Atropa.

Atrop
a.

Krieg im Namen der eigenen Kultur? Agamemnon ist entschlossen Verantwortung zu übernehmen und seine Tochter zu opfern, um den Krieg zu gewinnen und die angegriffenen Werte der westlichen Welt zu verteidigen.

 

Wie weit darf und muss man gehen, wenn der Wert der eigenen Kultur in Frage gestellt wird? Einige Jahre nach dem historischen September in den USA wagen wir mit Tom Lanoye den Blick zurück auf die Ereignisse und erzählen die Geschichte noch einmal neu, nein eigentlich alt, uralt, als antike Geschichte, die die wiederkehrenden menschlichen Schicksale beschreibt. Auf der Folie der griechischen Stoffe des Aischylos und Euripides deutet Lanoye den Krieg des Westens gegen den Osten neu und erzählt uns beide Seiten: Die Geschichte des Politikers Agamemnon, der den Krieg im Kampf um die Kultur ausbrechen lässt, sowie die Geschichte der geschlagenen trojanischen Frauen, die den Tod ihrer Männer und ihres Landes beklagen. So wird die Logik des Krieges stets widerlegt durch die Logik des Leidens und umgekehrt. Wo also steckt der Sinn hinter all dem Leid? Was lässt sich rechtfertigen am Krieg der imperialistischen griechischen Hochkultur gegen das orientalische Troja? Die Gegenwart, aus der Distanz der Antike verhandelt, rollt die Brisanz des Konfliktes neu auf, der bis heute ungelöst bleibt. Denn wie wäre der Clash of Cultures zu verhindern gewesen? Und wie wird man sich dieser Problematik künftig annähern können?

 

Der junge Regisseur Antú Romero Nunes wurde in der Kritikerumfrage von „Theater heute“ zum Nachwuchsregisseur des Jahres 2010 gewählt. Nach seiner ersten erfolgreichen Inszenierung in der Gaußstraße in der Spielzeit 2009/2010 wird er weiter die interkulturellen Fragen stellen, die schon in „Invasion!“ deutlich anklangen und sich spielerisch dem wohl größten Ereignis der jüngsten Geschichte nähern.

 

Premiere 30th October 2010, Thalia Gauss