Verrücktes Blut

Ballhaus Naunynstraße, Berlin
Verrücktes Blut
von Nurkan Erpulat und Jens Hillje, frei nach dem Film „La Journée de la Jupe“

„Ich habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu sein, und bei meiner Ehre, ich will sie geltend machen. Sie setzte uns nackt und armselig ans Ufer dieses großen Ozeans Welt – Schwimme, wer schwimmen kann, und wer zu plump ist, geh unter! Sie gab mir nichts mit. Wozu ich mich machen will, das ist nun meine Sache. Jeder hat gleiches Recht zum Größten und Kleinsten. Frisch also! Mutig ans Werk! – Ich will alles um mich her ausrotten, was mich einschränkt, dass ich nicht Herr bin. Herr muss ich sein, dass ich das mit Gewalt ertrotze, wozu mir die Liebenswürdigkeit gebricht ab.“ Franz Moor in „Die Räuber“ von Friedrich Schiller

Junge Männer mit fremdländischem Aussehen versetzen neuerdings die deutsche Gesellschaft im alltäglichen Endkampf um die abendländische Zivilisation in Angst und Schrecken. Ihr Hintergrund ist meist ein migrantischer und bildungsferner. Alleine die Herkunft der Heranwachsenden, meist eine türkische oder arabische, schürt diese Angst scheinbar automatisch. Innerhalb der gängigen Vorstellungen zwingen diese jungen Männer dem Klischee nach ihre Frauen Kopftuch zu tragen und ermorden um der Familienehre willen ihre Schwestern. Und statt sich zu bilden und zu arbeiten zeugen die Integrations- verweigerer auch noch ununterbrochen weitere neue Kopftuchmädchen. Soweit die Vorurteile in der gegenwärtigen „Islamdebatte“. Die einzige Hoffnung auf Rettung vor dem Untergang richtet sich nun auf die gute alte deutsche Schule, also: Bildung, Bildung, Bildung!!!
Eine Lehrerin bekommt eines Tages eine einzigartige Chance: Sie versucht ihren disziplinlosen Schülern mit Migrationshintergrund gerade Friedrich Schiller und seine idealistischen Vorstellungen vom klassischen deutschen Theater nahe zu bringen als ihr in einem Gerangel eine Pistole in die Hände fällt. Eine echte. Kurz zögert sie, dann nimmt sie ihre Schüler als Geiseln und zwingt sie mit vorgehaltener Waffe auf die Schulbühne zu treten und zu spielen. Denn allein Theater kann die Welt noch retten und heilen. Mit dieser Geiselnahme hebt nun nicht nur ein abgründiger Tanz der Genres vom Thriller über die Komödie zum Melodram an, sondern auch die lustvolle Dekonstruktion aller vermeintlich klaren Identitäten.

Eine Koproduktion des Ballhaus Naunynstraße und der Ruhrtriennale.

Regie Nurkan Erpulat Bühne und Kostüme Magda Willi Musik Tobias Schwencke Dramaturgie Jens Hillje
Ensemble Nora Abdel-Maksoud, Erol Afşin, Emre Aksızoğlu, Sohel Altan G., Tamer Arslan, Rahel Johanna Jankowski, Gregor Löbel, Sesede Terziyan La

Journee de la Jupe
Drehbuch und Regie Jean-Paul Lilienfeld

Im Anschluss an die Vorstellung am 23. Januar findet ein Publikumsgespräch statt. Moderation: Armgard Seegers (Hamburger Abendblatt).

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