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Thalia-Schülerbotschafter werden

Du wirst Thalia-Schülerbotschafter und informierst regelmäßig an Deiner Schule über die Thalia Stücke. Du bekommst eine Pinnwand für die Schule gestellt, die Du gestalten kannst und erhältst regelmäßig Karten für einzelne Inszenierungen sowie Einladungen zu Proben.

Bewerbung ab sofort per Mail unter thaliaundschule@thalia-theater.de.
Bitte Jahrgang, Schule und Mailadresse vermerken.

Auerhaus

Ein Merkmal von schlechtem Journalismus ist das anfängliche Zitieren einer Person oder eines Theaterstückes..., aber trotzdem will ich das tun.
„Let's move out. This is what we need – our house is the middle of the street.“
Dieser Mix beschreibt das Stück Auerhaus eigentlich sehr gut. Es geht um alles das, was Erwachsene als ihre beste Zeit betrachten, um die Jugend; um das, was man braucht – und um Suizid.

 

Irgendeine Kleinstadt im Westen Deutschlands in den Achtzigern. Kein Bock und keine Perspektive. Und Frieder, der sich umzubringen versucht. Im Dorf stößt das eher auf Unverständnis - man weist ihn in die Psychatrie ein. Aber da das ewige Abhängen mit Verrückten nicht förderlich für die Gesundheit ist, darf er einziehen, einziehen ins Auerhaus. Das ehemalige Haus seines Großvaters.

 

Mit ihm zusammen Höppner – sein, mehr oder weniger, bester Freund - , Vera, Pauline – eine Pyromanin – und der schwule Harry, der am Stuttgarter Bahnhof anschaffen geht, Grass verkauft und sein Coming-Out noch nicht hatte.
Es geht um alles, was wichtig ist: Die erste Liebe, Drogen, Partys und darum, dass Elektrotechniker die Krone der handwerklichen Schöpfung sind.

 

Die ganze Inszenierung ist durch Musik geprägt. Auf der Bühne stehen ein Schlagzeug und drei Klaviaturen. Der Musiker, der lustigerweise auch Frieder heißt, singt uns immer wieder vor. Dies geschieht auf eine Art und Weise, bei der es scheint, als ob er improvisiert und alles nur halb abgesprochen wäre – was dem ganzen einen dilettantischen Look verpasst (bitte nicht falsch verstehen, das ist ein Kompliment!). Die Schauspieler, die allesamt fantastisch sind, turnen auf dem Klettergerüst, welches das Auerhaus bildet, munter herum.

 

Das Stück ist wirklich super! Die Grenze der Geschmacklosigkeit, die beim Thema Suizid natürlich leicht zu überschreiten ist, wird immer wieder gekonnt gestreift, aber nie berührt. Durch den Wechsel aus Schauspiel und fantastischer Musikauswahl, ist man nie gelangweilt und fühlt sich auch als Jugendlicher nicht parodiert – ich will hier niemanden angucken, aber Jugendsprache heißt nicht ohne Grund so...

 

Ich möchte jedem Elternteil davon abraten, das mit dem eigenen Nachwuchs zu gucken. Nicht nur ist das Thema Suizid ein heikles, sondern auch Themen wie Prostitution und häusliche Gewalt sind zwar wichtig, aber mit seinen Eltern will man das nicht unbedingt sehen!
Weiter lässt sich nur sagen, das jeder, der um die Sechzehn und älter ist, sich dieses Stück angucken muss. Es ist schön gemacht, das Thema ist wichtig und für den nächsten Ohrwurm ist gesorgt. Herzhafte Lacher und nachdenkliche Momente geben sich hier auf eine ganz besondere Art die Hand, vor der man sich nur verneigen kann!


Paulo Sieweck, Corvey Gymnasium, JG 10

Der Schimmelreiter

Schlüssig aber nicht unbedingt sinnvoll
Der Vorhang erhebt sich und gibt den Blick frei auf einen Deich, auf dessen Gipfel ein Pferdekadaver thront. Mit dem Klang der Kirchenglocken versammeln sich die Dorfbewohner auf der Schutzmauer, im Hintergrund hört man indessen die Brandung tosen. Ganze fünf Minuten wird dieses Bild von den Schauspielern gehalten, welche regungslos verharren. Wer mit dem Werk von Theodor Storm vertraut ist, wird hier sofort die einzelnen Charaktere erkennen, Haltung und Mimik sind hier verlässliche Anhaltspunkte.
Doch nach diesem eindrucksvollen Einstieg stagniert die Inszenierung. Dies liegt einerseits an der fortwährenden Wiederholung von genau einer Szene, welche sich immer nur in hauchfeinen Nuancen von der vorigen unterscheidet. Wahrscheinlich zur Verdeutlichung der Sturheit der Dorfbewohnern und der Unvergänglichkeit der Handlungen eingesetzt, bewirkt dieses Stilmittel leider nur, dass das Publikum immer weiter zermürbt wird. Vielleicht spielt auch die Darstellung des „Deiches“ eine Rolle dabei; denn der ist im Gegensatz zum Original nicht aus Gras oder gar grün sondern grau und stählern, mehr einer Wand gleichend, die sich vor dem Zuschauer aufbaut, als ein Deich, wie er dem norddeutschen Publikum bekannt ist. Grau und trostlos bleibt der Schimmelreiter leider kontinuierlich bis zum Schluss, nach knapp drei Stunden. Selbst bei der ersten Inszenierung der Sturmflut vor der Pause bleibt dem Zuschauer eine umfangreichere Darstellung verwehrt. Es donnert, man hört das Meer tosen, die Dorfbewohner bleiben regungslos auf dem Deich stehen, mit regungslosen Mienen, der Vorhang senkt sich. Die unzähligen Anspielungen der Inszenierung auf Bibelverse, insbesondere auf die Offenbarung des Johannes, versuchen dem Stück eine gewisse Intellektualität zu geben, die jedoch, dank der doch sehr kräftezehrenden Inszenierung, an den meisten erschöpften Zuschauern wortlos abprallt.
Letztendes gibt es dennoch Applaus, allerdings mehr für die Schauspieler, als für die doch gewagte Umsetzung der Novelle durch den Regisseur Johan Simons.
Lucas Ice Pfeffer; Elsa-Brändström-Schule Elmshorn, Jg 11


Dadurch, dass „Der Schimmelreiter“ einer meiner Lieblingsklassiker ist, war ich sehr gespannt wie das Thalia Theater dieses Meisterwerk umsetzt und wurde dabei schlussendlich überwältigt.
„Der Schimmelreiter“ ist die bekannteste Novelle Theodor Storms, der die Geschichte des Hauke Haien erzählt, der fasziniert von der Arbeit seines Vaters (welcher Landstücke ausmisst und berechnet), anfängt bei dem Deichgrafen zu arbeiten und später sogar Deichgraf wird. Haukes Wille ist ein neuer Deich, einer, der jede Katastrophe aufhält. Auf Zustimmung trifft er dabei nicht immer. Ob er es schafft, erfahrt ihr, wenn ihr euch das Stück anseht.
Mal wieder hat das Thalia Theater es geschafft einen Klassiker auf seine eigene, moderne Art umzusetzen. Das minimalistische Bühnenbild und das Schauspiel harmonieren perfekt miteinander.
Das Bühnenbild: ein Deich, 18 Stufen rechts und 18 Stufen links, auf den Deich wird Wasser projiziert und ein totes Pferd platziert. Hört sich nach wenig an, doch wird es unglaublich gut in Szene gesetzt, so steigen die Schauspieler den Deich auf und ab, rutschen sogar an ihm herunter. Dadurch kann die Verzweiflung der Charaktere besonders gut sichtbar werden, z.B. wenn Hauke Haien vor der Entscheidung steht, den neuen Deich durchbohren zu lassen oder nicht.
So empfinde ich die Wiederholung der Szene „Es war das Jahr 1756“ nicht, wie einige Kritiker, als nervend, sondern gewinnbringend für den Gesamtkontext. Die Szene spiegelt, meiner Meinung nach, die heutige Gesellschaft wieder (unser Festhalten an bestimmten Ritualen, an Ereignissen, ohne die wir nicht weiterleben können).
Zum Teil schockierend ist die Endszene des Theaterstücks. Als der alte Deich bricht und Hauke genauso wie seine Familie, stirbt, ertönt Jimmi Hendrix’ „Voodoo Child“ und Jens Harzer steht nackt auf der Bühne, während der Deich immer steiler wird.
Doch was doch zählt ist, dass Haien`s Deich hält. All seine Mühe ist nicht umsonst gewesen. Auf den historischen Kontext bezogen, werden die Deiche bis heute so gebaut, wie es der frühere Deichgraf wollte und sie halten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nur ein großes Lob an die Schauspieler ausgesprochen werden kann. Jens Harzer, der die mystische Gestalt des Schimmelreiters, der so stark für seinen Deich kämpft und am Ende doch alles verliert, in unsere heutige Welt überträgt, Birte Schnöink, die die Rolle der Elke, ziemlich kalt und ernst spielt und Sebastian Rudolph, der den Ole Peters verkörpert, sowie natürlich an Bettina Pommer, die die Bühne perfekt in Szene gesetzt hat und den Regisseur des Stückes Johan Simons.
Jedoch, ist der Schimmelreiter keine leichte Kost und kein Theaterstück für Kinder, da es schon etwas Anstrengung kostet das Stück zu verstehen.
Michéle Lichtenstein , Marion-Dönhoff-Gymnasium Mölln, Jg 10

Liebe - Trilogie des Zorns

Rezension zu „Liebe: Trilogie meiner Familie Teil 1“ von Luc Perceval nach Emile Zola

Das Stück „Liebe. Triologie Meiner Familie Teil 1“ thematisiert die zwischenmenschlichen Verstrickungen und die Lebensweise der Familie(n) Rougon, welche der Bourgeoisie angehört und dem völlig gegensätzlichen Familenzweig der Macquard, welche zur prekären Schicht, zum Proletariat gehört.

Auf einer hölzernen, schräg stehenden Schanze wechseln sich die Szenerien der Familiendramen ab. Zu zarten Gitarrenmelodien werden kleine choreografische Elemente eingebaut. Die Schauspieler halten ein Bild und schreiten auf der Schanze in Zeitlupe. Clothilde, Dr.Pascal und die Haushälterin Martine wiegen sich in inniger Umarmung, und die Kinder von Gervaise verharren verschüchtert am Bühnenrand...
Schauspielerisch ist es wirklich sehr gelungen. Die Figuren wenden sich an das Publikum und beschreiben, welche Figur gerade was tut. Anschließend folgt auf die Beschreibung eine passende Handlung der zuvor beschriebenen Figur. Diese Kombination aus Beschreibung, Erklärung und Handlung bewirkt, dass der Zuschauer einen klaren Eindruck bekommt und dem Spiel auf der Bühne sehr gut folgen kann.
Besonders gut gefielen mir die fließenden Szenenübergänge, die verschiedenen Bilder, und dass die Schauspieler nach ihrem Auftritt in einer Szene an dem Bühnenrand auf ihren nächsten Einsatz warten. Dadurch erlebt der Zuschauer auch das eigentliche "Off" mit. Die entstehenden Emotionen und die starke Aussichtslosigkeit der Familie Macquard sind sehr beeindruckend dargestellt und lassen den Zuschauer nicht unberührt.
Wie bereits der Titel "Liebe" aussagt, handelt dieses Stück fast ausschließlich von der Liebe. Der aristokratische Dr. Pascal verliebt sich in seine Nichte Clothilde, verprasst sein Vermögen für Geschenke, die ihm die Aufmerksamkeit seiner Geliebten versprechen, und auch in der Familie Macquard geht es rund.
Die Wäscherin Gervaise heiratet Coupeau, einen sich zum Säufer entwickelnden Mann. Mit zwei unehelichen Kindern und der aus dieser Ehe hervorgehenden Tochter Nana, entsteht ein Themenstrudel aus Armut, Alkoholsucht, Prostitution, Intrigen und Liebe, in welchem die Figuren stark leiden und schließlich untergehen.
Obwohl all diese Themen tragisch, ernst und eher unerfreulich sind, ist die Inszenierung von einer starken Leichtigkeit geprägt. Nicht zuletzt durch die originellen, pastellfarbenen und biederen Kostüme unterstützt, welche einen Kontrast zu der eher modernen Kulisse bilden.
Mit Witz und Charme werden einige der Bände von Emil Zola ohne Pause zusammengefasst und fangen den Zuschauer ein, der nicht blinzeln möchte, damit er ja nichts verpasst...

Eine wirklich sehenswerte, fesselnde Inszenierung!

Isabel Dere Rudolf-Steiner-Schule Nienstedten, Klasse 12

Liebe - Geld - Hunger - Trilogie meiner Familie

Wie können sich Leben trennen, und doch Schicksale teilen ?
In der "Trilogie meiner Familie" wird dies auf abstrakte Weise präsentiert. Schon im ersten Teil: Liebe, gibt es 2 Familien, die zwar miteinander verwandt sind, aber nichts miteinander zu tun haben wollen. Jedenfalls von der reichen Familienseite aus. Doch das Ende bleibt keinem verborgen, jeder stürzt auf seine Art in den Abgrund. Wenn nicht durch den Tod oder den Verlust, dann durch die Zukunft.
Geld und Hunger, die Kinder der Mutter, bilden den zweiten und den letzten Teil des Stücks.
Geld ist immer der Freund eines jeden, doch was passiert, wenn du liebst und dich verlierst, wenn du vergisst was "ich" bedeutet?
Hunger, er lässt schuften so hart für Brot, das verwehrt bleibt, durch die Hand deines Lebens.
Wird es überhaupt etwas bringen zu schreien, oder wäre es nicht leichter sich mit den anderen auf das Gleis zu legen, das der Reiche "mein Weg" nennt?
Meiner Meinung, kann man sich selber diese Fragen nur beantworten, wenn man das Stück besucht, oder man es auf eigene Faust versucht dies zu erleben, aber der Weg ins Thalia Theater ist viel kürzer. Außerdem wird man nirgendwo anders als dort 3 Leben und ein 1 Schicksal leben.
Maria Jarosiewicz, Sophie – Barat – Gymnasium Jg 11

Bilder deiner großen Liebe

 

Kennen sie Isa? Nein? Sollten sie! Schließlich ist sie die Erschafferin des Universums! Sie kann – mit einer einzigen Bewegung ihres Fingers – die Sonne bewegen und so die Zeit zurückdrehen! Sie könnte auch das Tor aufmachen, das große Tor, aber das will sie gerade nicht.
Mit diesen Aussagen – getätigt von Isa – beginnt das Stück und damit ein kleiner Roadtrip.

 

Isa, ein Mädchen, das aus einer Heilanstalt oder Ähnlichem geflohen ist und sich jetzt mit zwei Tabletten in der vorderen linken Tasche, ihrem Tagebuch in der hinteren linken und etwas – von dem sie weiß, dass es da ist und deshalb nicht zu sehen sein braucht – in der rechten, durch Deutschland wandert. Immer geradeaus; ist ein Fluss im Weg, so watet sie hindurch und ist dort ein Berg so wandert sie hinüber!

 

Unterwegs trifft sie einen Jungen, der Frösche in seinem Eimer hat – die befreit sie aus ihrem Gefängnis und schwört sich ab sofort keine Tiere mehr zu töten.
Einen alten Schiffer, der sie mitnimmt. An den probiert sie sich ranzumachen, was jener höflich ablehnt – schließlich ist sie erst 14.
Als Letztes – das absolute Highlight des Abends – trifft sie einen taubstummen Jungen. Diesem erzählt sie eine Geschichte von Treue, was total irrelevant ist – der Junge ist der Hammer!

 

Sie denken, wenn sie das so hören, sicher an „on the road“, „travels with Charlie“ oder vielleicht „fear and loathing in Las Vegas“. So ging es mir zumindest, als ich die Beschreibung las, aber Pustekuchen.
Die erste halbe Stunde ist super, man wird durch die schöne Stimme und gute Erzählweise von Birte Schnöink ins Stück förmlich hinein gesogen. Aber spätestens wenn sie singt, ist man genauso geschwind wieder draußen, wie man drin war. Die Musikauswahl ist total unpassend. Nicht fürs Stück an sich aber sie passen leider nicht gut genug zueinander.

 

Man fühlt sich ein wenig wie bei „Unterwerfung“ - hier übrigens (falls sie es noch nicht gesehen haben) meine absolute Anti-Empfehlung zu „Unterwerfung“. Sie bezahlen gutes Geld für etwas, was man auch für 14.99 € als Hörbuch verkaufen könnte. Kaufen sie sich das Buch. Das ist wirklich gut. Dann müssen sie sich auch nicht die ganzen „Möchte- gern-Intellektuellen“ anhören, die sich im Nachhinein im Foyer an politisch-korrekter Islamkritik üben und daran so kläglich scheitern wie Edgar Selge, wenn er auf der Bühne probiert spontan lustig zu sein... - in einem viel zu teuren Hörspiel gefangen.

 

Schnöink spielt gut, aber das alleine reicht einfach nicht, um 75 Minuten zu unterhalten.
Eigentlich würde ich jetzt probieren eine Gruppe von Menschen zu finden, denen das Stück trotz meiner Kritik gefällt, aber das muss ich nicht – das hat die Gruppe gestern schon für sich selbst getan, als sie tosend applaudierend aufstand. Es scheint typischen Schanzen-Hipstern mit dem Stil eines Obdachlosen zu gefallen. Vielleicht ist es geeignet für alle die, die irgendwas mit Medien machen und auf der Suche nach sich selbst sind. Der Besuchergruppe Ü-30 hat es deutlich weniger gefallen – wenn ich die Gesichter richtig gedeutet habe.

 

Abschließend lässt sich sagen, dass der Text von Herrndorf und die Schauspielkünste von Schnöink gute Einzelleistungen sind, aber keine Symbiose aufzeigen, egal wie doll man es versucht.
Paulo Jamil Sieweck, Corvey Gymnasium, JG 11

Cyrano de Bergerac

 

2.Mai 2018, Hamburg. An sich ist der Gascogner Kadett Cyrano de Bergerac der perfekte Roman- und Frauenheld: charmant, edelmütig und gewandt mit Wort und Degen wie kein Zweiter. Doch man kommt nicht herum, auch das zu benennen, was nicht ganz so perfekt an diesem Helden ist: sein gewaltiger Zinken. Und so verliebt sich die schöne Roxane nun mal nicht in den hässlichen Cyrano, sondern in den gut aussehenden Christian. Christian, neu bei den Gascogner Kadetten, ist jedoch auch nicht makellos: Worte liegen ihm nicht so ganz. Und so fügt sich beides zusammen; Cyrano wird der Kopf und Christian der Körper, um so gemeinsam Roxane zu verführen.

Edmond Rostand hatte Ende des 19. Jahrhunderts die Abenteuer dieses besonderen Helden mit der überproportional großen Nase niedergeschrieben; doch den berüchtigten Außenseiter Cyrano de Bergerac hatte es tatsächlich gegeben. Geboren 1619 in Paris und 1655 gestorben.
In Leander Haußmanns Inszenierung des „Cyrano de Bergerac“ wird der redegewandte Degenschwinger wieder zum Leben erweckt, mit viel Charme und Humor. Und genauso reanimiert ist auch die Sprache; neben den originalen Reimen im klassischen Versmaß des Alexandriners bekommt man auch viel ordinäres Straßendeutsch zu hören. Dabei ist der Spagat zwischen klassisch und modern sehr gut gelungen; er verleiht der Inszenierung sogar einen ganz eigenen Charme.

Aber nicht nur dieser Kontrast ist so ausschlaggebend für das Stück: Die Handlung pendelt zwischen naivem, zum Teil scherzhaften Liebesgetolle und blutigen Kämpfen. So versucht Christian gerade mit Müh´ und Not, Roxane mit einem Gedicht zu verführen, während Cyrano ihm die richtigen Worte zuflüstert; und dann müssen die beiden Schwerverliebten auch schon eine hundert Mann Armee niederschlagen oder gar in den Krieg ziehen.

Dabei ist es nicht nur die Handlung, die diese Inszenierung unvergesslich macht, sondern auch das Ambiente und die gelungene Umsetzung der einzelnen Szenen. So steht ein knorriger Baum im Hintergrund, der je nach Gemütslage eine dichte Blätterkrone zur Schau stellt, oder diese dann verliert und karg und kahl dasteht. Und währenddessen sorgen Nebeleffekte und ein pittoreskes, mit den Tages- und Jahreszeiten wechselndes Bühnenbild für das wohlgelungene Verbinden von Geschehen und Ambiente.
Dadurch bleiben bestimmte Szenen unvergesslich; so zum Beispiel der Tod Christians. Gerade noch feuert dieser Cyrano an, Roxane seine wahren Gefühle zu gestehen, da bringt ein Soldat die Nachricht über Christians Tod. Fast schon banal verlässt dieser daraufhin die Szene, während im Hintergrund der knorrige Baum friedlich seine Blätter verliert.

Natürlich braucht es für eine so gelungene Umsetzung auch eine fähige Besetzung; und die ist mit Jens Harzer in der Rolle des Cyrano de Bergerac und Sebastian Zimmler als Christian durchaus vorhanden. Gerade die Harmonie zwischen den beiden, macht den Witz dieser Inszenierung aus; so wirkt Cyrano auch wie der große Bruder Christians, der diesen naiven und leichtsinnigen Schönling nicht nur beschützt, sondern auch leitet, während er ihn gleichzeitig um seine Schönheit beneiden muss. Und um die Charaktere so facettenreich darstellen zu können, hat man mit Jens Harzer und Sebastian Zimmler wahrlich die Richtigen ausgewählt.
Doch auch Rafael Stachowiak als eingebildeten Comte de Guiche überzeugt hervorragend als Nebenbuhler und Rivalen des Cyrano.

Und obwohl es für Augen und Geist sehr angenehm ist, dieser Inszenierung beizuwohnen, kann man dasselbe nicht immer für die Ohren sagen. Es ist natürlich eine gute und eventuell auch wohlüberlegte Intention gewesen, die originalen Reime im klassischen Alexandriner vortragen zu lassen; jedoch wird es irgendwann anstrengend, zuzuhören, wenn diese Reime ungekürzt und in voller Länge aufgesagt werden; egal wie ausgeklügelt und poetisch sie auch sein mögen.

Letztendlich ist Leander Haußmanns Inszenierung von „Cyrano de Bergerac“ aber ein gelungenes, bildgewaltiges Werk zwischen Humor und Tragik und sprachlich irgendwo zwischen Großstadtgasse und vornehmen Poesieolymp angesiedelt.
Luise Lämmerhirt, Leibniz Privatschule Elmshorn, Jg 11

 


Ausgestattet mit großer Wortgewandtheit, treffsicher wie sein Degen, einem Charme und Esprit, dem die Frauen zu Füßen liegen- zumindest bis sie ihn gesehen haben. Denn Titelheld „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand und unter der Regie von Leander Haußmann, hat einen großen Makel: Seine riesige Nase entstellt ihn und ragt wie ein unförmiger Fels aus seinem Gesicht hervor. Cyrano, der sich dieser Schwäche durchaus bewusst ist und jeden Spott in Extase mit Wort- und Fechtkunst parriert, kann aufgrund eben dieses Zinkens nicht bei seiner großen Liebe Cousine Roxanne landen. Die sehnt sich zwar nach Charisma, Esprit und Intelligenz, sucht aber eher nach einem Schönling wie Baron Christian. Dieser wiederum ist zwar schön von Gestalt, aber nicht die hellste Kerze auf dem Kronleuchter. Und so schreitet Cyrano zur Tat, leiht dem geistlosen Christan sein Liebeswort, schreibt in seinem Namen blumige Liebesbriefe, um die Angebetete letztendlich glücklich zu machen. Doch auch dieses verlogene Glück ist angesichts des nahenden Krieges und des listigen Verehrers Graf Guiche nicht sicher.
Französisch, so lautet das Stichwort. Passagen gesprochen mit französischem Akzent, herrlich romantische Balkons, die auf die Bühne projiziert werden und die Darsteller in Federhut und Gehrock gehüllt und mit Degen und schulterlangem Haar ausgestattet. Ein einzelner knorriger Baum, der sich mit der Drehbühne knarzend dreht und auf dessen hölzerner Schaukel die in wallende Gewänder gekleidete Roxanne schaukelt, ist das einzige dauerhafte Element des Bühnenbildes. Je nach Stimmung rieseln einzelne Blütenblätter langsam auf den Boden, Gewitterwolken entladen sich, Kriegsgeschehen bildet den Hintergrund. Das Bühnenbild stellt einen Spiegel des Stücks dar: Tragisch, tiefromantisch, urkomisch- und doch ein roter Faden der sich durch das Stück spannt. Und gespannt bleibt, wie der ungeduldige Zuschauer, der die Pause doch lieber übersprungen hätte.
Sympathie für Cyrano wächst im Herzen des Zuschauers – erst ein kleines zarten Pflänzchen der Zuneigung, dann ein raumfüllender Baum. Angesichts so viel Hingabe, Aufopferung und Selbstvergessenheit für seine Liebste schrumpft sogar seine gewaltige Nase, in den Schatten gestellt von so viel charakterlicher Stärke. Und auch wenn Cyrano kaum die Bühne verlässt, selten das Kostüm wechselt, scheint er dem Zuschauer am Ende doch weniger abstoßend, als noch zu Anfang. Sogar Roxanne begreift am Ende, wie viel mehr das Innere zählt...
Nina Niesche; Gebrüder-Humboldt- Schule in Wedel; Jg 12

Das Schloss

 

Rezension zu "Das Schloss"

 

Eine düstere, surreale Welt voller ungewöhnlicher Figuren. Sie haben dicke, hängende Bäuche und Schenkel und erwecken den Eindruck, als wäre Veränderung das größte Übel in ihrem Leben. Ihre eigene Welt wird auf den Kopf gestellt, als plötzlich Landvermesser K. auftaucht, offenbar fälschlicherweise auf ihr Land bestellt. Doch das Volk hat am Personalzuwachs kein Interesse – Grenzangelegenheiten regeln sie selbst.

 

Erst war ich skeptisch, wie die Inszenierung des unvollendeten Klassikers von Franz Kafka am Thalia Theater gelingen könnte. Letztendlich verließ ich die Vorstellung mit zwiegespaltener Meinung. Regisseur Antú Romeo Nunes zeigt das Stück aus drei verschiedenen Perspektiven. Nachdem das Publikum die Rolle des Landvermessers annimmt, ist K. auch von einem Schuljungen und einem aus dessen Kostüm geschlüpftem Schauspieler zu sehen. Die Kostüme waren in der Tat großartig gestaltet. Von übergroßen Babys in Badewannen oder bizarren Beischlafszenen mit dem Publikum – Die abstrakte Inszenierung kooperierte hervorragend mit den Kostümen, die sowohl humoristische, als auch ernste Anspielungen bereithielten.

 

Der erste Teil des Stücks (Publikum als Landvermesser) gefiel mir persönlich am Besten. Die schmale Gratwanderung zwischen Sinnlosigkeit und Ernsthaftigkeit gelingt dem Regisseur dennoch nicht über das gesamte Stück: Nach dem wirklich gelungenem ersten Teil kippt die Stimmung leider ins Negative, Ernste. Eine unpassende Entwicklung, in Anbetracht der Kostüme und der beginnenden Konzeption. Doch dem Schluss entsprechend, passte das karge Bühnenbild, auf welchem sich Stahlgerüste als das befremdliche Schloss auftaten sehr gut, wenngleich ich mir davor etwas Fantasievolleres gewünscht hätte, was die Abstraktheit unterstreichen könnte. Letztendlich konnte ich das Stück aber genießen und wurde erschreckend oft an gesellschaftliche Verhaltensweisen aufmerksam, die sich nah auf aktuelle politische Ereignisse projizieren lassen.
Lucas Timm, Jahrgang 11, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn

 

Das Schloss, Franz Kafka

 

In dem “Schloss” von Franz Kafka geht es um einen gewissen K., der als Landvermesser neu in einem Dorf ankommt und fortwährend daran scheitert sich in der Gesellschaft zu etablieren. Unter allen Umständen versucht er in ein gewisses Schloss zu gelangen, um seiner Landvermesserarbeit nachgehen zu können. Jedoch wird er immer wieder mit der Begründung “Wir brauchen keinen Landvermesser!” zurückgewiesen. Je näher er dem Schloss kommt, desto weiter scheint es sich zu entfernen. Weder der Beamte Klamm, noch seine Geliebte Frieda, die ausgestoßene Familie Barnabas oder der vom Himmel schneiende Bürgel können es ihm ermöglichen seinem Ziel näher zu kommen.

 

Dass es sich bei dem Theaterstück um eine eher spezielle und absurde Interpretation handelt wird ziemlich schnell klar, als die schauderhaften, übergewichtigen Dorfbewohner nacheinander über die Bühne schlurfen. Der eine mit schlappendem Bauch, der andere mit ausgefülltem Hinterteil und wiederum der nächste mit opulenten Oberschenkeln, was aus dem Publikum mit Lachern kommentiert wird (Kostümbild: Victoria Behr). Auch wenn die Kostüme anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sind, so passen sie doch zu der Gesellschaft, die K. fortwährend als Fremden deklariert. “Sie sind nicht aus dem Schloss, Sie sind nicht aus dem Dorfe, Sie sind nichts.” Umso rätselhafter ist es, warum K. unbedingt in dem Dorf mit den merkwürdigen Gestalten bleiben will. Das ist nur eine von vielen Fragen, die in der Inszenierung aufgeworfen werden.

 

Sich in der Welt von Antú Romero Nunes zurechtzufinden ist nicht ganz einfach. Grund dafür sind vor allem die verschiedenen Perspektiven, aus denen “Das Schloss” erzählt wird. Während man sich als Zuschauer zunächst als K. angepöbelt wiederfindet, so sitzt K. etwas später nicht mehr irgendwo verborgen im Publikum, sondern befindet sich unter einer Horde von Dorfkindern, die “Das Schloss” zur allgemeinen Erheiterung als Theaterstück nachspielen. Unter der strengen Leitung des Dorflehrers (Thomas Niehaus) dürfen nicht so talentierte Kinder anscheinend nur quietschende Schwingtüren darstellen: “Naaaaack, flapp, flapp, flapp, flapp”. Mirco Kreibich – als vermutlich strebsamster Schüler – konnte sich die Hauptrolle von K. ergattern. Nachdem er den verbotenen Schuppen “erbrochen” hat, um mit dem dort befindlichen Holz zu heißen, wird er als Strafe aus seinem dicken Kostüm befreit und schläft so ein. Die Szene mit den Dorfkindern löst sich auf und die Erzählperspektive verändert sich ein weiteres mal.
Im Schlaf scheint K. wie in Kafkas “Verwandlung” zu einem Käfer mutiert zu sein. Zu passenden Tönen aus den Lautsprechern erwachen unter Zuckungen zunächst nur Finger und Zehen, etwas später auch Arme und Beine, bis sich Mirco Kreibich dann mit einem Arm in die Brücke stemmt und so unter scheinbaren Verrenkungen zu einem der kalten schwarzen Gerüste tapert, die das Bühnenbild (Matthias Koch) darstellen. Dort zieht er sich graziös herauf und klettert es empor. Mir tat schon alles beim Zugucken weh.

 

Die Gerüste kommen vor allem zum Ende hin mehr zum Einsatz, als sich „Das Schloss“ wie in einer Endlosschleife zu wiederholen scheint. Verdeutlicht wird diese Endlosigkeit dadurch, dass K. und die Dorfbewohnern nicht nur vorwärts, sondern später auch rückwärts auf den Gerüsten herumturnen. Dies erweckt den Eindruck von einer stockenden Kassette, die sich immer und immer wieder wiederholt. Die Stimmen nehmen dabei einen hallenden Klang an, was der Situation sehr gerecht wird.

 

Insbesondere die Endszene bleibt in Erinnerung:
“Sie verfehlen ihn (Klamm) auf jeden Fall, ob Sie warten oder gehen.”
K.: “Dann will ich ihn lieber beim Warten verfehlen!”
Also wartet K.. Der Schnee setzt ein und K. steht verlassen und frierend auf der kalten Bühne. Ein Beat wummert durch den Körper und der Schnee wird nach einer Weile von Turbinen aufgewirbelt, was ein sehr starkes Bild erzeugt. Durch das Warten hat sich K. zwar eine gewisse Freiheit erkämpft, “aber es gab auch gleichzeitig nichts sinnloseres, nichts verletzlicheres, nichts einsameres als diese Freiheit”.
Auch wenn der Roman nicht vollendet wurde, so hat die Inszenierung doch ein sehr passendes Ende gefunden. So regt das Stück auch im Nachhinein noch zum Nachdenken an: Woher kommt K.? Wie ist er in das Dorf gekommen? Was ist seine Absicht? Warum will er unter allen Umständen in das Schloss? Existiert das Schloss überhaupt? Warum kann er nicht einfach gehen und irgendwo anders arbeiten, wo ein Landvermesser auch gebraucht wird? Er kann es nicht. Er klammert sich an dem Gerüst fest und kann es einfach nicht.

 

Durch die verschiedenen Erzählperspektiven fühlt man sich als Zuschauer teilweise etwas verloren und kommt ziemlich verwirrt aus dem Theaterstück. Ich würde empfehlen sich zumindest grob mit der Geschichte von K. auseinanderzusetzen, bevor man sich die Inszenierung ansieht. Ansonsten wird aber trotz der düsteren Grundstimmung auch immer wieder für Auflockerung gesorgt. Schon wegen einer gewissen Pupsszene (mehr sei an dieser Stelle nicht verraten) lohnt es sich die Interpretation von Nunes' Schloss anzusehen.
Nele Wulf, Max-Brauer-Schule (Jg 13)

 

„Das Schloss“ – einer der drei unvollendeten Romane Kafkas über das ewige Kämpfen um die Akzeptanz und Legitimation der eigenen Person.
Ich habe mir die Generalprobe angesehen und bin zu dem Schluss gekommen, dass das Adjektiv, das das Stück wohl am besten beschreibt, schräg ist. Schräge Figuren, Kostüme, Rechtfertigungen, ein schräges Schloss mit schrägen inneren Strukturen.
In der Geschichte kommt ein Mann in ein Dorf mit einem mysteriösen Schloss. Der Aufenthalt dort wird ihm allerdings verwehrt, woraufhin er sich als Landvermesser vorstellt. Die Bewohner prüfen dies, kommen aber zu dem Ergebnis, keinen Landvermesser zu brauchen. Jegliche Versuche, sich dem Schloss zu nähern und doch eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, scheitern. Das Schloss scheint umhüllt von riesigen undurchdringlichen Mauern der Bürokratie, die keinen Gast dulden.
Die Kostüme sind einfach klasse und an Skurrilität nicht zu übertreffen. Sie bestehen zum größten Teil aus Fatsuits, sodass der eine riesige Oberschenkel hat, der nächste einen großen Bauch oder einen sehr ausladenden Hintern. Darüber wird meist nur eine dünne Bluse oder ein Jackett getragen, sodass die betonten Körperstellen auch gut zu sehen sind.
Dennoch hat das Stück eine eher düstere Optik durch die Ausleuchtung, was gut zu der Geschichte passt. Ebenfalls düster, aber schön anzusehen, ist der Schnee, der irgendwann beginnt zu Boden zu rieseln und dabei unfassbar echt wirkt. Vor allem in der letzten Szene wird damit eine besondere Stimmung geschaffen.
Aber es gibt auch sehr viele Stellen, in denen gelacht werden darf. So findet eine Sitzung statt, in der über die Notwendigkeit des Landvermessers entschieden werden soll. Der einzige Sinn der Sitzung scheint allerdings darin zu liegen, den Landvermesser loszuwerden auf Basis von willkürlichen Maßnahmen, viel Geschwätz um nichts und lauter undurchsichtigen Vorschriften, typisch bürokratisch eben. So ist es auch kein Wunder, dass so manche Unterlage – ganz aus Versehen natürlich – in der Kerze Feuer fängt. Jedoch ist in dieser Bürokratie natürlich nie eine Akte jemals abhanden gekommen.
Die Verworrenheit des Schlosses wird auch sehr gut dargestellt durch hohe, rollbare Gerüste, auf denen der Landvermesser vergeblich den Bewohnern nachjagt, um Zugang zum Schloss zu bekommen. Immer wieder laufen die Bewohner die Treppen empor, klettern die Leitern hoch und runter und bleiben unerreichbar. Ein Katz-und-Maus-Spiel der besonderen Art. Ich wünschte, das Gerüst wäre mehr zum Einsatz gekommen – auch, weil ich noch nie jemanden so elegant habe klettern sehen wie den Landvermesser.
Fazit: Ein gutes Stück mit einer düsteren, teils skurrilen Optik, das aber auch Stellen zum Lachen parat hält. Es zeigt nicht nur die Intransparenz und Sinnlosigkeit überladener Bürokratie auf, sondern auch das Risiko, dass sie dafür genutzt wird, Menschen auszuschließen und fernzuhalten. So endet der Landvermesser schließlich allein und machtlos. Er steckt in einer Sackgasse, die ihn immer und immer wieder wird scheitern lassen und seine Existenz nie legitimieren wird.
Michelle Eckmann , Elsa-Brändström –Gymnasium Elmshorn, 18 Jahre

 

Je mehr man versucht es zu verstehen, desto weniger wird man es schaffen

 

Ziel eines modernen Theaterstückes ist es, den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen. Meist geschieht dies durch eine Person, mit der man sich identifizieren kann. Dennoch entsteht dadurch eine gewisse Distanz zwischen den Geschehnissen auf der Bühne und dem Zuschauer, der der Handlung lediglich zuschaut.
Antú Romero Nunes löst diese Distanz in seiner Inszenierung von Kafkas „Schloss“ auf. Dies passiert schon in der ersten Sekunde, wo sich der Vorhang hebt. Eine Nebelwolke, welche hinter der Bühne verborgen lag, wabert in den Zuschauerraum und verbindet so diese beiden Bereiche. Doch nicht nur der Raum wird verbunden, auch die Personen. So treten aus dem Nebel groteske Figuren, die Dorfbewohner, hervor, die den Zuschauer direkt ansprechen, und zwar als die Hauptperson K. Der Zuschauer wird somit selber ein Teil des Stückes und kann sich dem Bann nicht entziehen, und stolpert, genau wie der Protagonist des Buches, in eine ihm unbekannte Welt. Die Verwirrung des K.´s ist nun die des Zuschauers, welcher irritiert und zuweilen benommen versucht der Handlung zu folgen. Schnell werden zwei Dinge klar: die eigene Unerwünschtheit und die Notwendigkeit, in das Schloss hineinzukommen. Doch weder die Zuschauer noch die Dorfbewohner können exakte Informationen über das Schloss geben, geschweige denn, wie man sich Zutritt zu diesem verschafft. So wird man von Person zu Person weitergereicht, in der Hoffnung, Einlass zu erhalten.
Im letzten Abschnitt des Stückes erlangt der Zuschauer seine Passivität wieder. Auf der Bühne sieht man nun, wie ein Schauspieler - als K. - abermals versucht in das Schloss zu gelangen. Als Zuschauer beschleicht einen das Gefühl, als würde sich alles wiederholen, als wären die ersten dreiviertel Stunden des Stückes, in der man selber versuchte in das Schloss hinein zu kommen, vergebens gewesen.
Nunes versucht durch diesen Inzenierungsansatz, dem Betrachter den Kern Kafkas „Schloss“ zu vermitteln. So bilden sich Parallelen zu dem Schloss und der Inszenierung. So erkennt man: je mehr man versucht, den Kern des Stückes zu erreichen, desto mehr entfernt man sich von ihm.
Lucas Ice Pfeffer, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn, Jg 11

Das achte Leben (für Brilka)

 

100 Jahre, von Lenin bis Putin, sechs Generationen, eine Geschichte: Das Familienepos aus Georgien nimmt seinen Anfang im 20. Jahrhundert mit der Geburt Stasias und endet im 21. Jahrhundert mit ihrer Ururenkelin Brilka, die die Geschichte ihrer Familie, der Jaschis, kennenlernen will. Und so beginnt Brilkas Tante Niza zu erzählen: von Stasia, die eigentlich Tänzerin werden wollte, von der Dichterin Sopio Eristawi, deren Nachkommen den Jaschis sowohl in Liebe als auch in Eifersucht verbunden bleiben, von Stasias Schwester Christine, die für ihre Schönheit einen hohen Preis zahlen muss, von Kitty, Stasias Tochter, die in der Heimat alles verliert, aber im Exil mit ihrer Stimme weiterlebt, von Kostja, Kittys Bruder, der im System als Funktionär zurechtkommt, von Kostjas unliebsamer und aufständischer Tochter Elene, von Elenes Töchtern Niza und Daria, die wie ihre Väter sehr unterschiedlich sind. Zum Schluss erscheint Brilka, die tanzende Tochter Darias, der diese Geschichte gewidmet wurde.

Alle Familienmitglieder sind eng mit der Geschichte Georgiens verstrickt und so durchleben sie Zeiten der Revolutionen und Kriege, bitterster Verzweiflung und höchster Freuden. Symbolisch für diese blutige Zeit Georgiens schwebt über den Köpfen der Akteure der rote Teppich, passend mit den Köpfen Marx‘ und Stalins versehen. Bevor der Eiserne Vorhang (als roter Teppich dargestellt) fällt, bleibt dem Zuschauer keine Grausamkeit der damaligen Zeit erspart. So sind Knallkörper noch harmlos, verglichen zu Abtreibungen und Säureattacken. Während sich die Jaschis also durch den Terror quälen, marschieren die Soldaten im Gleichschritt auf der Leinwand. Danach ist man also wirklich wieder mittendrin in der Zeit der Diktatoren und des Kommunismus.

Währenddessen wird nicht nur blutige Historie vermittelt, sondern es wird gegen den Schrecken getanzt und gesungen. Gerade diese lichten und glücklichen Momente sind es, die den Charakteren Empathie verleihen und Trost schaffen in einer Epoche der Unsicherheit und Zerstörung. Dabei ist es auch dieser Kontrast zwischen Hoffnung und Verzweiflung, der der Familien-Saga erst die richtige Würze gibt: Gerade noch erfreuen sich Stasia und die Dichterin Sopio ihrer Liebe, da wird die freiheitsliebende Dissidentin Sopio auch schon verhaftet.

Dabei galt Umsetzung fürs Theater des gleichnamigen Romans von Nino Haratischwilli, eigentlich als „mission impossible“. Trotzdem hat sich Jette Steckel dieser Sisyphusarbeit angenommen und etwas geschaffen, was auf ironisch-realistische Weise die Tragödien und Freuden dieser georgischen Familie darstellt.

Dem Publikum wird so in knapp fünf Stunden fast 100 Jahre georgische Historie und die Tragödien aus sechs Generation der Familie Jaschi präsentiert. Alle, die einfache, leicht verständliche Kost erwarten, sind bei „Das achte Leben (für Brilka) fehl am Platz. Wer jedoch ein aufregendes Familienepos haben möchte, mit allen Turbulenzen der Zeit, dem wird nicht zu viel versprochen.
Max Markowski und Luise Lämmerhirt, Jahrgangsstufe 12, Leibniz Privatschule Elmshorn

Die Orestie

 

4.Februar 2018, Hamburg. Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Demokratie im antiken Griechenland, genauer in Athen, ihren Ursprung fand. Belegt ist jedoch nicht, dass das damalige Athen aus bunten Plattenbauwohnungen bestand und von rattenähnlichen Wesen bevölkert wurde. So kunterbunt sieht nämlich Ersan Mondtags Inszenierung von Aischylos Trilogie und Rachetragödie „Die Orestie“ aus. Und auch wenn der äußere Eindruck bunt und fröhlich wirkt, so geht es nicht gerade gemütlich zu im Volk der Ratten:

Im Kampf gegen Troja opfert Agamemnon, König von Argos, seine Tochter Iphigenie, damit die Winde seine Kriegsflotte antreiben. Nach seiner Heimkehr wird Agamemnon dann von seiner Frau Klytaimestra und deren Liebhaber Aigisth ermordet. Jahre später, Klytaimestra und Aigisth haben sich derzeit als beliebtes Königspaar etabliert, kehrt der als Kind ins Ausland geschickte Sohn von Agamemnon, Orest, zurück. Er wird von seiner als Magd festgehaltenen Schwester Elektra und dem Gott Apollon zum Mord an dem Königspaar angestiftet. Dies tut der zunächst zweifelnde Orest auch und wird im letzten Teil der Tragödie dann von den Erinnyen, den Rachegöttinnen verfolgt, sodass Orest nach Athen flieht, um dort von der Göttin Athene demokratisch gerichtet zu werden.

Man merkt es schnell: Die älteste vollständig erhaltene Tragödie des antiken Griechenlands lässt sich nicht in einem Atemzug zusammenfassen; wenn man bedenkt, dass fast jede auftretende Figur eine ebenso lange und zum Teil auch in die Geschichte einbeziehende Biographie besitzt.
Dementsprechend ist Ersan Mondtag ein großes Wagnis eingegangen, die komplette Trilogie auf die Bühne zu bringen. Teils wirkt es so, als ob man bei einmaligem Blinzeln schon diverse Aktionen und Handlungen verpasst hat; gerade zu Anfang des Stückes, wo die Ereignisse des Trojanischen Krieges durch Standbilder und längeren Monolog im klassischen Singsang zusammengefasst werden.
Doch gerade die wesentlichen Stellen wurden mit derartiger Raffinesse und Gestaltungskunst herübergebracht, sodass es irrelevant ist, ob man jeden kleinsten Teil der Handlung mitbekommen hat. Denn die signifikanten Szenen kann man nicht verpassen.

Und gerade das sticht bei dieser Inszenierung so hervor: Die herausragende und pfiffige Gestaltung, beginnend bei den Kostümen bis hin zum gesamten Bühnenbild.
Zu Anfang sieht alles noch ganz klassisch nach Antikem Griechenland aus; mit Kolosseum, steinernen Plastiken und Bürgerchor, der einem die Vorgeschichte „vorträllert“. Nur die skurrilen Wesen mit Rattennase und Strubbelpullis wahlweise in weiß, schwarz oder knatschpink scheinen zuerst fehl am Platz; bis die Kulisse in sich zusammenfällt und überraschenderweise den Blick auf ein sprödes Parkhaus gibt. Und ab dann scheint sich wirklich alles zu drehen: Von den Schauspielern auf ihrer kleinen Drehscheibe bis zuletzt die gesamte Parkhauskulisse, die sich in eine spießige Plattenbauten-Landschaft mit bunten Balkons verwandelt.
Dabei sieht dieser Hintergrund nicht nur sehr gewaltig aus; die gesamte Kulisse wird mit ins Stück eingebunden, wenn dort z.B. der Chor seinen Platz findet oder auch in einer niedlichen Plattenbauwohnung das Königspaar ermeuchelt wird.

Aber nicht nur das Bühnenbild, sondern auch die schauspielerische Leistung ist ein Genuss für das Auge: Denn in dieser dreiteiligen Inszenierung wird den Schauspielern viel abverlangt; gerade da vieles durch Ironie ins Lächerliche gezogen wurde. So ist das eigentlich tragische Treffen des Orest (hervorragend gespielt von Sebastian Zimmler) mit seiner Schwester Elektra eher komisch bis herzhaft lustig, wenn Elektra im roten Gewand und abstehenden Zöpfen von Björn Meyer gespielt wird. Und auch als dann die Mutter Klytaimestra sehr dramatisch ermordet wurde und Orest nun seinen vor Verzweiflung triefenden Monolog aussprechen will, wird demonstrierend die Kulisse zusammengebaut, Statisten räumen die Bühne auf, und Orest eilt noch mit seinem Podium vor den zugehenden Vorhang. Letztlich gibt es in der gesamten Inszenierung diverse Beispiele, wo schauspielerisches Talent und Komik perfekt in Einklang gebracht wurden.

