Rezensionen zu "Die Orestie"


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Rezensionen zu "Die Orestie"




Als Didl Mäuse auf einem LSD-Trip bezeichnete meine Begleitung die Kostüme der Protagonisten der „Orestie“.  Auf dem T-Shirt des einen steht „Geil“ und sie alle haben Rattenschwänze, rote Brillen, Schnurhaare. In der Tat, sie sehen sehr merkwürdig aus.
Nun so am Anfang des Stücks, wusste ich auch nicht so richtig, was da auf mich zukommt, als ich eine Iphigenie in kompletten Rosa und merkwürdigen Dreadlocks sehe.
 Ok, drei Stunden Tragödie, mit ganz viel Mord und komischen Namen, die sich ein gewisser Herr Aischylos ausgedacht hat. Agamemnon opfert seine Tochter Iphigenie, dieser wird wiederum getötet von seiner Frau Klytaimestra. Ja und diese stirbt zusammen mit ihrem Geliebten, durch die Hand des eigenen Sohnes, Orest. Das hört sich nicht nach leichter Kost an, nach Spaß schon gar nicht. Trotzdem hat es Ersan Mondtag geschafft, dem Stück ein wenig den Ernst zu nehmen, aber auf eine gute Art und Weise. Eine verstaubte Tragödie wurde modern inszeniert. Schauplatz sind ein Renaissance-Palast, aber auch ein Parkhaus und eine Wohngegend oder eher ein Plattenbau, in dem Gerüchte bestimmt schnell die Runde machen. Schwung hinein bringt eine Drehscheibe, die zwar nicht immer von alleine lief, aber trotzdem sehr imposant wirkte, als Orest klar wird, dass er Rache möchte. Rache an seiner Mutter, für den Mord an seinem Vater.
„Soll das so sein?“, frage ich mich dann aber, als Orest bei seinem  fast melancholischen Geständnis unterbrochen wird. Statisten, die die Puppen von der Bühne räumen, andere fangen an den Hintergrund abzubauen, der Vorhang fällt. Orest  guckt hervor, schreit nach dem Text, seine Schwester Elektra kommt dazu, sie beide wirken jedoch etwas hilflos, stammeln vor sich hin, bis sie mit der Bühne zusammen untergehen.
So grotesk geht es weiter, indem die Wahrsagerin Kassandra ein Baby ist, deren Prophezeiungen sich in Geschrei kundtun.
Worum geht es eigentlich in der „Orestie“?
Um etwas, was für uns vielleicht schon viel zu selbstverständlich geworden ist, weshalb so wenige von uns sie wahrnehmen. Die Demokratie, bzw. den Übergang von der Blutrache zu einem Rechtsstaat.
Während am Anfang noch Götter die Entscheidungen über Gerechtigkeit treffen, später Selbstjustiz stattfindet, soll am Ende eigentlich eine erste Demokratie aufgebaut werden. Doch schlussendlich entscheidet Athene alleine und stimmt für Orest´ Unschuld. Vielleicht erklärt auch das die Kostüme. Der Mensch verhält sich hinterlistig, feige, verschlagen. Er ist eine Ratte und mit Gerechtigkeit umgehen, kann er eher weniger. Damit bleibt die Frage am Ende offen: Troja ist gefallen. Doch wie geht es nun weiter?
Insgesamt ist  „ Die Orestie“ ein unfassbar beeindruckendes Stück, mit dem für den einen oder anderen vielleicht zu grotesken Bildern, doch hervorragender schauspielerischer Leistung und einem mitreißenden Chor.
Michele Lichtenstein, Marion-Dönhoff-Gymnasium Mölln, Jg 11

31.01.2018 / 15:07 Uhr / Schülerbotschafter

Mein Kommentar

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