehrt, will Herr sein. Das „Böse“ zu wollen heißt sich Karls Welt gewaltsam anzueignen. Und es gelingt ihm, das Band zwischen dem Vater und Karl zu zerschneiden. Der alte Moor droht darüber zu sterben – Karl wird zum Räuber. Anders als Franz aber erstrebt Karl jetzt das „Gute“: Mit aller Kraft will er diejenigen bekämpfen, die ihn willkürlich, voller Kälte schutzlos gemacht haben. Ohne dass er es von vornherein weiß: sein Feind ist Franz, seine Verheißung, das „Franzische“ aus der Welt zu vertreiben.

 

Nicolas Stemann hat sich den ‚Räubern’ als einem Drama der schmerzhaften Identitätssuche genähert. Denn die Fragen „Wer will, wer muss ich sein?“, fundamentaler noch: „Wer bin ich?“ sind Fragen, die Franz wie Karl betreffen. Ihre gemeinsame Wurzel ist schließlich, ohne Vater zu sein. Ihr verzweifeltes Sehnen nach Zugehörigkeit, einem Projekt, einer Identität treibt sie ins Extrem, im Begehren, sich einer teilnahmslosen, ihnen alles vorenthaltenen Welt als Stempel aufzudrücken.

 

Salzburg-Premiere 15. August 2008, Salzburger Festspiele

Hamburg-Premiere 11. Oktober 2008, Thalia Theater

 

PRESSESTIMMEN

„Der Untergang einer patriarchalischen Welt“ - Hamburger Abendblatt

 

„Ein Stimmenorchester, eine Wortmusik, wie sie etwa auch Texte von Elfriede Jelinek erfordern, die Stemann aufregend inszenieren kann. Ein dekonstruktivistischer Regisseur wie er ist gerade richtig, um die intellektuelle Tragödie für ein heutiges Publikum attraktiv zu gestalten.“ - Hamburger Abendblatt

 

„Vier gegen den Rest der Welt“ - Hamburger Abendblatt

 

Weitere Pressestimmen
Gastspiele

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27. Juni 2009

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Ausgewählte Kommentare
Der Abend war biographisch wichtig, ich hatte entschieden, meinen fast 15 Jährigen in die Erwachsenentheaterwelt einzuführen, da kam das Klassiker-Abo genau richtig, und ich bin überglücklich, dass ich ihm eine so großartige Inszenierung bieten konnte! Ich hatte inständig gehofft, dass der Abend irgendwie an meinen eigenen Initiationstheaterabend an der Schaubühne heranreichen könnte: Prinz Friedrich von Homburg unter Stein mit Bruno Ganz. Das hat mich den Rest meines Theaterlebens geprägt.
Der einführende Sprecher hatte uns ganz umsonst gewarnt: wir konnten wunderbar der Auffächerung in verschiedene Personen folgen und genau das war ja das Großartige und geht natürlich nur mit solch virtuosen Schauspielern, wie ihr sie am Thalia habt -- ich bin seit langem bekennender Alexander Simon Fan --. Die vielstimmigen Selbstgespräche, die ein Pubertierender immer bewusster erfährt, körperlich ausagiert zu sehen, in einer vierkörprigen Person, denn nach ein paar Minuten kam schon der Punkt, wo nicht mehr vier Schauspieler eine Rolle sich aufteilten, sondern eine Person mit sich haderte, höhnte, zürnte, zweifelte und ratlos war, sich anspornte, und sich dabei knuffte, in den Weg stellte, vor sich weglief, das hat nicht nur den Schillerschen Endlosmonologen gut getan und sie in einen Rhythmus gebracht, der sie verstehbarer macht, sondern ist das, wozu Theater da sein kann.
Aus dem Gästebuch, 12.11.12
Ich stimme zu, Schiller hätte sich amüsiert. Es war anstrengend, laut und intensiv -> so, wie Klassiker interessant bleiben. Stemann kann\'s einfach. Ein Stück auseinander nehmen und trotzdem bleibt das Grundgefühl und der Grundgedanke in jeder Projektion oder Musikeinlage spürbar. Dazu geniale Schauspieler, die teilweise so fesseln, dass man sich nicht entscheiden kann, wem man zuhören will. Toll.
Lydia P., 26.04.14
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