Rezensionen zu Panikherz


Thalia-Schülerbotschafter werden und regelmäßig an der Schule über die Thalia-Stücke informieren! Du bekommst Material zur Gestaltung einer Schul-Pinnwand und erhältst regelmäßig Karten für Inszenierungen deiner Wahl sowie Einladungen zu Proben oder anderen Veranstaltungen.
Bewerbung mit Angaben zu Alter, Jahrgang, Schule und E-Mail-Adresse unter thaliaundschule@thalia-theater.de

Rezensionen zu Panikherz




„Panikherz“- Rezension des aktuellen Theaterstücks zum Bestseller
Im berühmten Hotel Chateau Marmont am Sunset Boulevard, bringt Benjamin von Stuckrad-Barre mit „Panikherz“ die Lebensgeschichte seines Romanhelden zu Papier. An diesem Ort lässt auch Christopher Rüping sein Theaterstück beginnen. Anders als andere autobiografische Erzählungen über Sucht, behält der Erzähler in seinem Roman eine selbstgewählte Distanz bei. Im Jahr seines Erscheinens 2016, verkaufte sich dieser sofort als Bestseller, wurde viel diskutiert und ist nach wie vor ein Werk, dass mit seiner Thematik und stilistischen Feinheit viele von uns bewegt: Schreiben kann er, ist ein genauer und satirisch-kritischer Beobachter; provoziert. Selbstironisch und doch liebevoll beschreibt Benjamin von Stuckrad-Barre in „Panikherz“ die Abgründe seiner Biographie: von Alkoholsucht, Bulimie, Depression und Drogenexzessen, Aufenthalten in Entzugskliniken und erneutem Konsum.
Von Momenten in denen er rückblickend - bei seinem Versuch sich ein Leben lang, selbst abzuschaffen- nur knapp dem Tod entronnen ist. Und solchen voller Lebensfreude, Intensität und Leidenschaft. Diese galt vor allem der Pop-Musik und…Udo Lindenberg, dessen Figur sich schillernd und Glück-bringend durch das Leben des Popliteraten zieht.
Außer seiner intensiven Schwärmerei für die Rockmusik-Ikone ist Benjamin von Stuckrad-Barre zu Anfang ein klassischer Jugendlicher auf Identitätssuche und Flucht aus einer Kindheit im Deutschland der achtziger Jahre. Aufgewachsen in  Rotenburg an der Wümme als viertes Kind in einer Pastorenfamilie, zeigt sich sein aus Kirchenchorproben, Blockflötenunterricht und zu Brotaufstrich deklariertem Hefe-Extrakt bestehender Alltag, besonders ungewöhnlich; ungewöhnlich geregelt und natürlich ernsthaft.
Geliebt oder gehasst wird der Autor mit dieser sehr persönlichen Story: als peinlich wahrhaftiger Fan, lebensunsicherer Hochbegabter, der selbstbezogen wie ironisch sein kann; ein Poser ist er, aber auch komisch.... Der erfolgreiche Musikkritiker, Redakteur, Talkshowmoderator und Romanautor, erzählt mit Ernsthaftigkeit, welche von absoluter Ehrlichkeit kommt, von dem „was ihm wirklich wichtig ist“.
Alles andere interessiere ihn schon lange nicht mehr.
Auf den 576 Seiten von „Panikherz“ entblößt Benjamin von-Stuckrad-Barre dem Leser das Innere seiner Seele, schnörkellos und ohne Korrekturen vorzunehmen. Der Glanz der Oberflächliche verschwindet, darunter befindet so etwas wie die wirkliche Intensität des Lebens und vielleicht Wahrheit.
Die Suche nach dem „Licht“, nach Ruhm und Erfolg, nach Lebensglück, wird beendet mit diesem Bekenntnis zu dem was nun mal sein Leben ist: Letztlich gehört dazu auch die eigene Person. Und dies sei bestimmt intensiv genug und Selbstakzeptanz eine Lebensaufgabe.
Insbesondere in unserer aktuellen Gegenwart wohnt dem Text „Panikherz“ mit seiner Thematik eine einzigartige Bedeutsamkeit inne. Durch die Inszenierung Christopher Rüpings findet die Schrift eine lebendige Verarbeitung mittels besonders beeindruckender Videokunst, dem Original-Soundtrack der achtziger/neunziger Jahre, einem wunderschönen, wie simplen Bühnenbild und viel Nebel…. Ein asiatisches Udo Lindenberg-Double nimmt kurz die schützende Sonnenbrille ab…Und in der Inszenierung gibt es einen überraschenden Moment, bei dem sich Sebastian Zimmler im weißen Anzug (als Benjamin von Stuckrad-Barre) dem Publikum zuwendet und Konversation betreibt. Diese Ebene fehlt dem Roman mit seiner Ich-Bezogenheit und wird auch in der restlichen Inszenierung nicht realisiert. Möglich ist, dass jeder Zuschauer der in den achtziger Jahren schon gelebt hat, seinen Spaß mit den eigenen Kindheitserinnerungen haben wird,  aber auch uns junge Menschen beschäftigt die szenische Darstellung des Romans:  Sucht, Ruhm, Drogen oder Pop-Musik holen uns alle doch nur wieder ins Theater zurück.
Ira Wichert, Helene Lange Gymnasium, Jg. 12