Doch trotz allem wird der Ernst dieser Geschichte nie aus den Augen verloren: Wie der Kreis der Rache durch Gesetz und Demokratie durchbrochen werden kann. Nur das am Ende eben eine Scheindemokratie gegründet wird, in der Athene immer noch das Sagen hat. Und das der Kreis der Rache auch nicht wirklich durchbrochen wird; kurz bevor der Vorhang tatsächlich zufällt, kommt wieder Hass und Gewalt auf im Volk der Ratten. Und darum geht es doch auch eigentlich in dieser Inszenierung: Dass wir hier Ratten vor uns haben. Feige und hinterlistige Tiere, unfähig sich von der Blutrache abzuwenden und einen Staat der Gerechtigkeit und des Friedens zu gründen.

Letztendlich ist Ersan Mondtags Inszenierung von „Die Orestie“ ein Stück ganz für sich; zwischen Tragik und Komödie, Ernst und Unernst. Trotzdem passt alles zusammen; die skurrilen Rattenwesen, der melodische Chor und das alles vor einem Hintergrund zwischen antikem Kolosseum und Plattenbauten. So mag dieses Stück zuerst sehr abstrakt wirkt, doch es hat seinen ganz eigenen besonderen Charme und am Ende ist sich wohl jeder einig: Es ist schön in einer parlamentarischen Demokratie zu leben und eine solche Elektra wird man wohl in keiner anderen Inszenierung jemals so wiederfinden.
Luise Lämmerhirt, Leibniz Privatschule Elmshorn, Jg 11

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Als Didl Mäuse auf einem LSD-Trip bezeichnete meine Begleitung die Kostüme der Protagonisten der „Orestie“. Auf dem T-Shirt des einen steht „Geil“ und sie alle haben Rattenschwänze, rote Brillen, Schnurhaare. In der Tat, sie sehen sehr merkwürdig aus.
Nun so am Anfang des Stücks, wusste ich auch nicht so richtig, was da auf mich zukommt, als ich eine Iphigenie in kompletten Rosa und merkwürdigen Dreadlocks sehe.
Ok, drei Stunden Tragödie, mit ganz viel Mord und komischen Namen, die sich ein gewisser Herr Aischylos ausgedacht hat. Agamemnon opfert seine Tochter Iphigenie, dieser wird wiederum getötet von seiner Frau Klytaimestra. Ja und diese stirbt zusammen mit ihrem Geliebten, durch die Hand des eigenen Sohnes, Orest. Das hört sich nicht nach leichter Kost an, nach Spaß schon gar nicht. Trotzdem hat es Ersan Mondtag geschafft, dem Stück ein wenig den Ernst zu nehmen, aber auf eine gute Art und Weise. Eine verstaubte Tragödie wurde modern inszeniert. Schauplatz sind ein Renaissance-Palast, aber auch ein Parkhaus und eine Wohngegend oder eher ein Plattenbau, in dem Gerüchte bestimmt schnell die Runde machen. Schwung hinein bringt eine Drehscheibe, die zwar nicht immer von alleine lief, aber trotzdem sehr imposant wirkte, als Orest klar wird, dass er Rache möchte. Rache an seiner Mutter, für den Mord an seinem Vater.
„Soll das so sein?“, frage ich mich dann aber, als Orest bei seinem fast melancholischen Geständnis unterbrochen wird. Statisten, die die Puppen von der Bühne räumen, andere fangen an den Hintergrund abzubauen, der Vorhang fällt. Orest guckt hervor, schreit nach dem Text, seine Schwester Elektra kommt dazu, sie beide wirken jedoch etwas hilflos, stammeln vor sich hin, bis sie mit der Bühne zusammen untergehen.
So grotesk geht es weiter, indem die Wahrsagerin Kassandra ein Baby ist, deren Prophezeiungen sich in Geschrei kundtun.
Worum geht es eigentlich in der „Orestie“?
Um etwas, was für uns vielleicht schon viel zu selbstverständlich geworden ist, weshalb so wenige von uns sie wahrnehmen. Die Demokratie, bzw. den Übergang von der Blutrache zu einem Rechtsstaat.
Während am Anfang noch Götter die Entscheidungen über Gerechtigkeit treffen, später Selbstjustiz stattfindet, soll am Ende eigentlich eine erste Demokratie aufgebaut werden. Doch schlussendlich entscheidet Athene alleine und stimmt für Orest´ Unschuld. Vielleicht erklärt auch das die Kostüme. Der Mensch verhält sich hinterlistig, feige, verschlagen. Er ist eine Ratte und mit Gerechtigkeit umgehen, kann er eher weniger. Damit bleibt die Frage am Ende offen: Troja ist gefallen. Doch wie geht es nun weiter?
Insgesamt ist „ Die Orestie“ ein unfassbar beeindruckendes Stück, mit dem für den einen oder anderen vielleicht zu grotesken Bildern, doch hervorragender schauspielerischer Leistung und einem mitreißenden Chor.
Michele Lichtenstein, Marion-Dönhoff-Gymnasium Mölln, Jg 11

Das achte Leben (für Brilka)

100 Jahre, von Lenin bis Putin, sechs Generationen, eine Geschichte: Das Familienepos aus Georgien nimmt seinen Anfang im 20. Jahrhundert mit der Geburt Stasias und endet im 21. Jahrhundert mit ihrer Ururenkelin Brilka, die die Geschichte ihrer Familie, der Jaschis, kennenlernen will. Und so beginnt Brilkas Tante Niza zu erzählen: von Stasia, die eigentlich Tänzerin werden wollte, von der Dichterin Sopio Eristawi, deren Nachkommen den Jaschis sowohl in Liebe als auch in Eifersucht verbunden bleiben, von Stasias Schwester Christine, die für ihre Schönheit einen hohen Preis zahlen muss, von Kitty, Stasias Tochter, die in der Heimat alles verliert, aber im Exil mit ihrer Stimme weiterlebt, von Kostja, Kittys Bruder, der im System als Funktionär zurechtkommt, von Kostjas unliebsamer und aufständischer Tochter Elene, von Elenes Töchtern Niza und Daria, die wie ihre Väter sehr unterschiedlich sind. Zum Schluss erscheint Brilka, die tanzende Tochter Darias, der diese Geschichte gewidmet wurde.

Alle Familienmitglieder sind eng mit der Geschichte Georgiens verstrickt und so durchleben sie Zeiten der Revolutionen und Kriege, bitterster Verzweiflung und höchster Freuden. Symbolisch für diese blutige Zeit Georgiens schwebt über den Köpfen der Akteure der rote Teppich, passend mit den Köpfen Marx‘ und Stalins versehen. Bevor der Eiserne Vorhang (als roter Teppich dargestellt) fällt, bleibt dem Zuschauer keine Grausamkeit der damaligen Zeit erspart. So sind Knallkörper noch harmlos, verglichen zu Abtreibungen und Säureattacken. Während sich die Jaschis also durch den Terror quälen, marschieren die Soldaten im Gleichschritt auf der Leinwand. Danach ist man also wirklich wieder mittendrin in der Zeit der Diktatoren und des Kommunismus.

Währenddessen wird nicht nur blutige Historie vermittelt, sondern es wird gegen den Schrecken getanzt und gesungen. Gerade diese lichten und glücklichen Momente sind es, die den Charakteren Empathie verleihen und Trost schaffen in einer Epoche der Unsicherheit und Zerstörung. Dabei ist es auch dieser Kontrast zwischen Hoffnung und Verzweiflung, der der Familien-Saga erst die richtige Würze gibt: Gerade noch erfreuen sich Stasia und die Dichterin Sopio ihrer Liebe, da wird die freiheitsliebende Dissidentin Sopio auch schon verhaftet.

Dabei galt Umsetzung fürs Theater des gleichnamigen Romans von Nino Haratischwilli, eigentlich als „mission impossible“. Trotzdem hat sich Jette Steckel dieser Sisyphusarbeit angenommen und etwas geschaffen, was auf ironisch-realistische Weise die Tragödien und Freuden dieser georgischen Familie darstellt.

Dem Publikum wird so in knapp fünf Stunden fast 100 Jahre georgische Historie und die Tragödien aus sechs Generation der Familie Jaschi präsentiert. Alle, die einfache, leicht verständliche Kost erwarten, sind bei „Das achte Leben (für Brilka) fehl am Platz. Wer jedoch ein aufregendes Familienepos haben möchte, mit allen Turbulenzen der Zeit, dem wird nicht zu viel versprochen.
Max Markowski und Luise Lämmerhirt, Jahrgangsstufe 12, Leibniz Privatschule Elmshorn

Die Orestie

4.Februar 2018, Hamburg. Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Demokratie im antiken Griechenland, genauer in Athen, ihren Ursprung fand. Belegt ist jedoch nicht, dass das damalige Athen aus bunten Plattenbauwohnungen bestand und von rattenähnlichen Wesen bevölkert wurde. So kunterbunt sieht nämlich Ersan Mondtags Inszenierung von Aischylos Trilogie und Rachetragödie „Die Orestie“ aus. Und auch wenn der äußere Eindruck bunt und fröhlich wirkt, so geht es nicht gerade gemütlich zu im Volk der Ratten:

Im Kampf gegen Troja opfert Agamemnon, König von Argos, seine Tochter Iphigenie, damit die Winde seine Kriegsflotte antreiben. Nach seiner Heimkehr wird Agamemnon dann von seiner Frau Klytaimestra und deren Liebhaber Aigisth ermordet. Jahre später, Klytaimestra und Aigisth haben sich derzeit als beliebtes Königspaar etabliert, kehrt der als Kind ins Ausland geschickte Sohn von Agamemnon, Orest, zurück. Er wird von seiner als Magd festgehaltenen Schwester Elektra und dem Gott Apollon zum Mord an dem Königspaar angestiftet. Dies tut der zunächst zweifelnde Orest auch und wird im letzten Teil der Tragödie dann von den Erinnyen, den Rachegöttinnen verfolgt, sodass Orest nach Athen flieht, um dort von der Göttin Athene demokratisch gerichtet zu werden.

Man merkt es schnell: Die älteste vollständig erhaltene Tragödie des antiken Griechenlands lässt sich nicht in einem Atemzug zusammenfassen; wenn man bedenkt, dass fast jede auftretende Figur eine ebenso lange und zum Teil auch in die Geschichte einbeziehende Biographie besitzt.
Dementsprechend ist Ersan Mondtag ein großes Wagnis eingegangen, die komplette Trilogie auf die Bühne zu bringen. Teils wirkt es so, als ob man bei einmaligem Blinzeln schon diverse Aktionen und Handlungen verpasst hat; gerade zu Anfang des Stückes, wo die Ereignisse des Trojanischen Krieges durch Standbilder und längeren Monolog im klassischen Singsang zusammengefasst werden.
Doch gerade die wesentlichen Stellen wurden mit derartiger Raffinesse und Gestaltungskunst herübergebracht, sodass es irrelevant ist, ob man jeden kleinsten Teil der Handlung mitbekommen hat. Denn die signifikanten Szenen kann man nicht verpassen.

Und gerade das sticht bei dieser Inszenierung so hervor: Die herausragende und pfiffige Gestaltung, beginnend bei den Kostümen bis hin zum gesamten Bühnenbild.
Zu Anfang sieht alles noch ganz klassisch nach Antikem Griechenland aus; mit Kolosseum, steinernen Plastiken und Bürgerchor, der einem die Vorgeschichte „vorträllert“. Nur die skurrilen Wesen mit Rattennase und Strubbelpullis wahlweise in weiß, schwarz oder knatschpink scheinen zuerst fehl am Platz; bis die Kulisse in sich zusammenfällt und überraschenderweise den Blick auf ein sprödes Parkhaus gibt. Und ab dann scheint sich wirklich alles zu drehen: Von den Schauspielern auf ihrer kleinen Drehscheibe bis zuletzt die gesamte Parkhauskulisse, die sich in eine spießige Plattenbauten-Landschaft mit bunten Balkons verwandelt.
Dabei sieht dieser Hintergrund nicht nur sehr gewaltig aus; die gesamte Kulisse wird mit ins Stück eingebunden, wenn dort z.B. der Chor seinen Platz findet oder auch in einer niedlichen Plattenbauwohnung das Königspaar ermeuchelt wird.

Aber nicht nur das Bühnenbild, sondern auch die schauspielerische Leistung ist ein Genuss für das Auge: Denn in dieser dreiteiligen Inszenierung wird den Schauspielern viel abverlangt; gerade da vieles durch Ironie ins Lächerliche gezogen wurde. So ist das eigentlich tragische Treffen des Orest (hervorragend gespielt von Sebastian Zimmler) mit seiner Schwester Elektra eher komisch bis herzhaft lustig, wenn Elektra im roten Gewand und abstehenden Zöpfen von Björn Meyer gespielt wird. Und auch als dann die Mutter Klytaimestra sehr dramatisch ermordet wurde und Orest nun seinen vor Verzweiflung triefenden Monolog aussprechen will, wird demonstrierend die Kulisse zusammengebaut, Statisten räumen die Bühne auf, und Orest eilt noch mit seinem Podium vor den zugehenden Vorhang. Letztlich gibt es in der gesamten Inszenierung diverse Beispiele, wo schauspielerisches Talent und Komik perfekt in Einklang gebracht wurden.

Doch trotz allem wird der Ernst dieser Geschichte nie aus den Augen verloren: Wie der Kreis der Rache durch Gesetz und Demokratie durchbrochen werden kann. Nur das am Ende eben eine Scheindemokratie gegründet wird, in der Athene immer noch das Sagen hat. Und das der Kreis der Rache auch nicht wirklich durchbrochen wird; kurz bevor der Vorhang tatsächlich zufällt, kommt wieder Hass und Gewalt auf im Volk der Ratten. Und darum geht es doch auch eigentlich in dieser Inszenierung: Dass wir hier Ratten vor uns haben. Feige und hinterlistige Tiere, unfähig sich von der Blutrache abzuwenden und einen Staat der Gerechtigkeit und des Friedens zu gründen.

Letztendlich ist Ersan Mondtags Inszenierung von „Die Orestie“ ein Stück ganz für sich; zwischen Tragik und Komödie, Ernst und Unernst. Trotzdem passt alles zusammen; die skurrilen Rattenwesen, der melodische Chor und das alles vor einem Hintergrund zwischen antikem Kolosseum und Plattenbauten. So mag dieses Stück zuerst sehr abstrakt wirkt, doch es hat seinen ganz eigenen besonderen Charme und am Ende ist sich wohl jeder einig: Es ist schön in einer parlamentarischen Demokratie zu leben und eine solche Elektra wird man wohl in keiner anderen Inszenierung jemals so wiederfinden.
Luise Lämmerhirt, Leibniz Privatschule Elmshorn, Jg 11

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Als Didl Mäuse auf einem LSD-Trip bezeichnete meine Begleitung die Kostüme der Protagonisten der „Orestie“. Auf dem T-Shirt des einen steht „Geil“ und sie alle haben Rattenschwänze, rote Brillen, Schnurhaare. In der Tat, sie sehen sehr merkwürdig aus.
Nun so am Anfang des Stücks, wusste ich auch nicht so richtig, was da auf mich zukommt, als ich eine Iphigenie in kompletten Rosa und merkwürdigen Dreadlocks sehe.
Ok, drei Stunden Tragödie, mit ganz viel Mord und komischen Namen, die sich ein gewisser Herr Aischylos ausgedacht hat. Agamemnon opfert seine Tochter Iphigenie, dieser wird wiederum getötet von seiner Frau Klytaimestra. Ja und diese stirbt zusammen mit ihrem Geliebten, durch die Hand des eigenen Sohnes, Orest. Das hört sich nicht nach leichter Kost an, nach Spaß schon gar nicht. Trotzdem hat es Ersan Mondtag geschafft, dem Stück ein wenig den Ernst zu nehmen, aber auf eine gute Art und Weise. Eine verstaubte Tragödie wurde modern inszeniert. Schauplatz sind ein Renaissance-Palast, aber auch ein Parkhaus und eine Wohngegend oder eher ein Plattenbau, in dem Gerüchte bestimmt schnell die Runde machen. Schwung hinein bringt eine Drehscheibe, die zwar nicht immer von alleine lief, aber trotzdem sehr imposant wirkte, als Orest klar wird, dass er Rache möchte. Rache an seiner Mutter, für den Mord an seinem Vater.
„Soll das so sein?“, frage ich mich dann aber, als Orest bei seinem fast melancholischen Geständnis unterbrochen wird. Statisten, die die Puppen von der Bühne räumen, andere fangen an den Hintergrund abzubauen, der Vorhang fällt. Orest guckt hervor, schreit nach dem Text, seine Schwester Elektra kommt dazu, sie beide wirken jedoch etwas hilflos, stammeln vor sich hin, bis sie mit der Bühne zusammen untergehen.
So grotesk geht es weiter, indem die Wahrsagerin Kassandra ein Baby ist, deren Prophezeiungen sich in Geschrei kundtun.
Worum geht es eigentlich in der „Orestie“?
Um etwas, was für uns vielleicht schon viel zu selbstverständlich geworden ist, weshalb so wenige von uns sie wahrnehmen. Die Demokratie, bzw. den Übergang von der Blutrache zu einem Rechtsstaat.
Während am Anfang noch Götter die Entscheidungen über Gerechtigkeit treffen, später Selbstjustiz stattfindet, soll am Ende eigentlich eine erste Demokratie aufgebaut werden. Doch schlussendlich entscheidet Athene alleine und stimmt für Orest´ Unschuld. Vielleicht erklärt auch das die Kostüme. Der Mensch verhält sich hinterlistig, feige, verschlagen. Er ist eine Ratte und mit Gerechtigkeit umgehen, kann er eher weniger. Damit bleibt die Frage am Ende offen: Troja ist gefallen. Doch wie geht es nun weiter?
Insgesamt ist „ Die Orestie“ ein unfassbar beeindruckendes Stück, mit dem für den einen oder anderen vielleicht zu grotesken Bildern, doch hervorragender schauspielerischer Leistung und einem mitreißenden Chor.
Michele Lichtenstein, Marion-Dönhoff-Gymnasium Mölln, Jg 11

Die unendliche Geschichte
Michael Ende

 

Eine Geschichte, die niemals endet. Diese Tatsache macht das Buch mit dem Titel “Die unendliche Geschichte” für Bastian Baltasar Bux (Steffen Siegmund) unglaublich attraktiv. Er befindet sich auf der Flucht vor seinen Mitschülern und landet in einem Antiquariat, wo er dem Buch mit den beiden Schlangen, die sich gegenseitig in den Schwanz beißen, einfach nicht widerstehen kann. Er fängt nach kurzer Abwägung seiner Möglichkeiten (“Schule, Buch, Schule, Buch, Schule, Buch, Buch, Buch, BUCH”) an zu lesen. Doch während er liest, wird Bastian auf magische Weise in das Buch eingesogen – Wirklichkeit und Fiktion verschmelzen miteinander. Ähnlich erging es mir auch als Zuschauer, da ich mich für 1,5 Stunden in einer vollkommen anderen Welt, jenseits des Alltags, wiedergefunden habe. Die Welt Phantásiens - die dem Buch entspringt das Bastian liest - handelt von einzigartigen Geschöpfen, darunter ist auch die Kindliche Kaiserin. Als diese krank wird, droht ein gefährliches Nichts ganz Phantásien zum Verschwinden zu bringen. Ein junger Krieger namens Atréju (Pascal Houdus) wird auf eine Reise geschickt, um die Kindliche Kaiserin und somit Phantásien zu retten.

Bevor ich das Theaterstück gesehen habe, war ich gespannt, wie der Regisseur Rüdiger Pape die unendliche Geschichte auf der Bühne umsetzen wird. Vor allem, da es im Buch zwei voneinander getrennte Handlungsstränge gibt (Bastian, der das Buch liest und die Geschichte, die in dem Buch passiert). Doch diese Herausforderung wurde mit Bravour gemeistert. Während Bastian zu fast jeder Zeit präsent auf der Bühne oder am Bühnenrand auf einem ferngesteuerten Bücherstapel sitzt und liest, passiert auf der Bühne gleichzeitig das, was gerade im Buch geschrieben steht. Beide Erzählstränge harmonieren perfekt miteinander. Als Bastian zum Beispiel entsetzt das Buch zuschlägt, weil Artax, das Pferd von Atréju stirbt, geht auch die Geschichte auf der Bühne nicht weiter. Erst nachdem sich Bastian von seinem Schock (“WER SCHREIBT DENN SOWAS?”) wieder erholt hat und das Buch aufschlägt, um weiterzulesen, lösen sich die Figuren aus dem Freeze.

Mein absolutes Highlight auf Atréjus Reise war das Land der Singenden Bäume, durch das er sich mit Artax kämpfen musste. Der Legende zufolge hat sich dort schon manch einer beim Singen selber vergessen und ist umgekommen. Auch Atréju und Artax scheinen dem nur ganz knapp zu entrinnen, da sie ein unvergessliches Lied zum Besten geben, das ich wirklich gerne auf CD hätte: “Artax, du Pferd auf der Koppel...”.
Aber es war auch schön mit anzusehen, wie sie sich durch die anderen Landschaften geschlagen haben. Und das, obwohl es sich hierbei um die einzigen Szenen ohne Bühnenbild handelt. Man wusste trotzdem immer ganz genau wo und in welchen Umständen sie sich gerade befinden. Besonders beeindrucken konnten mich und die kleineren Zuschauer auch die Handstand- und Flickflack-Fähigkeiten von Atréju und seinem Pferd.

Abgesehen von den Landschaftsszenen wurde am Bühnenbild nicht gespart. Ein riesiges trommelartiges Gebilde funktioniert zum Beispiel gleichzeitig als Haus der Uralten Morla (die im wahrsten Sinne des Wortes uralt ist und einen Rollator vor sich her schiebt) und als Sitz der kleinen, biestigen Ygramul, von denen sich Atréju stechen lassen muss, um rechtzeitig zum Südlichen Orakel zu gelangen. Später verwandelt sich die Riesentrommel dann in den Elfenbeinturm der Kindlichen Kaiserin, die in ihrem Kostüm – das aus kleinen Spiegeln zu bestehen scheint – in alle Richtungen strahlt. Genauso beeindruckend und kreativ wie das Bühnenbild sind auch die Kostüme. Jedes Fabelwesen Phantásiens ist einzigartig. Die Kostümabteilung (Andy Besuch) hat wirklich großartige Arbeit geleistet. Man hat das Gefühl, dass sie sich zum ersten Mal richtig austoben konnten.

Die unendliche Geschichte ist perfekt für einen Theaterbesuch mit der ganzen Familie. Vor allem die jüngeren Besucher konnten ihre Begeisterung zum Ausdruck bringen, als der böse Werwolf Gmork wissen will, wo sich Atréju befindet. “Norden” schreit es aufgeregt aus allen Winkeln des Zuschauerraums, um Gmork auf die falsche Fährte zu locken. Aber auch alle anderen, die das 10. Lebensjahr schon überschritten haben, brauchen keine Angst zu haben, im reinen Kindertheater zu landen. Die Bilder, die auf der Bühne entstehen sind für jeden beeindruckend. Ich muss Sie aber fairerweise darauf hinweisen, dass das Theaterstück leider nicht unendlich ist, wie der Titel vielleicht vermuten lässt. Ich habe es selbst sehr bedauert, als die unendliche Geschichte am Ende ihr Ende gefunden hat.
Nele Wulf, Max-Brauer-Schule (Jg 13)

 


Ich habe mir am 28.12.15 "Die unendliche Geschichte" angesehen.
Erzählt wird die Geschichte von Bastian, der durch Zufall an ein Buch gerät und somit ein tolles Abenteuer erlebt.
Bastian taucht in die Geschichte von Atreju und dem Drachen Fuchur ein. Um die kindliche Kaiserin zu retten.
Das Bühnenbild hat mir gut gefallen, es hat Spaß gemacht und zog einen mit.
Sehr gut hat mir Fuchur gefallen, der war echt schön!
Es war zuweilen auch sehr lustig.
Ich habe das Buch darin wiedergefunden und kann das Theaterstück auch gut für jüngere Kinder empfehlen. Doch ist es auch für ältere Zuschauer gedacht. Es hat mir Spaß gemacht das Stück zu erleben.
Kira Papenbruch, Kulturbotschafterin Franz von Asissi Schule, Kl. 9a

Als mein Bruder die Geschichte von Bastian Balthasar Bux und dem, in Fantasien lebenden, Helden Atreju als Hörspiel anhörte, konnte ich nicht vermeiden mit halbem Ohr mit zu hören. Ich kannte, bevor ich die vInszenierung von Rüdiger Pape gesehen hatte, also im groben die verschiedenen Figuren und die Handlung. Die Kostüme der Fabelwesen waren unglaublich. Jedes hatte seine besondere kreative und humorvolle Gestaltung.
Auch das Bühnenbild mit zweiter Ebene, einem großen Röhnrad und einem ferngesteuerten Bücherstapel für Bastian hat mich sehr beeindruckt. Die immer wechselnden Kulissen haben die Reise Atrejus hervorragend bebildert und auch die teils sehr urigen und lustigen Gestalten Phantasiens haben das Stück bereichert.
Besonders hat mir die Szene gefallen, in der sich Atreju und sein Pferd durch verschiedene Landschaften mit den unterschiedlichsten Witterungen kämpfen mussten.
Ein großes Lob geht an die schauspielerische Leistung und auch an die sehr passende Besetzung der Schauspieler.
Den kleinen lebhaften, dauerhaft hüpfenden Borkentroll und seine, schon etwas mitgenommen aussehende Begleiter im Sumpf der Traurigkeit hätte ich am liebsten mit nach Hause genommen.
Auf jeden Fall ein Stück für das sich Jung und Alt begeistern kann bzw. wird.
Julia Menk, Gymnasium Süderelbe Jg 12


Die unendliche Geschichte war eine der ersten Geschichten die mir als Kind vorgelesen wurden. Deshalb war ich mehr als gespannt auf die Umsetzung von Michael Endes Buch für die Bühne.
Das Stück beginnt plötzlich und ohne Vorwarnung. Aus dem Publikumsbereich stürmt Bastian Balthasar Bux, der Protagonist der Geschichte, verfolgt von einer Gruppe Raufbolde in ein kleines Büchergeschäft. Dort entdeckt er ein geheimnisvolles Buch, “Die unendliche Geschichte“, das ihn in das Land Phantasien einlädt. Hier verschlingt ein gestaltloses Nichts das Land und droht es vollkommen zu zerstören. Zu allem Überfluss ist die kindliche Kaiserin, Herrscherin über ganz Phantasien, von einer unheilbaren Krankheit befallen. Sie kann jedoch den Namen des Helden nennen, der sie und alle Bewohner Phantasiens retten soll: Atrjeu. Dieser reitet mit seinem geliebten Pferd Atrax los, um ein Heilmittel für die Kaiserin zu finden und damit Phantasien zu retten.
Das Bühnenbild für diese Geschichte ist gigantisch. Von einem Bücherhaufen, der gleichzeitig als Buchladen fungiert, einer kleinen heruntergelassenen separaten Bühne, auf dem ein Wald installiert wird, bis hin zu einem riesengroßen Rad, in dem die Darsteller wie Akrobaten herumturnen. Bei dieser Umsetzung wird an nichts gespart, auch nicht an den Kostümen für die Bewohner Phantasiens. So gibt es Irrlichter, Kobolde, Fledermäuse, Wölfe und sogar einen Riesen. Mit viel Liebe zum Detail ist diese Inszenierung ein Fest für die Augen.
Neben diesem üppigen Bühnenbild kommt auch die Handlung nicht zu kurz. So ist man hautnah dabei, wenn Atreju durch die Sümpfe des Vergessens watet, der uralten Uyulala begegnet und gegen Igramul kämpft.
Für alle die sich mit dem Werk Michael Endes auseinandergesetzt haben, wird hier ein wenig die Auseinandersetzung mit dem Nichts fehlen, jedoch wurden die zwei Welten, die Realität und Phantasien, und deren Vermischung sehr gut und auch für Kinder leicht verständlich verdeutlicht.
Alle, die leichte Unterhaltung suchen, die trotzdem Gehalt und Tiefe hat, sind mit der unendlichen Geschichte bestens bedient. Obwohl vom Thalia Theater als Kinderstück empfohlen, ist es auch für Jugendliche und Erwachsene einen Besuch wert.
Lucas Ice Pfeffer, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn, Jg 11

Die Weber

 

27. Dezember, Hamburg

Während die meisten Menschen zwischen den Feiertagen genüsslich faulenzen, wird im Thalia Theater noch richtig gearbeitet: In Kornél Mundruzcós Inszenierung von „Die Weber“ wird gewebt, genäht und geschuftet; und das zu einem erbärmlichen Hungerlohn. Natürlich haben die Weber bald schon die Nase gestrichen voll und trommeln, unter der Führung Moritz Bäckers, das Ende der Champagner saufenden Fabrikanten herbei. Diese stopfen sich ihre Diamanten und Goldbarren in jede Kleider- und Körperöffnung, bevor die aufständischen Weber im Prunkladen des Fabrikanten Dreissiger auch die letzte Marmorsäule umstürzen. Nur der alte Hilse, der schon seit zig Jahren im Webstuhl sitzt, will diesen während der, in seinen Augen, gottlosen Aufstände nicht verlassen; und wird letztlich symbolträchtig von einer Gewehrkugel tödlich getroffen.

Die Vorlage zu diesem Stück, Hauptmanns „Die Weber“, beschreibt das Elend der schlesischen Weber in den 1840-er Jahren. Doch Kornél Mundruzcó ist es gelungen, das Leiden einer ganzen sozialen Schicht in die heutige Zeit und auf den Jungfernstieg; bzw. nach Hamburg zu verlegen. Gerade da das Stück in einer Zeit der Billiglöhne- und produktionen leider immer noch nicht an Aktualität verloren hat, überrascht es so kaum, dass die aufständischen Weber nicht anders aussehen als die meisten Zuschauer. Und auch Deissingers Prunkladen könnte vor seiner totalen Zerstörung so am Jungfernstieg vorzufinden sein.
Jedoch sind wohl die Weber noch nicht ganz im 21.Jahrhundert angekommen; jedenfalls klingen sie nicht so. Während also das Ambiente an die heutige Zeit erinnert, sprechen sich die halb-verhungerten Weber auf Schlesisch über ihr Elend aus. Bisweilen glaubt man, man schaue sich einen ausländischen Film an, da bei dem unverständlichen Grunzen und Krächzen der Schauspieler extra Untertitel eingeblendet werden müssen.
Dementsprechend ist es also lobenswert, dass ein Spagat zwischen Historik und Aktualität angepeilt wurde, aber die groteske Mundart zerstört zum Teil die Bezogenheit des Stückes auf die momentane Zeit.

Dabei scheint es, dass nicht oft genug gezeigt werden kann, wie schlecht es den Webern eigentlich geht. So reicht es anscheinend nicht, dass eines der schwer schuftenden Weberkinder beim erfolglosen Verkauf der Ware kränkelnd umkippt; es muss auch noch die alte Frau Baumert, exzellent von Victoria Trauttmansdorff dargestellt, mit all ihren Erbrechen und Erkrankungen vorgeführt und der Hund aus Mangel an anderen Optionen geschlachtet werden; kurz nachdem sich der alte Baumert vor lauter Hunger und Wahnsinn Eisblöcke gegen den Kopf schlägt und diese dann verzehrt.
Die wahre Problematik liegt dabei nicht an diesen einzelnen Szenen, denn diese kommen gelungen herüber und zeigen, wie elendig und verarmt die Weber sind; sondern daran, dass im Vergleich dazu die Aufstände läppisch und fast schon nebensächlich erscheinen. So wird zwar der Pastor mit sehr viel Liebe zum Detail ermeuchelt und letztendlich die gesamte Szenerie zerstört; aber mehr auch nicht. Daher bleiben die Erwartungen an einen bildgewaltigen und heroischen Aufstand unerfüllt; was natürlich schade ist, da das Potenzial vorhanden wäre.

Das Bühnenbild hingegen hätte so nicht bildgewaltiger und aufwendiger sein können: während es im düsteren und engen Keller vor sich hin dampft, sich Wäschekörbe neben diversen Maschinerien stapeln, liegt direkt darüber ein eleganter, prunkvoller Laden; riesige, moderne Kronleuchter, Marmorsäulen und Ausblick auf das Hamburger Rathaus inklusive. Gerade zu Beginn des Stückes, als all die Weber an diversen Stationen ihren Tätigkeiten nachgingen, wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn so wirklich eine Hose produziert worden wäre. Gerade diese Liebe zum Detail verleiht dem recht naturalistischen Stück Charakter.

Jedoch hat dieser Charakter woanders gefehlt: Nämlich bei der Darstellung der einzelnen Charaktere. So ist kaum aufgefallen, dass die Person des alten Hilse, gespielt von Axel Olsson, im Stück auftauchte, bis dieser im letzten Akt von einer Gewehrkugel getroffen wurde. Und auch die Figur des Moritz Bäckers als Aufstandsanführer hätte man gerne noch rebellischer, noch aussagekräftiger gesehen, gerade da mit Jörg Pohl in der Besetzung das Potential vorhanden ist. Marie Löcker, in der Figur der Emma Baumert, konnte mit ihrer Darstellung als fürsorgliche und charakterstarke Mutter der Weberfamilie durchaus überzeugen und auch Victoria Trauttmansdorff in der Rolle der alten Baumert hat diese exzellent präsentieren können.
Jedoch wünscht man sich bei solch talentierten Schauspielern, dass deren Potential voll ausgeschöpft wird, sodass man zum Beispiel nicht tausende Szenen benötigt, um das Elend der Weber darzustellen, sondern nur eine gute Verkörperung.

Letztendlich ist Kornél Mundruzcós Inszenierung von „Die Weber“ eine hervorragende, durchaus überzeugende Sozialkritik, die sich an die aktuelle Zeit richtet. Um diese jedoch noch besser umzusetzen, wäre es eventuell notwendig gewesen, sich auch sprachlich von Hauptmanns Vorlage zu distanzieren. Und wenn auch Taten mehr sagen als reine Worte, so wäre es eine gute Tat gewesen, die Schauspieler nicht so zu unterfordern.
Luise Lämmerhirt, Max Markowski, Leibniz Privatschule Elmshorn, JG 11

 

Betritt man den Saal, warten auf einen zwei alte Nähmaschinen vor dem Metallvorhang der Bühne. Wie durch den Namen des Stückes, wird auch somit der Fokus der Geschichte, auf die Lage der Weber zu Beginn der Industrialisierung und des Kapitalismus Mitte des 19. Jahrhunderts, umgehend deutlich. Dem Publikum bleiben hier und auch im Stück selbst keine Fragen offen, für welche im Folgenden jedoch auch kaum Platz ist. Die Inszenierung des Theater- und Filmregisseurs Kornél Mundruczó konfrontiert das Publikum mit Wirkungen, wie ich sie im Theater noch nie erlebt habe. Wirkungen die eine solche Kraft haben, dass die Verarbeitung dieser zu viel Raum in den Köpfen der Zuschauer einnimmt, um sich mit Verständnisproblemen der Aufführung auseinander setzen zu können. Schon mit Beginn der ersten Szene wird dies unumgänglich klar.
Der Vorhang geht auf und mit Erleuchten der grellen Neonröhren wird einem ein gefühlt Tonnen schwerer Stein auf die Brust gelegt.
Zu sehen ist eine unordentliche und herunter gekommene Weberei, übersetzt in eine modernere Jeansfabrik, mit einer dreckigen Küche und, eher sporadisch wirkenden, Metallhochbetten an der Rückwand. Der Raum ist gefüllt mit Mundschutz tragenden Kindern und wenigen Erwachsenen, welche jeweils verschiedene Aufgaben der Jeansproduktion ausführen. Die giftigen Chemikalien und der Wasserdampf ziehen in Form von Nebelwolken durch den gesamten Raum und das Beißen der Säure in den Atemwegen ist auch ohne Gerüche durchaus vorstellbar. Die Stimmung des Geschehens, begleitet durch einen rhythmischen Takt der Arbeitsgeräusche, ist kaum zu beschreiben. Eine so umgehende, überwältigende und unausweichliche Wirkung von Depression, Bedrängung und vor allem Schock, ist mir in der Gesamtheit meiner Theaterbesuche noch nie begegnet. Sowohl unter den Charakteren, als auch in Form von gekonnter Interaktion Jörg Pohls, als einer der Weber, mit dem Publikum, wird schnell und deutlich gezeigt, wie jede Sekunde des Lebens der Weber von deren Geschäft abhängt und in was für einer Aussichtslosigkeit sie sich befinden, da ihr Werk im Zuge der Industrialisierung an großer Bedeutung verliert. Kombiniert wird dies mit ungewöhnlichen, dadurch aber interessanten, Filmmitteln, welche auf eine große Leinwand, die sich über dem Weberraum befindet, angestrahlt werden. Hierbei wird der Zuschauer glauben gemacht, er sähe die Aufnahme eines Verhandlungsgespräches der Weber und Moritz Bäcker mit sowohl Pfeifer, als auch dem Fabrikanten Dreissiger. Im Weiteren wird allerdings klar, dass dieses hinter der Leinwand live gespielt, aufgenommen und über den Beamer übertragen wurde. Somit hat es eine viel größere Wirkung als die Leinwand über der Weberei hochgefahren, und das Bühnenbild der Aufnahme offengelegt wird. Äußerst gelungen ist hierbei die erneut sehr klare Aussage des Stückes, wobei das Bühnenbild eines Hamburger Markengeschäftes, wie man es am Neuen Wall oder Jungfernstieg finden würde, als Welt der Fabrikanten und Reichen, direkt über dem Weberraum aufgebaut ist. Dieser wird somit in den Untergrund der gezeichneten Welt gestellt, über welchem das Leben derer stattfindet, die von dem Leid der Weber profitieren. Erneut wird auf diese Weise die bedrückende Stimmung des Weberraumes geradezu umrandet und verstärkt.
Besonders beeindruckend in dem gesamten Bühnenbild von Márton Ághs ist jedoch die Liebe fürs Detail. Sowohl die Weberei, ausgestattet mit mehreren Regalen, verschiedenen Arbeitsplätzen und Werkzeugen, als auch das Modegeschäft, dessen Wände und Decken aus dem Publikum heraus, echtem Mamor unwahrscheinlich ähnlich sehen und versehen sind mit Sonnenbrillen, Schuhen und, dem Stück entsprechend, Jeans Hosen und Jacken, lassen keine Lücken aufweisen. Auch die technische Installation des Bühnenbildes ist herausragend, wobei diese gegen Ende genutzt wird, um das Geschäft Dreissigers, im Rahmen der Schüsse des Weberaufstandes, auf eindrucksvollste Weise zu zerstören und in Chaos zu versetzen. Entgegen dem allgemeinen Trend eines modernen, sehr bescheidenen Bühnenbilds oder gar einer leeren Bühne, ist das ausführliche Bühnenbildkonzept für das Stück unabkömmlich. Die zwei verschiedenen Räume und Höhen werden mit Bravur eingesetzt und in Zusammenspiel gebracht, wodurch das Stück nicht zu einem einzigen Zeitpunkt langweilig ist. Allerdings ist dies längst nicht nur dem Bühnenbild zu verdanken. In der Gesamtheit des Handlungsbogen lassen die Extreme der Ausübung emotionaler Strapazen, sowohl auf die Charaktere, als auch auf die Zuschauer niemals nach, wodurch ich an Szenen die durch besondere Schockwirkung gezeichnet waren, bis an die Tränen getrieben wurde. Nicht nur aus Trauer, sondern aus purem Entsetzen über das, was sich auf der Bühne abspielte. Besonders Loben möchte ich hierbei die dramatische Ausarbeitung der Krankheit und Verpflegung der Mutter Baumert, welche auf eine solch makabere Weise dargestellt wird, dass einem nichts als Atemstocken bleibt. Die schauspielerische Leistung von Victoria Trauttmansdorff als die Mutter Baumert ist vor allem in dieser Szene mehr als beeindruckend.
Ähnliche Höhepunkte stellen die Einsätze des Weberliedes dar, wobei einem nicht nur die Lautstärke sondern auch das starke rhythmische Zusammenspiel des Liedes mit dem Geschehen und die unfassbare Darstellung von Wut und Rachelust der Weber und des Moritz Bäcker, den Atem nehmen.
Einzigartig an dem gesamten Stück ist der Aufbau einer solch mächtigen Stimmung, welche durchgehend aufrechterhalten wird, dass selbst bei kleinen Witzen die Lust zum Lachen vollends vergangen ist. Die Inszenierung ist definitiv nicht zum Lachen und nichts für schwache Nerven, was jedoch genau der Grund für meine außerordentliche Bewunderung ist.
Sie stellt den Verlust, die Wut, die Ungerechtigkeit, den Hass, die Aussichtslosigkeit und, nicht zu unterschätzen, den Schrecken in der reinsten Form dar und bildet ein, als für mich nichts anderes zu bezeichnendes, Meisterwerk.
Ida Plumpe, Eric-Kandel-Gymnasiums in Ahrensburg. 17 Jahre , Jg 11


28. Mai 2017

Der Überlebenskampf fordert die Arbeiter in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu drastischen Maßnahmen heraus. Die Löhne werden immer geringer und der Vorrat an Lebensmitteln so knapp, dass kaum noch die Versorgung der Familien möglich ist. Sie töten und essen schließlich ihre Haustiere, gehen auf die Straße und revoltieren.
Diese Produktion im Rahmen des Theaters der Welt 2017, unter der Regie des gefeierten Kornél Mundruczó, projiziert die Handlung des Sozialdramas in die Gegenwart, zeigt auf einer ausgefeilten Bühne in zwei Ebenen oben die besser gestellten Fabrikanten in einem noblen Geschäft am Hamburger Rathausmarkt und unten die unter erschreckenden Bedingungen schuftenden Weber mit ihren Kindern, die für ebenjene hochqualitative Jeans herstellen und dafür höchstens Almosen erhalten.
Eindrucksvoll ist die Leistung der Schauspieler, besonders der Kinder, die das Publikum in ihre sozialen Milieus mitnehmen und bis zum Schluss gespannt bleiben lassen. Die Auflösung zeigt die bröckelnde Gesellschaft anhand der einkrachenden Bühne, um die es fast schade ist. Wenngleich die Botschaft von Verfasser und Regisseur gewissermaßen bereits während der gesamten Handlung eindeutig ist und eine Überraschung erspart bleibt, ist man doch deutlich angeregt, sich mit dem Thema weiter auseinanderzusetzen.
Nicht alle Zuschauer scheinen zum Ende der Aufführung begeistert, doch sie war bildgewaltig und multimedial. Eine ganz besondere Interpretation des Hauptmann-Stoffs und für jeden Theater-Liebhaber zu empfehlen; kein Theaterabend, den man schnell vergisst.
Eins wurde besonders einprägsam vermittelt: Revolution. Nach einer gewaltigen Trommeleinlage der Weber und Weberkinder hätte man den Schluss erwarten können. Doch der fünfte Akt kommt noch: Der alte Hilse, ein Konservativer, welcher dem Aufstand nichts abgewinnen kann, hätte lieber alles wieder beim Alten und webt inmitten der Schießereien weiter. Sofort wird er von einer Kugel getroffen, es wird plötzlich vermeintlich still und völlige Dunkelheit legt sich über den Saal.
Robert H., Ehemaliger Schüler der Sophie-Barat-Schule

Der Fremde

 

Der Fremde
Perfekt inszeniert kommt "Der Fremde" auf die Drehbühne der Thalia Gaußstraße. Es geht um den Mörder Meursault, die Tränen, die er am Grab seiner Mutter nicht geweint hat, eine Frau die er nicht aus Liebe heiraten wollte und nicht zuletzt um den kaltblütigen Mord, für den er hingerichtet werden soll. Auf der sandigen Drehbühne mit Wüstenflair verkörpern die vier Schauspieler die agierenden Personen. Und trotz seiner Reuelosigkeit und scheinbaren Gleichgültigkeit, erweckt der Antiheld Meursault, der sogar im Auge seines unvermeidlichen Todes einen klaren Kopf behält. Emotionslos und alles bejahend, was sich ihm offenbart, wirkt Meursault gottlos auf die Geschworenen des Gerichts.
Besonders begeisternd ist die Inszenierung aufgrund der Drehbühne, die gekonnt dem drumherum sitzenden Publikum das Geschehen von allen Seiten zeigt. Die Wirkung des mit sich hadernden Protagonisten wird durch das Laufen in die entgegengesetzte Richtung der Drehung und der kurzen Perspektivwechsel erzeugt und machen Requisiten überflüssig: Die durchgehend auf der Bühne spielenden Schauspieler schaffen es mit ihren schwarzen Anzügen immer neue Kostüme entstehen zu lassen. Tief philosophisch und hervorragend umgesetzt!
Nina Niesche, Gebrüder-Humboldt- Schule in Wedel, Kl.12

 

„Nachdenktheater“ in der Thalia Gaußstraße
„Na gut, ich werde also sterben. Früher als andere, das war klar. Aber jeder weiß, dass das Leben nicht lebenswert ist. Im Grunde wusste ich wohl, dass es wenig ausmacht, ob man mit dreißig oder mit siebzig stirbt, da natürlich in beiden Fällen andere Männer und Frauen leben werden, und das Tausende von Jahren hindurch.“
Vier dunkel gekleidete Personen betreten die Bühne, drei Männer und eine Frau, aus denen sich Meursault, der Protagonist des Romans, zusammensetzt. Einer der Männer zieht eine Pistole. Ein Schuss zerreißt die Stille. Meursault hat einen Mord begangen. An einem Araber, das war klar. Monsiuer Meursaults zeigt kaum Gefühle und fügt sich den gesellschaftlichen Konventionen nur deshalb, um keinen Streit mit seiner Umwelt zu riskieren. Bevor Meursault den Mord begann, bekam er eine Nachricht, dass seine Mutter im Altersheim gestorben sei – Ihm schien es gleichgültig zu sein. Er machte sich auf den Weg zum Altersheim. Er bekam die Möglichkeit seine Mutter noch einmal zu sehen, jedoch lehnte er dies ab. Er rauchte in Gegenwart ihres Leichnams, zudem trank er Milchkaffee. Vor dem Gericht steht schnell die Moralität des Angeklagten infrage – hat er etwa wirklich nicht geweint am Grab der eigenen Mutter? Hat er die alte Dame etwa ganz gefühllos in einem Heim entsorgt? Hat er etwa kurz nach dem Tod seiner Mutter eine Affäre angefangen mit einer alten Arbeitskollegin? Und war der tödliche Schuss womöglich nur eine Hilfsaktion für einen Zuhälterkumpel?

Das ganze Theaterstück wird auf einer mit orangefarbenem Sand bedeckten Drehscheibe gespielt. Sie wird an vier Seiten vom Publikum umgeben. Jette Steckel, die Regisseurin des Stückes, hat mit gezielt wirkenden Theatermitteln gearbeitet. Als sich die Bühne einige Male in Bewegung setzte, genügten ein Lichtwechsel und ein, zwei Schritte, um die Beziehungen zwischen den Darstellern und auch den Orten des Geschehens darzustellen. Um sich in Meursaults Nachbarn Salamano oder gar dessen Hund zu verwandeln, genügt ein Nylonstrumpf, der über die Schultern gezogen wird. Bei Meursault handelt es sich eigentlich gar nicht um einen schlechten oder sogar dummen Menschen, meint der Staatsanwalt. Er ist sogar außerordentlich klug, Meursault ist bei jeder Antwort und bei jeder Frage klar im Kopf. Er könnte sogar Marie heiraten ohne sie zu lieben, es sei ja das gleiche. Meursault wird zum Tode verurteilt.

