Das Käthchen von Heilbronn

Das Käthch
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von Heinrich von Kleist / Regie Bastian Kraft
Foto: Krafft AngererFoto: Krafft AngererFoto: Krafft AngererFoto: Krafft AngererFoto: Krafft AngererFoto: Krafft AngererFoto: Krafft AngererFoto: Krafft AngererFoto: Krafft Angerer

Der Welt und sich selbst ist das Käthchen ein Rätsel. Somnambul folgt sie dem Ritter vom Strahl und gleichzeitig ihrer inneren Wahrheit. Diese liegt im Traum verborgen und diesem Traumbild gehorcht Käthchen, allen Widrigkeiten zum Trotz. Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit sind in Kleists großem historischen Ritterspiel aufgehoben. Nichts ist wie es scheint, und die Figuren verbergen die Motive ihres Handelns vor dem Nächsten. Wie soll Käthchen auch erklären können, dass sie dem Grafen Wetter vom Strahl somnambul auf Schritt und Tritt folgt, ihm folgen muss? Vernünftig sind ihre Beweggründe jedenfalls nicht. Die Wahrheit liegt im Traum verborgen, und ihrem Traumbild gehorcht Käthchen. Die reale Welt bedeutet hier Lug und Trug.

 

Mit dem „Käthchen“ schuf Kleist einen Gegenentwurf zur „Penthesilea“ - sie ist die Kehrseite der Amazone, „ihr andrer Pol, ein Wesen, das ebenso mächtig ist durch gänzliche Hingebung, als jene durch Handeln“, schrieb Kleist an seine Cousine. Mit „Käthchen“ entwarf er seine rätselhafteste Figur. Was verbirgt sich hinter dem Subjekt? Was ist wahr, was ist Lüge? Dies sind Fragen, denen der 33 Jahre alte Regisseur Bastian Kraft bereits in seiner Inszenierung von Kleists „Der zerbrochne Krug“ nachgeht, in der eine zersplitterte Figur im Mittelpunkt steht: Dorfrichter Adam, der Beschuldigter und Richter zugleich ist. In seiner jüngsten Regiearbeit „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ nach Fassbinder verschwimmen schließlich Selbstbild und fiktives Zelluloid-Bild, Realität und Illusion vollends. „Wer ist der echt Mensch dahinter?“, fragt Bastian Kraft. „Wahrscheinlich ist das nichts. Der Mensch ist ein Lügengebäude. Da ist kein wahres Ich, da ist kein Kern.“ Doch Kleists „Käthchen“ hat nicht vom Baum der Erkenntnis gegessen; sie darf ganz bei sich sein und in einer zerbrochenen Welt ihre „natürliche Grazie“ bewahren.


Premiere 21. Februar 2015, Thalia Theater

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