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Premieren
 
Opening Night
von John Cassavetes
Regie Charlotte Sprenger Ab Jg. 10
Premiere Thalia Gaußstraße Open-Air im August 2020
 
Die Nerven liegen blank. Eine Theatertruppe probiert ein neues Stück. Die Schauspielerin Myrtle Gordon ist unzufrieden und sabotiert die Proben. Der Regisseur ist ratlos, ihr Schauspielerkollege sauer. Der Produ- zent hat Angst, dass die Produktion platzt. Die Situation gerät außer Kontrolle, als ein junges Mädchen vor Myrtles Augen bei einem Autounfall ums Leben kommt. Myrtle möchte das Stück komplett auf den Kopf stellen. Die Premiere ist angesetzt. Es ist die Nacht der Entscheidung, die „opening night“. John Cassavetes (1929 – 1989) gilt als wichtigster Vertreter des amerikanischen Independent-Films.
 
 
Ode an die Freiheit
Kabale und Liebe / Maria Stuart / Wilhelm Tell nach Friedrich Schiller
Regie Antú Romero Nunes Ab Jg. 11
Premiere Thalia Theater im August 2020
 
Schiller gilt als „Apostel der Freiheit“, und sein Werk umkreist auf unterschiedliche Weise den Freiheitsbegriff. Antú Romero Nunes hat mit dem Ensemble Motive dreier Schiller-Stücke inszeniert. In Kabale und Liebe dreht der Musikus Miller komplett durch: Tochter Luise hat eine Liaison mit dem adeligen Ferdinand von Walther. Ein Albtraum für den Vater, der bestimmt, wie es zu sein hat, die „freie Liebe“ stößt an ihre Grenzen. Sehr begrenzt ist auch der Raum, in dem sich Maria Stuart bewegt. Seit neunzehn Jahren in Kerkerhaft, befindet sie sich im ewigen Duell mit Elisabeth. Zwei Königinnen, die auf eine Zukunft ohne die andere hoffen, um endlich frei atmen zu können. Frei fühlt sich der arglose Wilhelm Tell, der als Jäger in der Wildnis lebt und seinen Sohn das Einmaleins der Freiheit lehrt. Doch dann trifft Tell auf den Landvogt Gessler und steht inmitten einer Zivilisation, die andere Regeln vorsieht.
 

 
Uraufführung
PARADIES
fluten / hungern / spielen von Thomas Köck
Regie Christopher Rüping Ab Jg. 11
Premiere Thalia Theater im September 2020
 
Thomas Köck sammelt und collagiert Szenen von Krisen, Fehleinschätzungen, versagenden Routinen und Paranoia, die den Alltag bestimmen. Wie von einem Virus wird alles zersetzt und in Frage gestellt: Mit Mundschutzmaske und Schutzanzug stehen zwei Kinder vor der Tür des Zimmers ihres Vaters im Krankenhaus. Der Kautschukboom im 19. Jahrhundert prallt auf das Schicksal einer Tänzerin im Heute. In China machen sich ein Mann und eine Frau auf den Weg, um illegal in Italien einzuwandern, wo sie die gleichen Arbeitsbedingungen vorfinden wie zuhause. Eine Kriegsreporterin sitzt in einem Luxushotel in der Wüste fest. Eine Frau verlässt ihre Wohnung, draußen auf der Straße riecht es nach Tränengas. Der als Regisseur des Jahres 2019 ausgezeichnete Christopher Rüping inszeniert PARADIES des mehrfach mit Preisen bedachten Drama- tikers Thomas Köck.
 

 
Maß für Maß
von William Shakespeare
Neu übersetzt & bearbeitet von Thomas Melle
Regie Stefan Pucher Ab Jg. 11
Premiere Thalia Theater im Oktober 2020
 
„Eine amtsmüde Regentin gibt die Macht ab, ohne sie abzugeben, und beobachtet, als Mönch verkleidet, was passiert. Doch das Sozialexperiment geht bald schief. Wie verhalten sich jetzt Geilheit und Macht? Wer setzt das Kontaktverbot, wer nutzt es und vor allem, fragen sich die Murrenden bald: Wem nützt es?“ (Thomas Melle) Ist alles recht, was Recht ist? Schafft Gewohnheitsrecht ein neues Recht? Wie lässt sich Gerechtigkeit herstellen? Und wo verstellt Selbstgerechtigkeit den wahren Gerechtigkeitssinn? Muss ein gerechter Staat stark sein, um die Freiheitsrechte einer liberalen Gesellschaft zu schützen? Regisseur Stefan Pucher inszeniert Shakespeares „black comedy“ in einer freien Bearbeitung des Schriftstellers und Dramatikers Thomas Melle, der den Text ins 21. Jahrhundert bringt.
 

 
Deutsche Erstaufführung
Network
von Lee Hall nach dem Film von Paddy Chayevsky
Regie Jan Bosse Ab Jg. 11
Premiere Thalia Theater im Oktober 2020
 
Howard Beale, Moderator bei einem großen amerikanischen Nachrichten-Network, ist nicht gerade ein Quotenkönig. Nachdem der Sender kurzerhand entschieden hat, ihn durch einen jüngeren Kollegen zu ersetzen, sieht er die Stunde der Wahrheit gekom- men: vor laufender Kamera kündigt er seinem Publikum an, sich in seiner letzten Sendung das Hirn rauszupusten. Für den Sender eine Katastrophe, völlig untragbar – doch ein Blick auf die Quote und das Medienecho zerschlägt alle Zweifel: Binnen weniger Sekunden ist Howard Beale ein Star geworden! Da wird ihm kurzerhand ein Sendeplatz als populistischer Prediger der wütenden, ungehörten Masse eingeräumt – und Howard liefert! In Network wird eine dystopische Medienlandschaft gezeigt, in der Meinungen Tatsachen übertrumpfen. Die Parallelen zu heute sind dabei geradezu atemberaubend. Der gleichnamige Film von Paddy Chayevsky erhielt 1976 vier Oscars – Lee Hall adaptierte das Drehbuch für den Broadway.
 