„Mein letzter Wunsch ist es am Tag meiner Hinrichtung vom schreienden Hass empfangen zu werden“
Obwohl alle Schauspieler Meursault spielen, wechseln sie permanent die Rollen, auch wenn dies vielleicht ein wenig verwirrend klingen mag, ist es sehr gut zu verstehen. Steckel hat ein wunderbares Stückchen „Denktheater“ in die Gaußstraße gebracht und hatte zu dem noch sehr lobenswerte Schauspieler zur Verfügung (Mirco Kreibich, Daniel Lommatzsch, Franziska Hartmann und Julian Greis)

Anita Ukshini, Walddörfer Gymnasium, Klasse 9

Der Spieler

 

Der Schein von Glamour, prestigen Familien und Reichtum sowie die weniger glänzende Realität, die von Schulden, Spielsucht und Intrigen geprägt ist, stellen die großen Themen in dem Drama „der Spieler“ dar.
Die Zuschauer strömen in den Saal, verdutzt werden die weißen, drehbaren fake-Leder Sessel erblickt (nun macht das Beharren der Garderobiere die Mäntel und Taschen abzugeben plötzlich einen Sinn). Die Zuschauer nehmen Platz, unter Beobachtung und Anwesenheit der Schauspieler, die bereits in ihren Rollen an der mittig platzierten Bar sitzen oder zwischen den silbrigen alufolienartigen Vorhängen auf- und abtreten.
Der Pianist in der Mitte der Bar sorgt für eine angenehme Lounge- Musik, welche als Endlosschleife auch die Dialoge der Rollen begleitet. Hin und wieder ertönt das Lied „Blue Velvet“. Beides ergänzt die laszive Gestaltung des Bühnenbildes.
Sebastian Zimmler führt als spielsüchtiger Alexej durch den Abend. Als Hauslehrer eines bankrotten Generals, weiß Alexej um die Lebenslagen der Charaktere Bescheid. Und bekommt die Aufgabe zugeteilt die Tante aus Moskau vom Roulettetisch fernzuhalten.
Besonders hat mir das Spiel von Alexej gefallen. Die unsichere Verhaltensweise, das Zittern und das Schmeicheln eines Spielers, sowie das triebhafte Wesen, das zum Vorschein kommt als er durch das Roulettespiel zu Reichtum gelangt, haben mich sehr beeindruckt.
Der Zuschauer weiß gar nicht wie ihm geschieht. Er dreht sich ständig zu den sprechenden Rollen und in einer Szene werden wir als Zuschauer, als „Bedürftige“ bezeichnet und von den Rollen mit Louisdor beworfen. Ein sehr amüsanter Augenblick.
Das Erscheinen der Tante ist fantastisch. Karin Neuhäuser als reiche Tante aus Moskau erscheint in dekadenter Kleidung in dem Kurort Roulettenburg. Sehr zum Verdruss der restlichen Protagonisten, die allesamt hinter dem Erbe der Tante her sind. Alexej führt die Tante voller Ekstase und Nervosität in die Welt des Roulettes ein. Nach mehrfachem Setzten auf die Null, gewinnt sie achttausend Rubel. Der Zuschauer ist in den Bann der Tante gezogen, die mitfiebert, schreit, die Arme nach oben streckt und stets mit einem rauchig-, russischen Akzent um den Gewinn bittet.
Nach der Pause sitzen die Zuschauer wieder gesittet im Zuschauersaal. Die weißen Drehstühle sind leer. Auf der Bar stehend berichtet Alexej vom Rausch des vorigen Abends. Währenddessen regnet es Geldscheine. Für ihn verliert Polina an Bedeutung und er vergnügt sich in Paris. Diese Szene ist unglaublich, mit einer Windmaschine werden die Geldscheine aufgewirbelt und in Windeseile werden Szenen eines exzessiven Partyrausches dargestellt. Champagner, Geld und nackte Oberkörper die sich über das rote Laminat wälzen.
Grandioses Spiel der Schauspieler und wieder einmal eine sehr sehenswerte Inszenierung.
Isabell Dere, Rudolf-Steiner-Schule Nienstedten; Jg 13

 


Rien ne va plus. Herzlich Willkommen in Roulettenburg! Herzlich Willkommen im traurigen Leben vom spielsüchtigen Alexej. Regisseur Jan Bosse fasziniert mit einem Stück, das einen ungewöhnlichen Charakter aufweist: Modernstes Theater mit all seinen Facetten. Beginnend mit der Bühnenkonzeption lässt er die Zuschauer tiefer in das Geschehen eintauchen. Der Saal der Studiobühne in der Gausstraße wurde in ein scheinbar richtiges Casino verwandelt. Das Publikum nimmt auf drehbaren Sesseln rund um eine in der Raummitte befindlichen Bar Platz, die Schauspieler spielen praktisch zwischen den Zuschauern im Casino. Rundherum hängen glitzernde Vorhänge, welche passend zur Stimmung den Raum mit seinem weinroten Fußboden reflektierend beleuchten können. Alles glänzt, so aber nicht die Geschichte: In der fiktiven russischen Stadt arbeitet Alexej als Hauslehrer bei einem bankrotten General. Mit dem Besuch der Tante wittert dieser sein großes Erbe. Die Handlung bewegt sich zwischen Scheitern und Erfolg, dennoch schafft es der Regisseur, die Leichtigkeit des Stückes mit pointiertem Humor und Zuschauerinteraktion aufrechtzuerhalten. Je später der Abend, desto dramatischer die Geschichte rund um Liebe und Spielsucht. Nach der Pause wird das Publikum auf die Tribüne verschoben, sodass der Niedergang des Alexejs aus einer Distanz beobachtet werden kann. Sehr gut hat mir die atmosphärische Untermalung mittels Licht und Hintergrundmusik gefallen. Genauso wird den Zuschauern eine hervorragende Schauspielleistung geboten, wenngleich die Länge der Dialoge manchmal etwas zäh zu wirken vermag. Jedem, der alternatives, modernes Theater liebt, kann ich einen Besuch bei „Der Spieler“ wärmstens empfehlen!

Lucas Timm, Jahrgang 11, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn

Der Sturm. A Lullaby of Suffering

 

25.Februar 2018, Hamburg.
In Shakespeares finalem Stück „Der Sturm“ lässt der auf eine Insel verstoßene Graf von Mailand und Zauberer Prospero mit seiner Magie Schiffe kentern, Personen einschlafen und Geister lenken und erschafft so Intrigen, Katastrophen und Verwirrung. In dem (fast) gleichnamigen Stück der Regisseurin Jette Steckel inszeniert diese auch Situationen, die für Verwirrung sorgen. Diesmal findet die Geschichte von Prospero nicht auf einer einsamen Insel statt, sondern im Kopf des verbitterten Magiers; denn in diesem Gedankenexperiment möchte Prospero seiner Tochter Miranda die Verwirrungen und Irrungen der Welt zeigen.

Bei dieser Inszenierung fällt eines schnell auf: Es nennt sich „Der Sturm“, die darin vorkommenden Charaktere heißen wie in „Der Sturm“ und irgendwie befindet sich Prospero am Anfang auch auf einer Insel, genau wie in „Der Sturm“. Aber ansonsten hat das Stück nicht viel mit Shakespeares Originalwerk gemein.
Dabei klingt die Idee eines Gedankenexperimentes zuerst sehr verlockend. Schließlich bietet sich die Figur der unschuldigen Miranda perfekt an, um das Geschehen abseits einer einsamen Insel ablaufen zu lassen. Und auch wenn die bis dato in der Einsamkeit aufgewachsene Miranda auf eine im 21.Jahrhundert lebende Außenwelt trifft, so bleiben die Möglichkeiten schier unbegrenzt, eine interessante Handlung auf die Bühne zu bringen.

Doch gerade daran mangelt es bei dieser Inszenierung: der Handlung.
Es bleibt teilweise schlichtweg unergründlich, was gerade auf der Bühne passiert. Was zum einen daran liegt, dass man oftmals nicht versteht, was die Charaktere von sich geben. Klassisches Englisch á la Shakespeare mit starkem deutschem Akzent können selbst die geübteren Ohren nicht immer entziffern. Dementsprechend ist man auch dankbar, immer mal wieder ein paar Übertitel zu erhalten, nur um feststellen zu müssen, dass Semantik und vorgeführte Situation nicht immer logisch vereinbar sind. Trotzdem muss man den Versuch loben, klassische Originalzitate aus Shakespeares Werken mal wieder auf deutsche Bühnen bringen zu wollen.

Des Weiteren ist es problematisch, zu verfolgen, was gerade auf der Bühne geschieht. Schließlich erschwert das überaus kreative Bühnenbild, sich auf einzelne Figuren zu konzentrieren. Und noch schwerer wird es, wenn Figuren an verschiedenen Stellen herum wuselten; im Hintergrund dazu „Denglisch“ und laute Musik alles übertönt.
Dabei ist das Bühnenbild, wie schon angemerkt, recht kreativ. Ein gigantischer Block, wie ein Puppenhaus in diverse kleine und krumme Zimmer unterteilt. Gleichzeitig ergibt die Anordnung der Zimmer den Schriftzug: „Europe is lost“. Dieses durchaus aufwendige, wenn auch nicht interessante Bühnenbild würde wahrscheinlich noch mehr Wirkung haben, wenn man es auch in den Kontext der (nicht wirklich vorhandenen) Handlung würde einordnen können. So trägt dieser gewaltige Block jedenfalls letztendlich dem Ambiente der Verwirrung visuell bei.
Eins muss man aber auch loben: Die Kostüme sind dezent, schlicht und modern. Genauso als ob sich die Schauspieler nach Feierabend nicht mehr umziehen müssen, sondern so auch nach Hause gehen können. Damit stehen sie fast schon im Kontrast zum gesamten Rest der Inszenierung, sind jedoch wenigstens nicht negativ auffallend. Zudem muss man auch loben, dass niemand unnötig nackt ist.

Und wenn man schon dabei ist: Den Schauspielern wird viel abverlangt in dieser Inszenierung. Schließlich muss ihnen meist bewusst sein, was sie da auf der Bühne verkörpern wollen. Normalerweise muss auch meist noch extra erwähnt werden, dass die Figur des Prospero von Barbara Nüsse gespielt wird. Aber bei einem solchen Stück fällt es nicht zwingend auf, wenn die Geschlechter einzelner Figuren verdreht werden. Zu der schauspielerischen Leistung: Die durchaus talentierten Schauspieler sind auf jeden Fall mit vollem (Körper)Einsatz dabei; um die schauspielerische Leistung zu kommentieren, muss nur klar sein, was die Situation, ihre Stimmung, etc. sein soll. Dementsprechend vermute ich einfach, dass zum Beispiel André Szymanski in der Rolle des Caliban sein Bestes tut, um diesen als herum humpelnden komischen Kauz darzustellen. Es ist wahrscheinlich nur die Inszenierung, die verhindert, dass die einzelnen Charaktere mehr Persönlichkeit haben und wenn, dass ihre Rollen auch Sinn ergeben.

Allgemein bleibt der Sinn dieses Stückes unbenannt. Es werden viele Problematiken, Situationen, Moralen, etc. vorgestellt, bzw. angeschnitten; jedoch wird keine weiter behandelt. Daher vermutet man fast schon, die Inszenierung will einfach nur „Alles ist scheiße!“ schreien; aber gleichzeitig auch noch aufzählen, was denn mit „Alles“ gemeint ist.
Und auch die Anmerkung des Titels; „A Lullaby of Suffering“, ergibt zuerst auf das Stück bezogen kaum bis keinen Sinn. Doch wenn man dies auf das Publikum bezieht, so muss man Jette Steckel wahrlich loben, dass es ihr gelungen ist, die Zuschauer in ihre Inszenierung miteinzubeziehen, ja, sie sogar zu den leidtragenden Figuren zu ernennen und so auf makroskopischer Ebene jene vierte Wand zu durchbrechen, die andere Stücke nur mühselig antasten. Dementsprechend ist es auch ein gewagter, aber kluger Schachzug, keine Pause in das Stück einzubauen, nicht dass die Zuschauer, die aktiv eingebundenen Figuren, ihrem Stück entfliehen.

Letztlich ist „Der Sturm. A Lullaby of Suffering“ eine interessante Inszenierung, die nicht zwingend Sinn ergeben will. Man muss trotzdem den Versuch loben; denn so eine Inszenierung von Shakespeares Sturm gab und gibt es wahrscheinlich noch auf keiner weltlichen Bühne. Jedenfalls hat Jette Steckel viel gewollt mit ihrem Stück; ist aber ein bisschen zu weit weg vom Ziel geflogen.
Luise Lämmerhirt, Leibniz Privatschule, Elmshorn, JG 12

 

Shakespeares Drama „der Sturm“ erzählt die Geschichte Prosperos; einst Herzog von Mailand, doch nun zusammen mit seiner Tochter Miranda, im Exil auf einer Insel lebend.
Prosperos Bruder Alonso hatte diesen in der Vergangenheit aus seinem Amt und aus dem Land verwiesen. Seine Flotte befährt gerade das offene Meer, als Prospero einen gewaltigen Sturm heraufbeschwört, welcher das Schiff zum Kentern bringt und seinen Bruder, samt Mannschaft, an die Insel spült.
Es sind die Zauberkräfte Prosperos, die das weitere Geschehen auf der Insel beeinflussen. Ein Luftgeist namens Ariel, sowie der missgestaltete Hexensohn Caliban sind durch Zaubermacht in den Dienst Prosperos gezwungen und helfen ihm dabei, das Schicksal nach seinem Willen zu gestalten.
Die Inszenierung von Jette Steckel bedient sich einer Vielzahl unterschiedlicher künstlerischer Mittel, um das Geschehen in einem weltanschaulichen Kontext darzustellen.
In einem dichten „Sample“ wechseln sich innerhalb der Inszenierung Video, Tanz und lyrisches Sprechen mit Gesang, Rap und den Kompositionen einer Live-Band ab.
Dabei entsteht ein düsteres Portrait unserer Zeit, welches mit starker Emotionalität vorgetragen, den Zuschauer vereinnahmt. Der wuchtigen Inszenierung lässt sich nur schwer etwas entgegensetzen. Der in kompakter Weise vorgetragenen Gesellschaftskritik fehlt aber der notwenige Dialog mit dem Zuschauer. Daher ist fraglich, ob alles, was in den fast zweieinhalb Stunden zur Sprache kommt, nachhaltig wirken kann.
Trotz dieser heftigen Kritik bin ich gleichzeitig voller Begeisterung über diese Inszenierung! Insbesondere die Komposition aus Bühnenbild, Musik und Darstellern wirkt als ein Ganzes gesehen, unheimlich faszinierend. Durch das erwähnte „Sampling“ und die starke Besetzung, welche die, für diese Methode nötige, Flexibilität (scheinbar leicht) beherrschte, fällt die Spannung an keinem Punkt der Handlung ab, sondern bleibt über die gesamte Vorstellung ungewöhnlich hoch. Durch die Musik verbindet sich die Zuschauer im gemeinsamen Mit-leid mit der Welt, vielleicht steigt in vielen ein Gefühl von Humanität auf …und möglicherweise erfüllt es sogar alle Köpfe im Saal. Darin ist die Inszenierung absolut gelungen, ja ist fantastisch!
Ihr gelingt zu thematisieren, auf eine flüchtige, fast impulsive, unkontrollierte Weise, was normalerweise kaum zur Sprache kommt. Vielleicht weil es zu stimmungsdrückend, gleichzeitig offensichtlich, und vor allem ziemlich unangenehm ist, wenn politische oder gesellschaftskritische Haltungen derart emotional geäußert werden?
Wir vermeiden gerne, dass uns jemand mit dieser Art von Ansprache begegnet, wie es in „Der Sturm“ auf eindrucksvolle Art mutig, weil provokant, einfach gewagt und getan wird.
Vom Publikum wurde das Stück mit einem langanhaltendem, begeisterten Applaus beantwortet.
Persönlich wünsche ich mir nur, dass dieses Tosen, dieser heraufbeschworene Sturm noch etwas länger andauert, damit er nachklingen kann, widerhallt in unseren Köpfen! Und wir vielleicht diese günstigen Strömungen ergreifen können und endlich wagen einen neuen Kurs zu fliegen.
Um etwas Neues auszuprobieren und darüber zu gesünderen, besseren Handlungsmöglichkeiten und Wegen zu gelangen, brauchen wir sowohl Mut als auch Entschlossenheit. Wir müssen radikaler im Denken und Handeln sein, wenn wir uns von den vermeintlich schweren Hindernissen, welche uns von einer besseren Lebensweise abhalten, endlich befreien und (möglicherweise auch mal experimentell) zu neuen Wege gelangen wollen!
Diese Stück anzusehen empfehle ich daher jedem, der sich neuen Impulsen (zukünftig) öffnet und Veränderungen mit Neugier und Freude entgegensieht. :)
Ira Wichert, Jahrgangsstufe 12 des Helene Lange Gymnasiums in Hamburg

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Kate Tempest - Tempest ist das alt-englische Wort für Sturm („the tempest“ ist der original Titel des Stückes) und kommt vom lateinischen Wort „Tempestas“ - ist eine britische Rapperin, die durch ihre sozialkritischen Texte und ihren extremen künstlerischen Out-Put immer wieder für Bewunderung sorgt. Mittlerweile im Feuilleton bekannt, sorgt sie durch ihren latenten Antisemitismus auch immer wieder für Furore.
In ihrem letzten Album rechnet sie mit dem Großstadtleben ab. Sie erzählt die Geschichte von sieben Personen, die allesamt in getrennten Wohnungen um 4:18 Uhr wach liegen. Tempest erzählt von ihren Schicksalen und Problemen, ihren Ängsten. Wach sind sie da und denken über die Welt nach, oder ihren Ex; daran, dass Konsum sie auch nicht mehr glücklich macht: Stop crying, start buying! Sie ist so eine Mischung aus Gregor Gysi, Tupac und Julia Engelmann. Ihre Alben sind immer wie mit dem Holzhammer geschreinert.
Der Kenner des Theaters und auch Shakespeares fragt sich jetzt, was das alles mit „Der Sturm“ zu tun hat. Es ist Shakespeares Requiem auf die Menschheit - sein Abgesang.
Es geht um Prospero - den durch seinen Bruder weggeputschten, ehemaligen Herrscher von Mailand, der mit seiner Tochter Miranda auf einer Insel festsitzt. Auf der Insel befinden sich auch der gezähmte Wilde Caliban und Ariel, der eine Art Naturgeist ist. Die Beiden unterstehen Prospero, da der sie gerettet hat. Der Bruder des Prospero, Antonio, landet nun durch einen schrecklichen Sturm auch auf der Insel. Miranda verliebt sich in Ferdinand, den Sohn des Antonio, und Caliban wird durch Antonio und die restliche Besatzung so korrumpiert, dass er zum Wilden wird und Prostero nach dem Leben trachtet.
Aber das ist am heutigen Abend vollkommen egal. Prospero sitzt heute Abend nämlich mit Miranda auf der Insel und zeigt ihr die Welt durch seine magische Kugel. An Hand der Figuren aus Kate Tempest’s Album „Let them eat chaos“, werden wir durch die Geschichte geführt. Ein riesiger Bühnenaufbau dient als Hausreihe. Die kleinen Wohnungen sind so designed, dass sie „Europe is lost“ - auf Tempest’s Album gibt es einen gleichnamigen Titel - ausschreiben.
In diesen gefängnisartigen Wohnapparaten sehen wir Europa scheitern; die Bewohner werden durch Macht und Geld, durch Unaufmerksamkeit, politische Unlust und Konsumgeilheit von den wahren Problemen abgelenkt. Und hier scheitert auch die eigentlich so großartige Jette Steckel an dem, voran immer mehr Regisseure zu scheitern scheinen: ungeordnete Gedanken. Sie fliegt von einem Thema zum anderen. Präsentiert keine Lösungen, wenn, dann nur sehr simple und redet über Alles und Nichts. Böse Zungen könnten sie fasst eine Populistin heißen... also der Inhalt ist schon mal Murks - das Bühnenbild dagegen ist der Hammer.
Der riesige gelbe Aufbau aus zwölf Kästchen kommt phänomenal daher. Die ganze Zeit wird mit Licht, Sand, Video und Musik gearbeitet. Das Stück ist wahrscheinlich das bestaussehende, das ich im Thalia je gesehen habe. Auch alle Schauspieler sind absolute Spitze - nur Barbara Nüssen schafft es, alle in den Schatten zu stellen.
Es ist ein Stück, mit klasse Darstellern und einem super Look, aber der Inhalt kann einfach gar nicht überzeugen. Der Versuch an extrem politischem Theater scheitert leider maßlos.
Wenn sie Kate Tempest mögen, sollten sie hin gehen. Aber sonst würde ich es meiden.
Paulo Sieweck, Gymnasium Corveystraße, Jg 10

Endstation Sehnsucht


Mit einem aus Schaumstoffwürfeln bestehenden, kraterähnlichen Bühnenbild empfängt die "Endstation Sehnsucht" den Theaterbesucher im Großen Haus des Thalia Theaters. Gemeinsam mit der affektierten und verwöhnten Blanche DuBois besucht man deren Schwester Stella DuBois, die mit dem polnischen Einwanderer Stanley Kowalski glücklich in eher ärmlichen Verhältnissen lebt. Stanley, ein cholerischer und jähzorniger Taschenspieler beginnt seine Schwägerin, die auf gutes Benehmen, sowie auf ihre feine Herkunft pocht, verbal in die Enge zu treiben, denn - anders als Stella- merkt er, dass hinter dem Besuch auf unbestimmte Zeit mehr steckt, als nur Sorge um die Schwester. Er und seine Pokerfreunde durchschauen nach und nach das von Blanche manipulativ gesponnene Lügennetz, dass sie mit aller Sorgfalt um die bittere Tatsache spinnt, dass sie pleite ist und versucht mit das Bild einer begehrenswerten und gebildeten Adligen aufrecht zu erhalten.
Die Atmosphäre dieses Stücks ist atemberaubend: Ein düsteres, beklommenes Gefühl beherrscht den Magen, die Luft flirrt bei den schauspielerisch brilliant umgesetzten Stichellein zwischen Blanche und Stanley. Der satte Klang des pixelartigen Bühnenbilds wirken wie aus einer anderen Welt, einer Welt, die zusätzlich anderen Naturgesetzen folgt, denn die Schaumstoffblöcke erlauben den Schauspielern eine gefühlt gravitationsfreie Bewegungsfreiheit. Und zuletzt verschwimmen die Ränder zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen- es wird konfus und die Frage die zuletzt im Vordergrund steht lautet: War das nur in Blanches Kopf? Oder gab es reale Schnipsel? Was hat sie sich ausgedacht und was entsprach am Ende der Wahrheit?
Nina Niesche, Gebrüder-Humboldt- Schule in Wedel, Kl.12


„Endstation Sehnsucht“ begeisterte uns auf ganzer Linie. Die wenigen Schauspieler schafften es, die unterschiedlichen Charaktere aus Tennessee Williams‘ Roman zum Leben zu erwecken und harmonierten perfekt miteinander. Besonders überzeugend war Karin Neuhäuser in der Rolle der Blanche DuBois, die am Rande einer Existenzkrise schwebt, welche sich immer weiter verschlimmert. Im Gegensatz zu ihr, steht ihre Schwester Stella und deren Freund Stanley. Die Konflikte dieser beiden Parteien sind herrlich anzusehen und lassen das Publikum mitfiebern, wie weit sie ihre Differenzen noch treiben werden. Das Bühnenbild, welches nur einen kleinen Teil der Bühne füllt, wirkt sehr abstrakt und unterstreicht das Flair einer urbanen Gegend in New Orleans. Auch die musikalischen Einlagen, welche vom Schlagzeug oder tragischer Gesänge Blanches geprägt sind, verleihen dem Stück Spannung und Ausdruck.
Alles in allem ist „Endstation Sehnsucht“ wirklich jedem zu empfehlen und definitiv ein Stück, dass wir uns immer wieder ansehen würden!

Lea Purschke und Anton Ohmstede Theodor-Mommsen –Gymnasium/ Bad Oldeslohe

 

Rezension zu der Inszenierung „Endstation Sehnsucht“ nach Tennessee Williams gesehen am 29.9.2016

Die Inszenierung „Endstation Sehnsucht“ im Thalia Theater zeigt, wie die verarmte Blanche DuBois ihre Schwester Stella und ihren Schwager Stanley Kowalski besucht und aufgrund ihrer prekären finanziellen Situation kurzerhand bei den beiden einzieht. Durch ihre überhebliche aristokratische Art gegenüber Stanley fällt sie in seine Missgunst. Ihm gelingt es Blanches Vergangenheit aufzudecken, sie zu demütigen und ihre Zukunft zu zerstören. Am Ende wird die völlig zerstreute Blanche von einem Nervenarzt abgeholt.

Beeindruckend ist das Bühnenbild. Aus blau- grünen Schaumstoffpolstern wird eine enge Höhle geschaffen, in der die Schauspieler galant die Bühne von allen Seiten betreten und auf dem unsicheren Terrain ihre Rollen großartig verkörpern. Durch rhythmische Beats des Schlagzeugs und fließende szenische Übergänge wird das Bühnenbild vervollständigt.

Meisterhaft ist der Ausgleich zwischen choreographischer Tanzeinlage und der ernsthaften und gleichzeitig humorvollen Dialoge.

Mir persönlich gefällt die Körperlichkeit der Schauspieler sehr gut. Besonders hervorzuheben ist hier Stella (Patrychia Ziolkowa) beeindruckt mit ihrer sich wiederholender Stepptanzeinlage, welche dem Zuschauer eine gewisse Überzeichnung des gesamten Situation vermittelt.

Die Illusion von Traum und Wirklichkeit, Wunsch und Realität wird deutlich in den Charakteren angelegt. Zusätzlich werden durch technische Lichteffekte die tetris-ähnlichen Quader des Bühnenbildes verschoben. Das betont die surrealistische Wirklichkeit in der Blanche lebt. Insbesondere die Projektion der anderen Rollen auf die Kulissen ist einprägsam.

An der Musik fehlt es auch in dieser Inszenierung nicht. Karin Neuhäuser, die als Blanche DuBois bereits ein wenig zu tief ins Glas geschaut hat, singt ihre Verzweiflung geradewegs aus sich heraus.

Insgesamt eine sehr beeindruckende, humorvolle und werkgetreue Inszenierung.

Isabel Dere¸ Rudolf-Steiner-Schule Nienstedten, Kl. 13

Das Theaterstück „Endstation Sehnsucht“ von Tennessee Williams hat mir sehr gut gefallen. Vor allem das Bühnenbild ist sehr beeindruckend, denn obwohl es nicht verändert wird, werden mit Lichteffekten viele verschiedene Kulissen gestaltet. Auch die Handlung finde ich gut und sie hat zum Denken angeregt.
„Was tut Geld mit einem?“ oder „Wie kommt man aus so einer Verzweiflung wieder raus“, sind Fragen, die ich mir gestellt habe.

Maria Faltin, Gymnasium Schenefeld, Jg 10


Hier landet Blanche DuBoir in New Orleans, um nach zahlreichen Rückschlägen in Ihrem einst luxuriösen Leben Halt zu finden. Sie zieht bei Ihrer Schwester Stella und dessen Mann Stanley ein. Dem beschaulichen Leben in der Arbeiterklasse kann Blanche jedoch nichts abgewinnen, wenngleich sich ihr keine andere Wahl bietet, als nach dem Verlust von Job und Anwesens in das Leben zwischen Poker- und Bowlingabenden einzutauchen. Das Schicksal, geprägt von Realität und Wirklichkeit aus dem Klassiker von Tennessee Williams bringt der Regisseur Lars-Ole Walburg hervorragend zur Geltung: Neben gut pointieren, humorvollen Passagen, differenziert er auch von DuBoirs prekärer Situation, die sie oftmals mit exzessivem Alkoholkonsum ertränkt. Ein anhaltendes Kriterium der Faszination war für mich jedoch klar das Bühnenbild. Die Schauspieler bewegten sich in einer abstrakten 3D-Klötzchenwelt, eingetaucht in buntes Licht und passend zu jeder szenischen Darbietung – Von der Hommage an der Cola-Werbung der 50er Jahre bis hin zur verbalen und körperlichen Konfrontation der Akteure. Auch die Musik spielte hier eine große Rolle. Ein kleines Schlagzeug auf der Bühne, bedient von den Schauspielern, unterstrich die Stimmung und verlieh der Geschichte Ausdruck, genauso die Gesangseinlagen der betrunkenen Blanche. Durch großartige Dialoge und hervorragendes Schauspiel habe ich mich selten den Charakteren so nah gefühlt, wie in diesem Stück. Eine der besten Inszenierungen, die ich bisher am Thalia Theater bewundern durfte.

Lucas Timm, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn, Kl. 11


Die Inszenierung, die ich angeschaut habe, hat mir sehr gefallen, da mich das Stück von Anfang an gefesselt hat.
Die verarmte Blanche DuBois besucht ihre kleine Schwester Stella und ihren Schwager Stanley Kowalski. Aufgrund ihrer finanziell schlechten Situation zieht Blanche bei ihnen ein. Das Verhältnis zwischen Stanley und Blanche ist teilweise sehr kritisch. So bringt Stanley Fakten über Blanche ans Licht, die sie immer zu verstecken versuchte. Außerdem schafft er es, Blanche so weit zu demütigen und ihre Zukunft zu zerstören, dass am Ende die völlig verstörte Blanche von einem Nervenarzt abgeholt werden muss.

Besonders beeindruckt hat mich das fantastische Bühnenbild, das aus vielen grün-blauen Schaumstoffpolstern besteht. Mit verschiedenen Lichteffekten kann man mit einem Bühnenbild verschiedene Kulissen darstellen und es ist beeindruckend zu sehen, wie durch das Licht, die Wirkung des Bühnenbildes auf mich als Zuschauerin verändert werden kann. Auch ist es sehr abwechslungsreich, dass die Schauspieler von allen Seiten der Bühne auf- und abtreten können. Nicht zu vergessen ist auch, dass es sehr lobenswert ist, wie alle Schauspieler auf den unsicheren Ebenen problemlos ihre Rollen bestmöglich verkörpern können.

Außerdem fehlt es dem Stück nicht an Musik. Blanche singt oftmals ihren Frust aus sich heraus oder der Schlagzeuger sorgt besonders in den Übergängen für Stimmung.
Auch die Projektionen am Ende des Stückes zeigen ganz deutlich, in was für einer irrealen Welt Blanche eigentlich lebt.

Ich muss sagen, dass ich ohne Erwartungen ins Theaterstück gegangen bin, weil ich das Werk von Tennessee vorher nicht kannte und nicht recht wusste, was auf mich zukommen würde. Und so war ich sehr erstaunt, was wir im Endeffekt zu sehen bekamen. In keiner Sekunde konnte man dem Stück nicht mehr folgen und keine Szene war lang gezogen. Besondere ''Tänze'' wie Stellas Stepptänzen peppten das Stück immer wieder auf. Auch an Humor fehlte es nicht, sodass man auch mal lachen konnte und das eigentlich ernste Thema durch Witze aufgelockert wurde. Zusammenfassend war ich sehr begeistert von dem Abend und es hat mir Spaß gemacht, die tolle Inszenierung anzugucken.

Melis Tass, Bismarckschule Elmshorn, 15 Jahre, JG 9

Die Dreigroschenoper

 

Jedes Werk hat einen Autor. Jede Person in diesem Meisterwerk ist der Autor. Ihr glaubt mir nicht? Brecht beweist in seinem Stück: "Die Dreigroschenoper", dass es möglich ist. Doch wie?
Wie kann man ein Vater sein, der seine Tochter vor dem schlimmsten Verbrecher beschützen will und gleichermaßen eine Tochter, die einen Mann liebt, den der Vater hasst?
Wie oft muss Brecht sterben, bis der Protagonist es auch tut? Die Antwort ist: Eine tief sitzende Brille, eine schüttelnde Hand und eine kranke Lache. Es gibt einen Weg, der durch Lachgas und berührende Songs führt. Durch Familienliebe und Spucke. Und wenn das große Ende naht, wenn sich das Publikum fasst die Haare rausreißt, dann, und nur dann, werden Pferde imaginäre Personen zu Menschen werden lassen.
Maria Jarosiewicz, Sophie-Barat- Schule, Jg 12

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Eigentlich bedarf die Dreigroschenoper in Deutschland keiner Erklärungen, da der Inhalt, besonders in Hamburg, durch die gähnend langweilige Inszenierung des St. Pauli-Theaters, jedem bekannt sein sollte; und wer jene noch nicht live sehen konnte, – da er damals vielleicht zu klein war, oder noch gar nicht am Leben war, oder YouTube Tube noch nicht entdeckt hat – hat nun die Chance dies im Thalia Theater nachzuholen, nur dieses Mal in einer spannenden Inszenierung.
Da ich hier jedoch jeden auf seinem Stand abholen will, lässt sich sagen, dass es in diesem Theaterstück um Mackie Messer (Kristof Van Boven) geht – jener ist der Verbrecherkönig Londons und verliebt, mehr oder weniger, in Polly Peachum (Aenne Schwarz), welche die Tochter des Jonathan Jeremiah Peachum (Jörg Pohl) ist; dieser besitzt einen Laden, in welchem Obdachlose Kostümierungen kaufen können, welche die vier Typen des Elends darstellen und so die Leute zum Spenden zwingen soll, der Gewinn wird dann aufgeteilt.
Polly und Mackie heiraten, was Mr. Peachum sehr unglücklich stimmt, in einer Scheune.
Peachum und seine Frau zeigen Mackie bei der Polizei an, Mackie kann jedoch fliehen, stellt sich dabei aber relativ dämlich an – aber am Besten gehen sie ins Theater und gucken sich Nunes „Dreigroschenoper“ an, alternativ können sie sich auch den Wikipedia-Artikel durchlesen, macht aber weitaus weniger Spaß.

Ich werde das hier in drei Teile aufteilen, zuerst die Musik, dann die Schauspieler und dann die Gestaltung.

Die Musik ist, nicht das mein fehlendes musikalisches Verständnis hier ausreichen würde um vor Ahnung nur so zu strotzen, sehr schön anzuhören. Das Talent mancher Schauspieler ist zwar fragwürdig, was das Singen angeht, aber das ist ja Theater und kein Musical.
Wer die Aufnahme mit James Lasts Orchester kennt, wird sich teilweise wundern, wie manche Sachen betont werden, oder, dass z.B. das Lied der Seeräuber-Jenny zerhack-stückelt wird.
Mein größter Kritikpunkt ist, dass wir die Moritat von Mackie Messer nur leise im Hintergrund hören, obwohl jene das Bekannteste und auch mit eines der Interessantesten ist.

Die Schauspieler sind zu Teilen genial. Ich sah dieses Stück nun zweimal, aber leider auch mit zwei Unterschiedlich Besetzungen, es wechselten zwar nur zwei Schauspieler, aber dies war extrem störend – Ich kann die Namen der Schauspieler, die mich am 30.9. bespielten, zwar nicht finden, aber es geht auch nur um den Darsteller des Mackie Messer und der Polly Peachum. Mackie hatte einen Akzent, dieser war zwar relativ schwach, aber doch störend. Auch wirkte er eher so als hätte er seinen Text phonetisch auswendig gelernt und könnte nicht so ganz verstehen, was er da von sich gibt, was leider für eine relativ schwacher Performance sorgt, da er so humorverständig ist, wie ein Roboter. Die Darstellerin der Polly Peachums ist einfach um einiges schwächer und spielt den nervigen und pubertären Charakter nicht annähernd so gut wie ihre Vorgängerin.
Ansonsten ist es wie immer, Jörg Pohl brilliert und spielt alle an die Wand. Natürlich vergisst er auch, wie gefühlt immer, seinen Text und improvisiert gekonnt weiter und lacht auch noch drüber, aber das ist ja auch das, was man so an Jörg Pohl schätzt. Der Einzige, der Mithalten kann, ist Thomas Niehaus (Tiger Brown). Paul Schröder ist der MacGuffin dieses Stückes, der immer wieder zur Vorantreibung sorgt und auf jeden Fall mitverantwortlich für die lustigsten Szenen ist.

Die Gestaltung ist mit die Beste, die ich mir im Thalia jeh zu Gemüte führen durfte. Wir schauen zu Anfang auf eine Bühne, welche nahezu gänzlich leer ist und nur von ein paar Halogenlampen bestrahlt wird und dann betritt erst einmal Berthold Brecht die Bühne und erklärt uns das epische Theater. Diese wunderbare Einbindung der brecht'schen Theater-Theorie ist ungemein hilfreich und amüsant. Ein Dialog, in welchem sich Berthold Brecht und Berthold Brecht darüber streiten, wie Jörg Pohl und Paul Schröder jetzt ihren Text als Mr. Peachum und Filch zu sprechen haben, – sie merken schon, Verwirrung ist hier nicht ausgeschlossen – ist einfach unheimlich unterhaltsam. Die minimale Ausstattung ist wunderbar, da wir uns alles selber vorstellen dürfen. Das einzige, was uns zur symbolischen Darstellung dienlich ist, sind die Halogenlampen, welche drehbar sind und somit eine Vielzahl von Sachen darstellen können. Mein einziger Kritikpunkt wäre die kommunistische Moralpredigt, die man sich anhören muss – es ist fast noch schlimmer, als in Luk Percevals „Geld“, aber es gibt sicher Menschen, die auch das gut finden.
Eine Szene ist besonders heraus zu heben. Zum einem der Anfang, in welchem Filch durch Mr. Peachum eingekleidet wird. Hier werden ihm die vier Typen der Armut vorgespielt. Dies ist die wahrscheinlich böseste Darstellung von Bettlern und Obdachlosen, die ich jemals zu sehen bekam. Vom Rollstuhlfahrer mit Ekzemen, der sich in die Hose gemacht hat und nun bitte von einem gesäubert werden will, oder der Blinde, der immer weiter auf die Bahngleise zuläuft. Und dann noch der leicht retardierte Hinz und Kunz Verkäufer, welcher im wahrscheinlich lustigsten Monolog der Theater-Geschichte vorgestellt wird – alleine dafür kann man sich das Stück angucken.
Weitere wunderbare Szenen sind das Eifersuchts-Duett oder der Kanonensong – eigentlich ist alles super. Zum Ende gibt es noch mal einen Knaller – für den müssen sie jetzt aber ihre Maus auf den Spielplan bewegen, dann einen der letzten drei Termine auswählen, jetzt kaufen sie Karten schön weit vorne (es lohnt sich!) und dann sind sie glücklich.
Abschließend lässt sich sagen, dass jeder, der einen Sinn für Humor hat und sich nicht an kommunistischen Parolen stört, muss die Dreigroschenoper im Thalia auf jeden Fall angucken und alle anderen müssen sie auch auf jeden Fall sehen!
Paulo Jamil Sieweck, Corvey Gymnasium, 16 Jahre ; Jg 11

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Am 16. März 2017 besuchten wir die Inszenierung von Berthold Brechts „Dreigroschenoper“ im Hamburger Thalia Theater. Die Musik zu dem Stück wurde von Kurt Weill komponiert.
Das Stück behandelt die Geschichte von Mackie Messer, einem gefürchteten Verbrecher und spielt um das Jahr 1837 im Londoner Stadtteil Soho. Der Gegenspieler zu Mackie Messer, Peachum, ist Anführer einer Bettlerbande, der Leute verkleidet, um aus Mitleid Geld zu ergaunern. Mackie Messer heiratet Polly, die einzige Tochter von Peachum, womit dieser nicht einverstanden ist und versucht, Mackie an die Polizei auszuliefern. Dazu bestechen Peachum und seine Gattin den Polizeichef Brown, welcher allerdings ein Freund Mackie Messers ist. Daraufhin flüchtet Mackie umgehend ins Bordell, wird dort aber von seiner ehemaligen Geliebten Jenny, verraten und schließlich festgenommen. Mit Hilfe von Jenny gelingt es Mackie Messer zunächst, aus dem Gefängnis zu fliehen, kurze Zeit später wird er jedoch von den Huren verraten und endgültig inhaftiert. Als er später gehängt werden soll, begnadigt ihn die Königin Victoria in letzter Minute.
Die Inszenierung von Antú Romero Nunes fällt durch einige, wohl der Modernität geschuldeten, Sonderbarkeiten auf. Die Schauspieler richten sich teilweise direkt an ihr Publikum, wobei der äußerst zeitgemäße Stil stark vom Originaltext abweicht. Ein Bühnenbild ist nicht vorhanden, sodass die Akteure ihre Umgebung stets selbst beschreiben und erklären müssen. Mitunter stört dies das gleichmäßige Fortlaufen der Handlung. Alle Darsteller tragen die gleichen blauen Arbeitsanzüge, somit wird auf besondere Kostüme zunächst verzichtet. Es bedarf durchaus Anzweifelungen, ob dieser Verzicht im Sinne von Berthold Brechts epischem Theater ist. Lediglich in der Schlussszene wird plötzlich die schlichte Arbeitskleidung gegen prachtvolle Kostüme ausgetauscht. Der Grund hierfür ist nicht ersichtlich und trägt zur Verwirrung des Publikums bei.
Bekannte und für eine Inszenierung der Dreigroschenoper unverzichtbare Musiktitel wie „Die Moritat von Mackie Messer“ oder „Seeräuberjenny“ fehlen gänzlich, sodass die Zuschauererwartungen enttäuscht werden. Dennoch ist die Schauspielerleistung als lobenswert anzuerkennen und verdient den Respekt des Zuschauers.
Max Markowski und Marcel Mansouri, Jahrgangsstufe 11, Leibniz Privatschule Elmshorn

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Am 23.02.2017 habe ich mir die Inszenierung zu Dreigroschenoper von Bertolt Brecht angesehen und bin sehr positiv überrascht!
Die Inszenierung erzählt die Geschichte von Macki Messer, dem gefährlichsten Verbrecher in London, und spielt im 18. Jahrhundert.
Macki Messer heiratet Polly, die einzige Tochter vom Peachum, ebenfalls kriminell, aber ein angesehener Geschäftsführer unter anderem der Bettlerbande, in einem Stall. Als Peachum und seine Frau von dieser Heirat erfahren, sehen sie sich genötigt, ihre Tochter aus der ungesegneten Ehe zu befreien und ihn auszuliefern. Dabei bestechen sie den Freund von Macki, den Polizeichef Brown mit viel Geld. Macki Messer flüchtet ins Bordell, wo er sich auch schon früher mit den Huren vergnügt hat. Jedoch verrät ausgerechnet Mackis ehemalige Geliebte Jenny ihn und so wird Macki Messer verhaftet. Im Gefängnis überlistet Macki Messer die Tochter des Polizeichefs, die er ebenfalls geheiratet hatte, und kommt so wieder frei. Jedoch wird er abermals von den Huren verraten und wird endgültig gefangen. Als Macki Messer erhängt werden sollte, wird er in letzter Minute von der Königin begnadigt.
Der Fokus der Inszenierung ist nicht die Geschichte, sondern die Art und Weise wie sie vorgetragen wird.
Eine Wand zwischen Publikum und Schauspieler gibt es nicht. Die Schauspieler sprechen stets immer das Publikum direkt an und sogar in einigen Szenen wird man als Publikum miteinbezogen.
Ein Bühnenbild ist nicht vorhanden. Nur einige Leuchtröhren erscheinen plötzlich im Bild. So kann man sich voll und ganz auf die Schauspieler konzentrieren.
Dennoch hat man immer ein klares Bild vor Augen, da die Schauspieler immer ihre eigene Umgebung beschreiben und erklären.
Die Kostüme sind ebenfalls sehr geschickt gewählt. Fast durchgehend haben alle Schauspieler das gleiche an. Wesentliche Symbole sind die blauen Arbeitsanzüge mit Mützen, so sehen alle aus, wie Bertold Brecht.
Nur in der Schlussszene werden die klassischen Anzüge gegen wundervolle und pompöse Kostüme ausgetauscht, die die letzte Szene besonders hervorhebt.
Ebenso darf das Orchester nicht vergessen werden, das ein erheblicher Teil des Stückes ist. Seine Aufgabe ist es, den Schauspieler bei ihren Gesanganlagen, die die Szenen untermalen zu begleiten oder auch bestimmte Szenen mit ihrer stimmigen Musik zu begleiten.
Die Geschichte wird sehr humorvoll vorgetragen. Der Regisseur weiß wie man das Publikum am laufenden Ball halten kann. Für eine Spielzeit von über 3 Stunden mit einer kurzen Pause verfliegt die Zeit wie im Fluge.
Schon der Anfang ist äußerst gelungen und entlockt den Zuschauern viele Lacher. Auch die sehr gelungene Kampfszene, die absolut super vorgetragen wird und die Schauspieler eine andere Sprache sprechen, ist sehr lustig.
Ebenso total überraschend ist die letzte Szene, in der ebenfalls mit einem echten Pferd gespielt wird und die Schauspieler ihre Kostüme ändern.
Schlussendlich kann man sagen, dass mir die Inszenierung sehr gut gefällt. Es erfüllt ihren Zweck den Zuschauer eine Moral zu vermitteln und gleichzeitig die Zuschauer auf Trab zu halten. Die einst ernste Geschichte wird sehr humorvoll gestaltet und dabei von stimmiger Gesanganlagen und Hintergrundmusik untermauert.
Jedoch empfehle ich jedem, sich kurz mit dem Inhalt des Stückes zu beschäftigen, da es ansonsten zu einigen Verständnisproblemen kommen und man so einige Szene nicht vollkommen genießen kann.
Ein großes Lob an das Ensemble und wärmstens zu empfehlen!
Melis Tass, Bismarckschule Elmshorn, 9. Klasse, 15 Jahre

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Die musikalische, moderne und äußerst amüsante Inszenierung der "Dreigroschenoper" beschreibt das Duell zwischen dem Bettlermafiosi Jonathan Peachum, der in einer Zeit, in der Korruption London in den Klauen hält, schamlos Geld mit der Ausstattung der Armen mit Bettlerutensilien verdient, und dem Kriminellen und Freudenhausliebhaber Mackie Messer. Mit spritzigem Humor, der auch das Publikum regelmäßig aufs Korn nimmt, erzählt das im Großen Haus aufgeführte Stück von der naiven und in Mackie verliebten Tochter Peachums, von korrupten Polizisten und von Prostituierten mit Sinn für Gerechtigkeit. Auf allen Seiten stapeln sich die sprichwörtlichen Leichen im Keller und schließlich wartet das Thalia Theater sogar mit einem alternativen Ende auf.
Missgunst, Neid und unverholene Geschäftstüchtigkeit, über die Grenzen des Menschlichen hinweg und die dafür notwendigen Ausreden, machen die Dreigroschenoper zu einem Spiegel der heutigen und damaligen Gesellschaft.
Musik zum Mitwippen, nüchterne und urkomische Erzählersequenzen- 4 Stunden die sich lohnen.
Nina Niesche, Gebrüder-Humboldt- Schule in Wedel, Kl.12

