Die Räuber

Die R
äuber

von Friedrich Schiller / Regie Nicolas Stemann
Fotos: Arno Declair

Besetzung der TV-Aufzeichnung von 2008

Christoph Bantzer

Maren Eggert

Philipp Hochmair

Daniel Hoevels

Felix Knopp

Peter Maertens

Katharina Matz

Alexander Simon

„Ein allerliebstes köstliches Kind, dessen ewiges Studium es ist, keinen Vater zu haben.“

 

Karl und Franz sind Brüder. Franz, der jüngere, hasst Karl. Er neidet ihm das Erbe, das dem Erstgeborenen zusteht, neidet ihm die Liebe des Vaters, die alles verzeiht. Auch, dass Karl in seinem Studienort über die Strenge schlägt, er die Menschen für ihre Schwächen und Verfehlungen verachtet. Franz, der alles entbehrt, will Herr sein. Das „Böse“ zu wollen heißt sich Karls Welt gewaltsam anzueignen. Und es gelingt ihm, das Band zwischen dem Vater und Karl zu zerschneiden. Der alte Moor droht darüber zu sterben – Karl wird zum Räuber. Anders als Franz aber erstrebt Karl jetzt das „Gute“: Mit aller Kraft will er diejenigen bekämpfen, die ihn willkürlich, voller Kälte schutzlos gemacht haben. Ohne dass er es von vornherein weiß: sein Feind ist Franz, seine Verheißung, das „Franzische“ aus der Welt zu vertreiben.

 

Nicolas Stemann hat sich den ‚Räubern’ als einem Drama der schmerzhaften Identitätssuche genähert. Denn die Fragen „Wer will, wer muss ich sein?“, fundamentaler noch: „Wer bin ich?“ sind Fragen, die Franz wie Karl betreffen. Ihre gemeinsame Wurzel ist schließlich, ohne Vater zu sein. Ihr verzweifeltes Sehnen nach Zugehörigkeit, einem Projekt, einer Identität treibt sie ins Extrem, im Begehren, sich einer teilnahmslosen, ihnen alles vorenthaltenen Welt als Stempel aufzudrücken.

 

Salzburg-Premiere 15. August 2008, Salzburger Festspiele

Hamburg-Premiere 11. Oktober 2008, Thalia Theater

 

PRESSESTIMMEN

„Der Untergang einer patriarchalischen Welt“ - Hamburger Abendblatt

 

„Ein Stimmenorchester, eine Wortmusik, wie sie etwa auch Texte von Elfriede Jelinek erfordern, die Stemann aufregend inszenieren kann. Ein dekonstruktivistischer Regisseur wie er ist gerade richtig, um die intellektuelle Tragödie für ein heutiges Publikum attraktiv zu gestalten.“ - Hamburger Abendblatt

 

„Vier gegen den Rest der Welt“ - Hamburger Abendblatt

 

Weitere Pressestimmen
Gastspiele

17., 18. und 19. Mai 2011

Ruhrfestspiele Recklinghausen

 

9. Februar 2011

Veranstaltungsforum Fürstenfeld, Fürstenfeldbruck

 

5. und 6. Januar 2010

Theater Duisburg

 

9. und 10. Dezember 2009

Theater Winterthur

 

18. und 19. November 2009

Stadttheater Bozen

 

27. Juni 2009

Schillertage Mannheim

 

11. und 12. Mai 2009

Berliner Festspiele

Ausgewählte Kommentare
Nicolas Stemann interpretiert Schillers „Räuber”, vor allem dessen Ende auf eine interessante Art und Weise. Eine genaue Lektüre der „Räuber”, die Kenntnis Schillers Wesens, sowie seinen politischen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen sprechen gegen Stemanns Thesen. Stemann bezieht Schiller zu sehr auf die Gegenwart, fühlt sich nicht in Schillers historischen Hintergrund ein, interpretiert ihn zu subjektiv und versucht seine eigenen Gedanken über Freiheit im Drama wieder zu finden. Wenn er sagt Schiller lasse „(s)einen Traum von Freiheit …an die Wand krachen”, behauptet er folgerichtig, dass Schillers Traum von Freiheit entweder der materialistischen Freiheit Franz Moors oder der gesetzeslosen „Räuber-Freiheit” Karls entspricht. Beides ist eindeutig zu widerlegen. Dass Schiller nicht mit Franz sympathisiert, ist einerseits deutlich an der Figur zur erkennen und andererseits daran zu sehen, dass Schiller Idealist war und Franz Materialist ist. Für Schiller kommt eine Freiheit, wie Karl sie bei den Räubern findet, nicht in Frage. Schiller verabscheut Rauben und Morden. Er schrieb, dass Karl, als er „an der Spitze einer Mordbrennerbande stand, Gräuel auf Gräuel häufte (und) von Abgrund zu Abgrund stürzte […]” (Der Verfasser an das Publikum; F. Schiller; Z.:5-7). Karl findet am Schluss die wahre (moralische und innere) Freiheit, die falsche (äußere) Freiheit „kracht an die Wand”, da sie als falsch entlarvt wird. Aus den Fehlern der äußeren und der Erfahrung seiner eigenen Gräueltaten findet Karl seine innere moralische Freiheit. Er scheitert nicht, sondern wächst. Er siegt über seine eigenen Laster (siehe „Der Verfasser an das Publikum”; F. Schiller; Z.1-10). Was zeigt uns das? Karl Moor wird auf Grund seiner verletzten Vaterliebe zum Räuberhauptmann. Er mordet und raubt. Jedoch am Ende lässt er sich für die besagten Gräueltaten an die Justiz ausliefern. Denn erst dann wird er sich seiner Fehler wahrlich bewusst und übernimmt die Verantwortung für diese. Er handelt frei, das heißt er tut das, was er für gut, moralisch richtig oder tugendhaft hält. Nach seinem verzweifelten Suchen und Kämpfen nach Freiheit, findet er sie in sich selbst. Er ist sein eigener Herr, er entscheidet für sich was richtig ist und er kann frei sein, wenn er sich dazu entscheidet. Man kann sich immer frei für das Richtige entscheiden. Was man auch immer Lasterhaftes getan haben sollte, man hat die innere, moralische Freiheit sich für das Gute zu entscheiden.
Leo Wilhelm, 15.06.11
Ich fand:Die ersten 10 min waren geniales Schauspiel! Konzentration auf Schauspieler und Text. 4 gute Schauspieler können alles erzählen, junge Männer, Alte, Frauen. Stemann und sein Team beweisen, dass man dafür keine Deko braucht, keine Videoprojektionen, keine Live-Band, keine Kostümschau. – Aber dann öffnet sich die Bühne und wir sehen doch all das Zeug, das wir gerade noch so froh waren, einmal entbehren zu können: eine Band, Video, Kostümschinken, etc. Stemann verrät sich selbst!
Peter Maifeld, 01.12.10
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