 
Herkunft
von Saša Stanišic
Regie Sebastian Nübling Ab Jg. 11
Premiere Thalia Gaußstraße im Dezember 2020
 
„Herkunft ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt. Herkunft ist ein Buch über ein Dorf, in dem nur noch dreizehn Menschen leben, ein Land, das es heute nicht mehr gibt, eine zersplitterte Familie, die meine ist. Es ist ein Buch über die Frage, was zu mir gehört, ein Selbstporträt mit Ahnen. Und ein Scheitern des Selbstporträts. Herkunft ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. Herkunft ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache und Scham, Ankommen und Zurechtkommen, Glück und Tod.“ Dies schreibt Stanišic über den 2019 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman. Eine autofiktionale Erzählung, die alle vereinfachenden Diskurse zum Thema Heimat und Identität hinter sich lässt. Saša Stanišic wurde 1978 in Višegrad geboren. Als der Vielvölkerstaat auseinanderbrach, gelang der Familie 1992 die Flucht nach Deutschland. Heute lebt Stanišic in Hamburg. Herkunft kommt in der Regie von Sebastian Nübling im Thalia Gaußstraße zur Aufführung.
 

 
Shockheaded Peter
Ein Musical von den Tiger Lillies, Julian Crouch und Phelim McDermott nach Motiven aus "Der Struwwelpeter"
Regie Peter Jordan und Leonhard Koppelmann Ab Jg. 10
Premiere Thalia Theater im Dezember 2020
 
Wer nicht hören will, muss fühlen! Sie sind Freaks, Ausgestoßene, verdrängt und unangepasst. Sie sind zusammengepfercht, irgendwo im schäbigen Interieur abseits der Gesellschaft. Ihre Körper irritieren und ihre exzentrischen Verrenkungen sind anmaßend. Aber vor allem wollen sie nicht gehorchen. In surrealen Bild- und Musikwelten wird das Ensemble zum Schrecken für die autoritäre Erziehung, zum Sinnbild der Anarchie: Sie alle sind Shockheaded Peter und erzählen die grotesken Horror-Geschichten um den Ungekämmten mit den langen Fingernägeln. Ihre Live-Musik im schrägmakabren Stil der britischen Band Tiger Lillies wird zur Sprache der Ungehorsamen, Abseitigen und Komischen.
 
 

 
Uraufführung
Mittagsstunde
von Dörte Hansen
Regie Anna-Sophie Mahler Ab Jg. 11
Premiere Thalia Theater im Februar 2021
 
Die gefeierte norddeutsche Autorin Dörte Hansen erzählt vom Verschwinden der ländlichen Welt und über das fiktive norddeutsche Dorf Brinkebüll, das den Strukturwandel in der modernen Landwirtschaft in den 1960er Jahren erlebt hat. Seit die Landvermesser zur Flurbereinigung kamen, wurden aus kleinen Feldern große Ackerflächen und aus Sandwegen Asphalt- straßen. Als die Landvermesser Brinkebüll wieder verließen, war Marret Feddersen schwanger. So kam Ingwer auf die Welt. Weil Marret „Ünnergang“ leicht „verdreiht“ war, kümmerten sich die Großeltern um den Jungen. Früh stand Ingwer mit Großvater Sönke hinter dem Tresen des Dorfkrugs, den er später einmal übernehmen sollte. Aber Ingwer verließ das Dorf, um in der Stadt zu studieren. Mit bald 50 kehrt er zurück, um die Großeltern zu pflegen und sein eigenes Leben neu zu sortieren. Regisseurin Anna-Sophie Mahler war 2016 mit Ihrer Inszenierung von Josef Bierbichlers Roman Mittelreich zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
 

 

Blick von der Brücke
von Arthur Miller
Regie Hakan Savas Mican Ab Jg. 11
Premiere Thalia Gaußstraße im Februar 2021
 
Ein Mann dreht durch. Im Leben des Hafenarbeiters Eddie Carbone lief lange alles ganz gut. Aus Italien stammend, hat er sich mit seiner Frau Beatrice und seiner Nichte Catherine im New York der 50er Jahre durchgebissen, ein starker, stolzer Amerikaner. Als er zwei illegal eingewanderte Verwandte aus Sizilien, Rodolfo und Marco, bei sich aufnimmt, gerät sein Leben außer Kontrolle. Eddie versteht die Welt nicht mehr. Arthur Miller, Sohn einer Familie, die aus Europa in die USA kam, erzählt in Blick von der Brücke von der Krise eines Mannes, dessen Weltbild in seinen Grundfesten erschüttert wird. Regisseur Hakan Savas Mican wird Millers selten gespieltes Drama mit jener Liebe zum italienischen Schlager auf die Bühne bringen, die die erste und zweite Generation der Eingewanderten verbindet.