Iran-Konferenz

 

Iran-Konferenz
von Iwan Wyrypajew
Regie Matthias Günther
Deutschsprachige Erstaufführung
 

Am 15. Februar 2017 findet an der Kopenhagener Universität eine öffentliche Konferenz zur „Iran­Frage“ statt. Geisteswissenschaftler verschiedener Fakultäten, Schriftsteller, Journalisten sowie bekannte Persönlichkeiten des Kulturlebens diskutieren über die Konkurrenz zweier Weltanschauungen, die der Konferenzleiter als „religiösen Traditionalismus“ und „humanistischen Rationalismus“ zu beschreiben versucht. Wie unvereinbar die Positionen sind, wird schon beim ersten Redner deutlich. Nicht Mündigkeit und Kritik, sondern Selbsterkenntnis, Hingabe und Gottergebenheit seien die Themen, über die es zu sprechen gelte. Es regt sich Widerstand. Wie man eine Instanz akzeptieren könne, die sich für die Atombombe, Kriege, Folter, die Todesstrafe, Auspeitschungen und den amerikanischen Präsidenten entschieden habe. Die Antwort: Gott schreibt das Menschenschicksal begleitet von Musik der Tränen.

Spätestens jetzt platzt einigen Konferenzteilnehmern der Kragen. Aber Wyrypajew wäre nicht Wyrypajew, wenn die Konferenz nur  eine Konferenz wäre. Das Stück „Iran­Konferenz“ schafft, zeitgenössisch mit Rednerpult und Mikrofonen ausgestattet, einen west­östlichen Diskursraum, der sich in eine mythische Vergangenheit ausdehnt. In ihm stellen sich Wyrypajews wiederkehrende Fragen nach Wahrheit und individueller Freiheit unter neuen Vorzeichen.

Iwan Wyrypajew, geboren 1974, ist einer der wichtigsten russischen Dramatiker seiner Generation. Am Thalia Theater war zuletzt sein Stück „Betrunkene“ zu sehen.