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Das Stück spielt im berüchtigten Londoner Stadtteil Soho im 18. Jahrhundert und beginnt in dem Büro von Jonathan Jeremiah Peachum, dem Besitzer der Firma „Bettlers Freund“. Hier erfährt Peachum von der Heirat seiner Tochter Molly mit dem Gauner Mackie Messer. Peachum beschließt darauf hin Mackie Messer der Polizei auszuliefern. Mackie flieht in ein Bordell, wird von einer Exgeliebten verraten und verhaftet. Im Gefängnis besucht ihn die Tochter des Polizeichefs, die er überreden kann, ihm zur Flucht zu verhelfen. Wieder auf freiem Fuß, findet Mackie Unterschlupf bei einer weiteren Geliebten, doch er wird erneut verraten, verhaftet und zum Tode verurteilt.
Kurz vor seiner Hinrichtung erscheint der Polizeichef Brown als berittener königlicher Bote und verkündet nicht nur Mackies Begnadigung, sondern auch seine Erhebung in den Adelsstand.
Es war ein wahrhaft unterhaltsamer Abend. Nicht nur, dass hier Brecht komplett neu erfunden wurde, humoristisch und modern, auch ist es das erste mir bekannte Stück, in dem Regieanweisungen mitvorgetragen werden. Soll heißen, dass die Darsteller immer wieder aus ihren Rollen heraustreten, um das Geschehen zu kommentieren oder aus einem anderen Blickwinkel zu zeigen. So verdeutlich Polizeichef Brown inmitten des Stückes den Vorgang der Wiederholung um die Bedeutung einer Szene genauer erfassen zu können. Die Szene wird nach seiner Ausführung selbstverständlich ein zweites Mal gespielt. Diese „Unterbrechungen“ im Geschehen, stellen jedoch bei Weiten kein Problem dar. Viel mehr fühlt man sich, als würde Berthold Brecht während der Vorstellung persönlich die Regie auf der Bühne führen.
Alle Schauspieler, egal welche Rolle sie verkörpern, tragen bei dieser Inszenierung einen Blaumann mit Schiebermütze. Kurz vor Schluss unterbricht einer dieser Schauspieler das Schauspiel und bringt seine Überlegung an, dass man die Moral dieses Stückes nicht ironisch übermitteln könnte, sondern eben ganz konkret mit einem königlichen Boten auf einem Pferd, der Macke Messer vor dem Galgen rettet. Und es passiert nichts Geringeres, als dass einer der Darsteller mit einem echten Pferd auf die Bühne reitet und seine Botschaft überbringt. Im Abschluss treten noch einmal alle Schauspieler in ihren charaktertypischen Kostümen auf.
Einziges Makel dieser Inszenierung ist, dass sich Regisseur Antú Romero Nunes dazu entschied bestimmte Musik-Stücke nur kurz anzuspielen oder anzutäuschen. Infolgedessen wartet man vergeblich auf die Moritat von Mackie Messer oder anderen Musikeinlagen.
Lucas Ice Pfeffer

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Die Dreigroschenoper – Jenes klassisches Musikstück von Berthold Brecht inszeniert Regisseur Antú Romero Nunes komplett neu. Überraschenderweise steht aber nicht die klassische Geschichte rund um Mackie Messer oder den Bettlerkönig Pechum im Mittelpunkt, sondern die Art der Vorstellung. Man hatte das Gefühl, als würden sich Schauspieler die Bühne zusammen mit dem Regisseur und dem Autor teilen, denn sie waren gefühlt dauerhaft anwesend. Eine musikalisch untermalte Vorstellung mittels großartiger Live-Band im Hintergrund der Bühne bietet sich dem Zuschauer, im Gegensatz zu den tristen Kostümen und dem einfachen Bühnenbild, lichttechnisch aber sehr gut umgesetzt. Doch von dieser Tristheit, Neutralität und Distanz lebt die Brechtsche Epik. So bietet sich dem Publikum ein partiell satirischer Blick in die Theatertheorie des Autors. Die Inszenierung lebt von der darstellerischen Ironie im schlichten Gewand und den guten Dialogen – bis auf das Ende. Ein Highlight war für mich das echte Pferd, was final genutzt wurde, genau wie die großartigen Kostüme zum Ende hin. Zusammenfassend ein tolles Stück und ein Abend voller Lacher.
Lucas Timm, Jahrgang 11, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn

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Der Anfang fängt schon sehr lustig an, denn ein Mann steht dort und hält einen Monolog über die Geschichte. Er erzählt etwas von einem/ seinem Geschäft, das mit Prothesen aller Art gefüllt ist, allerdings gibt es auch einen Vorhang und dort wäre etwas Besonderes zu sehen.
Es gibt kein Bühnenbild. So beschreibt er, wo was zu finden ist. Bis ein junger mittelloser Mann das Geschäft betritt, er erzählt dass er einen Job möchte und einen langen Leidensweg hinter sich hat. Jetzt beginnt es spannend und lustig zu werden. Denn der erste Sprecher weist den jungen Mann an klagender zu klingen. Denn mehr Dramatik wird auch mehr Geld geben. Der " Vorgang " wird gezogen und die Bettler Kluft wird in mehreren Typen vorgestellt.
Es handelt sich um einen Ganoven, der zur Bettelmafia gehört und sich an den " Angestellten" bereichert.
Er hat eine Frau und Tochter, diese Tochter hat sich verliebt in einen "großartigen" Mann, er ist als Macki Messer bekannt und gehört auch zu einer Mafia. Nun sieht sich der Vater bedroht und will seine Tochter nicht abgeben.
Die beiden heiraten still und leise, ohne den Segen der Eltern.
Macki kann es allerdings nicht lassen und vergnügt sich gerne mit den Huren aus dem Club. Die Damen halten das nicht immer für gut, denn sie verraten Macki an die Polizei.
Er kann fliehen, bleibt aber nicht zurück.
Im Hintergrund gibt es die Band zu sehen, die zwischendurch immer mal eine musikalische Einlage sorgt. Was ich teilweise mochte, ab und an war es schwierig zu verstehen.
Es kommt zu einer Kampfszene die mit "Fachchinesisch" gesprochen wird das fand ich gut.
Macki Messer wird festgenommen und soll hingerichtet werden. Wartet nun auf das, was da kommen mag. Zum Glück, zu seinem Glück reitet ein Gesahnter der Königin auf die Bühne mit einem richtigen Pferd um zu verkünden, dass Macki Messer begnadigt wird. Die Krönung der Königin ist der Anlass die Häftlinge zu entlassen.
Das Pferd hat mich überrascht und ich fand es richtig gut!
Ich kann das Stück empfehlen, Musik, Gesang und viele lustige Momente.
Kira Papenbruch, Kulturbotschafterin Franz von Asissi Schule, Kl. 9a

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Ich habe mir die Inszenierung der Dreigroschenoper von Antú Romero Nunes angesehen und war begeistert. Obwohl ich das Stück von Berthold Brecht als solches nicht gelesen hatte, wusste ich grob, dass die Dreigroschenoper ein gesellschaftskritisches Stück ist und wie der Name schon sagt, die Welt der unteren Schichten der Bettler thematisiert. Demnach bin ich davon ausgegangen ein ernst gespieltes Stück anzusehen. Insofern war ich sehr überrascht, als Gegenteiliges eintrat.
Ab der ersten Szene, in der ausdrücklich gesagt wurde, dass jeder, der über keine Fantasie verfügt augenblicklich den Saal verlassen und nach Hause gehen kann, da alles Räumliche nur beschrieben nicht vorhanden war (das heißt keine Kulisse und nur minimale Requisiten), wurden dem Publikum Lacher entlockt. Diese Komik wurde unter anderem durch die Akzente der Schauspieler, der lauten Ankündigungen für ihren Auftritt, besonders bei Frau Peachum, die lustigen Ansprachen an das Publikum und die direkte Wiederholung einer Szene innerhalb des Stückes um „den Ausdruck dieser Szene zu verstärken“, denn das Publikum sollte nach Meinung des Polizeichefs Brown ja auch etwas lernen, erzeugt. Selbst der top gespielte Bühnenkampf wurde komisch dargestellt, indem dieser durch die Übertreibung stellenweise wirkte wie ein Kampf im Zeichentrickfilm. In dem Kampf war auch eine mögliche Anlehnung an den Film „Karate Kid“ zu erkennen.
Toll war, dass die 8-köpfige Band, die die zahlreichen Gesangseinlagen unterstützte im Hintergrund auf der Bühne spielte und dort auch über die gesamte Aufführung platziert war. Eine kleine Enttäuschung über die starke Kürzung der Ballade der Seeräuber Jenny kam mir zu Ohren.
Als eine Figur mit einem Stoffpferd über die Bühne „ritt“ dachte ich, dass es wirklich lustig wäre, wenn er danach mit einem echten Pferd auf die Bühne kommen würde. Da fiel mir ein, dass das mit echten Tieren auf der Bühne so eine Sache ist. Ich staunte nicht schlecht, als der reitende Bote letztendlich wirklich mit einem echten Pferd über die Bühne trabte.
Es hat mich sehr gefreut, dass die Schauspieler am Ende des Stückes ihre schlichten blauen Anzüge mit weißem Shirt und Kurzhaar-Perücke (, die auch die weiblichen Rollen trugen) gegen ihre wundervollen Rollenkostüme tauschten.
Alles in allem war dies ein sehr gelungener und überraschender Theaterbesuch.
Julia Menk, Gymnasium Süderelbe Jg 12

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Der Bandenanführer Mackie Messer bezirzt Polly, einzige Tochter des kriminellen, jedoch angesehenen Geschäftsmanns Peachum. Nach der im Stall heimlich vollzogenen Hochzeit, sieht sich das Ehepaar Peachum genötigt, Mackie zur Strecke zu bringen, um ihre Tochter aus dieser von den Eltern ungesegneten Ehe zu befreien. Der Polizeichef Brown wird dabei bestochen und gezwungen seinen Freund Mac zu stellen.
Die Inszenierung der „Dreigroschenoper“ von Bertold Brecht ist äußerst witzig, musikalisch und dabei wird die Waage zwischen Individuum und der chorischen Masse ausbalanciert.
In diesem Stück sind die Darsteller einheitlich mit einem Blaumann, einer Brille und einem Kurzhaarschnitt ausstaffiert. Die Kulissen werden von den Erzählern detailliert geschildert und somit für den Zuschauer visualisiert.
Einzig die plötzlich auftauchenden Leuchtröhren, und das auf einer Empore gelegene Orchester bestücken die Bühne dauerhaft.
Durch den in dieser Inszenierung deutlich werdenden V-Effekt, wird die Figur des Erzählers manifestiert. Von allen Darstellern gespielt, beschreibt er die Situationen und verbessert die Schauspieler in ihrer Rollenarbeit.
Hier hat mir die Szene besonders gut gefallen, in der der Erzähler die Zelle des entkommenden Mac beschreibt und schildert, wie neben der leeren Pritsche ein Wirbel aus Fusseln entsteht, die einer Schafherde ähneln... Diese Szene wird mehrmals wiederholt.
Das Orchester unterstützt die Schauspieler in den Gesangspassagen. Die Musik ist stimmungsvoll, und gleichzeitig betont sie die skurrilen Texte der Lieder.
Am Schluss der Inszenierung, trabt ein Pferd auf die Bühne, aber das fand ich etwas zu übertrieben, gar fragwürdig. Es verfremdete nochmals verstärkt und schafft eine Distanz zwischen Kunst und Wirklichkeit. Eine weitere Überraschung stellt die Wandlung der Rollen dar, die für ihren Applaus die "Arbeitskleidung" gegen ihr „eigentliches Kostüm“ tauschen.
Diese Inszenierung ist großartig, da sie innerhalb der äußerlichen Einheit doch das Individuum in den Vordergrund stellt.
Es ist sehr spannend und gleichzeitig unglaublich amüsant zu beobachten, wie die Rollen sich ihre Requisiten visualisieren, sich mit dem Erzähler streiten oder sich an das stetig lächelnde oder lachende Publikum wenden.
Sehr zu empfehlen!
Isabel Dere, Rudolf-Steiner-Schule Nienstedten, Klasse 12

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Dreigroschenoper vollkommen entstaubt am Thalia Theater.
"Es muss etwas Neues geschehen!" Und ja, es geschieht etwas Neues. Antú Romero Nunes ist kein großer Fan der Dreigroschenoper gewesen. Schon so oft wurde sie auf verschiedenste Weisen gespielt. Jeder kleinste Satz wurde analysiert und jegliche Dinge wurden hineininterpretiert. Die Geschichte um den Kampf zweier Geschäftsmänner in einer korrupten Welt des Kapitalismus ist allseits bekannt. Mackie Messer, der die Tochter des Bettlerkönigs Jonathan Peachum heiratet und so zum ersten Mal Schwierigkeiten in seinem erklauten Leben bekommt. Die Affären zur Tochter des befreundeten Polizeichefs Brown und zur Hure Jenny bringen ihn letztendlich an den Galgen. Schauspieler, Regisseur und Dramaturg, alle sind sich einig: Brechts Text ist langweilig und muss erst einmal entstaubt werden. Kurt Weills Musik ist es, die das Stück so erfolgreich hat werden lassen. Trotzdem ist Bertolt Brecht eine faszinierende Person. So sieht es auch Nunes, der alle seine Schauspieler und Musiker als Bert Brecht auftreten lässt. Alle haben dieselben kurzen fettigen Haare, rauchen Zigarre und tragen Schiebermütze und Nickelbrille. Da Brecht Tag und Nacht seine sogenannte Wohnunterhose trug, tragen natürlich auch die Darsteller unter ihrem Blaumann eine lange Wohnunterhose. Es erscheinen 16 Bertolt Brechts auf der Bühne des Thalia Theaters, die sich gegenseitig verbessern und miteinander spielen. Sie spielen ihre Rolle und steigen dann aus dem Spiel aus, um als Brecht ihre Rolle zu kommentieren. Nunes hat sich sehr strickt an die Regeln des epischen Theaters gehalten, fast schon zu strickt. Man könnte sagen, er hat es auf die Spitze getrieben.
V-Effekt ist das Zauberwort. Alles wird verfremdet und sogar beim Gesang gibt es ein extra Licht, denn „nichts ist abscheulicher, als wenn der Schauspieler sich den Anschein gibt, als merke er nicht, dass er eben den Boden der nüchternen Rede verlassen hat und bereits singt. Die drei Ebenen: nüchternes Reden, gehobenes Reden und Singen, müssen stets voneinander getrennt bleiben, und keinesfalls bedeutet das gehobene Reden eine Steigerung des nüchternen Redens und das Singen eine solche des gehobenen Redens.“ So fordert Victoria Trauttmansdorff als Frau Peachum ganz richtig eine extra Songbeleuchtung.

Brecht sagt: „Es ist ein probates Mittel einen Vorgang zu wiederholen, um ihn zu verdeutlichen.“ Und so wird eine Szene gleich drei Mal gespielt, damit der Zuschauer in jedem Fall mitbekommt, in welchem Verhältnis die Charaktere zueinander stehen. Die Inszenierung lebt von viel Improvisation von herausragenden Schauspielern, einer wahnsinnig guten Band und der Imaginationskraft der Zuschauer. Denn die Bühne von Florian Lösche ist leer und außer der Dinge, die zu Brecht gehören, gibt es keine Requisiten. "Ein Zuschauer ohne Imaginationsvermögen kann gleich nach Hause gehen!", so sagt es Jörg Pohl direkt in der ersten Szene. So müssen sich die Zuschauer auch den Haifischsong und den Seeräuberjennysong vorstellen, denn Nunes hat die beiden wohl bekanntesten und beliebtesten Songs gestrichen. Beide Songs werden musikalisch nur angerissen und nur als Hintergrundmusik verwendet und nicht als die großen Hits des Abends präsentiert.
Auch wenn die beiden Lieblingsstücke nicht drin sind, kann der Zuschauer noch rund eine Stunde vielseitige Musik genießen. Von heiteren Liedern, wie dem „Kanonenlied“ über ruhigere Stücke, wie dem „Salomon Song“, der herzzerreißend von Franziska Hartmann gesungen wird, bis zum lustigen Gesangsduell zwischen Mackies beiden Liebhaberinnen Lucy (Anna-Maria Torkel) und Polly (Katharina Schubert) ist alles dabei.
Im letzten Lied sagt Mackie Messer (Sven Schelker) kurz vor seinem Tod noch einmal seine Meinung über die Käuflichkeit des Menschen. Über die Ungerechtigkeit der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten.
Doch „das Zusammentreffen einiger unglücklicher Zufälle hat Maceath zu Fall gebracht.
Gut – er fällt.“ Man hört Mackies letzte Atemzüge und das Licht geht aus.
Den Schlussapplaus unterbricht Jörg Pohl. Man könnte denken, er würde für Flüchtlinge Geld sammeln wollen, aber stattdessen geht das Stück weiter.

„Damit ihr wenigstens in der Oper seht
wie einmal Gnade vor Recht ergeht.
Und darum wird, weil wir’s gut mit euch meinen
jetzt der reitende Bote des Königs erscheinen.“

Am Schluss einer von außen betrachtet sehr schlichten Inszenierung kommt ein bombastisches Ende - da dürfen ein reitender Bote (Thomas Niehaus) auf echtem Pferd und aufwändige Kostüme nicht fehlen. Nach einem sehr lustigen und fröhlichen Abend, wo die politische Botschaft eher in den Hintergrund gerutscht ist, wird das Ende so prunkvoll, „wie nur Bettler es sich erträumen können...“
Rike Möller, Stufe 9, Walddörfer Gymnasium

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Die Dreigroschenoper, ein Stück an dem auch das Thalia Theater früher oder später nicht vorbeikommen kann. Heraus kommt eine schöne moderne Inszenierung, die nicht nur leicht verständlich ist, sondern auch die schönen Texte berücksichtigt.
Durch die absolute Leere der Bühne konnte sich der Zuschauer perfekt auf das eigentliche Spiel der Schauspieler konzentrieren, die alle aussehen wie Berthold Brecht persönlich.
Der Witz bestand darin, wie Brecht es auch vorhatte, zu zeigen, dass man zeigt.
Zudem eine perfekte Harmonie zwischen Musik und Schauspiel.
Nur das Ende war etwas enttäuschend und hat meiner Meinung nach das Stück etwas kaputt gemacht.
Trotzdem eine sehr sehenswerte Vorstellung.
Jarmo Busch, Elsa-Brändström –Gymnasium Städtisches Gymnasium Elmshorn, JG 13

Die rote Zora


Wir sind die Schüler und Schülerinnen der Kath. Schule St. Paulus aus der Kult(o)ur-AG von Frau Mehnert. Das Stück „Die Rote Zora“ hat uns sehr beeindruckt und wir waren alle total begeistert. Hier nun unsere Begründung:

Im Mittelpunkt stand ein Mädchen, eine weibliche Hauptperson fanden wir positiv.

Die-Rote Zora ist wie Pippi Langstrumpf für Jugendliche.

Auswahl der Schauspieler war sehr gelungen. Man hat ihnen die Rollen abgenommen. Stichwort: Authentizität.

Unterschiedliche Bühnenbilder mit guten Effekten

Guter Bezug zur aktuellen Situation in der Welt (Schere arm und reich)

Barmherzigkeit steht im Mittelpunkt. Ein Mann öffnet sein Herz für die fremden Kinder und bietet Schutz

Viele Emotionen, die das Publikum gut nachvollziehen konnten

Die Klamotten haben zu den jeweiligen Schauspielern gepasst

Pavel war unserer Meinung am lustigsten und war somit unser Lieblingsschauspieler

Das Stück hat uns gezeigt das auch Frauen stark sind und sich einsetzen können

Das Stück war für uns alle sehr unterhaltsam

Die Rote Zora gefiel uns besser als Tschick

Das Stück war sehr spannend und interessant

Jeder Charakter aus dem Stück war einzigartig und somit besonders

Lieder die im Stück eingebaut waren passten sehr gut

Das Stück erschien sehr real

Wahre Freundschaft zwischen der roten Zora und der Bande

Fantasievoll

Das Stück zeigte Mut und Stärke

Die Romantik im Stück war nicht zu viel aber auch nicht zu wenig

Die Zeitlupenbewegungen waren sehr gut improvisiert

Das Stück kann genauso sich im realistischen Leben abspielen

Starke Kinder die zusammen halten

Das Stück wurde für alle Altersgrenzen gespielt

Die Rote Zora war ein eigentlich trauriges Stück dennoch wurde Humor gezeigt

Dazu wird auch gezeigt wie gut man es eigentlich bei sich Zuhause hat

Das Stück ist sehr gut nachzuvollziehen

Die Charaktere haben nicht ganz so viel geredet sodass es auch nicht langweilig wurde
Liebe Grüße von der Kultour AG.

 


Ich setze Tag und Nacht den Himmel in Bewegung. Ich tanze mit dem Wind und mit dem Regen
Mit dem Lied Dernière Danse von Indila beginnt die Inszenierung der „Roten Zora“ am Thalia Theater. Wie passend das Lied für diesen Kontext ist, zeigt sich schnell. Ein Mädchen, welches dem Sturm an Unfreundlichkeiten und Feindseligkeiten trotzt, einen letzten Tanz im Unwetter tanzt und so dieses übersteht.
„Die rote Zora“ von Kurt Held, im Original von 1941, findet in der Umsetzung von Thomas Birkmeir einen Anschluss an die Moderne. Hier ist die Rote Zora ein Kriegsopfer, welches über das Meer kam und Unterschlupf sucht. Zusammen mit ihrer Bande an Verstoßenen trotzt sie einem ausbeuterischen System und einem korrupten Bürgermeister. Über das gesamte Stück verstreut lassen sich kleine Anspielungen auf politische Streitfragen finden, sei es die Flüchtlingskrise, eine blinde Justiz oder Korruption. Leider wirken diese Anspielungen oft plump, es fehlt ihnen hier an der Raffinesse, mit der andere Stücke des Thalia Theaters aufwarten. Zumal sich die Frage stellt, wie wichtig solche politische Meinungsbildung für ein Kinder- und Familienstück ist.
Ganz und gar nicht plump wirken hingegen die Charaktere, die sehr schön von den einzelnen Schauspielern porträtiert werden. Jeder Einzelne mit ganz distinkten Charakterzügen, die sehr schön zur Geltung kommen. So fällt es dem überwiegend jungen Publikum leicht, sich mit der Roten Zora oder dem Waisenkind Branko zu identifizieren. Überraschend für diese junge Zielgruppe ist doch die etwas düstere Umsetzung des Stückes, besonders der Anfang. Eine Beerdigung, eine herzlose Großmutter, feindselige Bürger. Selbst vor dem toten Hund, welcher im Buch eine tragende Rolle spielt, schreckt man nicht zurück und so wird dieser eingelegt in Formalin am Ende des Stückes gezeigt. Für die durchschnittliche Altersgruppe wirken diese Bilder vielleicht sehr verstörend und angsteinflößend.
Doch neben diesen beklemmenden Szenen gibt es immer mal wieder etwas zu lachen!
Letztlich lässt sich sagen, dass es ein gelungenes Stück ist, welches mit Witz und Verstand aufwarten kann. Jedoch muss ich sagen, dass dieses Stück mehr ein Jugendstück und weniger ein Familienstück ist.
Lucas Ice Pfeffer, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn, Jg 12, 17 Jahre

Jeder stirbt für sich allein

 

„Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada, inszeniert von Luk Perceval überzeugt durch eindrucksvolle und stimmgewaltige Schauspieler, interessantem Bühnenbild und einer gelungenen Mischung aus Tragik und Komik.
Zwar muss man für den vierstündigen Theaterabend viel Zeit und Geduld mitbringen, man wird aber auf jeden Fall belohnt. Nicht umsonst hat das Stück den FAUST- Theaterpreis 2013, den Preis für die beste Inszenierung des Jahres 2013 und für das beste Bühnenbild 2013 bekommen.
Auch wenn die Handlung eine sehr ernste ist – ein Ehepaar verteilt während der NS- Zeit kritische und widerständische Flugblätter und wird verhaftet und umgebracht- so gibt es auch mitunter einige sehr witzige Momente, etwa durch den schlitzohrigen und selbstzufriedenen Ehemann Enno Kluge, der von einer Frau zur nächsten rennt, um von ihr finanziert werden zu können und nicht arbeiten zu müssen. So wird der mitunter sehr schwere Stoff etwas einfacher zum Schauen gemacht und der Kontrast zwischen der Trauer und der Hoffnung erscheint umso deutlicher.
Ähnlich wie in der Inszenierung von „FRONT“ lässt Luk Perceval die Schauspieler eindringlich zwischen vollkommener Klarheit, Resignation und ängstlichem Wahnsinn alle Gefühlszustände während des Krieges zeigen, auch wenn es sich diesmal nicht um den Ersten, sondern den Zweiten Weltkrieg handelt. So erfährt man viel über die Charaktere, versteht ihre Ängste, Träume und Handlungen. Es gibt keine vollkommenen Helden in diesem Stück. Niemand ist gänzlich sympathisch, aber alle sind authentisch.
„Jeder stirbt für sich allein“ ist also ein hochinteressantes Stück und sehr zu empfehlen.

Luisa Keßlin, Jg. 11, Gymnasium Bondenwald

Die Stunde da wir nichts voneinander wußten

 

Das Theaterstück war grandios!! Sowohl das Bühnenbild als auch die Schauspieler haben es geschafft, Kritik an vielen alltäglichen Situationen zu üben, obwohl sie nicht gesprochen haben.
Das Bühnenbild hat durch seine graue Farbe eine sehr erdrückende Stimmung geschaffen. Diese gepaart mit der stressigen Situation, in der mehrere Personen fast schon blind aneinander vorbeilaufen und nur mit sich, dem Job oder dem Handybeschäftigt sind, war fabelhaft.
Hinzukommend zu der verschränkten Sicht einer jeden Person haben die Schauspieler sehr eindringlich zeigen können, dass durch unsere Globalisierung die Nächstenliebe abhandenkommt. Wir sehen zumeist nicht die Personen, die direkt neben uns stehen oder uns gegenüber, denn wir sehen allein uns selbst, und das, was für uns persönlich den größtmöglichen Vorteil mit sich bringt.
Daher war die Schlussszene sehr beeindruckend, da dort gezeigt wurde, dass wir alle gleich sind, wenn wir keine Kleider tragen.
Maria Faltin, Gymnasium Schenefeld, Jg 10


Ungefähr in der Mitte des Stückes (im Theater verliere ich meist vollständig mein Zeitgefühl) dachte ich mir, ich könnte mir das noch ewig so angucken. Ein unterhaltsames Stück, das trotz gleichzeitig auftretender, häufig noch unbekannter Figuren, nicht überfordert. Mir gefiel das Timing. Manchmal liefen mehr, manchmal weniger Aktionen gleichzeitig ab. Wenn mehrere Figuren und Handlungsstränge gleichzeitig auftraten und ich nicht alles mitbekommen habe, war dies nicht schlimm, sondern gibt mir einen weiteren Grund das Stück noch einmal anzuschauen.
Bei dem Stück habe ich viel gelacht, besonders wenn das Geschehen plötzlich in Zeitlupe verlief. Aber auch kuriose Menschen und Situationen, Situationen die jeder kennt und die Ausstattungen und Kostüme haben mich zum Schmunzeln gebracht.
Außer den vielen Passanten, die irgendwie schon die Kulisse des Europäischen Platzes bildeten, gab es eine riesige graue Wand, die auf der Bühne vor und zurück fahren konnte und sich zum Ende hin in der Mitte teilte.
Mich beeindruckt und ich bewundere das „Backstage-Team“(Maske, Garderobieren, etc.), das mehr oder weniger „Backstage“ war, da die schnellen Kostümwechsel am Rand und im Hintergrund der Bühne stattfanden. In der Inszenierung gibt es so viele versch. Kostüme, Perücken, Ausstattungen und Figuren, die zu organisieren sind und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein müssen. Respekt!
Das Stück von Peter Handke „ist mal was anderes“ und auch die Inszenierung ist gut gelungen und auf jeden Fall sehenswert.
Julia Menk, Gymnasium Süderelbe Jg 12


Eine graue Wand. Graue Menschen laufen auf und ab. Sie eilen, sie schauen sich nicht an, andere sind unsichtbar, unbekannt.
Das Stück „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ reflektiert die Menschheit. Es geht auf ihr Verhalten ein, darauf, dass jeder Mensch, auch wenn er uns unbekannt ist, eine Geschichte hat. Es spricht über Religion, Liebe, Freundschaft sowie generell von dem Verhalten der Menschen untereinander, Rassismus, Einsamkeit, Arroganz und vielem, vielem mehr. Das Stück zu beschreiben ist kaum möglich, aber es funktioniert mit vielen tollen Schauspielern in mehreren Rollen und Kostümen, die lachen, weinen, schreien, aber kein einziges Wort benutzen, um sich mitzuteilen.
Letztendlich bekommt der Zuschauer eine Fülle an konfusen und verwirrenden Bildern präsentiert, die man gar nicht alle mitnehmen kann, dafür passiert einfach zu viel auf der Bühne. Doch ich denke, das ist auch nicht die Intention des Stücks. Stattdessen überfordert es bewusst durch seine Überzahl an Eindrücken. Das hat zur Folge, dass ich einerseits sehr verwirrt war und immer am rätseln, was die Szene gerade bedeuten soll. Andererseits sorgt es für aufmerksames Zuschauen und schafft durch die bunten, skurrilen Situationen einen großen Raum für eigene Interpretationen und viel Gesprächsstoff. Wahrscheinlich hat am Ende des Stückes jeder Zuschauer eine ganz eigene Geschichte gesehen und völlig verschiedene Aspekte für wichtig befunden und für sich mitgenommen.
Ich ging zunächst – wohl auch, weil ich mich im Vorwege bewusst nicht sehr über das Stück informiert hatte – mit einem großen Fragezeichen aus dem Stück und auch Tage später hat sich daran kaum etwas geändert. Dennoch muss ich sagen, dass das Stück interessant war und dazu führte, dass ich auch im Nachhinein viel über einzelne Szenen nachdenken muss. Allerdings fand ich einige Szenen etwas zu langgezogen und würde das Stück auch nicht jedem empfehlen. Für Theaterbegeisterte, die mal etwas anderes sehen wollen, sich von Nacktheit und zahlreichen sehr verwirrenden und uneindeutigen Szenen nicht abschrecken lassen, ist das Stück aber wahrscheinlich genau das richtige. Es beweist auf jeden Fall, dass auch ohne Worte Theater möglich und vielleicht sogar eindrucksvoller sein kann.
Michelle Eckmann, Elsa-Brändström –Gymnasium Städtisches Gymnasium Elmshorn, JG 13


Eine graue Wand. Graue Menschen laufen auf und ab. Sie eilen, sie schauen sich nicht an, andere sind unsichtbar, unbekannt.
Das Stück „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ reflektiert die Menschheit. Es geht auf ihr Verhalten ein, darauf, dass jeder Mensch, auch wenn er uns unbekannt ist, eine Geschichte hat. Es spricht über Religion, Liebe, Freundschaft sowie generell von dem Verhalten der Menschen untereinander, Rassismus, Einsamkeit, Arroganz und vielem, vielem mehr. Das Stück zu beschreiben ist kaum möglich, aber es funktioniert mit vielen tollen Schauspielern in mehreren Rollen und Kostümen, die lachen, weinen, schreien, aber kein einziges Wort benutzen, um sich mitzuteilen.
Letztendlich bekommt der Zuschauer eine Fülle an konfusen und verwirrenden Bildern präsentiert, die man gar nicht alle mitnehmen kann, dafür passiert einfach zu viel auf der Bühne. Doch ich denke, das ist auch nicht die Intention des Stücks. Stattdessen überfordert es bewusst durch seine Überzahl an Eindrücken. Das hat zur Folge, dass ich einerseits sehr verwirrt war und immer am rätseln, was die Szene gerade bedeuten soll. Andererseits sorgt es für aufmerksames Zuschauen und schafft durch die bunten, skurrilen Situationen einen großen Raum für eigene Interpretationen und viel Gesprächsstoff. Wahrscheinlich hat am Ende des Stückes jeder Zuschauer eine ganz eigene Geschichte gesehen und völlig verschiedene Aspekte für wichtig befunden und für sich mitgenommen.
Ich ging zunächst – wohl auch, weil ich mich im Vorwege bewusst nicht sehr über das Stück informiert hatte – mit einem großen Fragezeichen aus dem Stück und auch Tage später hat sich daran kaum etwas geändert. Dennoch muss ich sagen, dass das Stück interessant war und dazu führte, dass ich auch im Nachhinein viel über einzelne Szenen nachdenken muss. Allerdings fand ich einige Szenen etwas zu langgezogen und würde das Stück auch nicht jedem empfehlen. Für Theaterbegeisterte, die mal etwas anderes sehen wollen, sich von Nacktheit und zahlreichen sehr verwirrenden und uneindeutigen Szenen nicht abschrecken lassen, ist das Stück aber wahrscheinlich genau das richtige. Es beweist auf jeden Fall, dass auch ohne Worte Theater möglich und vielleicht sogar eindrucksvoller sein kann.

Ich öffne meine Augen und sehe Grau: graue Wände, graue Menschen! Ich blinzel kurz und sehe nun alle Farben und die Vielfalt dieser Welt. Schwarz, Weiß und alle Religionen.
Das Thalia Theater verbindet in diesem Stück alle Kulturen und strahlt somit das Bild von Gleichheit und Gerechtigkeit aus.
Ein fantastisches Stück ganz ohne Worte. Meiner Meinung nach verwirrt dieses Stück mit Absicht das Publikum, indem es keinen erkennbaren roten Faden aufweist. Doch dies ist nur ein weiterer toller Aspekt des Stückes, das es unvergesslich macht.
Auch mit wenig Worten viel Ausduck.
Jarmo Busch, 17 Jahre, JG 12, Elsa-Bränstrom-Schule, Städtisches Gymnasium Elmshorn


Still und dennoch voller Ausdruck, so inszenieren die Regisseure Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo das Stück von Peter Handke am Thalia Theater.
Das Spiel besteht aus vielen verschiedenen, meist schnellen Szenen, die die Begegnung vieler Menschen zeigen, welche sich bisweilen völlig unbekannt sind. Gespielt wird in der Reinform des Theaters – Kein Sprechen, lediglich wenige Laute geben die Schauspieler von sich. Die Bewegung auf der Bühne und die Proxemik rücken in den Vordergrund. Unterstützt wird dieser Fokus von dem schlichten Bühnenbild: Eine große, graue, bewegliche Mauer ziert die Welt, in der die Schauspieler handeln: Piloten, Geschäftsleute, Postboten. Zahlreiche Charaktere zeigt das Stück und dennoch wahrt es deren Anonymität. Bemerkbar ist diese Distanz zwischen den Schauspielern, genau wie zum Publikum, hier hätte ich mir mehr Details gewünscht, die eine gewisse Nähe und Charakterdetails vermitteln würden. Ebenso gibt es weniger einen klassischen „roten Faden“, als die Aneinanderreihung von Szenen. Wer auf eine komplexe Geschichte hofft, wird hier enttäuscht. Dennoch habe ich das Stück gern gesehen. Der Fokus auf die eigentliche Schauspielerei gefiel mir besonders, ebenso die Anspielung auf aktuelle Ereignisse im Stück. Ein weiteres Highlight war der eingebundene Chor, welcher im Publikum saß und hauptsächlich zum Ende des Stückes auftrat. Insgesamt eine gelungene Vorstellung, wobei ich gern mehr über die Charaktere erfahren hätte.
Lucas Timm, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn, Q1c

Die Tragödie von Romeo und Julia

„Romeo und Julia“ von William Shakespeare ist eines der bekanntesten Stücke, wenn nicht sogar das bekannteste Theaterstück der westlichen Welt. Es ist ein Klassiker, dessen Handlung unzählige Male in den unterschiedlichsten Formen aufgenommen, adaptiert und aufgeführt wurde, wie in „Titanic“, „West Side Story“ oder als Ballett von Sergej Prokofjew.
Im Thalia Theater wird die Geschichte weder völlig klassisch, noch komplett modern erzählt, sondern als eine interessante und sehr gelungene Mischung aus beidem dargestellt.
Die gesamte Inszenierung von Jette Steckel durchzieht eine traumtänzerische, teils transzendent wirkende Atmosphäre, verursacht durch das goldene Licht, die sanfte und doch kraftvolle Musik und die surrealen Masken und Tanzeinlagen.
Dabei werden die Dialoge in der Sprache Shakespeares gehalten (nur eben übersetzt).
Die Figuren Romeo und Julia stehen dabei sehr deutlich im Zentrum, zum einen natürlich durch Birte Schnöink und Mirko Kreibich als die beiden Hauptdarsteller, zum anderen durch Anja Plaschg und Anton Spielmann, die die beiden Charaktere musikalisch am Klavier und an der Gitarre verkörpern, und zum dritten durch 40 Statisten, die die Hauptdarsteller unterstützen.
Zwar ist dieses Stück vergleichsweise lang, aber niemals langweilig, da einerseits die Schauspieler nicht in der Spannung nachlassen und es andererseits trotz der Tragik und der Melancholie in der Handlung auch viele witzige und fröhliche Momente gibt, die die Grundstimmung insgesamt positiv prägen und den Zuschauer nicht bedrückt, sondern beruhigt und hoffnungsfroh nach Hause gehen lassen. Romeo und Julia haben einander schließlich nie verraten, sondern sich aufrichtig bis zum Ende geliebt.

Luisa Keßling, 12. Klasse, Gymnasium Bondenwald


Die Tragödie von Romeo und Julia ist wohl die berühmteste Liebesgeschichte aller Zeiten.
Romeo – aus der Familie der Montagues – und Julia aus der Familie der feindlichen Capulets verlieben sich ineinander und plötzlich spielt die Feindschaft zwischen ihren Familien keine Rolle mehr. Jedenfalls bis Tybalt – aus dem Hause der Capulets – Mercutio – auf der Seite der Montagues – tötet und die Tragödie ihren Lauf nimmt.
Auch wenn ich, wahrscheinlich wie viele, das Gefühl habe, die Geschichte schon dutzende Male in allerlei Verfilmungen, Abwandlungen und im Unterricht gesehen zu haben – so gebannt und begeistert wie diese Inszenierung hat mich keine.
Ein besonderes Highlight ist die Musik. In einer Szene zum Beispiel steht Romeo in der Mitte der Bühne, Tybalt läuft im Kreis um ihn herum und will ihn provozieren. Die Musik, die dabei gespielt wird schafft eine derartig bedrohliche und sich zuspitzende Atmosphäre, dass ich beinahe das Gefühl hatte, mir und nicht Romeo würde die Luft abgeschnürt. Die Musik schafft es einfach, jedes Gefühl auf der Bühne noch einmal zu verstärken und aufs Publikum zu übertragen. Ebenso verhält es sich bei den Live-Sängern. Die Verzweiflung und Hilflosigkeit Julias wurde durch Sängerin erlebbarer gemacht: Man sieht nicht nur, dass Julia verzweifelt ist, sondern durch den Gesang ist es, als ob man in sie hinein hören könnte.
Ein weiterer Grund, warum ich das Stück so gerne mag ist die schlichte, aber sehr eindrucksvolle und einzigartige Kulisse. Von oben herab hängen zahlreiche Lichterketten, die wie ein Meer von Sternen wirken. Es sieht einfach wunderschön aus, kann aber genauso gut bedrohlich sein, wenn die Ketten langsam von oben herab gelassen werden, wie eine unaufhaltsame Wand, die sich auf die am Boden liegende Julia zubewegt.
Weiterhin sind die Charaktere an sich und die schauspielerische Leistung grandios. Besonders in Erinnerung ist mir hierbei der Auftritt von Tybalt geblieben. Er kommt auf die Bühne, steht dort, hinter ihm der Lichterkettenvorhang, der ihn vom Maskenball trennt. Er steht einfach da und raucht, strahlt aber gleichzeitig eine unfassbare Unnahbarkeit und Kälte aus.
Auch die rauchende und trinkende Amme bleibt im Gedächtnis. Trotz ihrer Fehler ist sie sehr liebenswert, Julia mehr eine Mutter als ihre tatsächliche Mutter es ist und, als sie aufgrund einer Beleidigung von Mercutio völlig aufgelöst zu weinen beginnt, einfach goldig.
Nicht zu vergessen: Der liebeskranke Romeo und die kindliche Julia. Zwischen beiden stimmt die Chemie und keine einzige Sekunde wurde ich daran erinnert, dass es sich um Schauspieler handelt. Ich habe den beiden die aufrichtige Liebe zueinander abgekauft, das ganze Stück über. Das ist wohl auch mit das wichtigste bei einer Inszenierung von Romeo und Julia – dass die Liebe authentisch wirkt, denn nur so kann man als Zuschauer tatsächlich mit ihren mitleiden und hat Spaß sich das Stück anzusehen.

Ich persönlich hatte großen Spaß und obwohl das Stück recht lang ist und man die Länge an der einen oder anderen Stelle auch merkt, war es sicher nicht das letzte Mal, dass ich es mir angesehen habe. Das Stück ist witzig, traurig, spannend und voller Momente die man gesehen haben muss – allein schon Benvolio, wie er über die Bühne robbt, die tanzende Menge auf dem Maskenball oder Julia in einem leuchtend schönen Kleid.

Michelle Eckmann, Elsa-Brändström–Gymnasium Städtisches Gymnasium Elmshorn; 18 Jahre, Jg 13


Das Stück Romeo und Julia hat mich sehr beeindruckt. An einigen Stellen gab es Gänsehaut-Momente. Das Stück weicht in einigen Darstellungen von gewohnten Darstellungen ab und passt sich auch etwas der Moderne an. Die Tanz- und Gesangseinlagen im Stück gefallen mir besonders, da sie die Stimmung einerseits auflockern, aber auch einen ganz besonderen Eindruck vermitteln. Oft unterstützen die Schüler, die an dieser Inszenierung teilnehmen, eine bestimmte Person in ihrem Handeln und ‚ahmen‘ es ihr sozusagen nach. Ich finde, es ist auch mal eine ganz andere Art und Weise dieses Stück wahrzunehmen. Natürlich ist einem von Anfang an das Ende bewusst, dafür ist vor allem die Schlussszene besonders interessant gestaltet. Aufregend fand ich, dass bei meiner Vorstellung vom ZDF aufgezeichnet wurde, um es einige Wochen später im Fernsehen zu zeigen. Ich muss gestehen, dass die Aufzeichnung zwar immer noch sehr gut ist, jedoch an das Feeling innerhalb des Theaters, wenn das Stück gespielt wird, nicht herankommt. Da es etwas komplett anderes ist.

Laura Kittelmann, Kl.12, Gymnasium Meiendorf


Das Stück Romeo und Julia gilt allgemein als totgespielt. Durch seinen Status als größte Liebesgeschichte aller Zeiten hat wirklich jeder versucht, es zu seinem Stück zu machen. „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“ wie auch „Die Pest auf eure beiden Häuser!“ sind Zitate, die jeder wiedergeben kann, egal ob alt oder jung. Doch Jette Steckel hat sich die große Aufgabe gestellt, „Romeo und Julia“ neu zu erfinden. Und hat es geschafft.

Die ganze Inszenierung ist ein Pubertätsdrama von vorne bis hinten. Anstatt die Schauspieler die durchgekauten Verse runterleiern zu lassen, werden diese herausgeschmettert mit der Trotzigkeit eines Kindes, was dem ganzen Drama eine gewisse Absurdität verleiht. Diesmal wird man nicht von poetischen Liebesbeschwörungen eingeschüchtert, sondern erkennt die Einsamkeit von zwei vernachlässigten Jugendlichen, die sich mit voller Kraft aneinander ketten, um nicht innerlich zu zerbrechen.

Shakespeare's „Liebe“, die Romeo und Julia schließlich in den Tod führt, ist überlastet von melodramatischen Ausbrüchen und Sonne-Mond-Vergleichen, die insgesamt nicht authentisch erscheinen. Und auch in dieser Inszenierung sind die Annäherungen eher zaghaft, fast unecht, bis zu der Vermählung. Plötzlich blühen die Schauspieler auf, tänzeln für ein paar Minuten pantomimisch über die Bühne und spielen eine so lebendige Hochzeitsszene, dass der Chor im Hintergrund fast vergessen wird.

Julia, gespielt von Birte Schnöink, ist noch ein Kind. Das merkt man an ihrer Haltung, ihren unkontrollierten Bewegungen, der Art von Trotzigkeit, mit der sie ihrer Amme zerkaute Bananen in die Hand spuckt und sich fürchterlich daneben benimmt auf der Party ihres Vaters. Romeo hingegen wirkt älter, hat auch ältere, wenn nicht gleich reifere Freunde. Aber seine akute Depression, die nur von der Energie seiner Liebe aufgehoben werden kann, spiegelt die Unsicherheit auf dem Weg zum Erwachsenwerden wieder, die jeder Jugendlicher einmal spürt. Beide Schauspieler ergänzen sich perfekt durch ihr Talent, immer in Bewegung zu bleiben; von Trotz über Wut über Trauer über Rührung.

Als Schatten und Verfolger des Liebespaares wurden einerseits 40 Statisten zwischen 14 und 18 Jahren sowie ein Musikduo engagiert. Beides hatte die Wirkung, dass der Zufall der entstehenden Liebe noch unterstrichen und gleichzeitig der Fokus der beiden genommen wurde. Der Zuschauer soll verstehen, dass eine Geschichte dieser Art jedem passieren kann.

Aber das eigentlich wunderbarste an der ganzen Inszenierung besteht aus dem Zusammenspiel von Bühnenbild und Musik. Die einzige Requisite besteht aus einem Flügel, von der Decke hängen fünf Vorhänge aus Lichterketten, die je nach Szene verschieden aufleuchten. Mal Silber, mal Gold definieren sie nicht nur die Schnelligkeit des Stückes (und erinnern an die Verfilmung von Baz Luhrmann), sondern spielen auch mit den Begriffen Sonne/Mond bzw Helligkeit/Dunkelheit, die in „Romeo und Julia“ eine zentrale Rolle spielen: Julia, die die Sonne darstellt und den Mond hasst, während paradoxerweise die Nacht die einzige Zeit ist, wo sie und Romeo sich ungestört treffen können.

Die Schwere des Stoffes, die man beim puren Lesen sofort erfasst, wird einem in Jette Steckels Inszenierung trotzdem nicht bewusst. Durch Wortwitze, Reimverweigerungen und vor allem ihrer Definition des Benvolio und Mercutio als Macho-Proleten, erleichtert sie die düstere Aussicht auf das (natürlich) nicht gute Ende. Nach dem Stück denkt man sich eigentlich nur, wie absurd das ganze Drama ist. Und damit hat Jette Steckel ihre Aufgabe perfekt gemeistert.

