Judasevangelium

„Du wirst den Menschen opfern, der mich kleidet.“

Jonas P. Lang ist Theaterregisseur und hat in das Haus seiner Eltern geladen. Denn hier an diesem Ort – abseits jeder Theaterkonvention – will er zusammen mit seinen Schauspielern sein neues Stück aufführen. Doch bevor es dazu kommt, wird ihm ein Preis verliehen für sein künstlerisches Schaffen. Auf einmal wird das, was er tut, zum anerkannten Allgemeingut. Jonas gerät in die Krise. Er sagt die Proben ab. Dort, wo früher einmal eine gemeinsame künstlerische Wahrheit die Gruppe zusammen gehalten hat, macht sich nun für Jonas eine immer größer werdende Sehnsucht nach Freiheit breit.

Genau hier geht der Theaterabend des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó erst wirklich los. Frei nach dem Modell des Big-Brother-Containers hat Marton Ágh eine Bühne gebaut, die den Zuschauer einen von drei möglichen Räumen wählen lässt, aus dem heraus er die Ereignisse unmittelbar erleben kann. Daneben kann man die Dinge, die in den Nachbarzimmern passieren, über Video verfolgen. Die Ereignisse überschneiden sich, das Bühnengeschehen wird zum Thriller. Ein zufälliger Mord verändert alles. Bis schließlich der Verrat als einzige Form der Erlösung erscheint.

So wie im Judasevangelium, der erst kürzlich wiederentdeckten Schrift, in der Jesus selbst Judas um den Verrat gebeten haben soll. Erst durch seinen Leidensweg ist das Christentum entstanden. Assoziativ rückt auch in diesem Theaterabend die Beziehung zwischen dem Verräter und seinem Meister in den Blickpunkt: Wie wird man zum Verräter? Wozu braucht man Verräter? Und wer wird diese schwere Rolle auf sich nehmen? Und warum?

Die Arbeiten des ungarischen Film- und Theaterregisseurs Kornél Mundruczó zeichnen sich vor allem durch sein virtuoses Spiel mit wechselnden Realitätsebenen und Zuschauerperspektiven aus. Seine Suche gilt dabei stets dem unsentimentalen, authentischen Moment, in dem die Grenze zwischen Spiel und Wirklichkeit verwischt und das Spiel zur Realität wird.

Für seinen Film „Delta“ gewann er in Cannes 2008 den Preis der internationalen Filmkritik, mit seinem „Frankenstein-Projekt“ ist er derzeit zu zahlreichen nationalen und internationalen Festivals eingeladen.

Mit „Judasevangelium oder Verrat ist deine Passion“ hat er zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum inszeniert und das Thalia Theater in der Gaußstraße eröffnet.
Mitarbeit: Yvette Biró


Uraufführung am 5. September 2009 im Thalia in der Gaußstraße (Probebühne)

Pressestimmen zu Judasevangelium oder Verrat ist deine Passion
Videos

Kommentare

Trashig...
ganz schön trashig
Michael Brontszek, 07.11.09

Mein Kommentar

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