_________________________________________

Eine komische Stimmung liegt in der Luft. Alle sind sie gekommen, um sich die von Bulimie und Drogen geplagte Karriere des Benjamin von Stuckrad-Barre anzuschauen. Ein wenig zu lachen - er ist ja lustig. Ein wenig weinen vielleicht? Am Ende darf man sich wie der Sieger eines asynchronen Kampfes fühlen. Man ist ja klüger. Drogen? Niemals! Da kann sich der Thalia-Gänger richtig schlau fühlen. Auch Bulimie. Wer macht denn so was? Also dünn sein in allen Ehren, aber das würde man nicht machen; man ist ja nicht wahnsinnig. Man sagt es nicht so, aber irgendwie geht man schon hin, um sich eine wenig überlegen und klüger zu fühlen. Die intellektuelle Überhand hat man vielleicht nicht gegen den klugen Pastorensohn – aber moralisch ist man ihm um Lichtjahre voraus.
Aber irgendwas ist komisch. Wer sitzt denn da?  Da in der Loge. Der kommt einem ja schon bekannt vor. Und das sollte er auch. In der Vorstellung, die ich besuche, sitzen Barre und Udo Lindenberg. Irgendwie komisch. Lindenberg als unerreichbare Ikone und daneben der (ehemalige?) Popstar der Literaturszene.

Das Stück beginnt normal. Wir lernen über seine Kindheit in irgendeiner Kleinstadt nahe Hamburg. Hamburg, sein großer Traum. Verwegen. Der Kiez und die Herbertstraße. Wir lernen seine Liebe zu Lindenberg und dem Panikorchester kennen und vielleicht ein wenig verstehen. Ähnlich wie Knausgard nimmt er uns an Orte seiner Kindheit mit, an denen wir vielleicht nie sein wollten. In diesem malstromartigen Monolog. Ein drei Stunden langer Monolog. Gesprochen und gespielt von sechs Schauspielern.
Und dann geht’s los. Barre wird berühmt. Er schreibt sein erstes Buch und wird Autor bei Harald Schmidt. Nebenbei freier Autor für FAZ und SZ. In der Öffentlichkeit präsent und definitiv medienwirksam. Er gerät in einen Strom aus Drogen und Abnehmzwang.

Und es ist ein Meisterwerk, was hier auf der Bühne landet. Rüping schafft es das Leben durch Licht und grelle Effekte perfekt nachzuahmen. Also so, wie wir es uns vorstellen. Es beginnt geordnet, die Erzählung ist noch sinnvoll. Sachen passieren zwar immer hyperaktiv und im Dauerwechsel, aber das passt ja nur zu perfekt. Und dann wird es immer schwerer, die Geschichte wird immer rasanter. Immer schneller geschehen die Dinge. Wie im Rausch erzählt uns das Kollektiv auf der Bühne von Udo Lindenberg, Kokain und dem Chateau Marmont.
Plötzlich kommt eine Pause. Nach zwei Stunden, die nicht schneller hätten verfliegen können.
Danach kommt der gezähmte Stuckrad-Barre. Der, der auf Entzug war. Dessen bester Freund tot ist. Der, der jetzt nur noch Kamillentee trinkt. Er erzählt uns von Gucci-Beach und der Focaultforscherin.