Emma W., S4P1, Emilie Wüstenfeld Gymnasium


„Romeo und Julia“ in der Inszenierung von Jette Steckel ist unbeschreiblich. Ich fand es von Anfang an toll und, obwohl es sehr lange dauert, sehr begeisternd. Es gab viele Situationen, in denen der Zuschauer verwirrt wird. Es ist laut, schrill und hell, obwohl der Tod mitspielt. Ich werde es mir nochmal anschauen und ich kann es jedem empfehlen. Eine bekannte Person hat mal gesagt, man braucht einen Funken, der die Kulturbegeisterung zündet. Dieses Stück ist mein Funke.
Kim-Lukas, 9. Klasse, Franz von Assisi-Schule


Das Theaterstück fand ich richtig toll. Ich fand, die Schauspieler haben ihre Rollen richtig gut gespielt. Die Musik zum Stück fand ich einfach nur Hammer! Wie sie Wut und Trauer so gut vorbringen konnten, fand ich einfach nur perfekt. Ich würde dieses Theaterstück nochmal ansehen. Ich würde diesem Stück 10 Punkte von 10 Punkten geben. Fazit: Geht hin, wenn ihr die Chance dazu habt oder wenn ihr euch dafür interessiert! Würde mich sehr freuen.
Jean Claude, 9a, Franz-von Assisi-Schule Barmbek


Wir waren am 29.09.2014 im Thalia Theater um das Theaterstück „ Die Tragödie von Romeo und Julia“ anzusehen. Wir waren zwar nicht ganz ahnungslos, wie dieses Stück verläuft, denn wir haben uns informiert, dass es anders sein wird als wir uns denken könnten. Doch das, was wir an diesem Abend sahen, hat uns verblüfft. Es war laut und schön, es spielte in einem anderen Zeitalter und war trotzdem modern. Die Schauspieler haben so gespielt, so gefühlt, als wären sie die Personen selber und wir haben mit ihnen gefühlt. Das Schauspiel reißt einfach mit. Es ist wunderschön gewesen. Und ich selber würde es mir noch einmal ansehen. Gleichzeitig empfehle ich es jedem weiter, denn dieses Stück bekommt von mir höchste Punktzahl.

Maria, Klasse 9a, Franz-von Assisi-Schule Barmbek

Faust I

 

Faust I und II hintereinander aufzuführen ist schon eine Hausnummer. Zuerst fragten meine Begleitung und ich uns, ob wir es wirklich schaffen, acht Stunden lang ruhig in einem Theater zu sitzen.
Doch durch drei Pausen und die durchgehende Spannung während der Aufführung, kamen uns diese acht Stunden gar nicht mehr so lang vor.
So ein Marathon verlangt ja schon viel Anstrengung, aber nicht nur für das Publikum sondern natürlich extrem für die Darsteller, die meiner Meinung nach eine hervorragende Leistung auf der Bühne gezeigt haben. Z.B. Sebastian Rudolph, der so gut wie die gesamte erste Stunde, alleine als Faust auf der Bühne, eine spannende „Performance“ geliefert hat. Patrycia Ziolkowska, ihre Auftritte waren durchgehend packend und natürlich Philipp Hochmair, der sich der Rolle des Mephisto auch auf humoristische Art und Weise genähert hat.
Besonders die Modernität an der Inszenierung hat mir sehr gut gefallen und in Faust II, der Bezug zur heutigen Welt.
Goethes Faust war kein gelbes Reclam-Heftchen mehr, welches auf einem Lehrplan steht und daher im Unterricht behandelt werden muss, nein auf einmal sah ich Faust`s Welt direkt vor mir. Das geschah mit sehr wenigen Requisiten, wodurch ich mich auf die Darsteller konzentrierte, die dadurch ihre schauspielerischen Fähigkeiten nochmals unter Beweis stellen konnten.
In Faust II wurden mehr Requisiten benutzt und die Handlung als wesentlich schwieriger vorausgesagt. Doch auch bei Faust, Zweiter Teil (ungestrichen !) blieb die Spannung vorhanden und durch das Anzeichnen von Strichen, pro hundert Versen von Schauspielerin Barbara Nüsse, die sich jedoch offiziell als Johann-Wolfgang von Goethe vorgestellt hat, wusste ich ja genau, wie viele Verse mir noch bevor stehen.
Nachdem die Vorstellung vorbei war, verließen wir beeindruckt und müde das Theater (15.30-23.45 Uhr), jedoch hätten wir bei solch einer Aufführung noch zwei weitere Stunden im Theater bleiben können.
Ich kann auf jeden Fall jedem empfehlen sich beide Teile (Faust I und II) im Thalia Theater anzusehen.
Totale „Theaterneulinge“ sollten aber noch nicht in den Marathon gehen.
Michéle Lichtenstein, Marion-Dönhoff-Gymnasium Mölln, Jg 10


Mich hatte das Stück sehr Interessiert da ich die Verfilmung von Gustaf Gründgens aus dem Jahre 1960 gesehen habe. Die Figur des Mephisto fand ich ganz, ganz toll!
So kam ich auf den Gedanken, mir den Faust 1 im Theater anzusehen.
Natürlich wird es Modern sein, mir war klar, dass ich etwas anderes zu erwarten hatte als ich vorher gesehen habe.
Es fängt mit Faust an, er hält den Monolog mit sich selbst, doch gleichzeitig wirkt es als würde er den Text aus dem Buch vorlesen.
Karg ist das Bühnenbild! Ein Tisch und ein Stuhl, nichts weiter zu sehen.
Faust wird in der trüben Zeit seiner Selbstfindung und Hinterfragung sich mit bunter Farbe beschmieren, die er auch an eine Leinwand und Tür bespritzt und sich dann mit Wut und Verzweiflung mit Benzin zu übergießen. Da sein Feuerzeug versagt, liegt seine Kraft darin eine andere Lösung zu finden sich das Leben zu nehmen.
Was er dann auch tut, mit einer Pistole.
Jetzt kommt die Zeit für Mephisto der es treibt wie ein Schelm und zu Anfang auch aus dem Textbuch vorliest. Wie er die Wette abschließt und sein Spiel beginnt, um sich Faust zu krallen.
Manchmal werden die Rollen von den Schauspielern doppelt gesprochen, was ich etwas verwirrend fand.
Jeder der Gestalten (Faust, Mephisto, Gretchen) sprechen von jedem den Text.
Es sind später im Weinkeller und zur Walpurgisnacht einige Darsteller dazu gekommen auf die Bühne.
Was mir gefallen hat ist das in dem Moment wo Faust mit Gretchen spricht, Gretchen mit ihm Fragen über den Glauben und der Liebe spricht...
In diesem Moment, ist Mephisto an der Seite von Faust, weicht nicht von ihm und spricht auf ihn ein, so das Faust auf manche Frage anders Antwortet als er eigentlich möchte. Es war richtig zu merken wie der Zwiespalt in Faust zu nagen anfängt. Denn er merkt die Veränderung und doch ist er sich nicht ganz klar was da mit ihm geschieht.
Es war textgetreu, doch die Umsetzung hat mir nicht gefallen!
Es war zum Teil sehr laut, dann auch zu laut geschrien sodass der Text unterging.
Es ist ein langes Theaterstück, das ich in seiner Ladung an Lautstärke und moderner Handlung erst einmal verdauen musste.
Kulturbotschafterin Kira Papenbruch 9a, Franz von Assissi Schule


Eine großartige Inszenierung, schauspielerisch hervorragend und technisch sowie sprachlich sehr originell.
Faust, der reine Geisteswissenschaftler, geht mit dem Teufel Mephistoles einen verheerenden Pakt ein: Er, Mephisto dient ihm in unserer Welt, dafür wird Faust der Seinige nach dem Tod. Faust lässt sich von dem Teufel verführen und er taucht in die Welt des Vergnügens ein. Diese neunen Aspekte des Lebens verändern den Charakter des ehemals lebensmüden Faustes und er begeht so manche Schandtat...
Die Inszenierung ist wirklich gelungen: Wenige Requisiten, dafür besondere, ungewöhnliche Hilfsmittel wie Acrylfarbe, lange Lichterketten und Videos werden zur Gestaltung der jeweiligen Szene verwendet. Auch die Dialoge werden humorvoll aufgearbeitet, sodass der Zuschauer häufig etwas zu lachen hat...
Die Szenen im Studierzimmer und in Gretchens Zimmer, haben mir besonders gut gefallen. In der anfänglichen Szene in Fausts Studierzimmer, werden die Zerstreutheit, der innere Kampf um den Selbstmord, das Erscheinen des Teufels und die Schließung des Paktes durch das Licht, die "chaotische" Kulisse und die vielen Farben, unabhängig von der schauspielerischen Leistung, dramatisch gesteigert.
In Gretchens Zimmer hat mir der Aspekt gut gefallen, dass die wertvollen Geschenke von Faust an Gretchen abstrahiert werden durch die Lichterketten, die von der Decke auf die Bühne gelassen werden, und somit die Dekadenz auf eine ungewöhnliche, interessante Art betonen.
Außerdem gefällt mir der klassische Gesang, welcher das Altertümliche unterstreicht und im Gegensatz zu den modernen Filmen steht.
Die Schauspieler haben wirklich gut gespielt und ihre Rollen absolut überzeugend verkörpert, sodass es spannend ist ihnen zu zuschauen. Ab und zu ist es etwas herausfordernd für den Zuschauer den Rollenübergängen zu folgen und diese auf Anhieb zu begreifen.
Insgesamt ist, das Theaterstück Faust Teil 1 ein absoluter Erfolg, spannend, modern, fesselnd, leidenschaftlich, aber sprachlich eine Herausforderung für alle, die nicht mit der Ballade vertraut sind. Aus diesem Grund, empfehle ich diese Aufführung an die weiter, die sich bereits mit der Geschichte auseinander gesetzt haben.
Isabel D.; Rudolf-Steiner Schule HH-Nienstedten, Kl. 10

Fountainhead

 

Der Objektivismus ist eine politische und philosophische Strömung, die dem libertären Freiheitsgedanken sehr nahe steht. Man könnte sie, Ayn Rand, eine Art Egoistin schimpfen. Immer nur an sich denken? Die Republikaner in den USA sind große Verfechter ihrer Ideen und huldigen ihr kultähnlich. Die in Russland geborene Philosophin meint, dass wir auf uns selber vertrauen müssen, den Sozialstaat abschaffen sollten und wir nur für uns selber verantwortlich sind. Das postuliert sie in ihren zwei großen Romanen „Atlas Shrugged“ und „The Fountainhead“.
Es geht um einen exmatrikulierten Architekturstudenten, der seinen Prinzipien immer treu bleibt, am Bild seiner Freunde wird uns klar gemacht, dass das alles schlimme Heuchler sind. So viel zur extrem langweiligen Geschichte des Stückes. Und irgendwie will man die Inszenierung lieben nach all diesen positiven Kritiken, mit diesem genialen Bühnenbild, aber irgendwie will mir dieses Stück nicht gefallen. Die Dialoge sind langweilig und holzig; das mag vielleicht an den ganzen eh halb-tauben Omas liegen, die mit ihren Hörhilfen nerven und sich lautstark über die Kritik im Abendblatt unterhalten, dass die Schauspieler lustlos wirken.
Und jeder Dialog ist eine komplette Quälerei. Alle sprechen ihren Text irgendwie anders als normale Menschen. Jens Harzer spricht wie immer, wie ein Gefühls-Roboter, dem man zwar gerne zuhört, der aber irgendwie zu viel Pathos hat, was hier aber schon passt.
Jörg Pohl – von dem ich ein bekennender Fan bin – probiert ein bisschen witzig zu sein, aber irgendwie will auch das nicht gelingen und seine hibbelige Art wird hier sehr schnell sehr anstrengend. Marina Galic kann man mit ihrem komischen Säuseln schwer ernst nehmen, wenn sie von ihrer Vergewaltigung erzählt, die sie ziemlich erotisch findet; ihre Trägheit, die fantastisch zum Handlungsreisenden passt, wirkt hier fehl am Platz.

Ayn Rand, die Autorin, wälzt sich sicher irgendwo im Grab, wenn sie hört, wie sie hier als Kalenderspruch-Model dienen muss.
Ich wälze mich für die ersten 2 Stunden, die sich anfühlen wie 10 Tage in meinem Stuhl, aber dann halte ich es nicht mehr aus und gehe...schade.
Dieses Stück kann einem sicher gefallen, wenn man mit dem Objektivismus nichts anfangen kann und man nicht weiß worum es geht. Es lohnt sich für die eigentlich ganz gute Inszenierung...
Paulo Sieweck, Corvey Gymnasium, Jg.10

 

„The Fountainhead“ ist ein im Jahr 1943 erschienener Roman der russisch-amerikanischen Bestseller-Autorin Ayn Ran.
Die Handlung spielt im Amerika der 1920-40er Jahre und thematisiert u.a. die, von Rand kritisch bewerteten, Reformen des New Deals und die politische Situation im Leben des Protagonisten, einem begabten Architekten: Howard Roark.
Die Figur Roarks verkörpert mit dessen kontinuierlichem Einsatz für das Ausleben der eigenen Individualität und Freiheit, Ayn Rands Idealbild eines Menschen, so wie er sich in seinem gesellschaftlichen und politischen Umfeld verhält. In der Inszenierung Johan Simons ist dies (wie im Roman) durch einige längere Monologe Roarks gekennzeichnet.
Ayn Rands Ansichten in den Bereichen der Ethik, Ökonomie, und Politik, prägten die US-amerikanische Gesellschaft maßgeblich: Bürgerumfragen in den USA zufolge, zählen ihre Schriften zu den einflussreichsten englischsprachigen Veröffentlichungen des 20. Jahrhunderts. Dem Anschein nach sickerte ihr Einfluss allerdings kaum bis in die Gesellschaften des europäischen Raums durch.
Rands Philosophie der „Objektivität“ fußt auf den Grundsätzen der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. In ihren Schriften äußerte die Autorin eine scharfe Kritik an der kommunistischen Ordnung, mit dem Hintergrund, dass für Rand jegliche, über ein „notwendiges“ Maß hinausgehende, staatliche Regulierung als eine Beschränkung der Individualrechte seiner Bürger angesehen werden müsse.
In dieser Hinsicht kritisiert Ayn Rand u.a. die Reformen des New Deals und stimmt in ihrer politischen Ausrichtung der Grundidee des Laissez-faire-Kapitalismus zu. Nach meiner Auffassung sind die Grundideen Rands für die politische Debatte damals wie heute noch durchaus relevant und sollten nicht vergessen werden. Dazu leistet die Aufführung von FOUNTAINHEAD einen wichtigen Beitrag: In ihr werden die vielen Meinungen und Haltung der Schriftstellerin zu einer spannenden Erzählung verdichtet. Diese allerdings verkommt für den Zuschauer zu schnell zu einer sehr „leichten Kost“: Nach der Pause geht das Stück in endlosen Wiederholungsschleifen auf, über die man Gefahr läuft einzuschlafen.
Die Philosophie Rands durchzieht das Stück wie einen roten Faden, immer im Austausch der agierenden Figuren neu aufgeworfen: als eine kontroverse Diskussion, in der ästhetisch künstlerischen Gestaltung einiger Bauwerke und in den intensiv gestrickten Beziehungen der Figuren untereinander. Immer geht es dabei um Fragen der Moral und der egoistische Verwirklichung im Namen des Eigeninteresses. Dabei spielen die Beeinflussung bzw. Manipulation der öffentlichen Meinung und die Durchsetzung einer künstlerischen Vorstellung samt ihrem Idealismus eine tragende Rolle.
Im Namen der selbstlosen Barmherzigkeit, als Menschenfreund sich ausgebend, tritt so der Gegenspieler Roarks, Redakteur Ellsworth Toohey, im weißen Anzug für die Versklavung und Weltherrschaft ein.
Die drei Frauenfiguren, die im Stück vorkommen, dienen (in einer von den Machtkämpfen der Männer dominierten Weltordnung) abwechselnd als ein, für den eigenen Erfolg einzusetzendes, Kapital bzw. Objekt der Begierde; oder stehen ansonsten ihren Männern als Beraterinnen und liebevolle Zuhörerinnen treu zur Seite. Die Kleidung der drei ist auffallend bunt gestaltet, im Verhältnis zu dem farblich reduzierten, aber imposant wirkenden Eindruck den das Bühnenbild macht- mitsamt derer die es im Zweck der Selbstinszenierung erschaffen: sechs blässliche Streithähne, „Krieg spielende“ Halbstarke. Dafür werden ein monumentaler Granitbrocken, eine mit Stahlwolle gefüllte Glasplatte, ein Würfel Eis, langsam aber mit ungeheurer Dramatik von der Bühnendecke herabgelassen: auf eine dünne Glasplatte, die fragil ein paar brutal in den Bühnenboden gepflockten Stahlpfeilern aufliegt.
Die Ästhetik der verschiedenen Baumaterialien, die im Verlauf des Stücks einer chemischen Veränderung ausgesetzt werden, hat mich sehr begeistert: So zum Beispiel, das im Bühnenhintergrund vor sich hinschmelzende Eisaggregat von mehreren Quadratmetern Größe.
In dem Kampf um Macht und Einfluss ist die schöne Dominique Francon (Marina Galic) ein Anlass zur Kreation und zum Streit: Ihrer Schönheit Ausdruck zu verleihen veranlasst Roark aus einem künstlerischem Antrieb heraus, einen monumentalen Tempels zu bauen- was eine nachträgliche Debatte zwischen den nach Macht strebenden Kontrahenten mit sich bringt. Die Konflikte, die die Figuren mit - und untereinander führen sind sehr mitreißend und spannend gestaltet und verleihen dem gesamten Plot seine Qualität im Sinne einer guten Unterhaltung.
Meiner Meinung nach, ist die Inszenierung aus mehreren Gründen sehenswert: Eine spannende Geschichte bietet den Rahmen, um in die mir bisher unbekannte Weltanschauung Rands Einblick zu bekommen. Die Rollen der Figuren sind überdies ausgezeichnet besetzt; der schauspielerische Ausdruck hat auf mich ebenso nachträglich gewirkt, wie das ästhetisch kunstvoll gestaltete Bühnenbild. Deutlich zu kritisieren ist für mich allerdings die Länge des Stückes: auf nicht einmal der Hälfte der Zeit sollte der Plot zusammengeschnürt werden, erst dann würde ich mir dieses Stück (im Nachhinein) wirklich gerne ansehen. In der tatsächlichen Länge allerdings, ist in dieser Inszenierung „Ermüdung“ und „Langeweile“, als eine ebenso große Komponente wie die Kreativität, verwirklicht worden. Die zugrundeliegende Thematik hält nicht einmal genügend Konfliktpotenzial bereit um damit zwei Stunden zu füllen, nach knapp vieren allerdings, habe ich das Theater ermüdet und auch enttäuscht verlassen. Schon vor Ende der ersten Hälfte ist Rands zentrales Plädoyer nämlich längst an seinem Ende angekommen. Dann erscheint es vielmehr wie für ein spießbürgerliches Publikum inszeniert, wenn dieses daraufhin in immer neuen Beziehungssituationen auf die Probe gestellt werden muss. Zum Ende hin, scheint die Inszenierung letztlich bemüht immer neue Dialoge zu produzieren, erinnert damit in seiner inhaltlichen Komplexität und Zähigkeit insgesamt aber fast schon an eine Soap. Schade, denn in ihren Einzelheiten ist die theatrale Umsetzung des Stoffs als eine glanzvolle Unterhaltung doch sehr gelungen.
Ira Wichert, Helene Lange Gymnasium, Jg. 12

Don Giovanni. Letzte Party

 

Ich muss sagen, ich finde diese Inszenierung großartig und wollte am Ende den Saal gar nicht verlassen. Liebend gerne hätte ich noch weitergeschaut. Das Stück ist sehr lustig und unterhaltsam.
Schon am Anfang wird das Publikum in das Stück integriert, in dem Leporello auf äußerst humoristische Art kleine Gesangseinlagen mit dem Publikum einstudiert. Der große Verführer Don Giovanni verführt nicht nur die Figuren des Stückes, sondern macht auch vor dem Publikum nicht Halt. Mir sind fast alle Figuren, mit ihren schillernden Charakteren und wunderbaren Kostümen, ans Herz gewachsen. Die Schauspieler sind genial.
Das Bühnenbild besteht aus drei ineinander liegenden Lichtkranzkonstruktionen, die vielseitig verstellbar sind und somit wunderschöne Lichteffekte erzeugen. Auch die Musikerinnen bereichern das Stück sowohl musikalisch als auch optisch wunderbar. Sie werden in die Szenen integriert. Besonders in Erinnerung bleibt mir die Abgangsmusik für Masetto, der eigentlich gar nicht abgehen will und von der Saxofonistin geärgert wird, die immer besagte Melodie spielt, was für den Zuschauer besonders komisch ist. Gut gefallen hat mir die Vertonung des Fechtkampfes, in dem die Figuren pantomimisch fechten und die dazugehörigen Soundeffekte von den Musikerinnen kommen.
Ab einem bestimmten Punkt im Stück wird das weibliche Publikum dazu eingeladen, auf der Bühne mit zu feiern. Interessant finde ich, dass das Publikum auf der Bühne etwas anderes sieht und erlebt, als der Zuschauer im Saal, da eine Zeitlang der Vorhang herunter gelassen wird und von beiden Seiten bespielt wird (vor und hinter dem Vorhang). So hat z. B. das im Saal sitzende Publikum nicht unbedingt mitbekommen, dass Don Giovanni hinter dem Vorhang weitere Damen verführt. Was sich vor dem Vorhang abgespielt hat und was das Bühnenpublikum zur selben Zeit „verpasst“, kann ich leider nicht sagen.
Bei der nächsten „Letzten Party“ bin ich auf jeden Fall wieder dabei.
Mein Fazit: Eine Party, die sich keiner entgehen lassen sollte!
Julia Menk, Gymnasium Süderelbe Jg 12

“Reich mir die Hand, mein Leben”, so verführt Don Giovanni nicht nur Zerlina (Gabriela Maria Schmeide) kurz vor ihrer Hochzeit mit Masetto (Bruno Cathomas). Nach 640 Frauen in Italien, 230 in Deutschland, 100 in Frankreich, 91 in der Türkei und 1003 in Spanien ist sie die 2065. Frau, die sich Don Giovanni freiwillig zu Füßen legt. Leporello - Don Giovannis Diener - kann im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied davon singen. Gutheißen tut Leporello dies jedoch nicht und leidet zunehmend unter Don Giovannis Diensten. Während Don Giovanni also alles andere als wählerisch ist bei den Frauen, scheint Leporello nach der einen wahren Liebe zu suchen.
Schauspielerisch hätte man die verschiedenen Rollen nicht besser darstellen können.
Von dem Laufstil auf seinen Glitzerschuhen über die Gesichtsmimik, die hinter der Maske Don Giovannis erkennbar ist, bis zu seiner tiefen, angenehmen, verführerischen Stimme überzeugt Sebastian Zimmler von der ersten Sekunde an. Er strahlt eine solche Selbstsicherheit aus, die zeigt, dass er sich durchaus bewusst ist, dass er jede Frau für sich gewinnen könnte. Allerdings gelingt es ihm nicht den rauchenden Tod mit seiner gehässigen Lache zu verführen, den Karin Neuhäuser grandios darstellt. Nicht weniger überzeugend spielt Mirco Kreibich seine Rolle als Leporello, dem man sein Elend in jedem Moment ansieht und nicht anders kann, als mit ihm mitzufühlen. Mit nahezu ständig hängendem und schüttelndem Kopf drückt er seine Missbilligung gegenüber Don Giovannis Spielchen aus und kann sich doch nicht von ihm losreißen. Doch auch alle anderen nun nicht genannten Schauspieler haben ihren Rollen mit großem Erfolg ein lebendiges Auftreten verliehen. Dabei durften die Darsteller nicht nur ihre schauspielerischen Leistungen unter Beweis stellen, sondern konnten auch durch ihren Gesang überzeugen.
Die Musik darf bei einem Stück von Mozart natürlich nicht fehlen. Diese ist es, die den Handlungen Ausdruck verleiht und es somit ermöglicht den Zugang zu dem Stück zu finden. Die Live-Musik wurde von sieben Musikerinnen von der Bühne aus gespielt und passte stets zu den jeweiligen Situationen und Emotionszuständen. Die Musikerinnen waren teilweise auch aktiv in das Stück mit eingebunden, sodass es die Saxophonisten Nathascha Protze beispielsweise vermochte Masetto von seiner Verlobten Zerlina zu trennen, sodass Don Giovanni mit ihr allein sein kann, um ihren Hochzeitsring herunterzuschlucken und sie zu überreden, stattdessen ihn zu heiraten. Die Musikerinnen waren aber nicht nur für die Musik zuständig, sondern haben zusätzlich passende Geräusche, wie zum Beispiel das Ziehen eines Degens erzeugt. Die Zusammenarbeit zwischen der Geräuscherzeugung und der dazugehörigen darstellerischen Gestik war reibungslos, sodass echte Degen als Requisiten nicht im Geringsten gefehlt haben.
Insgesamt wurden die Requisiten – abgesehen von den Kostümen – auf einem Minimum gehalten, was den Fokus mehr auf die Schauspieler gelenkt hat. Das Bühnenbild stellten drei große, ineinanderliegene Ringe dar, die für die Beleuchtung von der Decke aus sorgten. Durch verschiedene Formationen und verschiedene Helligkeiten konnten unterschiedliche Effekte erzeugt werden, die das Geschehen weiterhin gut untermauerten.
Die Kostüme hingegen waren aufwändig und mit viel Details. Von den Perücken über die Pluderhosen bis hin zu den Schuhen mit Absätzen (auch bei den Männern!) machte alles einen stimmigen Eindruck, sodass man sich direkt ins 17. Jahrhundert zurück katapultiert fühlte. Während man bei der Oberkörperbekleidung von Don Giovanni eher sparte (was seinen wohlgeformten Körper gut in Szene setzte), trug die weibliche Gesellschaft aufwendige Kleider mit großen Reifröcken, unter denen noch genug Platz für Don Giovanni war, um sich darunter zu verstecken.
Ein zentraler Punkt auf den der Regisseur Antú Romero Nunes großen Wert zu legen scheint, stellt die Einbindung des Publikums in das Geschehen dar. Man ist nicht nur Zuschauer, man ist Teil der Inszenierung. Das gesamte Publikum spielt die Rolle des Orchesters, das an mehreren Punkten der Handlung benötigt wird. Die Aufwärmübungen für die Stimme übernimmt Leporello ganz am Anfang des Stückes. Dass er es vermag ohne Worte und nur durch das Vormachen von teilweise sehr merkwürdigen Stimmübung das komplette Publikum dazu zu bewegen, die Übung mit Eifer nachzuahmen, stellt einen weiteren Beweis für die schauspielerische Leistung dar. Nachdem es Don Giovanni gelungen ist Zerlina zu überreden ihn, statt Masetto zu heiraten, entfacht er das Licht in dem zuvor dunklem Zuschauerraum - beziehungsweise im Orchesters - mit einem einfachen Fingerschnipsen. “Die sind alle für dich gekommen, Zerlina. Das ganze Orchester.” Unter der Dirigentenschaft von Leporello darf das Publikum dann unter Beweis stellen, was sie bei den Stimmübungen gelernt haben.
Neben dem Orchester, stellt das Publikum aber auch einfach die Anwesenheit von sehr vielen schönen Frauen dar, wie Don Giovanni mehrmals betont. Dies bringt ihn an einem Punkt geradezu nahe der Verzweiflung: „Ich schaff euch nicht alle!”. Einige schafft Don Giovanni jedoch sehr wohl. Vor allem nach der ersten knapp zweistündigen Hälfte des Stückes, als 100 Frauen unter silbernen Konfettiregen auf die Bühne gebeten werden, um mit ihm seine „letzte Party“ zu feiern. Jedem wird unter den warmen Strahlen der Scheinwerfer ein Glas Champagner und eine Maske in die Hand gedrückt und die Möglichkeit gegeben den gigantischen Blick von der Bühne in den immer noch gut gefüllten Zuschauerraum für kurze Zeit zu genießen. Dann wird eine schwarze Wand heruntergefahren, die die Partygäste und restlichen Zuschauer voneinander trennt, wodurch der Party-Atmosphäre nichts mehr im Wege steht. Die Live-Band sorgt in der Pause ordentlich für Stimmung und beweist, dass sie auch Musik außerhalb von Mozart spielen kann. Während die geladenen Partygäste zu der Musik ausgelassen tanzen, mischen sich auch Don Giovanni und die anderen Schauspieler unter die Gäste. Die Pause vergeht auf der Bühne wie im Flug, sodass einem erst bewusst wird, dass die schwarze Wand wieder oben ist und die restlichen Zuschauer den Verlauf der Party neugierig beobachten, als die Musik unterbrochen wird und es mit dem Theaterstück weitergeht. Die Zuschauer auf der Bühne dürfen für die restliche Zeit dort bleiben und hautnah neben den Schauspielern das Geschehen beobachten.
Alles in allem hat mir ein Theaterstück noch nie so viel Spaß gemacht. Ähnlich schien es auch den restlichen Zuschauern zu gehen, wenn man den Zwischenapplaus und das öftere Auflachen richtig deutet. Zum Lachen gab es viel Gelegenheit. Längen gab es hingegen in den über 2,5 Stunden nicht im Geringsten. Die Sprache war - bis auf die zwischendurch einfließenden italienischen Worte - leicht verständlich, da sie unserer heutigen Sprache gut angepasst wurde. Es war einfach alles in sich stimmig: Die Musik, die Kostüme, das Bühnenbild, die Publikumsanimation und die schauspielerische Leistung.
Am Ende gab es so viel Applaus, dass Masetto beziehungsweise Bruno Cathomas die Zuschauer - die auch beim Verbeugen noch auf der Bühne waren - anflehen musste mit dem Applaudieren und Füße stampfen aufzuhören, damit er endlich seinen wohlverdienten Feierabend antreten kann - ohne Erfolg.
Nele Wulf, Max-Brauer-Schule (Jg 12)

Ich habe mir am 21.9.2015 das Theaterstück "Don Giovanni. Letzte Party" angesehen.
Ich muss sagen, ich habe noch nie so ein Stück gesehen.
Es hat richtig Spaß gemacht!
Denn das Publikum ist vom ersten Moment eingebunden.
Vom ersten Lala lala laaalaaa zum Eingewöhnen bis zu anderen singenden Tönen, die von den Zuschauern mitgesungen werden.
Don Giovanni spielt wie zu erwarten den Verführer und seine Verflossenen wollen ihn einerseits zurück, andererseits wollen sie Rache. Weil er ihre Herzen gebrochen hat.
Es ist schon viel Witz dabei gewesen.
Im Hintergrund stehen die Damen, die für die Hintergrundmusik zuständig sind.
Die Lichter-Effekte finde ich sehr gut gelungen, sie haben die Stimmung teilweise sehr gut unterstützt.
Ab und an haben die Schauspieler Italienisch gesungen und eine Szene finde ich besonders lustig, in der eine seiner Verlassenen auf die Bühne kommt und anfängt wie in der Oper zu singen.
Aber Don Giovanni ertappt sie und zieht den Stecker, da unter ihrem Reifrock eine Musikbox steckt aus der die klassische Musik zu hören ist. Es gibt viele lustige Momente und immer wieder ist der Zuschauer in die Handlung eingebunden, z.B. als Don Giovanni über die Sitze ins Publikum klettert und sich eine Frau aussucht, die ihn küssen möchte.
Zur Pause ist auch zu verstehen, warum es die "Letzte Party" heißt, da Don Giovanni das weibliche Publikum einlädt, auf die Bühne zu kommen, um dort mit ihm und den Anderen zu feiern.
Ich selbst bin auch auf die Bühne gegangen. In der Zeit als die anderen Zuschauer in die Pause geschickt wurden, konnten Freunde von mir und ich auf der Bühne Musik hören und tanzen und hatten viel Spaß.
Zum Ende gab es noch einige Szenen der Versöhnung auf der Bühne. Zum Schluss wird Don Giovanni vom weiblichen Teufel mitgenommen. Wir, die auf der Bühne standen, haben so das Schauspiel hautnah mitbekommen. Das fand ich sehr, sehr gut.
Das Stück hat Spaß gemacht, modern und schrill, ein wenig wie eine Komödie aufgebaut.
Der Schauspieler Sebastian Zimmler, der den Giovanni spielt, hat auch in den „Drei Musketieren“ die Madame de Winter gespielt. Ich mag seine besondere Art zu spielen sehr gerne.

Ich kann dieses Stück sehr empfehlen!
Den Kopf mal ausschalten und sich in der Kunst wiederfinden.
Kira Papenbruch, Kulturbotschafterin Franz von Asissi Schule, Kl. 9a


Don Giovanni – der wohl berüchtigtste Frauenheld überhaupt. Ich wusste, bevor ich in das Stück ging, nur, dass es ursprünglich eine Oper von Mozart ist und war gespannt, was daraus gemacht worden ist.

In dem Stück geht es um Don Giovanni, der die Frauen liebt und während des Stückes gleich mehrere verführt. Dabei wird auch nicht vor dem Publikum halt gemacht. Spielend leicht gelingt es ihm, die Frauen um den Finger zu wickeln, ob (fast) verheiratet oder nicht. Und die Frauen können ihm, auch wenn sie um ihn wissen, einfach nicht widerstehen. Egal wie schrecklich die Dinge sind, die sie von ihm hören, ein kleiner Funke Hoffnung, dass er sie tatsächlich lieben könnte, bleibt.
Immer zwischen ihm und seinen Liebschaften steht sein eher unterwürfiger Freund Leporello, der zwar an die Liebe glaubt, aber irgendwie weder mit noch ohne Don Giovanni kann. Dies macht ihm sehr zu schaffen und verzweifelt und frustriert steht er irgendwann vor der Entscheidung: Lässt er sich wie sein Freund vom Teufel verführen, oder ist der Glaube an die tatsächliche Liebe stärker?
Dieses Stück ist eindrucksvoll in allen Facetten. Vor allem die Musik, teilweise Gesang, aber vor allem die großartige Live-Band, macht riesig Spaß, bleibt im Ohr und passt perfekt in die Handlung. Sogar auf dem Weg zurück zum Bahnhof haben einige Zuschauer noch ein paar Töne aus dem Stück gepfiffen bzw. gesummt. Daran kann man schon erkennen, was für einen zentralen Teil die Musik in dieser Interpretation einnimmt. Zum Teil wirkt hierbei auch das Publikum unter der Dirigentschaft Leporellos mit. – Aber keine Panik, Talent ist hier nicht gefordert.
Die Wand zwischen Publikum und Bühne wird öfter durchbrochen, was zum Ende hin besonders für die Frauen interessant wird, von denen 100 aufgefordert werden, an der letzten Party teilzunehmen und auf die Bühne zu kommen. Ich finde die Idee super, weil das bei so vielen Leuten auf der Bühne tatsächlich eine Party-Atmosphäre schafft.
Besonders toll sind auch die Kostüme, die Frisuren und die Maske die mich an das Musikvideo zu Rock Me Amadeus erinnert haben. Die Figuren sehen sehr Rokoko-mäßig aus, bunt und so mancher Rock bietet genug Platz für so manche Überraschung.
Am besten gefallen hat mir aber die schauspielerische Leistung. Jede einzelne Faser Don Giovannis sprüht vor Selbstbewusstsein und Arroganz. Keinen Augenblick hat man vergessen, dass er der Frauenheld überhaupt ist. Auch Leporello hat mich zu hundert Prozent überzeugt. Seine ganze Körperhaltung, seine Mimik und auch die Sprechweise haben seine Unzufriedenheit gezeigt, aber auch, dass er nicht von Don Giovanni loskommt. Ich konnte richtig mit ihm mitfühlen.
Was ebenfalls in Erinnerung bleibt, sind die zahlreichen sehr komischen Situationen, bei denen jeder im Publikum lachen musste. Sei es ein Dialog zwischen Donna Anna, eine ehemalige Liebschaft Don Giovannis, und ihrem Verlobten Don Ottavio, der ihrem Temperament kaum gewachsen ist oder ein Streitgespräch zwischen Zerlina und Masetto, die durch Don Giovanni am heiraten gestört wurden. Die ganze Spielzeit über hat man etwas zu lachen und auch danach hatte ich das Gefühl, dass alle gute Laune hatten.

Ich kann das Stück auf jeden Fall weiterempfehlen, denn es ist sehr unterhaltsam und eindrucksvoll inszeniert. Wer mit einer klassischen Oper rechnet, hat im dem Stück vielleicht nichts zu suchen, aber vor allem die musikalischen Aspekte fand ich toll. Das Stück hat mich wirklich rund um überzeugt und begeistert.
Michelle Eckmann, 17 J., Jg 12, Elsa-Brändstrom – Schule, Städtisches Gymnasium Elmshorn


15. Dezember 2014

Als ich am 15. Dezember das Theaterstück ,, Don Giovannis - letzte Party" sah, war ich wie verzaubert. Ich habe mich wie auf einer echten Party gefühlt. Und so wie auf den meisten Party's gab es dort auch einen Frauenheld, für den alle weiblichen Gäste schwärmen. Es war sehr schön, am Ende fügte sich alles zusammen und ich hatte das Gefühl, dass nicht nur ich, sondern jeder im Saal sich wie auf einer echten Party fühlte. Am besten aber hat mir am Stück gefallen, dass nicht nur gesprochen, sondern auch gesungen wurde. Und wenn die Schauspieler gesprochen haben dann mit so viel Witz, dass sich der ganze Saal nicht vor Lachen halten konnte. Don Giovanni hat davon gesprochen, dass wir für die Liebe noch nicht soweit wären, weil wir nur jeden anflirten. Doch an diesem Abend habe ich viel Liebe gespürt. Liebe zum Theater. Denn Liebe muss nicht immer einer Person gelten. So zeigt es auch Don Giovanni. Er liebt Frauen über alles. Aber wenn es etwas gibt was er mehr liebt dann ist es eine Party oder eben Theater. „Don Giovannis - letzte Party“ empfehle ich jedem, der mal etwas Auszeit vom Stress braucht und sich einfach auf Wolke 7 fühlen will.
Maria, 15 Jahre, Franz von Assisi-Schule, Barmbek

4. Mai 2014

Sehr positiv ist uns aufgefallen, dass das Publikum interaktiv in die Vorstellung einbezogen wurde.
Dadurch wurde das Publikum Teil des Theaterstückes, sodass sich der Zuschauer in die Geschichte hineinversetzte und mit den Darstellern identifizieren konnte.
Bemerkenswert war die schauspielerische Leistung als auch das beeindruckende Bühnenspiel, das dem Zuschauer ein konkretes Bild zum geschichtlichen Bezug vermittelt hat. Interessant war auch die sehr gelungene Umsetzung der zeitgemäßen Adaptierung des Dramas zu beobachten. So ist insbesondere den jüngeren Zuschauern der Zugang zu dem Drama nicht verwehrt geblieben.
Zusammenfassend ist zu betonen, dass die Aufführung äußerst humorvoll und sehr unterhaltsam war.
Alicia L., 11. Kl. ; Max Brauer Schule

21. April 2014

Die Bastardkomödie „Don Giovanni. Letzte Party“, frei nach Mozart und da Ponte, könnte den Zuschauer nicht mehr überwältigen. In diesem Stück wird die allzeit gewahrte Barriere zwischen Zuschauer und Schauspieler, mehr als nur einmal, durchbrochen und sorgt so für eine lockere Atmosphäre. Das Zusammenspiel von Zuschauern und Schauspielern macht das Stück einzigartig.
Als ich zuerst von diesem Stück hörte, in der Schule, war ich mir sicher, dass es ein etwas anderes Stück sein muss und das war es auch. Nach mehreren Vorstellungen kann ich sagen, dass jede Vorstellung von Don Giovanni anders ist und dass niemals eine gleich sein wird. Oft wird improvisiert und mit dem Publikum interagiert und dadurch kann sich dann wieder etwas verändern, was in der vorigen Aufführung nicht so gewesen ist. Zum Beispiel, wenn man in die Mitte der Bühne geführt wird und sich einmal alles von dort ansehen kann, während weitere Frauen auf die Bühne kommen, ist es etwas Einmaliges und Besonderes.
Vor allem die Gesangsübungen am Anfang, bringen nicht nur das Publikum, sondern ab und zu auch den Leporello- Spieler zum Lachen. Während alle Frauen auf die Bühne stürmen, um hinauf zu dürfen, sollte man wenigstens einmal auch nicht auf dieser gewesen sein. Da man ansonsten einen wichtigen Teil des Stücks verpasst, von dem man auf der Bühne nichts mitkriegt. Die Untermalung, die Gangweisen oder die atmosphärische Musik nimmt eine zentrale Position im Stück ein. Dass Dinge, wie der Fechtkampf nur mit Musik und den Schauspielern passieren, ohne echte Waffen, ist beeindruckend, weil man es sich durch die Musik und Bewegungen mehr als lebhaft vorstellen kann.
Der Kronleuchter verleiht Don Giovannis Auftritt am Anfang einen ganz besonderen Auftritt, da er sofort die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er wirkt mysteriös und am Ende hat er einen genauso mysteriösen Abgang. Aber mit wem ging er mit? Viele Fragen bleiben nach dem Stück offen und man kann viel dazu diskutieren und noch Wochen später gut darüber reden. Die Schauspieler für die Rollen, könnte man nicht mit besseren Leuten besetzten, sie begeistern das Publikum und locken Jung und Alt zu diesem Stück.

6. Juni 2013

Das Stück hat mich in mehrerlei Hinsicht sehr beeindruckt. Zwar ist es im Thalia ja durchaus üblich die vierte Wand zu druchbrechen, aber auf so drastische Weise wie in diesem Stüch mit dem Publikum gearbeitet wurde hat mich wirklich überrascht. Hervorzuheben ist hier gerade der Anfang mit den Gesangsübungen des Lepporello mit dem gesammten Auditorium. Diese schaffen genau die richtige Erwartungshaltung im Publikum um das Stück voll und ganz zu genießen.
Auch weiterhin wir viel direckt und indirekt mit Publikum gerbeitet und so bekommt man das Gefühl Teil des Stücks zu sein und das Theater selbst mitzugestalten. Gerade auch die Sammlung der 100 Damen auf der Bühne hat die Illusion des realen und anfassbaren perfeckt gamacht.
Auch sehr angetan war ich vom Bühnenbild. Die hier verwendeten 3 Kronleuchter, die sich unabhängig voneinander bewegen und beugen lassen werden verwendet um ein unglaublich breites Spektrum an Atmospheren zu schaffen.
Auch werden sie verwendet um konkrete Aubgrenzungen auf der Bühne zu schaffen, indem sie bis auf die Bühne herabgelassen werden. Diese Nutzung der Kronleuchter schafft eine Dynamik, die zwar fürs Thalia generell Typisch ist, hier aber herausstechend gut verwendet wird.
Auch die verwendung von Musik ist sehr gelungen. Ich habe noch kein Stück erlebt, in dem Livemusiker eine so zentrale Rolle im Stück einnehmen. Sehr spannend fand ich vor allem, dass die Musiker tatsächlich mit den Schauspielern interaggierten und wichtige Rollen in der Handlung übernahmen.
Gerade auch die Nutzung einzelner Instrumente wie der Trommel oder ds Saxophones schufen einige magische Momente, wie die Stelle, in der die Saxophonistin Herrn Masetto von der Bühne "treibt".
Insgesammt gibt es eine Menge dieser "Magic Moments" gut im Stück verteilt und auf sehr verschiedene Weisen inszeniert. Mein absolutes Highlight war die Szene, in der Donna Anna, Don Giovanni durch ihr Gecshrei von der Bühne "fegt". Der gekoppelte Einsatz von dämmrigem Licht, dem starken Einsatz auditiver Zeichen und dem überragenden Schauspiel des Don Giovanni wird so eine Szene geschaffen, die wirklich besonders ist und im Gedächtnis haften bleibt.
Sehr erfrischend war die Hommage an die Oper Don Giovanni, die immer wieder für einen Lacher gut war und das Stück wirklich aufgelockert haben.
Die Schauspieler erbringen (wie immer) Glanzleistungen und machen das Stück zu einem wahren Genuss, noch über das was man ohnehinn vom Thalia gewohnt ist.
Rezension von David N., Schülerbotschafter am Gymnasium Bargteheide (Jg. 12)

6. Juni 2013

Don Giovanni. Wohl kaum seine letzte Party, denn das Stück reißt die Zuschauer mit einer Vielzahl von Eindrücken einfach mit. Dabei hebt sich das interaktive und auf so viele verschiedene Weisen humorvolle Spielen, welches die Handlung des gesamten Stückes durchzieht und bestimmt, sehr stark von den vereinzelten tiefgründigen Aussagen des Don Giovanni stark ab. Dadurch wirkt die Handlung zwar teils redudant für die eigentliche Aussage des Stückes, schafft jedoch eine mitreißende und spaßige Atmosphäre und rundet das Stück ab.
Ich war sehr gespannt, wie das Thalia Theater den Grad zwischen Oper und Theater meistert, und im Nachhinein muss ich sagen, dass diese Art mich vollkommen überzeugt hat: Diesen Bruch zwischen klassischen und modernen Texten und Sprachen ist genial umgesetzt und gibt dem Stück eine Spontanität, die einen immer wieder aufs Neue überrascht. Die paar Bruchstücke des Gesangs auf italienisch bringen dabei dennoch den Opern-Flair mit sich, lassen es dem Zuschauer jedoch auch zu, inhaltlich folgen zu können.
Das Bühnenbild ist einfach überwältigend! Obwohl es im Grunde sehr minimal gehalten ist, bringen die Scheinwerfer viele Effekte mit sich und schaffen wunderschöne Bilder. Auch unterstützt dies sehr stark die dramaturgische Gestaltung und lässt Ortswechsel oder Stimmungsschwankungen flüssiger und deutlicher werden.
Ein großes und oft wiederkehrendes "Chapeau" an die Darsteller des Stückes. Don Giovanni überzeugt trotz seiner eher verrückten Art des gesamte Publikum mit tiefgründigen und vielschichten Aussagen und spricht dabei jeden irgenwo an. Die Nebenrollen wie z.B. Mesetto, Don Ottavio oder Leporello waren sehr stark und ausdrucksvoll gespielt und brachten mit atemraubenden Monologen und emotionsvollen Liedern mir eine Gänsehaut.
Für alle Mozart-Fans kann man nur sagen, dass in diesem Stück der wahre Charakter Mozarts erkennbar wird und sein Leben sich in so vielen Aspekten der Handlung und der Musik widerspiegelt, die einen einfach nur in ihren Bann schlagen und dadurch ein Kulturgenuss von 2,5 Stunden entsteht. Bravo!
Rezension von Sören F., Schülerbotschafter am Gymnasium Bargteheide (Jg. 12)


12. Februar 2013

Lalalalalala, Flalalalala: Genauso beginnt das Theaterstück „Don Giovanni. Letzte Party“ im Thalia-Theater. Es sind Stimmübungen die von Giovannis Diener Leporello, welcher das Publikum auffordert mitzusingen und so ein Chor entstehen lässt, dirigiert und geträllert werden. Hierfür nimmt Leporello sich circa zehn Minuten Zeit – schlicht und ergreifend reizlos und aufgrund der Länge und Abwechslungslosigkeit dieser Einlage recht uninteressant, was sich auch im Publikum widerspiegelt, da die Zahl der Mitsingenden hörbar abnimmt.
Don Giovanni ist ein Frauenheld und sieht sich auch selber als dieser an. Gespielt wird die Figur von Sebastian Zimmler, der durchgehend und sehr spielstark in seiner Rolle bleibt. Seine Stimme harmoniert unfassbar gut mit seiner Mimik und Gestik, wodurch Don Giovanni noch überzeugender herüberkommt.
Mit „Don Giovanni“ bringt Regisseur Antú Romero Nunes einen Opernklassiker von Mozart und da Ponte auf die Theaterbühne, mit eigener Inszenierung und auf ganz besondere Art und Weise. Die Inszenierung des recht konfliktären Stückes gefällt mir wirklich außerordentlich gut. Nunes lässt durch interessante Stilmittel ästhetische Momente entstehen und verbindet diese mit erheiternden Situationen, Szenen und Konflikten der Schauspieler. Auch gefällt mir die Mischung aus teilweisen sehr trivialen Szenen und tieferen Aspekten, die einige dieser Szenen beinhalteten. So warf Don Giovanni beispielsweise die Frage auf, wie die Welt denn wäre, würde sich jeder lieben? Warum kann nicht jeder Mensch von dir geliebt werden, mit denen du kommunizierst?
In „Don Giovanni“ fühlt der Zuschauer sich gut eingebunden, was durch viele Gespräche der Protagonisten zu dem Publikum entsteht und nicht zuletzt dadurch, dass zur großen „Party“ 100 Damen aus dem Publikum auf die Bühne gebeten werden. Eine sehr kreative und im Positiven Sinne unkonventionelle Idee, die andererseits allerdings auch einen erheblichen Zeitaufwand zum Nachteil hat.
Die Schauspieler sind einer guten und erheiternden Improvisation mächtig, was dadurch deutlich wird, das eine Dame dieser bereits erwähnten 100 Damen, die nun auf der Bühne stehen, während eines Heiratsantrags von Don Ottavio an Donna Anna ausversehen gegen eine Glasflasche stößt, die daraufhin umkippt und den Heiratsantrag gewaltig stört. Die Schauspieler aber, in diesem Falle Maja Schöne und André Szymanski reagieren darauf und drehen die Situation in eine gelungene, humorvolle Einlage, indem Don Ottavio nun dieser Dame seinen Antrag macht. Das Publikum jubelt.
Auch zu loben ist der meines Erachtens gelungene Einsatz einer siebenköpfigen Frauenband, die für die teilweise sehr epische Musik zuständig ist. Hier unterscheidet sich der musikalische Aspekt natürlich zu Mozarts bekannten und wohlvertrauten Stücken, die Musik ist hier praktisch durchgehend sehr monströs und erzeugt eine exorbitante Stimmung.
„Don Giovanni. Letzte Party“ bereitet also einen erheiternden Theaterbesuch für jung und alt. Abwechslungsreich. Witzig. Und auch ein wenig anstößig.
Rezension von Torben B., Schülerbotschafter am Gymnasium Ohmoor (Jg. 10)


12. Februar 2013

Was bleibt nach dem Stück?
Wenn ich mich einer Frau verschreibe, betrüge ich dann alle anderen Frauen dieser Welt? Sicher nicht, doch Don Giovanni ist Italiener.
Es war hervorragend gespielt und die musikalische Begleitung, beziehungsweise die musikalischen Effekte, waren super und haben perfekt gepasst.
Das Bühnenbild hat perfekt zu dem Stück gepasst.
Es war eine Komödie, die viel zum lachen angeregt hat. Wer einfach einen netten lustigen Abend haben will, ohne viel über den Inhalt nachdenken zu müssen, der ist hier genau richtig aufgehoben, bei Don Giovanni.
Das Stück eignet sich perfekt für Schulklassen, denn es wird sicherlich die Handlung verstehen. Allerdings gibt es auch wenig danach zu diskutieren.
Man wird wunderbar zum mitmachen animiert, hier mehrfaches singen.
Aber was hat der Don uns jetzt vermittelt?
Er hat uns unsere Frauen geklaut und ihnen gratis Champagner gegeben.
Die Frauen durften während der Pause in die Disko auf der Bühne und durften dort auch den 2 Teil des Stückes verbringen.
Wo noch einmal eine Wendung ins Stück kam
Es herrschte große Verwirrung, Don Giovannis Meisterstück war vollendet.
Es war seine letzte Party.
Marlon H., Schülerbotschafter am Gymnasium Ohmoor (Jg. 10)

Blind Date


Ich finde, dass es ein sehr ergreifendes Stück ist, vor allem weil man als Zuschauer so nah dabei ist. Als würde man im Cafe dem Nachbartisch zuhören. Obwohl einige Momente sehr lustig sind und Spaß machen, wie zum Beispiel das Karaokesingen, ist das Stück auch sehr traurig. Ich habe im ersten Moment leider nicht verstanden, wer jetzt wer ist, weil es immer wieder von vorne anfing, aber ich denke das liegt an mir und vielleicht auch daran, dass ich zu jung bin, um Eheprobleme zu verstehen. Aber als ich etwas länger darüber nachgedacht und mit meinen Freundinnen darüber geredet habe, finde ich diesen Aufbau sehr schön. Das Schauspiel ist auch super. So viele verschiedene Charakterzüge so authentisch zu spielen muss schwer sein.

