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Premieren 2021 & 2022

 

Shockheaded Peter


 

 

 

 

Ein Musical von den Tiger Lillies, Julian Crouch und Phelim McDermott, Musik von Martyn Jacques
Junk-Oper nach Motiven aus „Der Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann
Regie Peter Jordan & Leonhard Koppelmann Ab Jg. 10
Premiere Thalia Theater im August 2021


Eine Gruppe von Kindern, auf sich allein gestellt, sucht sich ein Vorbild: eine Autorität, die Autoritäten ablehnt – ein Widerspruch? Vielleicht. Denn es handelt sich um keinen Geringeren, als „Pfui, den Struwwelpeter!“ In pointiert-komischen und surrealen Bild- und Musikwelten wird das Ensemble des Thalia Theaters zur Irritation für die Artigen und Braven und erzählt die Horror-Geschichten um den Ungekämmten mit den langen Fingernägeln. Mit Musik arrangiert im schräg-makabren Stil der britischen Band „The Tiger Lillies“ – zwischen Punk, Kunstmusik, Vaudeville, Blues und Falsett-Gesang.

 


Herkunft
von Saša Stanišić 
Regie Sebastian Nübling Ab Jg. 11
Premiere Thalia Gauß im August 2021


Aus einem Lebenslauf für die Ausländerbehörde wird eine große, autofiktionale Erzählung, die alle vereinfachenden Diskurse zum Thema Heimat und Identität hinter sich lässt. Herkunft gibt es hier nur im Plural, als zersplitterte Erinnerungen an eine Familie, an ein Land, das es nicht mehr gibt: Jugoslawien. Herkunft als der erste Zufall der Biografie, als Fragment und Fiktion, als Spiel verschiedener Möglichkeiten, von denen die am Ende geglückte Ankunft eigentlich die unwahrscheinlichste Variante ist.

 


Blick von der Brücke
von Arthur Miller
Regie Hakan Savaş Mican Ab Jg. 11
Premiere Thalia Gauß im September 2021


Ehrensache, dass Hafenarbeiter Eddie Carbone zwei illegal aus Europa eingewanderte Verwandte aus Europa aufnimmt. Hat er doch selbst mit nichts angefangen und sich mit harter Arbeit eine Existenz aufgebaut. Als seine Nichte Catherine sich in einen der Neuankömmlinge verliebt, verliert Eddie zunehmend den Boden unter den Füßen. Hakan Savaş Micans Inszenierung schlägt den Bogen vom Einwanderungsland Amerika über die sogenannte „Gastarbeitergeneration“ in Deutschland bis nach Hamburg heute.

 


GRM BRAINFUCK

Das sogenannte Musical von Sibylle Berg

Originalmusik von Ruff Sqwad Arts Foundation, UK

Regie Sebastian Nübling Ab Jg. 10

Uraufführung Thalia Theater im September 2021

 

Im Zentrum von „GRM Brainfuck“ steht eine Gruppe Jugendlicher, sie sich im Post-Brexit-Großbritannien der Zukunft der staatlichen Überwachungsdiktatur widersetzt. Die Macht von Algorithmen ist allgegenwärtig und es gibt kaum noch Platz für Träume. Doch die Gruppe hält wie Großstadtpartisanen der Humanität an ihrer Idee eines autonomen Lebens fest. Dabei hilft ihnen ihre Musik grime kurz GRM (Musikstil, der in den 2000er Jahren in London entstand und sich bis heute stets weiterentwickelt), ein klares Gespür für Gerechtigkeit und ihr Freiheitswille.

 


Transit
nach Anna Seghers
Regie Amir Koohestani Ab Jg. 11
Premiere Thalia Gauß im September 2021


Marseille 1940, eine Frau und zwei Männer auf der Flucht aus Europa. Im alptraumhaften Warten auf rettende Visa und Papiere verbinden sich ihre Schicksale. Mit der Identität eines toten Schriftstellers bekommt der Erzähler zwei Schiffspassagen nach Übersee. Wer wird entkommen? Wer bleibt zurück? Der iranische Regisseur und Filmemacher Amir Koohestani erzählt Anna Seghers großen autobiographischen Exil-Roman für heute.
Koproduktion mit dem Kunstfest Weimar.

 


Die Räuber
von Friedrich Schiller
Regie Michael Thalheimer Ab Jg. 10
Premiere Thalia Theater im Oktober 2021


Frei, freier, die Räuber. Oder? Gleichheit und Selbstbestimmung! Und zwar egal, um welchen Preis. Aber lautet die moderne Formel nicht Freiheit gegen Sicherheit? Wieviel vom Ersten kann eine Gesellschaft hergeben, um das Zweite zu garantieren? Die Weltbilder sind spannungsvoll, denn schließlich gilt die Losung: „Pfui! Pfui über das schlappe Kastratenjahrhundert, zu nichts nütze, als die Taten der Vorzeit wiederzukäuen.“ Der Regisseur Michael Thalheimer kehrt mit Schillers Skandalstück über Aufbruch nach über 10 Jahren zurück ans Thalia Theater.

 


Eurotrash
von Christian Kracht
Regie Stefan Pucher Ab Jg. 11
Premiere Thalia Gauß im November 2021


Christian Krachts lang erwarteter neuer Roman beginnt mit einer Erinnerung: Vor 25 Jahren irrte in „Faserland“ ein namenloser Ich-Erzähler durch ein von allen Geistern verlassenes Deutschland, von Sylt bis über die Schweizer Grenze nach Zürich. In „Eurotrash“ geht derselbe Erzähler erneut auf eine Reise – diesmal nicht nur ins Innere des eigenen Ichs, sondern in die Abgründe der eigenen Familie, deren Geschichte sich auf tragische, komische und bisweilen spektakuläre Weise immer wieder mit der Geschichte dieses Landes kreuzt. „Eurotrash“ ist ein berührendes Meisterwerk von existentieller Wucht und sarkastischem Humor.

 


Der Sandmann
von E. T. A. Hoffmann
Musik und Lyrics Anna Calvi
Regie Charlotte Sprenger Ab Jg. 10
Premiere Thalia Theater im März 2022


Zwischen schwarzromantischem Schauermärchen und veritablem Albtraum: Die heimlich-unheimliche Praxis der Alchimisten verweist auf die Intransparenz der modernen KI-Forschung. E. T. A. Hoffmanns dunkle Erzählung „Der Sandmann“, Herzstück seiner „Nachtstücke“, wird mit der Musik der grandiosen britischen Singer-Songwriterin Anna Calvi zu einer Black-Mirror-Opera, die sich aufmacht, der Nachtseite des Mondes und der Seele einen betörend verstörenden Besuch abzustatten. Der Wahnsinn hat durchaus Methode. Können wir unseren Augen noch trauen? Wie lässt sich eine aufgezogene Spieluhr aus dem Takt bringen?

 


Heim I Weh
Regie Gernot Grünewald Ab Jg. 11
Premiere Thalia Gauß im April 2022


Heimweh, Einsamkeit, Zwang und Gewalt. Geschätzt um die 8 Millionen Kinder wurden bis in die 1980er Jahre hinein ohne ihre Eltern in wochenlange Kinderkuren geschickt. Längst ist es Zeit, diesen Teil der jüngsten deutschen Vergangenheit ans Licht zu holen. Denn was als „Kindererholung“ bezeichnet wurde, war nicht nur ein gutes Geschäft, sondern setzte an Nord- und Ostsee, im Allgäu und im Schwarzwald, das Erziehungsideal und das Menschenbild der Nazi-Zeit fort – oft mit dem gleichen Personal und verheerenden Folgen bis heute.