Und dann ist es vorbei. Nach drei Stunden genialer Inszenierung ist es vorbei. Keine Minute kürzer hätte es dauern dürfen. Keine Minute mehr. Barre stürmt auf die Bühne und küsst in seiner ADHS getriebenen Manier die Schauspieler.
An diesem Abend stimmt alles, Musik, Licht und auch alle Schauspieler sind genial.
Auch das, was immer als Pop-Literatur abgetan wird, wirkt wie Hochkultur. Ein anderer probiert Shakespeare modern, politisch und flashy zu machen und beißt sich die Zähne dran aus.
Hier klappt's. Theater mit Moral und Hintergrund, das trotzdem Spaß macht.
Alt und Jung haben hier alle samt ihren Spaß. Einfach ein fantastisches Stück!
Paulo Sieweck, Corvey Gymnasium , JG 10

_________________________________________

Panikherz, Thalia Theater, 27.04.18, 20:00
Weltstar oder Drogenabhängiger? Eine alles beherrschende Frage.
Mit Metaphern vom Meer, dem alles egal ist, wahren Gedanken, darüber, was bei einem Klassentreffen mit dem Gesagten nicht übereinstimmt und mit pubertären Geschichten, schloss ich das Stück in mein Herz.
„Panikherz“ von Benjamin von Stuckrad-Barre, eine Autobiografie, in einer Bearbeitung von Regisseur Christopher Rüping begeistert mit Witz und Charme das Publikum und lässt Hände von ganz alleine zusammenschlagen. Das Stück wird aus der Ich-Perspektive von Stuckrad-Barre erzählt, dem Hauptcharakter, neben seiner Familie und Udo Lindenberg.
Regisseur Rüping bringt sieben verschiede Schauspieler/innen für den Benjamin auf die Bühne. Jede/r verkörpert eine etwas andere Facette des Protagonisten. Da auch zwei Frauen den Benjamin spielen ist man anfangs etwas verwirrt, aber schnell gewöhnt man sich daran und erkennt darin die weiblichen Anteile des von Stuckrad-Barre.
Den jungendlichen Stuckrath-Barre, früh geprägt durch Udo Lindenbergs, für ihn fast märchenhaft wirkende Lieder, zieht es in die Großstadt Hamburg, nachdem er von der Provinz in Rotenburg/Wümme nach Göttingen gezogen ist. Er macht Karriere in Hamburg und stürzt schließlich durch Alkohol und Drogen ab, doch er rappelt sich auch immer wieder auf. Seine Essstörung macht ihm das Leben nicht gerade leichter. Man weiß nie ob er es geschafft hat, oder ob ein neuer Absturz schon hinter der nächsten Ecke auf ihn wartet.
Neben ernsten, gibt es viele witzige und ansprechende Szenen. Exemplarisch hier genannt die Beschreibung des Vorgehens bei seiner Bulimie, die zwar drastisch, aber nie eklig ist. Und die amüsante Schilderung seiner Panik vor dem Klassentreffen, welches seinen allgemeinen Horror vor dem Spießertum verdeutlicht.
Die ganze Aufführung wird mit einem reduzierten Bühnenbild, Theaternebel und mit Liedern des späten 20. und frühen 21. Jahrhundert begleitet.
Mein Fazit ist, dass dieses Stück sehr gelungen und für jeden etwas ist.
Mimi Bergmann, Jürgen-Fuhlendorf-Schule Bad Bramstedt, Jg 9

02.05.2018 / 12:51 Uhr / Schülerbotschafter

Mein Kommentar

Bitte verschicken Sie keine Karten- oder sonstige Anfragen über die Kommentar­funktion. Über die Kommentar­spalte gestellte Anfragen werden nicht beantwortet. Für Fragen zu Programm etc. steht Ihnen das Karten­telefon unter 040. 32 814 – 444 oder die Email­adresse theaterkasse@thalia-theater.de zur Verfügung.

Mit dem Versenden dieses Kommentarformulars erklären Sie sich damit einverstanden, dass die von Ihnen angegebenen Daten elektronisch erfasst, gespeichert und auf unserer Webseite veröffentlicht werden. Wir verwenden Ihre Daten ausschließlich zur Veröffentlichung Ihres Beitrags. Ihre Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden, z.B. per E-Mail an widerruf@thalia-theater.de. Ihr Beitrag und Ihre persönlichen Daten werden dann gelöscht. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.