Tania S, Gymnasium Rahlstedt, S2



Der Werde- und Untergang einer Ehe, das Scheitern im Großen, wie im Kleinen und die ewige Frage „Was ist hier eigentlich los?“ empfangen den Zuschauer in der schummrigen Atmosphäre des Nachtasyls. Ein „Blind Date“ ist dieses Theaterstück auch für den Zuschauer, denn die nicht chronologische Reihenfolge einzelner Szenen, der ständige Identitätenwechsel der beiden Protagonisten und der wiederkehrende Umschwung zu einer Zaubershow, in der per Kartenleserei das „Schweizermadl“ unter den Anwesenden gekürt werden soll, holen den verdutzen Theaterbesucher immer wieder ab, um ihn wenige Minuten später, wieder stehen zu lassen. Mal tanzen Ehepaar Jana und Don, dann wenig später gehen sie aufeinander los. Wie ein Ravensburger 3D Puzzle mit 1000 verschiedenen Einzelteilen versucht man dieses Wechselbad aus Emotionen, Verwirrung und Ratlosigkeit zusammen zu puzzeln. Für diese Denkleistung, alles richtig einordnen zu wollen, sollte man sich das Theaterstück vielleicht zweimal ansehen, wobei einige Längen und der, meiner Meinung nach, teilweise zu platte Humor die Frage aufwerfen, ob sich ein zweiter Besuch lohnt. Andererseits sind die Multitaskingfähigkeiten und die Wandelbarkeit der Schauspieler, sowie die Publikumsnähe ein guter Grund, sich noch einmal an das Puzzle heranzuwagen. Ein polarisierendes Stück mit Tiefgang!

Nina Niesche, Gebrüder-Humboldt- Schule in Wedel; JG 12

Deutschstunde

 

Siggi Jepsen soll als Insasse der Haftanstalt für schwer erziehbare Jugendliche einen Aufsatz über die Freuden der Pflicht schreiben, woran er jedoch scheitert: Er gibt ein leeres Heft ab. Zurück in seiner Zelle schreibt Siggi über seine Kindheit, in der er sehr unter dieser „Pflicht“ litt. Sein Vater, Jens Ole Jepsen, der Polizist vom Dorf Rugbüll erhielt von der nationalsozialistischen Obrigkeit den Auftrag, das Malverbot für den Maler Max Ludwig Nansen auszusprechen und zu überwachen. Jepsen stiftet nun seinen Sohn Siggi an, den Maler zu bespitzeln und bringt ihn so in einen Gewissenskonflikt, infolgedessen er sich entschließt, dem Maler zu helfen und dessen Bilder zu verstecken. So handelt das gesamte Stück vom Widerstand des Malers, gegen das ausgesprochene Verbot und der Anpassung des Vaters an die Richtlinien des Regimes.
Die Umsetzung des Thalia Theaters war ungewohnt ruhig. Es gab bis auf eine Ausnahme keinen Gesang auch keine Musik. Als einzige Geräusche waren Möwen, sowie das Knarren der Bühne zu hören. Diese war eine umgekippte Raumecke mit drei schiefwinkeligen Wänden aus hellen Planken, welche seitlich von hohen Spiegeln reflektiert wurde. Ich muss ein großes Lob an die Bühnenbildnerin Bettina Pommer aussprechen, zu der Gestaltung dieser Bühne. Diese Bühne existiert nicht einfach nur, während des Theaterstückes, sondern erfüllt sogar einen Zweck. Sie verdeutlicht, dass man dieses Stück aus verschiedenen Perspektiven sehen kann. So scheint in der einen Szene der Vater über seinem am Boden liegenden Sohn zu stehen, doch ebenso kann man es andersherum sehen. Durch ein Hin- und Herbewegen der Bühne in der Mitte des Stückes wird verdeutlicht, dass sich diese Perspektive jeder Zeit ändern kann und lässt.
Ich muss jedoch sagen, trotz dieser eindrucksvollen Bühne, vermisste ich doch zum Teil das Schauspiel der Darsteller. Ohne Frage konnte man die Charaktere dieses Stückes ohne Mühe erkennen, jedoch glich dieses Theaterstück mehr einer Erzählung des Buches. Textstellen wurden wiedergeben und nur selten wurde dies mit eigenen Schauspiel-Szenen ersetzt. Auch wenn der Mittelteil des Stückes manchmal etwas zäh erscheinen mag, geht man doch nach der Vorstellung mit einem Gefühl der Erkenntnis hinaus.

Lucas Ice Pfeffer, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn, Jg 10

Hänsel & Gretel


8.Mai 2018, Hamburg. Vor einigen hunderten Jahren war man arm, wenn man nicht genug zu essen hatte. Doch (zum Glück/zum Pech?) sind solche Zeiten vorbei, sodass die deutsche Mittelstandsfamilie ihre Kinder nicht mehr im Wald aussetzten muss, um nicht zu verhungern, sondern um beide Autos behalten und immer noch in den Urlaub fahren zu können. Ja, diese Entscheidung klingt etwas schräg und auch ein bisschen extrem; aber Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoos Inszenierung des bekannten Märchens „Hänsel und Gretel“ wird noch viel skurriler.

Natürlich, das Original von den Gebrüder Grimm aus dem 19. Jahrhundert war auch schon keine leichte Kost; schließlich werden die beiden verstoßenen Geschwister von einer kannibalischen Hexe versklavt und gemästet, bis diese ihn einem Ofen ihr Ende findet.
Aber die Inszenierung von Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoos will noch brutaler, noch radikaler sein als das Original; und das mit allen Mitteln. Kein Wunder also, dass sich auf der Bühne gehäutete Mäuse, eine Travestithexe und ein alternder Rockstar tummeln.

Gut, der alternde Rockstar heißt Till Lindemann und ist der Frontsänger von Rammstein. Und so richtig findet man ihn auch nicht in persona auf der Bühne wieder; er wird nämlich auf eine gewaltige Leinwand projiziert. Und von da aus kann er seine schaurig schönen Lieder zum Besten geben, während Hänsel und Gretel gerade die Wirren des Waldes erleben dürfen.
Till Lindemanns Schaueinlagen passen dabei ziemlich gut zum verwirrend-gruseligen Ambiente des Stücks; vor allem wenn man bei den Songtexten genauer hinhört. Und auch ist es eine gute Möglichkeit, hart gesonnene Rammsteinfans ins Theater zu locken. Aber irgendwann wird es auch zu viel mit dem Gesinge/Gekreische, vor allem wenn die Bühne an Wahnsinn und Verrücktheit überzuquellen scheint.

Und das passiert spätestens nach der Pause. Auf einmal stehen Figuren auf der Bühne, die man so zwar auch im Hamburger Dungeon vorfinden könnte, die jedoch mit der Handlung selber nicht viel zu tun haben. Und Gretel ist nun auch ein Stein. Ja, die Handlung wird nach der Pause noch ein bisschen sinnfreier, aber wenigstens macht eines Sinn, dass Hänsel nach seiner Fresserei bei der Hexe so richtig fett geworden ist.

Und diese Fresserei bei der Travestithexe (schaurig gut von Björn Meyer gespielt) hat es ganz schön in sich. Wie im Wahn stopft sich Kristof van Boven als Hänsel die Schlemmereien in den Mund, sodass man es schon als besondere schauspielerische Leistung betrachten muss, dass dieser dabei nicht einmal erbrach. Denn nach diesem abartigen Gestopfe und Geschlinge gab es sicherlich Zuschauer, die sich gerne ihres Mageninhaltes erledigt hätten.

Diese besondere Einlage war aber nicht das Einzige, was dem Auge an Schrecken geboten wurde: Neben einem an Fettwülsten erstickenden Hänsel gab es noch Gesichter, die mit Wunden, Blutgerinnsel, Narben und Pickeln bis an die Unkenntlichkeit geschminkt wurden. Die Maskenbildner haben bei dieser Inszenierung wohl ihr Bestes getan, dass wirklich niemand auf dieser Bühne auch nur ansatzweise dem Ideal von Schönheit nahekommt; und diese hässlichen, verformten Gestalten haben zum grotesken Horror dieses Stückes wahrlich beigetragen.

Letztendlich ist diese Inszenierung von „Hänsel und Gretel“ nicht für jedermanns Gemüt gemacht; wer also ein Sinn ergebendes Märchen mit Happy End sucht, der ist bei Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoos Inszenierung wahrlich im falschen Stück. Doch wer skurrilen Horror, radikalen Wahnsinn oder Till Lindemann mag, dem wird diese besondere Variante der Rocky-Horror-Picture-Show gefallen. Ansonsten ist diese Inszenierung ziemlich gut gelungen, doch irgendwann hat man sich auch sattgesehen an dem abgedrehten Wahnsinn, vor allem wenn nichts mehr einen Sinn ergeben will.
Luise Lämmerhirt, Leibniz Privatschule Elmshorn, Jg 12

Ich rufe meine Brüder

 

Ich wette sie sind ein Rassist. Also manchmal. Eher selten, aber sie sind einer. Manchmal sehen sie diesen schwitzenden Mann in der Bahn, ziemlich jung und gut trainiert, leichter Bart und einen Eastpack-Rucksack – dieser Rucksack..., was da wohl drinnen ist?
Oder sie stehen in der Innenstadt und eine junge Frau kommt in Burka an ihnen vorbei und die zwei ersten Sachen, die ihnen einfallen sind, wie warm ihr wohl ist und ob das nicht verboten gehört?! Also mal so ganz rational..., weil also...in Frankreich da ist das auch verboten und alleine schon wegen der feministischen Sache. Die hat sich das sicher nicht selber ausgesucht, das war das Patriachart!
Oder sie sehen eine Gruppe Jugendlicher in Addidas-Hose mit Cap und die reden irgendeine fremde Sprache – mitten in der Nacht..., schon mal die Straßenseite gewechselt?
Oder..., sie wissen wodrauf ich hinaus wollte.

Darum geht es in dem Stück. Also nur indirekt. Es geht nicht darum, wie wir Menschen mit Migrationshintergrund wahrnehmen; sondern wie diese sich selber wahrnehmen und das nicht so generell, sondern immer dann, wenn wieder eine Terroranschlag passiert ist.
Genau um diese Blicke, die wir – Hand aufs Herz – alle sicher schon mal hatten. Danach schämt man sich schrecklich, aber wie ist es für die andere Seite?

Dieses Stück geht wunderbar mit jener Frage um, ohne jemals lehrhaft zu sein, oder den Zuschauer als grausamen Rassisten zu inszenieren.
Pascal Houdus trägt dieses Stück wunderbar. Dies ernste Thema wird nahezu spielerisch von ihm dargestellt. Egal, ob er einen Freund von Amor spielt, oder ob er einen Wutanfall von stürmischem Ausmaß bekommt, alles will man ihm sofort abkaufen.

Die Handlung wird zerfläddert und eigentlich ist hier das Themas Racial-Profiling der Inhalt, die umliegende Handlung ist ein bisschen belanglos.
Ich kann es nur empfehlen sich ein bisschen intrinsisch zu erforschen, während auf der Bühne parabelhaft das Ausländertum der Hauptperson erforscht wird. Ein tolles Stück. Vielleicht nichts für die ganz kleinen Kinder, aber sonst für alle.
Der komplexe Inhalt wird für jeden zugänglich gemacht, der es schaffen kann sich selber und sein Umfeld als latent rassistisch zu betrachten und eigenes Denken zu hinterfragen; wer glaubt, dass der Rassismus ein gelöstes Problem in Nordeuropa ist und sich nicht vorstellen mag, dass Dinge wie Alltagsrassismus existieren, wird sich hier langweilen und das Stück als übertrieben, belanglos und überholt betiteln – aber das ist es leider noch nicht!
Paulo Sieweck, Corvey Gymnasium, JG 11

Michael Kohlhaas


Aus alt mach neu

Michael Kohlhaas, einer der rechtschaffensten und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit. Ihm widerfuhr Ungerechtigkeit und er forderte sein Recht ein, da ihn aber die Rechtsprechung als einen Querulanten betitelte, verschafft er sich Gerechtigkeit.
Doch der Kampf um Recht und Gerechtigkeit ist noch nicht ausgefochten, Kohlhaas lebt weiter.
Drei Brüder sind Inhaber eines florierenden In-und Exportunternehmens, aus heiterem Himmel widerfährt Ihnen genauso unrecht, ihr Geschäft geht bankrott und sie tun alles, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Aus den eigentlich philisterhaften Büroangestellten, die sich auf absurdeste Weise die Zeit vertreiben, kommt mit der Ungerechtigkeit eine sehr gegensätzliche Seite zutage. Das Büro wird zur Terrorzelle und die Gebrüder Kohlhaas werden zu Reichsbürgern

Mit viel Witz und Humor wird die Geschichte neu erzählt, doch im alten Gewand. Man könnte meinen, die Geschichte wiederhole sich.

Für meinen Geschmack wird die Vorgeschichte der Brüder zu langatmig erzählt. Die Slapstick-Komik wird bis aufs Äußerste überstrapaziert, doch zur Mitte hin kann sich das Stück wieder fangen und die eigentliche Handlung setzt ein.
Was es besonders humorvoll macht, ist die Mischung aus alten Elementen, der von Kleist erzählten Handlung. Martin Luther mit Dialekt und der Junker Wenzel von Tronka in einem flamboyanten, überdimensionierten Kleid. Hier wird das Übertriebene zum Humoristischen. Alles passt gut hinein und trotzdem wird sich über „Michael Kohlhaas“ auf subtile Weise lustig gemacht.

Antú Romero Nunes hat eine wunderbare Neuinszenierung geschaffen, dabei aber schöne Parallelen zu Heinrich von Kleists Novelle gezogen. Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“ sollte dennoch dem Publikum bekannt sein um manche Pointen zu verstehen. Alles in allem war es ein anregender Theaterabend, mit einigen Lachern und schönen Bezügen zur Novelle.
Lukas Weisselberg , STS Poppenbüttel, Jg 13


10.März, Hamburg.
Der Apfel fällt meist nicht weit vom Stamm. Dieses Sprichwort hat sich jedenfalls bei dem Pferdehändler Michael Kohlhaas und seinen skurrilen Nachfahren bewährt. Denn als Michael Kohlhaas zwei Pferde als Pfand an einer Grenze zurücklassen muss, beginnt die verzwickte Geschichte, die in einen Rechtsstreit aus Vetternwirtschaft, Gewalt und Rache eskaliert. Jahrzehnte später sollen es Kohlhaas Nachfahren auch nicht angenehmer haben: Gerade noch feiern die drei Brüder den Erfolg ihres Export-Import-Unternehmens, da befinden sie sich schon in einem blutigen Krieg gegen das System.

Die gleichnamige Vorlage zu „Michael Kohlhaas“ von Heinrich von Kleist scheint dabei auf den ersten Blick eine düstere Sicht auf rechtsfreie Bürokratie zu sein, in der ein unschuldiger Händler als Querulant abgestempelt für Ordnung und Recht kämpfen muss. Doch Antú Romero Nunes Inszenierung dieser Geschichte ist mehr als eine systemkritische Verirrung, in der die Grenzen von Gut und Böse gänzlich verschwimmen. Denn diese Inszenierung ist vor allem eins: wahnsinnig komisch.

So konzentriert sich die Inszenierung in der ersten Hälfte nur auf die drei Nachfahren des Kohlhaas; über die im Original nur in der Chronik ausgesagt wird, von Michael Kohlhaas hätten im vergangenen Jahrhundert einige frohe und rüstige Nachfahren gelebt. Dabei erinnert die Handlung rund um die drei Kohlhaas-Brüder ein wenig (sehr) an eine Slapstick-Komödie. Da macht der eine Bruder das neue Fahrrad kaputt, irgendwo brennt es und dann gibt es mühsam gebrühten Kaffee. Und auch die Brüder selbst sehen so aus, als ob man sie nicht ganz ernst nehmen soll: Mit steifen Anzügen, klobigen Brillen und Pferdezähnen. So weit so gut, es gibt viel zu lachen, die Welt der Kohlhaas-Nachfahren scheint in Ordnung.

Doch sobald das Geschäft der Kohlhaas-Brüder ruiniert ist und diese heile Welt auseinander fällt, ändert sich die komplette Stimmung der Inszenierung. Ja, nicht mal Ambiente, Zeit und Personen bleiben gleich, man wird in die Vergangenheit zu dem Vorfall des Vorfahren, Michael Kohlhaas, zurückversetzt. Doch auch wenn der eskalierte Konflikt des unschuldigen Pferdehändlers im starken Kontrast zum naiven Rumgealbere der Nachfahren steht, so bleibt doch ein bisschen Humor erhalten. Selbst die hinterhältigsten Charaktere werden mit viel Witz, sowohl innen als auch außen gestaltet. So ist einer der Widersacher Kohlhaas ein aufgeblähter Egoman, der eher an einen Luftballon als an einen Menschen erinnert.
Doch handlungsmäßig ist der Spaß bald vorbei; in der Gegenwart werden Menschen massakriert, Geschütze gefeuert und als einer der Brüder von seinem eigenen Bruder mit einer (echten!) Würgeschlange ermordet wird, ist die Komödie gänzlich vorbei.

Dabei ist es gerade dieser Kontrast, der das Stück so einzigartig macht. Gerade noch wurde über belanglose Sachen gelacht, da eskaliert ein kleiner Konflikt und diese heile Welt ist gänzlich vorbei.
Um diesen Kontrast zu verwirklichen, werden extra die Nachfahren des Kohlhaas ins Leben gerufen; Bürohengste, die sich dämlich gut vertragen und deren sorgenlose Leben einfach, aber doch witzig gestrickt sind. Und die sich dann später in ihrem Büro verbarrikadieren und sich einen blutigen Kampf mit dem Rest der Welt liefern.

Hierbei muss auch die wahrlich geniale Schauspielkunst geehrt werden; denn die gelungene Verkörperung der Kohlhaas-Brüder und später auch aller Figuren aus dem originalen Kohlhaas-Konflikt durch Thomas Niehaus, Paul Schröder und Jörg Pohl hat dem Stück erst seinen wahren Charakter verliehen. So wird dem Publikum zu Anfang eine stumme, einfache Slapstick-Komödie präsentiert, die sich dann von dem Vergangenheitskonflikt über in eine blutige Tragödie verwandelt; während jede einzelne verschrobene Figur von nur drei talentierten Schauspielern belebt wird.

Dieses Stück ist daher wahrlich besonders; dabei ist zu Anfang unklar, was dieses Herumgeturne im Büro mit Pferden und von Rache getränkten Eskalationen zu tun haben soll; schließlich braucht es mehr als die Hälfte der Spielzeit, bis zum ersten Mal der originale Konflikt des Michael Kohlhaas erwähnt wird. Aber da sich dieser naive Humor so gelungen und auch schlagartig in blutigen Ernst umschlägt, wird diese Verwandlung von Alltag in Konflikt viel effektiver deutlich.

Wobei letztlich tatsächlich nicht ganz klar wird, wie die Kohlhaas-Nachfahren einzuordnen sind; zum Einen scheinen sie für ihr Recht zu kämpfen, zum Anderen wirken sie mehr wie die selbsternannten Anarchisten in einem funktionierenden System, die eher die Ordnung stören, als sie zu erzwingen.
Doch als ganz am Ende, als der Kampf verloren und alles zerstört ist, Pferde in sado-maso- ähnlichen- Aufzügen hereingallopieren und auch den letzten Kohlhaas erschießen, besinnt sich diese geniale Inszenierung von Antú Romero Nunes wieder auf den (etwas anderen) Ausgangspunkt des Originalwerkes zurück: Wie Pferde den Untergang eines unschuldigen Menschen herbeiführen können.
Luise Lämmerhirt, Leibniz Privatschule, Elmshorn, JG 12


Michael Kohlhaas. Aber jetzt mal so richtig. So richtig modern. Alle Deutsch- Professoren und Lehrer haben Kleist falsch gelesen. Ein frischer Wind weht durch die Theaterlandschaft – also nicht so richtig, aber schon irgendwie – und auf diesem reitet Antú Romero Nunes.
Er betrachtet die Dinge neu. Nicht nur hier, nein, immer!
Aber hier erst so recht. Kohlhaas, der Anti-Held und unverschämte Bad-Boy des 16. Jahrhundert. Er lehnt sich gegen die Obrigkeiten auf. Seine Pferde, die er als Pfand hinterlegen muss, um irgendwo durch Deutschland zu reisen – wir erinnern uns an die 9. Klasse Geschichte: Irgendwas mit Fürstentümern und Flickenteppich, oder so ähnlich... - findet er geschunden wieder.
Nun probiert er auf dem Rechtswege Genugtuung zu erreichen, das klappt aber nicht.
Jetzt kommt es zur Streitfrage des Stückes. Kohlhaas macht den selbstjustiziaren Pferde-Rambo und legt den Juncker – der Mann, der seine Pferde geschändet hat – und seine gesamte Gefolgschaft kurzerhand um. Wenn man sich zum Beispiel einmal den Wikipedia-Artikel anschaut, wird das dort nur mit positiven Anmerkungen versehen. Er lehnt sich auf, kämpft gegen die Oberschicht und schlägt der ach so unfairen Justiz ein Schnäppchen.

Aber das sieht Nunes anders. Für ihn ist Kohlhaas kein Held, sondern eine pedantische Nervensäge, die – ganz typisch deutsch – auf ihr Recht beharrt. Man würde hier sagen, dass Kohlhaas ein intuitiver Typ ist. Er denkt nicht logisch. Ihm geschieht etwas Schlechtes und deswegen: Auge um Auge, Zahn um Zahn, werden alle umgelegt.
Um uns das klar zu machen, dass es hier nicht so richtig um das Stück, sondern mehr um seine Ideen geht, bedient er sich eines super tollen V-Effektes. Er versetzt die Handlung in eine andere Zeit und ändert die Personen.

„Vom Kohlhaas aber haben noch im vergangenen Jahrhundert, im Mecklenburgischen, einige frohe und rüstige Nachkommen gelebt.“ Mit diesen Worten endet die Novelle. Und hier setzt das Stück an. Wie sind die Sprösslinge eines so Ur-Deutschen Alpha-Rambos drauf? Klar, sie haben Pferdezähne, bei den Sarah Jessica Parker neidisch würde; sexy Pferdeschwänze auf dem Kopf und tragen unschnittige 90er- Jahre- Anzüge. Richtige Bürohengste – purer Sex!

Die ersten 45Minuten erleben wir deren dämlichen Büroalltag mit. Es ist ein bisschen wie ein Buster Keaton Film. Slapstick Humor ohne Wenn und Aber. Der Ofen brennt. Das Fahrrad geht kaputt und so weiter und so fort. Am Anfang sind diese stummen Gestalten, die sich angrunzen und stupsen, und dabei unheimliche Ähnlichkeit zu Stefan Raab haben, ja noch witzig, aber nach 20 Minuten werden die Lacher der Zuschauer immer müder, ...wenn sie überhaupt noch lachen.
Aber dann schwengt es um. Am Geburtstag der ominösen Firma, die Pakete durch den Raum wirft, geht sie bankrott.
Und für die letzte Stunde nimmt das Stück richtig Fahrt auf. Die drei Mecklenburger Jungs werden zu richtigen Reichsbürgern. Also kein Witz. Sie werden zu einer autonomen Selbstverwaltung, die die BRD-GmbH entschlossen ablehnt. Das bilden sie sich zumindest ein. Aus ihrem Büro wird eine Terrorzentrale, bei dessen Anblick al-Baghdadi sich vor Freude in die Hose machen würde.
Und so beginnt der Kampf gegen die Obrigkeit. Aber mehr soll an diesem Punkt gar nicht verraten werden... Es ist ein spannendes Thema. Die drei, die eigentlich nur in ihrem Kopf harte Typen sind, werden zum stärksten Gorilla im Wald. Meinen sie zumindest. Sie müssen, genauso wie Bernd Höcke, „ihre Männlichkeit wieder entdecken“. Und das sorgt für wunderschöne Komik.

Die Parallele zu Kohlhaas ist super gezogen. Das Stück macht auch generell Spaß. Es ist nicht unbedingt Hochkultur, aber es zeigt auf jeden Fall einen anderen Blick auf die Novelle. Besonders Jugendlichen, die eigentlich keinen Spaß mit Theater haben, dürften hier komplett befriedigt werden. Es ist mehr wie „Bad-Boys“, als ein normales Theaterstück.
Paulo Jamil Sieweck, Corvey Gymnasium, Jg 10

Mutter Courage

Meine Kritik zu Mutter Courage

Für seine erste Inszenierung am Thalia Theater suchte sich Regisseur Philipp Becker kein geringeres Stück als Bertolt Brechts Klassiker „Mutter Courage und ihre Kinder“ aus – mit vollem Erfolg.
Die Protagonistin Anna Fierling, besser bekannt unter dem titelgebenden Namen „Mutter Courage“, welche grandios von Gabriela Maria Schmiede dargestellt wird, versucht sich und ihre drei Kinder während des Dreißigjährigen Krieges zu ernähren. Dabei zielt sie darauf ab, mit ihrem Handel vom Krieg zu profitieren. Doch auch Mutter Courage und ihre drei Kinder bleiben nicht vor den Schrecken des Krieges verschont.
Die simple Handlung deckt sich mit dem Bühnenbild, welches, typisch für das epische Theater, wie auch in der Inszenierung der „Dreigroschenoper“ am Thalia Theater, karg ist und beinahe auf alle Requisiten verzichtet. Diese werden zumeist, wie etwa der Wagen der Mutter Courage, pantomimisch dargestellt. Gerade dieses Element ist markant für Brecht und hebt die Inszenierung vom „Herkömmlichen“ ab. Darüber hinaus wird das Schauspiel von einer Band, welche im Hintergrund Platz nimmt, musikalisch unterstützt.
Neben den großartigen Darstellern gibt es eine große Menschenmenge, zu der auch der Kammerchor Altona gehört, die an mehreren Stellen der Aufführung, erscheint. Diese steht als ein Art Treck im starken Kontrast zu dem sonst recht „leeren“ Bühnenbild; manch jüngerer Zuschauer mag sich dabei sogar an eine von Kanye Wests fulminanten Modeschauen erinnert sehen.
Der Chor, sowie insbesondere Darstellerin Gabriela Maria Schmiede wissen gesanglich im höchstem Maße zu überzeugen. Wenn Mutter Courage singt, hat man als Zuschauer zuweilen das Gefühl, dass die Bühne beben würde.
Ich habe Philipp Beckers Inszenierung als äußerst spannend und zugleich kurzweilig wahrgenommen. Genauso haben die Schauspieler und die Band eine großartige Leistung geliefert. Ich kann jedem meine Empfehlung für diese Aufführung aussprechen und einen schönen Abend im Thalia Theater wünschen.
Haris Ljubijanac, Ida Ehre Schule, Jg 13


Eine sehr beschreibungsstarke Inszenierung mit kontrastreichen musikalischen Elementen und humorvollen Szenen.
Mutter Courage, gespielt von Gabriela Maria Schmeide, macht sich den Krieg zunutze und verdient mittels Ihres Lebensmittelwagens an den Folgen des Krieges. Ihre drei Kinder Katrin, Schweizer Kas und Eilif werden von ihr als helfende Hände benötigt und eingesetzt.
Gleich zu Beginn singt Mutter Courage mit der für B. Brecht und K. Weil typischen, leicht schiefen Stimme ein episches Lied. Begleitet wird sie von einem stimmungsvollen Live- Orchester, welches sich auf einer Empore, im Bühnenhintergrund, befindet. Es ist faszinierend, wie die Schauspieler in ihren Rollen, trotz leerer Bühne und fehlendem Bühnenbild, durch detaillierte Beschreibungen der Szenerie und durch ihr reichhaltiges Spiel die Bühne füllen und beleben. Der Zuschauer ist völlig in ihren Bann gezogen.
Im Gegensatz zu diesen modernen Elementen der Inszenierung, stellt der archaische Chor einen Kontrastpunkt dar. Der Gesang ist so fein und so geistlich angehaucht, dass der Zuschauer während der Chorpassagen einfach nur genießen kann. Bevor Mutter Courage über die prekäre Lebenslage und über die zunehmenden Tode ihrer Kinder einnehmend zu berichten fortfährt. Es ist ein sehr kontrastreiches Stück. Auch farblich, denn die einfachen Kostüme in hellen Farben wirken vor dem dunklen Bühnenboden noch strahlender. Die Dynamik des Chors, der in Schwarmformationen in variierenden Tempi sich auf der Bühne bewegt, steht im Kontrast zu der Mutter Courage, die meist in der Mitte als ein Fixpunkt steht.
Diese Inszenierung zeigt in allen Facetten die Vereinigung von Schauspiel und Musik und sowie der Modernität mit der Tradition.
Wirklich eine sehr zu empfehlende Inszenierung!
Isabel Dere, Rudolf-Steiner-Schule Nienstedten, Kl.13


Um sich und ihre drei Kinder ernähren zu können, zieht Mutter Courage mit ihrem Wagen dem religiös motivierten Dreißigjährigen Krieg zwischen der katholischen und protestantischen Kirche hinterher. Auf der einen Seite stellt Mutter Courage eine harte und durchsetzungsfähige Geschäftsfrau dar, empfindet aber auf der anderen Seite auch große Zuneigung zu ihren Kindern, die letztendlich alle durch den Krieg sterben. Das wird schon am Anfang der Vorstellung deutlich, als Mutter Courage allen, die dem Krieg zum Opfer fallen werden, ein schwarzes Kreuz auf die Stirn malt. Somit ist das Schicksal der Kinder schon vorherbestimmt und das Zeichen bleibt bis zu ihrem Tod immer präsent.
Dargestellt wird Mutter Courage von Gabriela Maria Schmeide, die es vermag die Position der robusten Geschäftsfrau und der gleichzeitig liebenden Mutter einzunehmen und nach außen zu tragen. Schon in ihrem Auftreten ist sie die typische Mutterfigur, der es aber keineswegs an Energie mangelt. Diese kommt zum Beispiel zum Vorschein, als sie nach dem Tod ihres jüngsten Sohnes Schweizer Kas (Julian Greis) außer sich vor Wut ungefähr 60 mitwirkende Statisten, darunter der Kammerchor von Altona, nacheinander von der Bühne zerrt und schubst, während sie laut und immer wieder “Ich beschwer mich” brüllt. Der Kontrast zwischen der großen Masse an Menschen die einfach ruhig auf der Bühne steht und der umherrennenden und aufgebrachten Courage produziert ein beeindruckendes Bild.

Die Menschenmasse kommt aber nicht nur in dieser Szene vor, sondern ist zentraler Bestandteil der Inszenierung. Immer wieder bahnen sich die vielen Menschen spiralförmig ihren Weg auf und wieder von der Bühne. In der Mitte steht Mutter Courage manchmal mit und manchmal ohne ihre Kinder, die von dem Strudel der Menschen ausgespuckt und wieder eingesogen und mitgenommen werden. Die Vielzahl an Menschen hat eine unglaubliche Kraft. Bilder entstehen, die das Ensemble allein - trotz brillianter Leistung - nicht zu produzieren vermocht hätte. Wenn zum Beispiel alle gleichzeitig mit dem Rücken zum Zuschauerraum auf die Knie fallen und den Kopf senken oder sich alle Beteiligten vom Kammerchor als eine gewaltige Wand vorne am Bühnenrand aufbauen und anfangen zu singen, hat das eine enorme Wirkung. Durch die verschiedenen Formationen ist auch dafür gesorgt, dass das sonst recht karge und dunkel gehaltene Bühnenbild ein bisschen Leben bekommt und die Inszenierung nicht zu regungslos bleibt.

Das Bühnenbild (Bettina Pommer) besteht aus einem Halbkreis, der nach vorne hin leicht abgeschrägt ist. Das Orchester hat im Hintergrund einen erhöhten Sitz, wovor aber auch etwas Platz für die Darsteller bleibt. Abgesehen von den Agierenden bleibt die jedoch Bühne größtenteils leer, da auf Requisiten größtenteils verzichtet wurde. (Wie auch schon bei der Umsetzung von Brechts Dreigroschenoper) Auch der berühmte Wagen der Mutter Courage findet keinen Platz in der Inszenierung, welchen ich aber auch nicht vermisst habe. Somit sind die roten hochhackigen Schuhe der Yvette, die von der stummen Tochter Katrin sehr begehrt werden, das einzig Leuchtende auf der Bühne.

Die Verkörperung von Katrin durch Lisa Hagmeister hat mir sehr gut gefallen. Wie Mutter Courage, ist Katrin fast die ganze Zeit auf der Bühne anwesend und auch wenn sie nicht sprechen kann, so ist sie durch ihre Körpersprache zu jeder Zeit präsent und sehr ausdrucksstark. Dadurch bekommt man als Zuschauer sehr gut mit, was in ihr vorgeht. So zum Beispiel ihre Verzweiflung, als sie durch eine Wunde im Gesicht (hier schwarze Farbe) entstellt aus der Stadt wiederkommt. Auch die roten Schuhe, die ihre Mutter ihr nun anbietet, sind ihr zu diesem Zeitpunkt gleichgültig. Aber vor allem eine Szene zum Ende hin ist sehr einprägsam. Um eine ferne Stadt vor dem Überfall von Soldaten zu warnen, fängt Katrin entschlossen an mit den Füßen auf den Boden zu stampfen. Das steigert sich, bis die Schläge - untermauert durch das Orchester - schließlich die Stuhllehne vibrieren lassen. Die Schläge erfüllen den ganzen Raum und dringen tief in die Ohren. Zusammen mit der verzweifelten Katrin alleine in der Mitte der Bühne, ist das sehr beeindruckend. Ihr Einfühlungsvermögen führt durch die Rückkehr der Soldaten schließlich zu ihrem Tod.

Insgesamt hat der Regisseur Philipp Becker große Arbeit geleistet, was die Umsetzung der Mutter Courage angeht. Es passt alles zusammen und fügt sich am Ende zu einem großen Ganzen zusammen. Auch inhaltlich wird die Inszenierung Brechts Drama sehr gerecht. Damit man als Zuschauer den Überblick behält, wird man netterweise immer wieder darüber informiert, wo man sich gerade in der Handlung befindet: Mutter Courage ruft einfach “Bild 4” (oder Bild 2,3,5,6,7...) ins Publikum. Musikalisch gesehen bin ich zum einen von den Gesangskünsten des Kammerchors und vor allem denen der Schauspieler beeindruckt, die alle (auch Katrin) einmal die Gelegenheit bekommen das Publikum mit ihren Stimmen - mit Begleitung des Orchesters - zu beglücken. Belohnt wird dies mit langen und kräftigen Applaus am Ende der Vorstellung.
Nele Wulf, Max-Brauer-Schule (Jg 13)


26.1.17

Brechts Klassiker „Mutter Courage und ihre Kinder“ wurde am Donnerstag in der Inszenierung von Philipp Becker das erste Mal aufgeführt.
Der Regisseur Philipp Becker inszenierte erstmals am Thalia Theater und dies, meiner Meinung nach, mit Erfolg.
Gabriela Maria Schmeide versucht in der Rolle der Anna Fierling alias „Mutter Courage“ den dreißigjährigen Krieg zu nutzen, um durch Geschäfte den bestmöglichen Gewinn zu machen. Sie weist die Fähigkeit auf, sich derart gut an den Krieg anzupassen, dass es umso erschreckender wirkt, als Mutter Courage am Ende alles verliert, selbst ihre Kinder.
Die Inszenierung wirkt so simpel und einfach, was ich als Zuschauer sehr angenehm empfinde, da dem Geschehen gut zu folgen ist. Licht und Ton sind fließend und leicht spielerisch eingesetzt. Sie erfüllen somit ihre Rolle, das Gesagte und Gemachte zu unterstützen. Die Live- Musik gefällt mir sehr gut und das ganze Bild ist lebhaft gestaltet.
Besonders die schauspielerische Leistung von Lisa Hagmeister als „Katrin“ und Gabriela Maria Schmeide als „Mutter Courage“ gefallen mir sehr gut.
Lisa Hagmeister hat die Rolle der stummen „Katrin“ so gut vermittelt, dass ich oft das Gefühl hatte, die Schauspielerin könne wirklich nicht sprechen. Diese Verzweiflung und in sich gekehrte Art und Weise, die Katrin das ganze Stück an den Tag legt, spielt Lisa Hagmeister brillant. Mein Blick hing während der gesamten Vorstellung fast ausschließlich an ihr und ich konnte mich gar nicht satt sehen.
Die schlichte Art und Weise des Bühnenbildes gefällt mir gut. Die schräge Position der Drehbühne, verleiht hat dem ganzen Bild etwas Statisches.
Auch die fast einheitlich graue oder sandfarbene Kleidung passt zur Farbe des Bühnenbildes. Als Kontrast stechen die roten Schuhe, mit denen Katrin liebäugelte ins Auge.
Plötzlich tauchen Personen auf und verschwinden wieder im Strudel der einheitlich gekleideten Menschen. Diese Lösung, die Charaktere auf die Bühne auftreten zu lassen, finde ich raffiniert, dadurch wirkt alles sehr fließend. Darin liegt ein großer Kontrast zu dem sehr statischen Bühnenbild.
Ich empfinde die Inszenierung fesselnd und spannend. Und würde jedem empfehlen sie sich anzusehen.
Leona Hagel, Lessing Stadtteilschule; 17J; Jg 12

Moby Dick

 

Moby Dick, Thalia Theater, 10.05.18, 19:00
Moby Dick, inszeniert von dem Regisseur Antú Romero Nunes, verkörpert durch acht Schauspieler die mal Kapitän Ahab, mal den Matrosen Ismael allein oder gemeinsam spielen.
Geprägt von der philosophischen Ansicht auf die Welt, geleitet durch das Denken über die Farbe Weiß und die bedeutsame Präsenz des weißen Wales, welcher selbst, nicht nur durch die Farbe, eine Anomalie des Tierreichs ist. Mit viel Wasser, Witz und Dramatik werden die Abgründe der Menschheit und die Walfängerei in 2,5 Stunden auf die Bühne gebracht.

In der Vorlage des Stückes, der gleichnamige Roman von Herman Melvilles, geht es um den Matrosen Ismael der seinem faden Leben auf dem Festland durch den Walfang auf hoher See entkommen will. Dieser trifft auf Kapitän Ahab, der sein Holzbein einem weißen Wal verdankt und diesem Rache geschworen hat und auf der Suche nach diesem immer mehr in den Wahnsinn rutscht.
Auf der Bühne geht es nicht nur um die Geschichte des Matrosen Ismael, sondern vielmehr um die Menschheit selbst. Mit wenigen Requisiten, stellen die acht Schauspieler das Leben auf dem Meer, teils pantomimisch selber dar. Ob es nun durch gemeinsames hin- und herschwanken oder auf dem Boden sitzend und mit nichts in der Hand rudernd, gelingt es den Schauspielern das Gesprochene zu unterstreichen. Eine der wenigen Requisiten ist Wasser, aber davon nicht zu knapp. In Flaschen gefüllt wird es als Regen oder als aufschäumende Gischt eingesetzt. Rot eingefärbt, stellt es Blut dar, das aus den Tieren spritzt.

Zu Beginn des Stückes treten, in Schwarz gekleidete Männer auf die Bühne und beginnen mit mehreren Monologen. Später humpeln sie gemeinsam als Ahab mit ihren kaputten Beinen lautstark über die Bühne und sprechen gleichzeitig den Text. Aber schon bald wechseln sie in die einzelnen Rollen der Besatzung und ein Sturm zieht auf und auf der Bühne herrscht ein großes Durcheinander.
Beeindruckend wird es als einer der Schauspieler den Kapitän spielt und fast völlig überschnappt. Bald darauf wird es wieder spannend als der erste Wal gesichtet wird. Drei Mal fangen sie einen Wal. Die Arbeit wird jedes Mal härter für die Mannschaft. Doch nie ist es Moby Dick.
Erst ganz am Ende kommt es zu der schicksalhaften Begegnung.

Dieses Stück hinterlässt bei mir den bleibenden Eindruck der Spannung, Dramatik und der Anstrengungen der Walfängerei. Es ist eine Geschichte. Aber so wie sie inszeniert wurde, könnte man glatt glauben die Schauspieler seien selbst dabei gewesen. Der Anfang ist etwas langatmig, aber der Spannungsbogen der sich daraus entwickelt ist toll. Nur eine Frage bleibt offen und bietet Freiraum für Interpretation: Warum waren so viele Menschen am Ende auf der Bühne und warum haben sie russisch gesungen?
Nur eins ist klar, dieses Spektakel sollte sich niemand entgehen lassen.
Mimi Bergmann, Jürgen-Fuhlendorf-Schule Bad Bramstedt, Jg 9


3.März, Hamburg. Albinismus bezeichnet einen Gendefekt, bei dem das Farbpigment Melanin nicht richtig produziert wird, wodurch die Haut des Betroffenen weiß erscheint. Eine solche Mutation ist recht selten, vor allem in der Tierwelt. Daher ist es verständlich, dass in Antú Romero Nunes Inszenierung von „Moby Dick“ dieser namensgebende weiße Wal das Begehren der Mannschaft um Kapitän Ahab weckt. Dabei geht es in diesem Stück nicht nur um Walfang; auch die Abgründe der Menschen, Wahnsinn und vor allem viel Wasser werden auf die Bühne gebracht.

In Herman Melvilles gleichnamigen Roman, der als Vorlage diente, erzählt der Matrose Ismael von der blutigen Jagd nach dem weißen Wal, der seinen Kapitän zum Krüppel machte. In Antú Romero Nunes Inszenierung hingegen sind alle acht Schauspieler mal Ismael, mal Ahab; und manchmal auch alle zusammen. Und wenn alle acht Schauspieler synchron den verbitterten Kapitän sprechen, mit seinem Holzbein gleichzeitig über die Bühne humpeln, so erzeugt das schon Wirkung. Denn in diesem Stück geht es nicht direkt um den Walfang oder Kapitäns Ahabs persönliches Schicksal; es geht um die Idee an sich, jeder ist schließlich Ahab, jeder ist die Mannschaft.

In dieser Inszenierung braucht es schließlich nicht viel. Nur acht Schauspieler und viel Kreativität. So wird auf ein Bühnenbild gänzlich verzichtet; nur ein bisschen (viel) Wasser, Wellblech und Wind; und schon befindet man sich auf stürmischer See. Dabei ist es immer wieder verzaubernd zu sehen, wie aus dem Nichts ganze Ozeane, Schiffe und Situationen entstehen, für die es nicht mehr braucht als talentierte Schauspieler (und Unmengen an Wasser.)

Und auch das hat Antú Romero Nunes Inszenierung bewiesen: Dass Verzicht auch bei der Anzahl der Schauspieler funktioniert. Man muss jedoch anmerken, dass dort auch wirklich talentierte Leute auf der Bühne stehen, die ihre Rollen mit viel Charakter, Witz und, wenn angebracht, Ernsthaftigkeit beleben. Unvergessen bleibt Jörg Pohls minutenlanger manisch-obsessiver Vortrag über Wale, der zugleich urkomisch ist, aber in seiner fast schon wahnsinnigen und sarkastischen Ausführung auch unheimlich, gar tragisch wirkt.

Und gerade dies ist bei diesem Stück wahrlich gelungen: Kaum eine Inszenierung verbindet Humor so passend mit Tragik wie Antú Romero Nunes „Moby Dick“. Von einem Moment auf den anderen kann die gesamte Stimmung schwanken; gerade eben noch putzt die Mannschaft mit viel Tollpatschigkeit die Bühne, dann muss sie auf einmal in einem grausigen Sturm um ihr Leben bangen.

Jede einzelne Szene erweckt so im Gesamtbild einen deutlichen Kontrast von Ironie und ungeschönter Ernsthaftigkeit. Denn wenn die bis auf die Knochen durchnässten und durch harte Arbeit ausgemergelten Matrosen ihren x-ten Wal mit maschinenhafter Monotonie er- und zerlegen, dann geht es ganz sicher nicht nur um einen begehrten weißen Wal, der aus Rache von einem verkrüppelten Kapitän gejagt wird. Doch auch solche schaurigen Momente sind schnell vergessen, wenn auf einmal ein über Bord gegangener Matrose vor sich hin schwebend „Over the Rainbow“ singt. Oder wenn die mit Wasser und Blut durchtränkte Mannschaft nach dem Putzen in einer Holzwanne badet; als ob es sonst keine Sorgen in ihrem Leben gäbe.

Antú Romero Nunes hat somit wiedereinmal bewiesen, dass gelungenes Theater auch ohne aufwendige Bühnenbilder oder tausende an Requisiten (und Schauspielern) gelingt. Denn obwohl in dieser Inszenierung, außer viel Wasser, einigen Schauspielern und Kreativität, sonst nichts auf der Bühne präsent ist, wird man hineingezogen in eine stürmische, erbarmungslose See, die doch Platz bietet für Humor, Lichtblicke und Freundschaft. Und gerade dieser Kontrast zwischen naiver Lächerlichkeit und brutaler Realität machen die Inszenierung so spannend und fesselnd. Dabei ist es sogar nichtig, ja irrelevant, geworden, ob Ahab nun seine Rache an Moby Dick üben kann. Denn in diesem Stück sind alle alle und alles war hervorragend.
Luise Lämmerhirt, Leibniz Privatschule Elmshorn, JG 12

 


„Ein weißer Wal ist es, ein weißer Wal“, von welchem Wal könnte die Rede sein, wenn nicht von Moby Dick? In fast 900 Seiten beschreibt Melville philosophisch und mit vielen Details die Geschichte des weißen Ungetüms, dem Kapitän Ahab sein Holzbein verdankt und der seit dem Rache schwört. Antú Romero Nunes reduziert das Ganze auf wesentlich spannendere 2,5 Stunden, ohne dass relevante Aspekte verloren gehen
Auf die leere Bühne treten mit ernsten Mienen acht Männer, komplett in schwarz gekleidet. Jeder Einzelne strahlt eine so starke Präsenz aus, dass selbst die folgenden längeren Monologe, beispielsweise über die Farbe Weiß, zumutbar werden. Trotzdem lässt sich ein Aufatmen nicht unterdrücken, als sich herausstellt, dass dies – im wahrsten Sinne des Wortes – nur die Ruhe vor dem Sturm ist. Ein Sturm kommt auf, dargestellt zunächst nur durch ein immer stärker werdendes Hin- und Herschunkeln der Schauspieler. Mithilfe einer Wasserflasche lässt André Szymanski sich und seinen Kollegen Wasser über den Kopf laufen. Die Fantasie des Zuschauers springt sofort darauf an: Es regnet. Ein Dröhnen ertönt aus den Lautsprechern und lässt Sturm Gestalt aufkommen. Ohne den herausragenden Einsatz jedes einzelnen Schauspielers wäre die Szene nicht denkbar. Die Schauspieler stellen den Sturm selber dar und kämpfen gleichzeitig gegen ihn, als ginge es um ihr eigenes Leben. Kommandos werden unter Donnergrollen ausgetauscht, Eimer voll Wasser werden sich gegenseitig aus dem Laufen ins Gesicht „geklatscht“, das Segel der „Pequod“ wird im starken Wind aufgespannt, Nebelmaschinen werden angeschmissen und Ventilatoren werden mit Wasser betrieben, das über die ganze Bühne spritzt. Beinahe aus dem Nichts wird ein Sturm produziert, in dem die komplette Mannschaft ums Überleben kämpft.
Zum Glück zieht der Sturm vorüber und der Alltag der Walfänger setzt wieder ein. Das Planschbecken, zu dem die Bühne beziehungsweise das Schiff geworden ist, muss wieder trocken gelegt werden. Während im Hintergrund angefangen wird das Wasser aufzuwischen, wird das Publikum von Jörg Pohl in einem fast 20-minütigen Monolog über die Anatomie des Pottwals aufgeklärt, wofür sich das Publikum zweimal mit Zwischenapplaus bedankt. Er ist so in seinem Element, dass die Versuche seiner Kollegen, ihn ebenfalls zum Putzen zu bringen oder zumindest nicht im Weg rumzustehen, kläglich scheitern. Er verzweifelt zunehmend bei dem Versuch den Wal zu verstehen und rattert seinen Text am Ende in einem so unglaublichen Tempo herunter, dass man als Zuschauer schon Schwierigkeiten bekommt die einzelnen Worte zu verstehen. Mit dem Gedanken, dass er noch nicht einmal die Schwanzflosse des Wals begreift, fällt er schließlich in Ohnmacht. Liebevolles „wieder-wach-tätscheln“ ist bei Seemännern wohl nicht Sitte: Ein Eimer Wasser über den Kopf tut es genauso gut.
In den 20 Minuten schaffen es die anderen Matrosen nicht nur die „Pequod“ im Gröbsten wieder von dem Wasser zu befreien, sondern haben ebenfalls Zeit genug, umständlich – um ihre Intimzone nicht zu entblößen – in einen dampfenden Bottich zu steigen, um ein Bad zu nehmen. Dies sorgt für aufheiternde Stimmung im Publikum. Die völlig durchnässte schwarze Kleidung wird mit trockener getauscht. Trocken bleibt sie jedoch nicht für lange: Der erste Pottwal wird gesichtet. Ähnlich wie bei dem Sturm wird auch der Walfang zum größten Teil pantomimisch und mit großem Einsatz dargestellt. Ein Ruderboot, um das Rudern darzustellen, wird nicht gebraucht, ebenso wenig wie eine echte Harpune. Die Fantasie des Zuschauers macht aus der imaginären Harpune, die in den Zuschauerraum Richtung Wal geworfen wird, eine Echte. Die Leine, mit der die Harpune befestigt ist, sieht man über die Hände der Walfänger gleiten, obwohl sie nicht vorhanden ist. Nachdem der fiktive Wal seinen letzten Atemzug getan hat, geht es mit viel Kunstblut an die Verarbeitung zu Öl. Diese Routine wird im Verlaufe des Stückes noch zwei oder dreimal wiederholt, in immer schneller werdendem Tempo.
Eine Abwechslung bietet die Begegnung der britischen „Pequod“ mit einem deutschen Walfangschiff, deren Besetzung offensichtlich noch nicht so viel Erfahrung im Walfang hat. Mit spärlichen Englischkenntnissen versucht Thomas Niehaus als Kapitän des deutschen Schiffes den anderen Matrosen zu erklären, dass ihre bisherige Reise nicht gerade „se yellow of se egg“ war und sie deswegen leider fast kein Öl mehr hätten. Nicht nur das Publikum, auch die Matrosen der „Pequod“ müssen sich ein Lachen verkneifen. Erlöst, von seiner stammelnden Bitte um Öl, wird er schließlich von einem weiteren Pottwal, der den Startschuss für das Wettrennen zwischen den beiden Walfangschiffe darstellt. Die Matrosen der überlegenden „Pequod“ machen das Rennen, was die Deutschen laut protestieren lässt: „We become the whale!“.
Als die Schlacht mit Moby Dick näher rückt, werden die acht Schauspieler von einer riesigen Gruppe internationaler Statisten abgelöst, die in fremden Sprachen sprechen. Zwischendurch hört man nur vereinzelt die Worte „Moby Dick“ heraus, auf die einstimmende Zurufe folgen. Wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat, eröffnet dies nochmal eine völlig neue Dimension. Schließlich sind acht Männer in der Realität auch nicht alleine in der Lage auf Walfang zu fahren und somit fallen am Ende auch nicht nur acht Männer Moby Dick zum Opfer. Ob man sich über den Sieg des weißen Ungeheuers freuen soll oder nicht, ist schwierig zu entscheiden.
Der Zuschauer wird in das Leben der acht Walfänger hineingezogen und bekommt die Möglichkeit den eigenen Alltag für einen Moment hinter sich zu lassen. Man selber wird Teil der Mannschaft, bekommt die Seeluft des Theaternebels zu schnuppern und die Fontäne von Moby Dick in den ersten Reihen zu spüren. Auch wenn 2,5 Stunden sehr lang sind, war es trotzdem gut, dass auf eine Pause verzichtet wurde. So hatte man die Möglichkeit sich dem Walfänger-Leben voll und ganz hinzugeben.
Bemerkenswert war vor allem die unglaubliche Energie, die auf der Bühne herrschte. Egal ob gerade ein Wal erlegt wurde, ob die Männer einfach nur auf der Bühne standen oder im Chor wie im Wahn als Kapitän Ahab gemeinsam brüllten: Die Energie war in jedem Augenblick allgegenwärtig.
Und auch wenn es viele längere Monologe gab, so standen diese stets in einem ausgeglichenen Verhältnis mit unterhaltsameren Szenen. Nunes scheint genau zu wissen, wie viel Philosophie er dem Publikum zumuten kann und ab welchem Punkt das Gehirn nach Entspannung schreit.
Umweltschützer hingegen würden bei dem Wasserverbrauch an diesem Abend vermutlich die Hände ringen, aber gerade das Wasser macht die Vorstellung so beeindruckend und wäre ohne wohl auch kaum denkbar gewesen. So kann man sich als Zuschauer glücklich schätzen, dass man nicht zu dem Aufräum-Team gehört, das am Ende dafür verantwortlich ist die Bühne von Wasser und Kunstblut zu befreien. Diese hätten einen ähnlich heftigen Applaus verdient, wie die Schauspieler, die unzählige Male wieder zum Verbeugen auf die Bühne schliddern mussten.

Nele Wulf, Max-Brauer-Schule (Jg 12)

 


Da bläst er! Oder: Acht sind Ahab
Der Roman, die Vorlage dieses Stückes, erzählt mit philosophischer Tiefe über die Verquickung von Mensch und Natur, die Geschichte des Walfangkapitäns Ahab, der durch den weißen Wal „Moby Dick“ einst ein Bein verlor. Durch blinden Hass getrieben begibt er sich mit seiner Mannschaft auf die Jagd nach diesem einen Wal und verfällt dabei immer mehr dem Wahnsinn. Schlussendlich kommen er und seine Mannschaft durch den weißen Wal ums Leben, lediglich der Schiffsjunge überlebt. Er fungiert im Roman als Erzähler.
Das Theaterstück ist weit davon entfernt, den Roman nachzuerzählen. Er dient lediglich als Grundgerüst.
Acht Schauspieler, dunkel gekleidet, betreten die leere, schwarze Bühne. Tiefsinnig und melancholisch ergehen sich die Acht in der Betrachtung der Farbe Weiß, die als Sinnbild für Unschuld, Schicksal und Tod steht. Dann, in Sprechchören verschmelzend, wird diese Männertruppe zu Kapitän Ahab und sie humpeln im Einklang über die Bühne.
Dann werden sie aber wieder zu der Mannschaft des Walfangschiffes, geraten in einen schweren Sturm, sichten ihren ersten Wal. Eindrücklich stellen die Männer den Walfang dar, vom Ausbringen der kleinen Walfangboote, vom Harpunieren und Sichern der Beute am Schiff, bis zum Abschälen der Speckschicht des Wales und Kochen des Trans. Das alles passiert mit gewaltigem Körpereinsatz und exzessivem Verspritzen von Wasser und Kunstblut – die ganze Bühne steht unter Wasser und schwimmt in Blut. Drei Mal wird, immer schneller werdend, diese Walfangroutine dargestellt - die Schauspieler müssen sich mehrfach umziehen, weil sie völlig durchweicht über die Bühne rutschen. Wie im echten Leben an Bord muss mehrfach „klar Schiff“ gemacht und die Bühne trocken gelegt werden. Dabei ergeht sich einer der Crew in einem endlos langen Monolog über die Spezies Wal, in einem rasanten Tempo, mit großem Unterhaltungswert. So wechseln sich im Stück schwere, tiefsinnige Betrachtungen mit komödiantischen Elementen ab, die einerseits den Spannungsbogen abrupt unterbrechen, andererseits für unterhaltsame Atempausen sorgen, damit sich der Zuschauer etwas entspannen kann. Auch eine gewisse erotische Ausstrahlung in manchen Szenen lässt sich nicht verleugnen – hier sei nichts verraten.
Zum Ende taucht ein ganzer Männerchor auf, hält wirre Reden in unverständlichen Sprachen, bis mächtig der weiße Wal bläst und das Stück auf den Höhepunkt zusteuert: Schiff, Mannschaft und Kapitän werden vernichtet.
Mein Eindruck: Toll. Phantanstisch. Dramatisch. Wenn man nicht erwartet, eine Nacherzählung des Romans zu sehen, wird man bestens unterhalten und durch die schauspielerische Kraft der Akteure gefangen genommen. Das Stück lebt hervorragend mit der kargen Bühne; lediglich Wasser – in rauen Mengen – Nebel- und Windeffekte erwecken das Schiff, Wale und angreifende Haie zum Leben. Nur der Schluss überzeugt in meinen Augen nicht – das Stück wäre reicher, wenn es um den Chor ärmer wäre und die acht Ahabs das dramatische Ende allein in Szene gesetzt hätten.
Aber schaut selbst. Das Stück ist packend und absolut sehenswert!

Lucas Ice Pfeffer, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn, 16 J, Kl. 10

 


"Ich würde die Sonne schlagen, wenn sie mich beleidigt. Wer steht denn über mir? Wahrheit kennt keine Grenzen."
Mehr Entschlossenheit und Durchhaltevermögen kann man nicht besser ausdrücken. Dieses Durchhaltevermögen spiegeln die Schauspieler wieder.
Mit tollen schauspielerischen Leistungen und humorvollen Einlagen bezaubert das Thalia Theater mit diesem Stück das Publikum. Dieses Mal sprengt es sogar die Grenzen der Physik; indem es es auf Knopfdruck regnet lässt und den Schauspielern Flügel verleiht. Im Sinne von "Over the rainbow" und über den Erwartungen.
Ich wurde in diese Welt der Seefahrt entführt und gefesselt. Und sogar die ersten Reihen konnten Seeluft schnuppern.
In den super Effekten und spannenden Dialogen beziehungsweise Monologen geht fasst die negative Kritik unter. Der Einstieg in dieses Stück zieht sich sehr hin, doch das Wachbleiben lohnt sich.
Zusammengefasst ist es ein Stück an das man sich gerne zurück erinnert.

Jarmo Busch, 17 Jahre, Elsa-Brandström – Schule, Städtisches Gymnnasium Elmshorn


Die Suche nach dem weißen Pottwal wird in Antu Romero Nunes' Inszenierung zu einer chaotischen Schlacht aus Wasser und Blut.
„Wahrheit kennt keine Grenzen“ ist der Wa(h)lspruch einer Mannschaft, die sich die Wahrheit von ihrem Kapitän einreden lässt- ein Mann, getrieben von Hass und Vergeltung. Und so verschmelzen alle Matrosen nach und nach zu einer Masse aus Wut, was durch zahlreiche Chorszenen verdeutlicht wird. Wo in der ersten Szene noch jeder Matrose seinen persönlichen Beweggrund für die Jagd erläutert, rufen am Ende alle gleichzeitig: „Wir sind alle Ahab!“
Diese grenzenlose Verschmelzung sei möglicherweise Nunes' persönliche Interpretation des Stoffes- leider nimmt es dem Stück dadurch aber einen großen Teil an Inhalt und Sinn.
Dreimal wird die Routine des Walfangens (sehr gut pantomimisch!) dargestellt; man sieht Verzweiflung, Einöde und Hoffnungslosigkeit. Doch die Grundaussage des Stückes, nämlich dass Hass nur in Wahnsinn enden kann, wird viel zu weitläufig und ausufernd dargestellt, wodurch sie wie der einzige inhaltliche Aspekt erscheint.
Desweiteren hängt das Stück sehr von der Sprache ab. Lange und komplexe Satzgefüge sollen poetisch erscheinen und meiner Meinung nach eine Art Fake-Philosophie erzwingen- der Inhalt erscheint letztendlich bloß noch konfuser.
Andererseits hat das Stück auch viele Glanzmomente, wo die Innovativität des Regisseurs klar heraussticht: Schön sind die eingebauten „Hoch's“ im Leben der Matrosen, wie z.B. halbnacktes Singen und Hüpfen im Regen bei einem Regenbogen und die „Mann über Bord“-Sequenz zu „Somewhere over the Rainbow“. Auch der 10-minütige Monolog von Jörg Pohl langweilt kein bisschen, im Gegenteil; Nunes entlarvt sogar aller Menschen Neigung, abzuschweifen, in dem er etliche Matrosen so lange ausziehen und baden lässt, bis der vor-sich-hin-schwadronierende Pohl erbost ruft: „Hallo! Hier spielt die Musik!“
Bühnenbild und Kostüme bleiben schlicht, doch durch Massen an Wasser und Blut, welche Bühne und Schauspieler schrecklich schön verunstalten, erlangt das Schiffsszenario eine wesentlich realistischere Ebene. Und realistisch ist das Stück ungemein, nicht zuletzt wegen der fantastischen schauspielerischen Leistung.
Bei Antu Romero Nunes' Inszenierung von „Moby Dick“ bleibt der Zuschauer mit der Gewissheit zurück, dass der Mensch immer seine eigene Wahrheit sucht, auch wenn es sich dabei um das sinnloseste Unterfangen handelt. Und am Ende siegt immer der Wahnsinn. Oder ein weißer Pottwal.

Emma Lilli Wiepking, Jg 11 , Emilie Wüstenfeld Gymnasium


9. Februar 2015
Die Aufführung von Moby Dick ist nicht nur von der schauspielerischen Chorleistung, sondern auch durch seine Effekte sehr eindrucksvoll. Der ständige Wind und Regen auf der Bühne, zusammen mit dem Blut des Wals und der Haie sorgen für Abwechslung. Die Masse an Wasser, welches immer wieder herabgelassen und immer wieder aufgewischt wird von der Schiffscrew, ist beachtlich. Selbst die Routine der wiederkehrenden Handlungen wirkt nicht langweilig, sondern zeigt wie anstrengend und auch eintönig das Leben auf Hoher See war. Besonders wirkungsvoll finde ich die Chorabschnitte, in denen die Schauspieler gemeinsam sprechen, sich im Takt genau gleich bewegen und so ein Gefühl dem Zuschauer gaben, als befänden sie sich auf einem richtigen Schiff. Die Walkunde eines Schauspielers, in einem langen, aber nicht langweiligen, sondern zum Teil sehr witzigen Monolog, finde ich eine sehr hervorragende Leistung und er gibt, das worum es geht, nämlich Moby Dick, den weißen Wal, sehr gut wieder. Man versteht den Zusammenhang in späteren Szenen.

Laura Kittelmann, Kl.12, Gymnasium Meiendorf


19. Dezember 2014
Nichtsahnend, jedoch auf Empfehlung, ging ich mir „Moby Dick“ im Thalia Theater angucken, nur mit etwas Hintergrundwissen über Moby Dick, den großen, weißen Wal.
Im Internet hatte ich in Online-Artikeln gelesen, dass dieses Theaterstück wohl sehr experimentell und ohne große Requisite dargestellt würde, also war ich noch gespannter, was mich da wohl erwarten würde.
Viel Wasser, viel Blut und viel Nebel, das alles sind Effekte die dieses Stück wohl interessant machen, doch mir blieben nach der Vorstellung ganz andere Dinge in Erinnerung, die ich so faszinierend fand! Zum einen die unglaubliche Präsenz jedes einzelnen Schauspielers und deren Wiedererkennungswert und zum anderen das Spiel mit ihren Stimmen. Unfassbar wie alle acht Männer es geschafft haben in ein und derselben Tonart zu sprechen, dabei die gleiche Lautstärke zu behalten und dann auch noch synchron zu sprechen, bis einer ausbrach und mit seiner Stimme die Szene zeriss.
Außerdem gefiel mir besonders die Umsetzung des Stücks ohne viele Requisiten. Beispielsweise die Abläufe auf dem Schiff, die Routine des Tötens, die zunehmende Besessenheit der Männer plastisch werden zu lassen: genau dreimal wird dies durchgespielt, vom Fangen des Wals bis zu seiner Verarbeitung, immer schneller. Und hier kommt dieses genaue Agieren der Schauspieler ins Spiel, die Kunst den Zuschauer genau erkennen zu lassen, was gerade pantomimisch dargestellt werden soll, nämlich das Fangen eines Wals.
Und dann war da noch der Darsteller, Jörg Pohl, der minutenlang im Rampenlicht der Bühne steht und einen derartigen jedoch sinnlosen Monolog runterrattert, welcher den Zuschauer zu dem ein oder anderem Lacher verleitet, sodass der Zuschauer beeindruckt und gespannt auf seinem Sessel zuhört.
Alles in allem finde ich das Stück sehr gelungen und die Suche nach dem Sinn des Menschenleben eindrucksvoll in Szene gesetzt.
Und mal ehrlich-bei diesem ganzen „Wasser- und Blutbad“ auf der Bühne bekommt man schnell Lust selbst mal in „Moby Dick“ mitzuspielen.

Anton Janeke, Niels Stensen Gymnasium Harburg: Kl.12


10. Juni 2014
Wir hatten einen super schönen Abend, das Stück ist großartig, das Beste, was ich je gesehen habe. Ich empfehle es auf jeden Fall an viele, die ich kenne weiter und schwärme davon. Uns hat es mitgenommen, wir saßen dort, wie in einem Film. Die Darsteller, die Soundeffekte, der Nebel, die gesamte Darstellung des Stückes, es ist einfach super!

Sophie Urzua, Alexander von Humboldt Gymnasium Neumünster, Kl.11


8. September 2013
Die Inszenierung „Moby Dick“ des Regisseurs Antú Romero Nunes zeichnet die Rahmenhandlung der Geschichte des weißen Wales aus der Sicht eines einfachen Besatzungsmitglieds, von der Motivation für die Tätigkeit als Walfänger, über die Bedrohung durch den verrückten Kapitän Ahab, den Alltag der Besatzungsmitglieder eines Walfängerschiffes, bis hin zur Zerstörung des Walfängers durch den weißen Wal.
Dabei schafft die Inszenierung es, durch die bewusst nicht näher definierten acht "Hauptdarsteller", ausgesprochen gut, die Schilderungen nicht auf eine einzelne Person zu beziehen, wie beispielhaft im Roman. Damit wird keine dieser Personen an ein emotionales Gerüst gekettet, sondern die Inszenierung schafft es, auf allgemeiner Ebene die Belastungen und Hintergründe eines Matrosen in dieser Zeit aufzuzeigen. Sowohl die Ängste als auch Triebfedern dieser Menschen sind so bunt illustriert, dass man in der Lage ist, sich nicht etwa mit einer herausgehobenen Rolle zu identifizieren. Man kann sich als Individuum in die Situation eines dieser Männer versetzten. Besonders aufgefallen ist mir, wie brillant die Inszenierung Gedankenmuster auffängt, die Charaktere und daraus folgende Handlungen dieser Menschen erklären, z. B. der enttäuschte Glaube an einen Gott, die Flucht vor der Verantwortung einer Individualität oder der Implikation diabolischer Urängste in den weißen Wal.
Ebenfalls unübertroffen ist die Kreation von Einzel Bildern, die in einer Perfektion eine Atmosphäre kreieren und eine Spannung erzeugen, welche weder im Kino noch in Büchern in der Form möglich wären.
Mein Lieblingsbild war dabei die Darstellung eines Sturmes.
Zu diesem Zweck wurde Wasser in Eimern und Flaschen auf der gesamten Bühne verteilt, eine große Plane diente als Segel und große Ventilatoren sorgten für die Illusion von Wind. Dabei herrschte ein Gewusel auf der Bühne, das auf seine ganz eigene Weise Realismus ausstrahlte. Auch Nebelmaschinen und der Einsatz verschiedenster Beleuchtungen waren häufig genutzte Mittel. Diese vergleichsweise realistische Arbeitsweise ist nicht unbedingt der Stil des Thalia, das sehr stark versucht lediglich einzelne Gefühle oder Beziehungen darzustellen, selten ganze Zusammenhänge.
Was jedoch der Inszenierung neben Kino und Film seine Daseinsberechtigung verschafft, ist die Tatsache, dass eben all diese Mittel nicht einfach ein Bild kreieren, das eine solche Situation kopiert. Andere Medien, besonders der Film tut genau das. Die Inszenierung jedoch kann die Atmosphäre der Situation einfangen, was ein einmaliges Erlebnis erzeugt.
Die Aufführung war keinesfalls perfekt, mir sind verschiedenste Versprecher aufgefallen und es gibt Szenen, die möglicherweise etwas zu lang geraten sind, auch ist der Einstieg ein sehr undankbarer und langatmiger, aber ich habe die Vorstellung sehr genossen und kann die Inszenierung nur weiterempfehlen.

David N., Schülerbotschafter am Kopernikus Gymnasium Bargteheide (Jg.12)


Ich muss zugeben, es ist schon etwas her, dass ich mir dieses Stück angeschaut habe. Deshalb werde ich im Folgenden Momente, die mich besonders gefesselt, bzw. mir besonders in Erinnerung geblieben sind anführen.
Die komplette Bühne stellt im Großteil der Aufführung das Schiff Pequot dar, mit wenigen Außnahmen in denen mit kleinen „Ruderbooten“ zum Walfang „abgelegt“ werden. Es gibt einen Abfluss, um die Wassermassen, die von Zeit zu Zeit an „Deck“ gelangen wieder von der Bühne zu bekommen. Die Seemänner müssen immer wieder mit Wischmopp-, Lappen und Abziehern „klarschiff“ machen.
Das Stück beginnt mit acht langen Monologen. Diese werden dann von einem bestimmt 15-minütigen unglaublichen Monolog von Jörg Pohl aufgelockert. Dabei hat mich besonders das „ohne- Punkt-und-Komma-reden“ beeindruckt. Der Seemann agierte dabei so, dass er den anderen Seemännern, die das „Schiff“ nach dem starken Seegang aufräumen und sauber machen, immer im Weg steht, weil er zu sehr mit seiner Mitteilung beschäftigt ist. Sehr komisch und unterhaltend.
Die meisten Figuren aus dem Roman kommen vor, allerdings spielt nicht jeder Schauspieler eine eindeutige Rolle. So kommt es häufiger vor, dass alle im Chor Kapitän Ahab sprechen. In der nächsten Szene sind einige Schaupieler dann z.B. die dämlichen Deutschen. Diese Darstellung von Horst, Helmuth und ihrem Kapitän hat mich sehr amüsiert.
Mich hat die Ensembleleistung sehr beeindruckt. Sowohl das chorische Sprechen, als auch das gemeinsame Schwanken bei „Seegang“ bei vollständiger Stille, hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es wurde sehr viel pantomimisch dargestellt. Sowohl die kleine goldene Dublone, als auch das Rudern und das Harpune-werfen beim Walfang und auch die Walverarbeitung sind dabei so gut gespielt, dass diese Beispiele nicht nur dem Schauspieler, sondern auch dem Publikum leicht sichtbar und erlebbar werden.
Die Szene mit dem großen Sturm, in dem mir ein riesiges Segel, ein Tau, Wind, Wasser und eben dieses kämpfende Ensemble, das Leben auf einem Walfänger näher bringt, hat mich unglaublich gefesselt.
Mein Fazit: Es dauert am Anfang etwas bis das „Schiff“ Fahrt aufnimmt, dann ist es aber nicht mehr zu bremsen. Ganz viel Wasser, Blut und abgekämpfte Darsteller sollte sich keiner entgehen lassen.

Julia Menk, Gymnasium Süderelbe Jg 12

Panikherz

„Panikherz“- Rezension des aktuellen Theaterstücks zum Bestseller
Im berühmten Hotel Chateau Marmont am Sunset Boulevard, bringt Benjamin von Stuckrad-Barre mit „Panikherz“ die Lebensgeschichte seines Romanhelden zu Papier. An diesem Ort lässt auch Christopher Rüping sein Theaterstück beginnen. Anders als andere autobiografische Erzählungen über Sucht, behält der Erzähler in seinem Roman eine selbstgewählte Distanz bei. Im Jahr seines Erscheinens 2016, verkaufte sich dieser sofort als Bestseller, wurde viel diskutiert und ist nach wie vor ein Werk, dass mit seiner Thematik und stilistischen Feinheit viele von uns bewegt: Schreiben kann er, ist ein genauer und satirisch-kritischer Beobachter; provoziert. Selbstironisch und doch liebevoll beschreibt Benjamin von Stuckrad-Barre in „Panikherz“ die Abgründe seiner Biographie: von Alkoholsucht, Bulimie, Depression und Drogenexzessen, Aufenthalten in Entzugskliniken und erneutem Konsum.
Von Momenten in denen er rückblickend - bei seinem Versuch sich ein Leben lang, selbst abzuschaffen- nur knapp dem Tod entronnen ist. Und solchen voller Lebensfreude, Intensität und Leidenschaft. Diese galt vor allem der Pop-Musik und…Udo Lindenberg, dessen Figur sich schillernd und Glück-bringend durch das Leben des Popliteraten zieht.
Außer seiner intensiven Schwärmerei für die Rockmusik-Ikone ist Benjamin von Stuckrad-Barre zu Anfang ein klassischer Jugendlicher auf Identitätssuche und Flucht aus einer Kindheit im Deutschland der achtziger Jahre. Aufgewachsen in Rotenburg an der Wümme als viertes Kind in einer Pastorenfamilie, zeigt sich sein aus Kirchenchorproben, Blockflötenunterricht und zu Brotaufstrich deklariertem Hefe-Extrakt bestehender Alltag, besonders ungewöhnlich; ungewöhnlich geregelt und natürlich ernsthaft.
Geliebt oder gehasst wird der Autor mit dieser sehr persönlichen Story: als peinlich wahrhaftiger Fan, lebensunsicherer Hochbegabter, der selbstbezogen wie ironisch sein kann; ein Poser ist er, aber auch komisch.... Der erfolgreiche Musikkritiker, Redakteur, Talkshowmoderator und Romanautor, erzählt mit Ernsthaftigkeit, welche von absoluter Ehrlichkeit kommt, von dem „was ihm wirklich wichtig ist“.
Alles andere interessiere ihn schon lange nicht mehr.
Auf den 576 Seiten von „Panikherz“ entblößt Benjamin von-Stuckrad-Barre dem Leser das Innere seiner Seele, schnörkellos und ohne Korrekturen vorzunehmen. Der Glanz der Oberflächliche verschwindet, darunter befindet so etwas wie die wirkliche Intensität des Lebens und vielleicht Wahrheit.
Die Suche nach dem „Licht“, nach Ruhm und Erfolg, nach Lebensglück, wird beendet mit diesem Bekenntnis zu dem was nun mal sein Leben ist: Letztlich gehört dazu auch die eigene Person. Und dies sei bestimmt intensiv genug und Selbstakzeptanz eine Lebensaufgabe.
Insbesondere in unserer aktuellen Gegenwart wohnt dem Text „Panikherz“ mit seiner Thematik eine einzigartige Bedeutsamkeit inne. Durch die Inszenierung Christopher Rüpings findet die Schrift eine lebendige Verarbeitung mittels besonders beeindruckender Videokunst, dem Original-Soundtrack der achtziger/neunziger Jahre, einem wunderschönen, wie simplen Bühnenbild und viel Nebel…. Ein asiatisches Udo Lindenberg-Double nimmt kurz die schützende Sonnenbrille ab…Und in der Inszenierung gibt es einen überraschenden Moment, bei dem sich Sebastian Zimmler im weißen Anzug (als Benjamin von Stuckrad-Barre) dem Publikum zuwendet und Konversation betreibt. Diese Ebene fehlt dem Roman mit seiner Ich-Bezogenheit und wird auch in der restlichen Inszenierung nicht realisiert. Möglich ist, dass jeder Zuschauer der in den achtziger Jahren schon gelebt hat, seinen Spaß mit den eigenen Kindheitserinnerungen haben wird, aber auch uns junge Menschen beschäftigt die szenische Darstellung des Romans: Sucht, Ruhm, Drogen oder Pop-Musik holen uns alle doch nur wieder ins Theater zurück.
Ira Wichert, Helene Lange Gymnasium, Jg. 12

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Eine komische Stimmung liegt in der Luft. Alle sind sie gekommen, um sich die von Bulimie und Drogen geplagte Karriere des Benjamin von Stuckrad-Barre anzuschauen. Ein wenig zu lachen - er ist ja lustig. Ein wenig weinen vielleicht? Am Ende darf man sich wie der Sieger eines asynchronen Kampfes fühlen. Man ist ja klüger. Drogen? Niemals! Da kann sich der Thalia-Gänger richtig schlau fühlen. Auch Bulimie. Wer macht denn so was? Also dünn sein in allen Ehren, aber das würde man nicht machen; man ist ja nicht wahnsinnig. Man sagt es nicht so, aber irgendwie geht man schon hin, um sich eine wenig überlegen und klüger zu fühlen. Die intellektuelle Überhand hat man vielleicht nicht gegen den klugen Pastorensohn – aber moralisch ist man ihm um Lichtjahre voraus.
Aber irgendwas ist komisch. Wer sitzt denn da? Da in der Loge. Der kommt einem ja schon bekannt vor. Und das sollte er auch. In der Vorstellung, die ich besuche, sitzen Barre und Udo Lindenberg. Irgendwie komisch. Lindenberg als unerreichbare Ikone und daneben der (ehemalige?) Popstar der Literaturszene.

Das Stück beginnt normal. Wir lernen über seine Kindheit in irgendeiner Kleinstadt nahe Hamburg. Hamburg, sein großer Traum. Verwegen. Der Kiez und die Herbertstraße. Wir lernen seine Liebe zu Lindenberg und dem Panikorchester kennen und vielleicht ein wenig verstehen. Ähnlich wie Knausgard nimmt er uns an Orte seiner Kindheit mit, an denen wir vielleicht nie sein wollten. In diesem malstromartigen Monolog. Ein drei Stunden langer Monolog. Gesprochen und gespielt von sechs Schauspielern.
Und dann geht’s los. Barre wird berühmt. Er schreibt sein erstes Buch und wird Autor bei Harald Schmidt. Nebenbei freier Autor für FAZ und SZ. In der Öffentlichkeit präsent und definitiv medienwirksam. Er gerät in einen Strom aus Drogen und Abnehmzwang.

Und es ist ein Meisterwerk, was hier auf der Bühne landet. Rüping schafft es das Leben durch Licht und grelle Effekte perfekt nachzuahmen. Also so, wie wir es uns vorstellen. Es beginnt geordnet, die Erzählung ist noch sinnvoll. Sachen passieren zwar immer hyperaktiv und im Dauerwechsel, aber das passt ja nur zu perfekt. Und dann wird es immer schwerer, die Geschichte wird immer rasanter. Immer schneller geschehen die Dinge. Wie im Rausch erzählt uns das Kollektiv auf der Bühne von Udo Lindenberg, Kokain und dem Chateau Marmont.
Plötzlich kommt eine Pause. Nach zwei Stunden, die nicht schneller hätten verfliegen können.
Danach kommt der gezähmte Stuckrad-Barre. Der, der auf Entzug war. Dessen bester Freund tot ist. Der, der jetzt nur noch Kamillentee trinkt. Er erzählt uns von Gucci-Beach und der Focaultforscherin.

Und dann ist es vorbei. Nach drei Stunden genialer Inszenierung ist es vorbei. Keine Minute kürzer hätte es dauern dürfen. Keine Minute mehr. Barre stürmt auf die Bühne und küsst in seiner ADHS getriebenen Manier die Schauspieler.
An diesem Abend stimmt alles, Musik, Licht und auch alle Schauspieler sind genial.
Auch das, was immer als Pop-Literatur abgetan wird, wirkt wie Hochkultur. Ein anderer probiert Shakespeare modern, politisch und flashy zu machen und beißt sich die Zähne dran aus.
Hier klappt's. Theater mit Moral und Hintergrund, das trotzdem Spaß macht.
Alt und Jung haben hier alle samt ihren Spaß. Einfach ein fantastisches Stück!
Paulo Sieweck, Corvey Gymnasium , JG 10

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Panikherz, Thalia Theater, 27.04.18, 20:00
Weltstar oder Drogenabhängiger? Eine alles beherrschende Frage.
Mit Metaphern vom Meer, dem alles egal ist, wahren Gedanken, darüber, was bei einem Klassentreffen mit dem Gesagten nicht übereinstimmt und mit pubertären Geschichten, schloss ich das Stück in mein Herz.
„Panikherz“ von Benjamin von Stuckrad-Barre, eine Autobiografie, in einer Bearbeitung von Regisseur Christopher Rüping begeistert mit Witz und Charme das Publikum und lässt Hände von ganz alleine zusammenschlagen. Das Stück wird aus der Ich-Perspektive von Stuckrad-Barre erzählt, dem Hauptcharakter, neben seiner Familie und Udo Lindenberg.
Regisseur Rüping bringt sieben verschiede Schauspieler/innen für den Benjamin auf die Bühne. Jede/r verkörpert eine etwas andere Facette des Protagonisten. Da auch zwei Frauen den Benjamin spielen ist man anfangs etwas verwirrt, aber schnell gewöhnt man sich daran und erkennt darin die weiblichen Anteile des von Stuckrad-Barre.
Den jungendlichen Stuckrath-Barre, früh geprägt durch Udo Lindenbergs, für ihn fast märchenhaft wirkende Lieder, zieht es in die Großstadt Hamburg, nachdem er von der Provinz in Rotenburg/Wümme nach Göttingen gezogen ist. Er macht Karriere in Hamburg und stürzt schließlich durch Alkohol und Drogen ab, doch er rappelt sich auch immer wieder auf. Seine Essstörung macht ihm das Leben nicht gerade leichter. Man weiß nie ob er es geschafft hat, oder ob ein neuer Absturz schon hinter der nächsten Ecke auf ihn wartet.
Neben ernsten, gibt es viele witzige und ansprechende Szenen. Exemplarisch hier genannt die Beschreibung des Vorgehens bei seiner Bulimie, die zwar drastisch, aber nie eklig ist. Und die amüsante Schilderung seiner Panik vor dem Klassentreffen, welches seinen allgemeinen Horror vor dem Spießertum verdeutlicht.
Die ganze Aufführung wird mit einem reduzierten Bühnenbild, Theaternebel und mit Liedern des späten 20. und frühen 21. Jahrhundert begleitet.
Mein Fazit ist, dass dieses Stück sehr gelungen und für jeden etwas ist.
Mimi Bergmann, Jürgen-Fuhlendorf-Schule Bad Bramstedt, Jg 9

Richard III

Am Sonntag, den 8. Oktober 2017 besuchten wir die Inszenierung von William Shakespeares Drama Richard III. im Hamburger Thalia Theater.

Es ist zwar nicht mehr der 31. Oktober, doch jetzt schon wird eingefleischten Gruselfans Mord und Totschlag vom Feinsten angeboten; in Shakespeares „Richard III“ mordet sich der namensgebende „Held“ bis zum Königsthron hoch. Der aus dem Krieg zurückkehrende und von Geburt an verkrüppelte Richard hat auch keine andere Wahl; schließlich steht der Nachgeborene in der Thronfolge weit hinten. Und so werden Freunde wie Feinde manipuliert, hintergangen und ermordet, bis endlich „König Richard!“ verkündet werden kann.

Dabei glaubt man zunächst, Mitleid mit dem armselig dastehenden und schmächtigen Richard haben zu müssen; doch in dem Schafspelz steckt ein wahrer Wolf; einer der weiß, wie er die anderen Schafe zu leiten hat. Und so reißt der anfängliche Herzog sich die bleiche Totenmaske vom Kopf und beginnt, den Takt vorzugeben, wörtlich wie bildlich. Seine Mitmenschen tanzen dabei marionettenhaft herum, geleitet von Richards Schlägen auf einer wahrlich riesigen Trommel. Sie erkennen nicht, dass sie nichts weiter als Marionetten sind, welche ausgenutzt werden für das hinterhältige Spiel des Königs in spe. Aber wie sollten sie auch? Unschuldig wirkt er, schützenswert; gerade das ist es, was Richard so gefährlich und interessant wirken lässt.

Obgleich es auch Jörg Pohls gelungener Darstellung dieses Psychopathen zu verdanken ist, dass selbst der aufgeklärte Zuschauer mit dem armen Richard sympathisiert, nur um mit Gänsehaut zu erleben, wie dieser sich in ein skrupelloses Monster verwandelt, für den das Erfüllen seines ausgeklügelten Planes kein zu blutiges Opfer erfordert. Zum Teil wirkt er dabei wie eine inhumane Bestie, welche auf der Bühne herumturnt, hechelt und humpelt.

Dabei können auch die anderen Darsteller in ihren Rollen glänzen und verwandeln dieses Stück zum Teil in eine wahre Tragödie: Denn gerade der Verrat an so empathisch und auch liebenswürdig verkörperten Charakteren macht Richards Aufstieg zum Thron erst wahrlich blutig und hinterhältig.
Auf der anderen Seite werden die Marionetten Richards auch nicht nur als unschuldige Schafe dargestellt. Gerade die Schlussszene, in der alle (übergebliebenen) Charaktere mit Schwertern auf den entwaffneten Richard eindringen und schließlich Richards Widersacher Richmond nüchtern und krankhaft lachend mit der Krone weggeht, wird deutlich, dass Richard zwar der größte Übeltäter in diesem Stück ist; seine Mitmenschen sind jedoch nicht weniger machthungrig und verdorben.

Wobei noch anzumerken ist, dass die Schauspieler vor eine wirkliche Herausforderung gestellt wurden, in ihren streng viktorianischen Kostümen ihre Rollen so authentisch zu beleben. In Anbetracht der Komik und Moderne, die in dieses Stück eingebracht wurden, ist es fast schon verwundernd, dass auf solche klassischen Kostüme zurückgegriffen wurde, welche zum Teil an eine Mischung aus Karneval und König Victorias Originalgarderobe erinnern. Es wirkt so, als hätte man sich nicht entscheiden können, ob man dieses Werk Shakespeares ganz traditionell oder ganz neu interpretiert vorführen wollte. Und so wird versucht, einen schmalen Pfad zwischen diesen beiden Extremen zu finden; wobei dieser auch teilweise (leider) schon übergangen wurde: So sorgt das plötzliche Blutübergeben König Eduards natürlich für einen überraschten Schreck des Zuschauers, jedoch ist dieses Lebenssaft-Kotzen fast schon zu obszön und übertrieben, um zum vorherigen gehobenen Ambiente zu passen.

An anderen Stellen wurde jedoch eine gute Balance zwischen konventionell und modern gefunden: So treten die Charaktere des Öfteren aus ihren Rollen heraus. Ursprüngliche Regieanweisungen werden so gesprochen und Richard sagt auch mal für das Publikum an, wann eine andere Person auftritt. Jörg Pohl springt dabei auch mal mitten im Satz aus seiner Rolle heraus und spielt dann nicht nur den machthungrigen Fiesling, sondern auch den Schauspieler dessen. Und gerade dieses Entfliehen der Rolle lässt die Szenerie noch geplanter wirken und stellt den Protagonisten so als Aufgeklärten da, der über den künstlerischen Rahmen des Theaterstückes hinaus über seine Mitmenschen bestimmen kann.

Zudem muss auch noch das Bühnenbild kommentiert werden: Schließlich gibt es kaum eins. Aus nicht mehr als der schon genannten Trommel und schwarzen Vorhängen wird mit Wind, Nebel und Bewegung ein wahrlich episches Ambiente kreiert. Und es ist fast schon verwundernd, dass aus so wenigen Elementen so viel herausgeholt werden kann: Während König Richard die Trommel auch als Thron benutzt, gibt er mit ihr gleichzeitig den Takt an oder lässt auch seine Wut an ihr aus.

Schlussendlich ist zu sagen, dass man eine solche gelungene und sehr kreative Inszenierung von Shakespeares Drama „Richard III“ selten findet und Jörg Pohl in seiner Rolle als listigen und manipulierenden Richard wahrlich glänzt. Auch alle anderen Darsteller verstehen es, ihre Charaktere in Szene zu setzen. Jedoch muss man infrage stellen, ob es eine gute Idee war, das Stück sowohl traditionell als auch modern zu inszenieren, da so zu oft die Inszenierung selber unter der lauwarmen Vermischung beider Richtungen leidet. Letzten Endes muss man jedoch feststellen, dass es definitiv ein Genuss war, eine solche grandiose Inszenierung des hinterhältigen und blutigen Aufstiegs Richard III erleben zu können.
Max Markowski und Luise Lämmerhirt, Leibniz Privatschule Elmshorn Jahrgangsstufe 12

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Humpelnder Fastthronerbe, geschickter Wortverdreher und später grausamer Tyrann. Das ist Richard III. Das gleichnamige Theaterstück von William Shakespeare unter der Regie von Antú Romero Nunes, lässt das Große Haus des Thalia Theaters unter den Paukenschlägen des intrigant aufsteigenden neuen König Richard erbeben. Körperlich verkrüppelt und geistig in einen Strudel aus Egozentrik, Selbstgefälligkeit und Weltherrschaftsplänen gerissen, spaziert er über die Leichen, der ihn vorhergehenden Thronerben und rückt in der Erbfolge immer weiter auf, bis er schließlich am Ziel ist. Sein so hart erkämpftes Königreich England führt er zuerst in einen Krieg und tauscht es dann gegen ein Pferd ein.
Der Zuschauer wird vom Bühnengeschehen eingesogen, wird Komplize, Mitwisser, wird manchmal auf der Strecke gelassen nur um dann wieder abgeholt und weitergezogen zu werden. Und auch er bleibt von Richards Manipulationen nicht verschont...
Das puristisch gehaltene Bühnenbild aus schwarzen, bei Szenenwechseln sich drehenden Tüchern, bietet den unfassbar wandelbaren und ausdrucksstarken Schauspielern-allen voran dem Hauptdarsteller Jörg Pohl- genügend Raum, um sich vollends zu entfalten.
Auffällig ist, dass bei der Inszenierung immer wieder Bögen vom Alten zum Neuen geschlagen werden. So stellt das Bühnenbild einen stimmigen Kontrast zur poetischen, hochgestochenen Sprache dar. Kostüm und Maske beherbergen diesen Kontrast ebenfalls: Zwar ist der altertümliche Stil beibehalten, aber einzelne Elemente, wie ein halbdurchsichtiger Unterrock mit einem barocken Korsett, wirken fast futuristisch. Ein Aspekt, der die These, Shakespeares politisches Drama sei auch auf eine heutige, in den Medien sehr präsente Situation anwendbar, zulässt. Denn auch wenn Shakespeare lange tot ist und sich die engländischen Adelshäuser lange nicht mehr um einen Thron von so hoher politischer Bedeutung kriegerisch auseinandersetzen müssen, so gibt es doch immer wieder Beispiele von aktuellen Politikern, über deren körperliches Erscheinungsbild gelacht, über deren Weltansicht der Kopf geschüttelt oder dem die Strafe der Welt nachgesagt wird.
Nina Niesche, Gebrüder-Humboldt- Schule in Wedel. Jg 12

Räuberhände

 

Das Stück „Räuberhände“, in dem es um eine Freundschaft von zwei Jungen geht, hat mir sehr gut gefallen.
Durch die Sprünge zwischen der Gegenwart und den Erzählungen von Janik und Rückblenden in die Vergangenheit offenbarten sich langsam Geschehnisse, die die scheinbar wunderbare Freundschaft auf eine harte Probe stellten. Die beiden Protagonisten Janik und Samuel waren mir sehr sympathisch, weshalb die Offenbarung zum Ende des Stückes traurig und schockierend war.
Nichts desto trotz wurde bei diesem Stück auch viel gelacht und ich habe mich gut amüsiert.
Im Fokus des Bühnenbildes steht ein Wohnwagen, der sehr vielseitig eingesetzt wird. Zum Beispiel steht dieser als Wohnwagen im Garten, dient als Zimmer in Istanbul, in dessen Inneren mit einer Kamera gefilmt wird und das Bild auf die Außenwand des Wohnwagens projiziert wird (der Zuschauer hat das Bild aus dem Inneren z.T. auch durch Fenster und Tür gesehen) und es wirde auch vom Dach aus bespielt.
Sehr wirkungsvoll ist eine Szene mit stimmungsvoller Musik, tollem Licht, Tanz und Konfetti die im Laufe des Stückes mehrfach wiederholt wurde.
Eine sehr gelungene Darstellung ist die Reise nach Istanbul, in der das Publikum durch anfängliche Fotoeinblendungen und arabische Gesänge, sofort in das Leben in der Türkei gezogen wird.
Telefongespräche aus der Türkei werden mit dem Mikrophon geführt.
Das Ende bleiben die Lebenswege in der Zukunft der beiden Jungen offen.
Ich habe bisher nur Positives zur Inszenierung gehört und auch ich kann das Stück nur empfehlen.
Julia Menk, Gymnasium Süderelbe Jg 12

17. August 2013
Das Ende der Schulzeit ist für junge Erwachsenen der Schritt in eine meist ungewisse Zukunft - die Welt steht einem offen und die Frage ob Ausbildung, Studium oder doch erst einmal reisen ist nicht leicht zu beantworten. Dies gilt auch für die besten Freunde Janik und Samuel aus Finn-Ole Heinrichs Roman „Räuberhände“, die es nach ihrem bestandenen Abitur in die türkische Metropole Istanbul zieht. Schon seit Jahren träumen sie in ihrer kleinen Laube „Stambul“ davon, sofort nach dem Abi abzuhauen und in Istanbul einen Neuanfang zu wagen. Weit weg von Janiks perfekten, aber nicht zu perfekten Eltern und Samuels alkoholabhängiger Mutter. Doch kurz vor der Reise begeht Janik einen verhängnisvollen Fehler, der die Freundschaft der Jungen auf eine harte Probe stellen wird.
Der Debütroman von Heinrich wurde nun im Thalia Theater Gaußstrasse auf die Bühne gebracht. Dank überzeugender schauspielerischer Leistungen sowie der passenden Einspielung türkischer Musik und einfallsreicher Filmtechnik werden die 90 Minuten in Altona ein Theatererlebnis, welches nicht nur für Schulklassen und Abiturjahrgänge empfehlenswert ist. Der Aufbau des Stückes ist einzig durch Janiks reflektierende Assoziationsketten bestimmt und es liegt an dem Zuschauer, sich auch in Samuels Rolle hinein zu versetzten, um einen neutralen Standpunkt zwischen beiden Freunden erlangen und Sympathien hegen zu können. Auf der einen Seite der erzählende Janik, der nach Istanbul reist, um ein Abenteuer zu erleben und Samuel nahe zu sein und auf der anderen Seite jener, der mit dem Vergangenen abschliessen will und einzig nach Istanbul gekommen ist, um für immer dort zu bleiben und seinen vermeintlich verlorenen Vater zu finden.
Die dieser Tage häufig angesprochene Thematik der Identitätssuche – und Findung junger Menschen spielt in „Räuberhände“ eine ebenso wichtige Rolle, wie der Wunsch nach Freundschaft und der Wille zum Ausbruch, den jeder in sich trägt, an dem letztendlich dann doch die Meisten scheitern oder scheitern wollen. Ob nun Janik oder Samuel scheitern, sie Samuels Vater wiederfinden und welche zentrale Rolle Irene, Samuels Mutter, in dem Stück spielt, dass sollte jeder theaterbegeisterte Hamburger mit einem Besuch im Thalia Gaußstraße selber herausfinden. Lohnen tut es sich dank der Schauspieler Sven Schelker (Janik), Patrick Bartsch (Samuel) und Sandra Flubacher (Irene) sowie der grandiosen Technik des Theaters und Heinrichs empfehlenswerter Buchvorlage allemal.
Lisa K., Schülerbotschafterin am Gymnasium Ohmoor

Tartuffe

Rezension „Tartuffe“ vom 17.11.2017

Ein Rezept für eine gute Komödie? Wie wäre es mit zahlreichen, eigenwilligen ABBA-Interpretationen? Oder mit einer zirkusartigen Rundbühne, umhüllt von kupferfarbenen Vorhängen? Vielleicht reicht das schon um zu überzeugen und doch sind die einzigen Attribute, die mir von jenem Theaterabend im Gedächtnis geblieben sind, die Worte schrill, schief und flach. Genauer gesagt gab es schrille Kostüme, schiefes Singen und flache Charaktere. Inhaltlich konnte mich Regisseur Stefan Pucher jedoch nicht überzeugen mit seiner Inszenierung eines Klassikers von Molière aus dem Jahre 1664. Gezeigt wurde der Familienvater „Orgon“, der den Betrüger Molière vergöttert und ihm jeden Wunsch erfüllt. Zuerst gab Orgon ihm Unterschlupf, dann seine Tochter und zuletzt seinen gesamten Besitz, wobei schlussendlich die Gerechtigkeit siegt. Eigentlich ein spannendes Thema, wie ein ungeschliffener Diamant. Doch Stefan Pucher gelingt es nicht, ihn zum Glänzen zu bringen. Obwohl das Stück oberflächlich mit den Kostümen und der Bühnenkonzeption zu überzeugen weiß und eine grandiose Einleitung abliefert, wartet man als Zuschauer vergeblich auf inhaltliche Tiefe. Man erfährt wenig über die Charaktere, insbesondere die Motive ihres Handelns bleiben dem Zuschauer verborgen. An diesem Eindruck ändern auch die „interessanten“ Tonlagen nichts, die verwendet wurden, um gefühlt das gesamte ABBA Gold-Album mit der Inszenierung zu verflechten. Doch wo bleibt der Sinn? Mit einem Fragezeichen und den drei genannten Attributen ging ich aus der Vorstellung – keineswegs gelangweilt oder nicht unterhalten, aber doch auf eine Weise unterfordert. Um das Stück mit einer Frage zu bewerten, würde ich fragen: Wars das?
Lucas Timm, Jahrgang 12, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn


10.November 2017, Hamburg.
Schrille Kleidung, knallbunte Frisuren und ABBA-Musik. Was an eine 70-er Jahre Themenparty erinnert, findet sich im Thalia-Theater auf der Bühne wieder. Stefan Puchers Inszenierung von Moliéres „Tartuffe“ macht von außen her einen amüsanten Eindruck; die Familie Orgons, um die es in diesem Stück geht, hat aber überhaupt nichts zu lachen. Schließlich hat der Betrüger Tartuffe sich bei ihnen eingenistet, und mit vorgehaltener Frömmigkeit und ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Bedürfnisse seiner Mitmenschen treibt er die Familiensippe ins Chaos.

Vor allem der Familienvater Orgon verfällt der Heuchelei Tartuffes. Wie von allen Sinnen kümmert er sich aufopfernd um den Parasiten in seinem Haus; vermacht ihm sogar sein Vermögen und die Hand seiner Tochter Mariane. Dabei ist es gerade die Sprache, die diese bitterernste Situation ihren urkomischen Charakter verleiht; mit Wortspielereien und schlagfertigen Antworten wurde schließlich nicht gespart. Zum Beispiel wenn Orgon sichtlich aufgelöst nach Tartuffe fragt, während ihm die Zofe Dorine von den Leiden seiner Ehefrau Elmire und Tartuffes offensichtlichem Wohlbefinden berichtet. „Der arme Mann!“, schreit Orgon dann und das Publikum kann nur lachen bei diesem Wahnsinn.

Tartuffe ist wahrlich ein guter Verführer, der den gottesfürchtigen, frommen Mann mimt. Ja, er geht sogar noch einen Schritt weiter: Päpstlicher als der Papst ist dieser Betrüger; im wahrsten Sinne des Wortes. Das Licht geht aus, der Vorhang fällt herunter und im Rampenlicht steht Tartuffe im extravaganten, goldenen Gewand, neben dem sich jeder katholische Priester mickrig fühlen würde. Anstatt aber nun die Sonntagsmesse zu beginnen, fängt dieser Papst an zu tanzen und zu singen. Also mehr hätte man diese religiöse Andeutung nicht dramatisieren können; wobei unklar bleibt, ob in diesem riesigen Gewand auch eine Kritik an die Kirche steckt oder doch nur der fanatisch religiöse Tartuffe?

Dabei muss man zum Einen allgemein die Kleidung kommentieren, die die Schauspieler da tragen. Nun gut, Moliéres „Tartuffe“ wurde vor knapp 300 Jahren uraufgeführt und so ist es selbsterklärend, dass das Theater es sich zur Aufgabe gemacht hat, jenes Stück auch mehr an die momentane Gesellschaft und deren Eigenarten anzupassen. Nur lebt die momentane Gesellschaft im 21. Jahrhundert und die 70er Jahre sind so auch schon seit knapp 40 Jahren vorbei. Trotzdem sieht man auf der Bühne Haare in allen knalligen Farben und so viele glitzernde, fast schon fantastische Kostüme, dass jede Glam Rock Band von damals neongrün vor Neid anlaufen würde.
Zum anderen kommt dann noch die passende Musik aus dieser Zeit dazu, vornehmlich ABBA. Abgesehen von der fragwürdigen gesanglichen Leistung einiger handelnder Charaktere bleibt die Frage nach dem Wieso?. Denn es ist nicht wirklich selbsterklärend, wieso man die Zuschauer mit gekrächzten 70er Jahre Songs quält. Bei der durchaus interessanten Kostümwahl kann man schließlich noch anmerken, dass dies schon so ironisch wirkt, dass es wieder komisch ist.

Und dies muss man doch an der Inszenierung loben. Der Grad zwischen lustig und bitterböse wurde perfekt gefunden und gelungen umgesetzt. Dabei sind es nicht nur, wie schon angemerkt, die sprachlichen Spielereien, sondern auch die bemerkenswerte schauspielerische Leistung, die es schaffen, diese beiden Extreme zu vereinen. Gerade Victoria Trauttmansdorff glänzt in ihrer Rolle als provozierende und freche Zofe Dorine, die das falsche Spiel Tartuffes schon lange entlarvt hat und nun mit knallharten, provokanten Sprüchen versucht, ihren Mitmenschen die Wahrheit reinzuhauen. Und auch die anderen Schauspieler bringen die Eigenarten ihrer Charaktere gekonnt rüber, sodass jede Szene trotz ihrer Dramatik auch zur Komödie wird.

Dabei muss man anmerken, dass es für die Schauspieler durchaus schwer gewesen sein muss, ihre Rollen so gekonnt darzustellen. Gerade Jörg Pohl in der Rolle des Tartuffes gab wohl sein Bestes, diesen als verführerischen Wolf im religiösen Schafspelz darzustellen; jedoch lässt die Inszenierung selbst keinen bissigeren, bösartigeren Tartuffe zu. So wird zuerst viel Spannung über diesen heuchlerischen, parasitären Betrüger aufgebaut und dann erscheint Tartuffe in Realität zum Teil sehr einfach gestrickt und fast schon armselig, da kaum eine Möglichkeit gegeben wurde, die Psyche dieses Charakters gerechtfertigt darzustellen. Darauf kann man nur mit „Schade“ antworten, da so viel Potential ungenutzt blieb.

Letzten Ende war es zum Teil doch ein Genuss, die Machenschaften und letzten Endes die Überlistung des durchaus dreisten Tartuffes verfolgen zu können; gerade da dieses Stück in unserer heutigen Zeit auch ein wesentliches Problem anspricht. Schließlich kann jeder so wie die Familie Orgons in die Falle lügender und heuchlerischer Betrüger gelangen und so Wahrheit nicht mehr von Lügen unterscheiden. Ob diese Moral nun mit 70er Jahre Musik und schrillen Kostümen dargestellt werden muss, bleibt offen. Und auch, ob man nicht anstatt der Äußerlichkeiten mehr das Innenleben der Figuren, allen voran Tartuffe, dramatisiert hätte sollen.
Trotz allem wurde man bei Moliéres „Tartuffe“ gut unterhalten und es war eine Freude, diese Inszenierung genießen zu dürfen.
Luise Lämmerhirt, Max Markowski, Marcel Mansouri, Leibniz Privatschule Elmshorn, JG 12

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Tartuffe (Jörg Pohl) ist ein Betrüger, das ahnen wir schon, bevor es los geht. Die Fotos und der Trailer sind so pompös, dass man denken könnte, dass man sich direkt im Schloss des Sonnenkönigs befände. „Der Tartuffe“ ist so etwas wie ein Trüffel, aber nicht so ganz – also er sieht nur so aus und tut so, als ob er einer wäre; oder so ähnlich“ So, oder so ähnlich erklärt mir das ein Lehrer.
Es geht also um Tartuffe. Tartuffe ist ein sehr religiöser Mann und jeder der anders denkt, muss ein Lügner sein, dass sagen zumindest Madame Pernelle (Karin Neuhäuser) und Orgon, ihr Sohn (Oliver Mallison).
Alle anderen wissen natürlich, wie es wirklich ist: Tartuffe ist ein elendiger Heuchler, der, so wirkt es zumindest, heiliger als der Papst ist – er gibt das Geld, das ihm Orgon gibt, als er ihn arm neben der Kirche sich mit Weihwasser waschend sieht, denen, die noch weniger haben ( natürlich mit tieferen Absichten) – aber es kommt natürlich alles ein wenig anders. Er liebt die Frau Orgons und soll die Tochter von jenem heiraten, nebenbei noch das gesamte Erbe einstreichen – Orgon hat Tartuffe „wirklich lieb“ – und bevor das alles geschieht, frisst er sich den Bauch voll – er lebt wie Felix Krull in Frankreich!
Die Schauspieler sind wunderbar. Karin Neuhäuser als leicht verdatterte passiv-aggressive Großmutter ist die Personifikation der Rolle, sogar ihre musikalischen Einlagen sind ganz nett.
Jörg Pohl ist die Rolle wie auf den Leib geschneidert, als Hochstapler im Vatermörderkragen schlägt er sich wunderbar durch diese 105 Minuten – er tritt zwar erst nach einer Dreiviertelstunde auf, ist ab dann aber auch fantastisch. Sein leichter Sprachfehler und dieses nasale „Ja“ das ganz norddeutsch hinter jedem zweiten Satz sind einfach schön.
Ganz besonders gefiel mir Steffen Siegmund – für mich ein neues Gesicht. Er spielt den aggressions-gestörten Sohn wunderbar, seine Mimik mit dem Out-Fit sind auch noch in Reihe 17 ein Traum.
Der Einzige, der mir nicht gefällt, ist Bekim Latifi (Valere) er spielt nicht besonders stark, sein Kostüm ist mit Abstand das Langweiligste und er klingt – obwohl es ein wenig zur Rolle passt – wie ein unsicherer Schüler.

Die Musik ist eine der besten Sachen. ABBA Songs werden gesungen und geschrien. Der 70er Sound passt erstaunlich gut zu den schrillen Kostümen und der Geschichte, die so voller Hinterhältigkeiten ist, das George R. R. Martin wahrscheinlich auf dem Reclam Heftchen schläft.
Die Songs sind alle passend zur Lage ausgewählt. So fragt Tartuffe natürlich nach dem „Name of the Game“ und Orgon singt uns etwas von „Money“ ins Ohr.
Alle Schauspieler können mindestens in Ordnung singen – insgesamt sehr schön.

Das Ausstattung ist sehr bunt. In der Mitte steht ein Tisch – äußerst relevant für die Handlung – um ihn herum hängen Stühle. Die Schauspieler tragen eine Mischung aus Gucci und Versace, die so protzig ist, dass man nichts anderes als schmunzeln kann.
Es gibt nur eine Stelle, die ein wenig zu lang geraten ist, das stört an diesem Abend aber eher weniger.

Alles in allem ist das Stück vielleicht keine Hochkultur, aber auf jeden Fall höchst amüsant und darauf kommt es meistens eher mehr an.
Also, tun sie das Richtige – kaufen sie Karten!
Paulo Jamil Sieweck Corvey Gymnasium, Jahrgang 11

 Tod eines Handlungsreisenden

 

„Tod eines Handlungsreisenden“ befasst sich mit einer sehr realen und leider viel vertretenen Lebensproblematik vieler, nach Glück strebender, Menschen. Nicht nur in Amerika, aus welchem das originale Stück stammt, herrscht der „American Dream“. Überall auf der Erde erlauben sich Menschen zu träumen, groß zu träumen, um dann umso größer enttäuscht zu werden. So auch Willy Loman, der Vater zweier Söhne, Biff und Happy und verheiratet mit deren Mutter, Linda. Verbittert durch den eigenen Misserfolg und vom Schicksal im Stich gelassen, setzt Willy alles auf seinen Sohn Biff, der ihn jedoch wohl noch schwerer zu enttäuschen vermag, als er sich selber enttäuscht hat. Der Zuschauer dieses Schauspiels wird geplagt von einer zermürbenden Reihe an Niederschlägen, Zusammenbrüchen und Streitereien, die deprimieren und bedrücken, dass man in Versuchung gerät den Saal zu verlassen. Das Stück ist in der Tat anstrengend und fordert mehr als es unterhält. Die aussichtslose Lage des fehlgeschlagenen und aufs neue fehlschlagenden Familienvaters, die Verzweiflung und Hilfslosigkeit der Mutter und die ungewollten selbstzerstörerischen Handlungen Biffs, werden direkt auf den Zuschauer übertragen, weshalb man im Saal wohl genau so unglücklich sitzt, wie es die Charaktere sind.
Das ist ein interessantes Spiel mit den Emotionen und bietet Identifikationsmöglichkeiten für die Zuschauer. Denn wer kennt nicht die Angst, nicht das zu erreichen, was man erreichen will oder seinen Weg bis aufs Zerbrechen nicht zu finden. Ein solcher Einsatz an Belastungseffekten bewegt sich jedoch auf einem schmalen Grad zwischen gekonnter Übermittlung einer Aussage und anstrengender Spannungslosigkeit. Leider wird das Stück durch fehlplatzierte und überstrapazierte Elemente, wie das dröhnende Football Team und die grob singende Strip Tänzerin auf die Seite der nervenzermürbenden Anstrengung gezogen.

Das Football Team hat mich bei meinem Besuch besonders gestört, da ich eine so eindeutige Zuordnung des amerikanischen Raumes kaum für nötig und in diesem Falle für sehr erzwungen und künstlich halte. Wie bereits erwähnt handelt es sich um ein äußerst universelles Thema und so hätte ich mir auch von dem Stück mehr, vielleicht sogar surreale, Universalität gewünscht.
Ein großes Lob möchte ich jedoch an Kristof Van Boven aussprechen, welcher den Willy mit einer solchen Überzeugungskraft dargestellt hat, dass ich seine unendliche Verbitterung, seinen Jähzorn und seine schiere und absolute Lebensenttäuschung zu keinem Zeitpunkt anzweifeln und mich nur von ihr mitreißen lassen konnte.
Ida Plumpe, Eric-Kandel-Gymnasiums in Ahrensburg, Jg 12

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Kapitalismus ist doof. Das ist nicht unbedingt meine Meinung, aber die von Sebastian Nübling scheint es zu sein. Arthur Millers Stück, das sich eigentlich mit dem Untergang des amerikanischen Traumes – was ohne Kapitalismus-Kritik unmöglich ist – befasst, wird hier zum roten Buch in Spielfilmlänge. Das ist aber nicht unbedingt was Schlechtes.

Im Stück geht es um Willy Lohmann. Willy weiß, auf was es im Leben ankommt – auf Beziehungen, nicht auf Können. Seine Söhne, Happy und Biff, sind die absoluten Versager – sagen alle nur der Vater nicht, er sieht in ihnen Sportskanonen, die zu Höherem berufen sind.
Er arbeitet als – wer hätte es gedacht – Handlungsreisender für irgendeine Firma, das läuft natürlich nicht so recht. Er hat anscheinend des Öfteren probiert sich umzubringen, was seine Frau zur grund- nervösen Raucherin macht.
Happy und Biff, aufgestachelt durch den nicht zufrieden gestellten Geltungsdrang ihres wirklich sehr kleinen Vaters, wollen eine Firma gründen bzw. ein Event abhalten: Lohmann vs. Lohmann!
Dazu einer von Willys Sätzen während einer Traum-Sequenz (sehr anschaulich, mit netten Footballspielern) „Nur einmal möchte ich, dass mir etwas ganz gehört. Immer dieser Kampf gegen den Schrottplatz.“
Spätestens hier fühlt man sich ein wenig wie im „DIY: Spiegel-Artikel-Schreiben“.

Aber durch die Aufmachung mit viel Musik und sehr guten Schauspielern wollen wir diese ein wenig platte Kritik am Kapitalismus und freien Markt durch gehen lassen.
Sollte sie das alles abstoßen, müssen sie alleine wegen des Publikums trotzdem kommen. Jeder, der nicht zu den 1% gehört, bekommt ein flaues Gefühl, wenn er dieses Stück guckt, man merkt wie sich jeder mehr der weniger im erfolglosen Willy wieder erkennt, der nicht wahr haben will, wie das Geld nicht reicht und er sich schon wieder was leihen muss. Vor mir saß eine Schulkasse und den paar, die aufmerksam dabei waren, konnte man anmerken, wie jegliche Träume in diesen 2 Stunden zerplatzten.

Das Stück würde ich definitiv jedem empfehlen, der gerne den Spiegel liest und die SPD wählt – Kapitalismuskritik darf nämlich nie im Wege der persönlichen Lebensstandards und wirtschaftlichen Interessen stehen (stellen sie sich hier mein Gesicht vor, wie ich die Augen verdrehe und einen leicht zynischen Ton anlege) – aber auch so ist es relativ lohnenswert, die Schauspieler sind gut und die Inszenierung an sich auch.
Paulo Sieweck, Corwey Gymnasium, JG 11

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Premiere, Samstag 25.11.2017

Alles bleibt unerfüllt

Das Stück hat mir sehr gut gefallen, besonders Sebastian Rudolph in der Rolle, des Biffs.
Er lebt die Rolle so authentisch, dass man den Eindruck hat, dass er nicht schauspielert. Und so ist Biff noch mehr die zentrale Figur des Stückes, als sein Vater Willy Loman (sehr gut und eigenwillig gespielt von Kristof van Boven). Zwar geht es um das Scheitern des Vaters, der Schulden hat, seinen Job verliert und am Ende stirbt und dessen "Amerikanischer Traum" sich nicht erfüllt. Doch die größere Last liegt auf dessen Sohn Biff, der diesen Traum nie hatte, sein eigenes Schicksal vom unerfüllten Lebenslauf, den Betrug vom Vater an seiner Mutter, das Scheitern des Vaters und die unerfüllte Suche nach dessen Liebe, zu verkraften hat. Am Ende bleibt für alle, alles unerfüllt, vor allem für Biff.
Sophie Urzua, Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Neumünster, JG 12

Tschick

Rezension „Tschick“ vom 21.05.2017

Tschick – Ein sehr erfolgreicher Roman von Wolfgang Herrndorf kommt auf die Bühne. Gerade bei Bestsellern hat das Publikum hohe Erwartungen. Die Inszenierung von Christopher Rüping hat meine Erwartungen jedoch weit übertroffen. Detailreich und liebevoll entwickelt sich die Geschichte von Tschick, Maik und Isa zwischen Berlin, der Walachei und dem Mond. Letzterer ziert die Bühne über das einhundertminütige Werk. Das Stück weiß besonders durch grandiose Dialoge zu überzeugen, was jegliche Lebenssituationen der Charaktere enorm verdeutlichte, nicht zuletzt auch durch die schauspielerische Leistung. Die Inszenierung von „Tschick“ wirkt außerirdisch durch den auf der Bühne dargestellten Mond und den Raumanzügen der Personen. Dennoch existiert keine Distanz – man ist den Akteuren unglaublich nahe und fühlt gespannt mit dem Trio. Ein Roadtrip mit Weltraumflair, wobei besonders das eindrucksvolle Ende tanzend im Jenseits den perfekten Theaterabend abrundet. Dieses Stück eignet sich für wirklich jeden und ist besonders für Theatereinsteiger geeignet. Leichte Kost, die allerdings keinesfalls ihre Brillanz verliert.
Lucas Timm, Jahrgang 11, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn

 

Tschick, mein absolutes Lieblingsstück !
Die Geschichte von Maik, Tschick und Isa ist sehr gut umgesetzt worden und super gespielt. Die Szenen sind zwar chronologisch nicht immer in der Reihenfolge wie im Buch, aber trotzdem immer durch einen roten Faden verständlich verbunden.
Die schauspielerische Leistung beeindruckt mich jedes Mal wieder. Die zeitlichen Abläufe und parallel ablaufendes Agieren sind perfekt aufeinander abgestimmt. Amüsante Rollenwechsel und besonderes chorisches Sprechen bereichern das Stück unglaublich.
Eine sehr gute Idee ist die Verwendung eines kleinen Kassettenrekorders der zur Verstärkung auf das Mikrophon gesetzt werden kann, welches häufig und effektiv zum Einsatz kommt. Ebenso wie ein Klavier, das zur Untermalung des Spiels dient.
Es gibt viel zu viele tolle Elemente, Umsetzungen und Requisiten auf der Bühne, um all diese hier aufzuzählen. Was bei einem Eimer Kunstblut und zwei Streuwagen anfängt hört bei Holzplatten, die zufällig die Zukunft der drei Figuren erzählen und einem riesengroßen Chaos am Ende auf der Bühne, auf.
Besonders genossen habe ich die Darstellung des Flusspferdes, die Szene in der Isa notgedrungen im eiskalten See baden gehen muss und ihr Overall mit Eiswürfeln gefüllt wird, dass auch das Publikum eingebunden wird und den Spaß, der drei Rollen und der drei Schauspieler, der einfach dazu gehört um dieses Stück zu spielen.
Die Endszene in der die Protagonisten die „Zukunftsplatten“ aufheben und mit Scheinwerferlicht im Hintergrund tanzen, gibt dem gesamten Stück einen emotionalen und unvergesslichen Abschluss.
Ich habe die Inszenierung sowohl im großen Haus, als auch in der Gaußstraße gesehen. In der Gaußstraße wirkt es anders, persönlicher. Der Zuschauer ist einfach näher am Geschehen und fühlt sich mehr angesprochen und wie ein Teil des Geschehens, als im großen Saal.
(Ich denke, dass die Zuschauer die den Roman von Wolfgang Herrndorf gelesen haben, wenige, kleine Elemente einfacher verstehen.)
Nichts desto trotz kann ich dieses Stück jedem nur empfehlen und ans Herz legen anzusehen.
Julia Menk, Gymnasium Süderelbe Jg 12

 

Der Spiegel Bestseller Tschick kommt auf die Bühne des Thalia Theaters.
Es wird dabei versucht alles aus diesem Buch herauszuholen und so entsteht eine völlig chaotische Welt, in der man sich erstmal zurecht finden muss. Dazu ist Konzentration gefragt um den Faden nicht zu verlieren.
Die drei Schauspieler leisten tolle Arbeit und leiten das Publikum mit Humor und Sätzen zum Nachdenken durch das Stück.
Auch in 50 Jahren wird dies ein Theaterstück sein, das man sich ansehen kann- zeitlos.
Jarmo Busch, 17 Jahre, JG 12, Elsa-Bränstrom-Schule, Städtisches Gymnasium Elmshorn

 

Tschick ist das beste Theaterstück, das ich bisher gesehen habe.
Es handelt von 3 Jugendlichen, Maik und Tschick (beide 14 Jahre) und dem Mädchen Isa, das sie auf ihrer Fahrt durch den Sommer kennen lernen. Es spielen die ganze Zeit auch nur diese 3 Personen auf der Bühne. Das Bühnenbild ist ganz schlicht und einfach und irgendwie grau. Es gibt fast keine Requisiten (außer z.B. einmal Kunstblut, rote Farbe, die sich die Schauspieler aus großen Farbeimern auf den Kopf schütten und einem Müllberg, auf dem Isa wohnt). Das Stück wird begleitet von Popmusik und Geräuschen. Dadurch bekommt es eine ganz besondere Atmosphäre. Man könnte nun denken, wenig Schauspieler, keine Requisiten, schlichtes Bühnenbild, dass das Theaterstück langweilig ist, aber ganz im Gegenteil, von Anfang bis Ende ist es richtig spannend, meistens auch ganz lustig und man kann sich seine eigenen Vorstellungen machen.
Es geht also um die drei Jugendlichen. Sie sind in der Pubertät. Maik ist ein Kind von reichen Eltern, um das sich keiner richtig kümmert. Tschick ist ein ausländischer Jugendlicher aus Rumänien, der schon Straftaten begangen hat und aus einem schlechten sozialen Milieu stammt. Beide sind in der Schule und bei anderen Jugendlichen Außenseiter. Durch Zufall kommen sie am Anfang der Sommerferien zusammen und beschließen, mit einem von Tschick geklauten Lada durch Deutschland zu fahren. Ihr Ziel ist die Walachei, wo Tschicks Opa lebt und es sind Sommerferien und keiner kümmert sich um die beiden. (Maik glaubt zuerst, dass es diesen Ort überhaupt nicht gibt, denn das Wort steht ja auch für Einöde). Beide freuen sich endlich mal etwas Cooles machen zu können. Auf ihrem Weg in die Walachei lernen sie viele Menschen kennen, die nicht auf der Bühne zu sehen sind, sondern nur durch die Schilderungen wahr werden. Nur Isa, ein obdachloses Mädchen, das auf einer Müllkippe lebt, tritt als Schauspielerin dazu. Sie möchte von den beiden zu ihrer Schwester mitgenommen werden, bei der sie als letzten Ausweg unterkommen möchte. Maik und Tschick nehmen sie mit, weil sie ihnen zeigt, wie man Benzin klaut, denn die beiden haben kein Geld.
Auf ihrer Fahrt haben sie 2 Autounfälle und es wird auf sie geschossen.
Beim 1. Autounfall wird Tschick verletzt, so dass Maik weiterfahren muss. Durch den zweiten werden sie von der Polizei geschnappt und vor Gericht gestellt. (Über Lautsprecher hört man die Eltern schimpfen). Beide werden verurteilt, Tschick muss in ein Heim und Maik muss Sozialstunden leisten. Die verrückte Zeit ist vorbei.
Auf ihrem Weg setzen sie sich mit vielen Dingen auseinander, mit denen man sich auf dem Weg zum Erwachsen werden auseinandersetzen muss. Sie gehören am Anfang des Stückes noch nicht in diese Welt, sie wollen mit der Welt nichts zu tun haben. Das zeigen die Schauspieler auch, wenn sie in einer Art von Weltraumanzügen und Weltraumhelmen auf der Bühne spielen und die Welt wie ein Astronaut den Mond betreten. Bei den Themen geht es auch um Liebe. Maik liebt Isa, Tschick liebt Maik, was Maik durcheinanderbringt. Aber Tschick ist so mutig und sagt es Maik. Sie reden über Freundschaft, sie begehen Straftaten, brechen die Gesetze, sagen, dass sie nie so leben und werden wollen wie die Erwachsenen, wie ihre Eltern. Sie wollen sich nicht anpassen, sie wollen alles anders und besser machen und ihr Leben schön machen
Am Ende werden Tafeln von den Schauspielern hochgehalten, auf denen steht, was sie in ihrem zukünftigen Leben noch alles erleben werden oder erlebt haben. Und es stellt sich heraus, dass sie am Ende genauso werden wie alle anderen. (Sie sind irgendwie in der Walachei ( Einöde) angekommen.) Begleitet wird dies von Hintergrundgeräuschen und Musik.
Das Theaterstück ist wirklich toll und ich empfehle jedem dort hinzugehen. Es ist spannend und lustig und traurig. Die Schauspieler sind auch ganz toll und man nimmt wirklich an ihrem Leben teil.
Louisa B., Klasse 8 , Sophie-Barat-Schule

 


„Mit dem Leben ist es wie mit einem Theaterstück: Es kommt nicht darauf an, wie lang es ist, sondern wie bunt.“
Und genau so zeigt sich das Theaterstück „Tschik“ im Thalia Theater. Dieser Spruch wird nicht nur von Isa, Maik und Tschik, sondern dem ganzen Arrangement verkörpert. Denn nicht nur der Jugendroman von Wolfgang Herrndorf wird zum Leben erweckt, sondern auch die Abenteuer der drei Freunde, die unterschiedlichen Menschen, die sie kennenlernen, sodass die Worte schließlich lebendig werden! Auch wenn nicht so viel Farbe im Spiel ist, ist es bunt. Mit sehr einfachen, aber doch sehr ausdrucksstarken Mitteln, wie rote Farbe als Blut, dem Sandstreuer als Weg und der Beyonce´ Musik passt alles zusammen und bekommt seinen eigenen Touch!
Auch das doch sehr schlichte, aber besondere Bühnenbild trägt zu einer in sich stimmigen Atmosphäre bei. Die durchscheinenden Vorhänge, die Astronautenanzüge, das Klavier und die etwas kalte und graue Bühne wirkt sehr modern und lässt Schauspieler und Gedanken noch besser strahlen! So kann sich jeder sein eigenes Bild machen. Nicht nur die unterschiedlichen Charaktere von Maik aus der Villa mit Pool, Tschik aus den „Asi-Hochhäusern“ und Isa vom Müllberg unterstreichen, dass das Theaterstück anders ist! Einfach besonders. Nicht wie vielleicht viele Theater mit einem Bühnenbild mit Bäumen und bis ins kleinste Detail strukturiert, einer abgegrenzten Bühne…Aber an „Tschik“ ist einfach nichts normal!
Dies bringt auch die Schauspieler besonders gut zum Vorschein. Durch ihre offene, charmante und auch wirkungsvolle Art bieten sie ein unterhaltsames modernes Theater. Zum Beispiel lockern Diskussionen, wie hoch nun das Mikro sein soll, alles etwas auf. Es gibt immer wieder neue Überraschungen, etwas Unerwartetes passiert. Die Umsetzung ist absolut gelungen! Man entdeckte den komischen, vielleicht auch etwas schüchternen Maik wieder, der nun endlich Freunde hat, Tschik, der kleine Draufgänger, der in die Walachei will und Isa, die allen zeigt wo es lang geht! Man lernt ein paar Leute kennen, denen sie auf ihrer Reise begegnet sind. Auch wenn man sie nicht sehen kann, kann man sie sich genau vorstellen. Wie zum Beispiel der verrückte Scharfschütze und das Nilpferd! Man lernt die drei noch einmal von einer anderen Seite kennen.
Der Schluss ist einer der Höhepunkte gewesen! Die Darstellung Karten zu ziehen hat nochmal alles abgerundet und zeigt was den dreien in der Zukunft noch alles passieren könnte. Schicksalsschläge und Erfolge wie zum Beispiel ein Autounfall oder ein Lottogewinn prägen und bestimmen das Leben und die Zukunft eines jeden! Man hat viel mitgenommen und wird sich bestimmt in manchen Momenten an „Tschik“ zurückerinnern! Man kann nicht einfach warten, bis etwas passiert, man muss sein Leben in die Hand nehmen und das Leben genießen bevor es vorbei ist! Und das haben die drei und besonders Tschik und Maik gemacht!
„Mit dem Leben ist es wie mit einem Theaterstück: Es kommt nicht darauf an, wie lang es ist, sondern wie bunt.“ Und es ist bunt von Anfang bis Ende! Es zeigt nicht nur ein buntes Leben, es zeigt auch, dass das Leben bunt ist. Und das Theaterstück hat einen Farbspritzer bestimmt nicht nur in meinem Leben, sondern in mehreren hinterlassen! Gern wird man sich immer wieder dran zurückerinnern und hoffen, dass das Leben immer so bunt bleibt!!!
Nehle H. 9e

 

Wenn die Rolle singt oder der vollkommene Angler

Was für ein vollkommener Abend!
Es ist herrlich den beiden Anglern zu zusehen und zu zuhören. Das Stück lebt dadurch, dass sich die beiden herrlichen Charaktere immer wieder in ihren Erzählungen verlieren. Damit ihre Improvisationen oder auch Themenvertiefungen nicht ganz mit Ihnen durchgehen und sie auch in der Handlung vorankommen, hängt in dem Vereinshaus eine Uhr um die, leider viel zu schnell voranschreitende, Zeit ein bisschen im Auge zu behalten.Absolut amüsierend ist es, wenn sich die beiden Figuren zanken und diskutieren. Besonders köstlich waren das Nasenflötenspiel und zwei sich dabei vor Lachen nicht mehr einkriegende Schauspieler, der schwebende Hummer und die Käsewerbung. Ebenfalls hat mir gefallen, dass das Spiel sehr nah am Zuschauer ist und auch auf das Publikum eingegangen wird.
…Und ganz nebenbei lernt man doch Einiges, mehr oder weniger Nützliches über Fische, Köder und alles was das Anglerherz zusätzlich begehrt, bzw. mitteilt.
Ich ärgere mich ein bisschen, dass ich mir das Stück nicht schon viel früher angeschaut habe, da ich jetzt für ein Jahr nicht in Hamburg bin und mir die Angler in der Zeit nicht erneut angucken kann. Ich möchte mir dieses Stück auf jeden Fall nocheinmal ansehen, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass jede Aufführung einmalig ist.
Julia Menk

Immer noch Sturm

 

19. Januar 2013
Ich ging also ins Thalia Theater und schaute mir das Stück „Immer noch Sturm“ an, oder welches.
Da saß ich also, oder wo. Am Samstag den 19.01, oder wann.
Was wollte uns Peter Handke nun mit diesem Stück sagen?
Ist es ein Familiendrama? Eine Familientragödie?
Ein Biographischesdrama? Ein Drama der ewigen verlierenden?
Ein Volksdrama? Eine Volkstragödie?
Nur eins ist klar, die Schauspieler sind übernatürlich genial gewesen. Das Bühnenbild war super, der Glitzer, der von der Decke rieselte, ist einfach überragend gewesen. Die Schauspieler haben so viel Farbe in den Düsteren Hintergrund und Stück gebracht. Die Musiker und die musikalischen Einlagen haben wunderbar harmoniert mit den Dialogen und Monologen. Wenn ich jetzt Peter Handke, höre ich in meinem Kopf immer die Stimme der Schauspielers der den Erzähler und seine grandiose Erzählweise.
Während des Stückes hat man sich gefühlt als säße man auf einer Bank mitten auf der „Heidesteppe“ unter hinter einem dann die „Saualpe“. Dank den Schauspielern wurde uns eine eher zeitlose Zeit vermittelt. Man hat es gespürt wie der Wind immer stärker wurde, bis hin zum Sturm.
Die Herrenrasse, die alles eingedischt hat, die Schwaben, die Bösen. Sie wurden veräppelt, von Spät- wie Frühäpfeln.
Was gibt es schöneres als Obstbauer zu werden?
Ich hätte mir gerne gewünscht, dass die Pause 10 Minuten länger wäre. Aber nun gut nicht alles ist möglich oder doch.
Es blieben viele Fragen offen, ich weiß nur eins.
Immer noch Sturm.
Marlon H., Schülerbotschafter am Gymnasium Ohmoor (Jg. 10)


19. Januar 2013
Das Theaterstück „Immer noch Sturm“, basierend auf der gleichnamigen Lektüre von Peter Handke, beschreibt das Leben Handkes‘ Vorfahren zu Zeiten des zweiten Weltkrieges. Das „Ich“ des Stückes, gespielt von Jens Harzer, welches, wie unschwer zu erkennen, Peter Handke verkörpert, sitzt auf einer Bank auf einer Heide während er beginnt, über seine Vorfahren zu erzählen, mit denen er kommuniziert und aktiv in einzelne Szenen dieser eingreift, obwohl er zeitlich gesehen noch nicht einmal geboren wurde.
Peter Handke stellt die Kriegszeit aus Sicht der Unterdrückten Kärntner Slowenen dar. Zwei Brüder seiner Mutter fallen im Krieg, der jüngste , Benjamin, zuerst. Und der dritte, der Obstbauer Gregor, der einäugige, beschließt 1941, sich den slowenischen Partisanen anzuschließen und somit in den Wäldern zu kämpfen.
Ein unglaublich gut umgesetztes Stück von Regisseur Dimiter Gotscheff, welches, trotzdem es nahe an der Lektüre gehalten ist, eine eigene, ganz besondere Atmosphäre erzeugt. Diese wird unter anderem von dauerhaft von der Decke rieselnden Blättern erzeugt, die das Gefühl eines Traums oder einer Vorstellung mit sich bringt. Wie passen diese Blätter in den inhaltlichen Zusammenhang? Stehen die langsam gleitenden Blätter für das zeitlose oder sogar gegenteilig gesehen für den Verlauf der Zeit? Oder stellen sie das Laub dar, welches in den Kampfgebieten der Partisanen, den Wäldern, von den Bäumen fällt? Hierbei gibt es sicherlich keine Grenzen der Interpretation, was das Stück noch unvergesslicher macht. Auch das Zusammenspiel von Monologen und Dialogen hat mir gefallen und die Art und Weise, wie sie in einander übergehen.
Die Schauspieler spielten ihre jeweiligen Rollen hervorragend und überzeugend. Besonders positiv hervorheben möchte ich den Hauptdarsteller und Protagonisten Jens Harzer als das Ich. Seine Monologe zwischen den Szenen wurden geprägt von einer unglaublich gut eingesetzten Dynamik in der Stimme, wodurch solche, doch recht langen Monologe, niemals auch nur ansatzweise eintönig wurden. Auch sehr charaktergetreu spielte Bibiana Beglau als Ursula, die Schwester der Mutter des Ichs. Diese schrie teilweise mit einer so lauten und machtvollen Stimme, dass sie Gänsehaut erzeugte. Kritisieren möchte Ich Hans Löw, der die Rolle des Valentin, dem zweitältesten Bruder der Mutter hatte. Seine Mimik und Gestik ging meiner Meinung nach teilweise leicht in die Überzeichnung, da die Vorlieben des Charakters, also das Vergnügen mit Mädchen beispielsweise zu sehr auf die Körperhaltung, die Gesichtsausdrücke und die Sprache übertragen wurde.
Geprägt wurde das Stück außerdem durch Live-Musik von Matthias Loibner und Sandy Lopicic. Die Musik wurde perfekt eingesetzt und erzeugte eine grandiose Spannung und Dramatik.
Empfehlen würde ich dieses Stück aufgrund der Länge von über vier Stunden, die eine gewisse Konzentration beansprucht, den teilweise vorhandenen komplexeren Szenen und dem benötigten historischem Hintergrundwissen Schülern ab der zehnten Klasse. Um das Stück gut zu verstehen, sollte man sich vorher ein wenig mit dem Autor Peter Handke selbst und seinem Werk „Immer noch Sturm“ befassen.
„Immer noch Sturm“ ist also auf jeden Fall sehenswert. Ein Stück voller Emotionen die für ein unvergesslichen Theaterbesuch sorgen. „Immer noch Sturm“ ist grandios. Meisterhaft.
Rezension von Torben B., Schülerbotschafter am Gymnasium Ohmoor (Jg. 10)

Werther!


„Bestimmt wird’s voll langweilig…“, so ungefähr war unsere Erwartung zu dem Stück. Sitzend in der U-Bahn grübelten wir über die Aufführung, die uns erwarten würde. Den Lichtblick aus Goethes trüber Dichtung erwartend, hofften wir auf eine moderne Neuinszenierung des Werkes „Die Leiden des jungen Werther“, die sich nah am Buch halten würde. Somit gingen wir voll Zuversicht zum Theater.
Kurz vor sieben: Schüler betreten den Raum. An die Wand wird bereits die Reclam-Ausgabe des Werthers projiziert. Als nun Philipp Hochmair die Bühne betritt und beginnt, aus Goethes Werk zu lesen, wird nur aus Höflichkeit ein Stöhnen unterdrückt. Doch die folgende Stunde zieht alle Anwesenden, Lehrer wie Schüler in ihren Bann: Hochmair wirft Salat ins Publikum, fällt aus seiner Rolle, verlässt wiederholt das Theater, versinkt in Niveaulosigkeit… Das Stück „Werther!“ von Regisseur Nicolas Stehmann wurde fast 1200 mal gespielt und eröffnet den Zuschauern immer wieder eine vollkommen neue Möglichkeit, „Die Leiden des jungen Werther“ neu zu verstehen.
Besonders gelungen ist die Umsetzung des Klassikers Werthers zu einem Stück, das auch junge Zuschauer anspricht. Die Medienunterstützung spielt dabei eine große Rolle; Hochmair benutzt moderne Musikstücke, um Werthers Gefühle auszudrücken. Das Lied „Perfect day“ von Lou Reed wird zum Beispiel genutzt, um die Liebe zu Lotte nach dem ersten Treffen widerzuspiegeln. Mit einer Videokamera filmt er sich selbst und projiziert das Bild auf eine überdimensionale Leinwand. Damit wird auf subtile Weise Werthers Narzissmus dargestellt. Am Ende des Theaterstücks knallt ein Mikrofon auf Hochmairs Kopf und Werther stirbt.Insgesamt lässt sich festhalten, dass Philipp Hochmair uns an diesem eine interessante und spannende Interpretation des „Werther“ geboten hat, die uns einen neuen Blick auf dieses große Werk ermöglichte.
Deutschkurs Jahrgang 11 /Mey

Das ist Esther - Klassenzimmerstück

 

In dem Theaterstück über die Jüdin Esther Bauer geht es um erschütternde Erlebnisse im Dritten Reich. Diese wahre Gegebenheit wurde von der fiktiven Enkelin Mary Ann, gespielt von einer Schauspielerin des Thalia Theaters, erzählt. Dabei wurden die Lebensbedingungen und Erlebnisse von Esther Bauer, die noch immer in New York wohnt, geschildert, besonders der Aufenthalt in Auschwitz spielt eine große Rolle.
Sehr gelungen war die Art der Erzählung, die Mary Ann durch Fotos, ein geschickt entwickeltes Tafelbild und eine Medieneinspielung untermalte. Des Weiteren gefiel uns, wie lebendig sie die Geschichte vortrug, wobei man merkte, wie sie die damalige Zeit ihrer Großmutter nachempfinden konnte. Außerdem weckte sie bei uns eine besondere Aufmerksamkeit, indem sie den ganzen Raum schauspielerisch ausnutzte und uns das damalige Leben im Auschwitz einen Moment lang nachempfinden ließ.
Im Allgemeinen fanden wir das Theaterstück sehr ansprechend, da sie uns mit vielen Informationen und Eindrücken das damalige Leben nahebrachte. Wir empfehlen dieses Theaterstück weiter, weil es eine besonders interessante Lernweise über die Vergangenheit darbietet.
Celina V. und Saskia W., Klasse 9d, Gymnasium Ohmoor