Hedda Gabler

Hedda Gabler
von Henrik Ibsen
Regie Jan Bosse
In der Übersetzung von Peter Zadek/Gottfried Greiffenhagen



Es soll der Start in eine erfolgreiche bürgerliche Existenz werden: Gerade von einer langen Hochzeitsreise zurückgekehrt, beziehen Jörgen Tesman und Hedda Gabler ihr Traumhaus, für das sich Tesman leichtsinnigerweise in der Annahme, sehr bald zum Professor berufen zu werden, über seine Verhältnisse verschuldet hat, um seiner anspruchsvollen Frau ein angemessenes Leben bieten zu können. Die Ausstattung hat während ihrer Abwesenheit Tante Juju übernommen, Richter Brack, als Gläubiger der Familie die Finanzierung. Doch die freiheitsliebende Hedda ist nicht für diese Ehe und Tesman nicht für das „wilde“ Leben gemacht. Was dem einen das Glück auf Erden bedeutet, ist für den anderen die Hölle. Dann taucht ein Mann von früher wieder auf: Lövborg, Heddas ehemaliger Liebhaber. Er hat mit der Unterstützung von Frau Elvsted seine Sucht überwunden, ein bahnbrechendes Werk verfasst und wird nun ebenfalls als möglicher Kandidat auf die Professur gehandelt. Die Gespenster der Vergangenheit entfachen einen Strudel der Obsessionen, Wünsche und Projektionen, in dem jede der Figuren in diesem komplexen Netz der Abhängigkeiten voneinander ihren Lebensentwurf zu verteidigen sucht.

Ibsen unterzieht mit seinem Drama das bürgerliche System einem Crashtest. Reicht unsere Zivilisiertheit aus, um den destruktiven Kräften standzuhalten, die das Dilemma zwischen dem Streben nach Sicherheit und der Verführungskraft der Freiheit hervorruft? Kann man sich Freiheit nur leisten, wenn man ökonomisch abgesichert ist? Hieße Aufklärung heute auch, dass wir uns als kulturell konstruierte Subjekte erkennen? Ist die Idee der Freiheit eine Illusion, eine Lüge? Und gibt der Zustand unserer Gesellschaft den Überflüssigen, der Schönheit und dem nicht Nützlichen überhaupt noch eine Chance?

Premiere am 23. November 2013 im Thalia Theater
Pressestimmen zu Hedda Gabler
 
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Kommentare

Das subtile Spiel hat mich sofort beeindruckt.
Stimmungsvoll auch die gesanglichen Einlagen des "Dienstmädchens", überhaupt die Idee und Qualität der Livemusik.
Leider fand ich gegen den Schluss hin die Veränderungen am sonst goldrichtigen Bühnenbild überflüssig und störend.
Der Raum muss den Niedergang des/der Heldin nicht immer zwingend mitmachen, aber auf Regietheater mal ganz zu verzichten, das traut sich wohl kaum einer.
Ohne diesen unbefriedigenden Schluss würde ich mir das Ganze gerne nochmals gönnen - eine richtige "Schau-Spiel"- Aufführung, kultiviert und kunstvoll. Auch fand ich, dass Patrycia Ziolkowska als zurückgesetzte Femme fatale (schlangenhaft overdressed) alles richtig gemacht hat.
Dirk Schäufele, 29.12.14

Intensiv
Absolut empfehlenswert !
Sehr intensives Spiel, schönes Bühnenbild, keine Sekunde langweilig
Claudia Schmidt, 27.09.14

Gemeine Unterstellung
Jan Bosse und Co. Geistlosigkeit und dem Thalia Theater Mittelklasse vorzuwerfen ist eine gemeine Unterstellung. Es scheint bei einigen Theaterinteressierten eine Mode zu sein bewaffnet mit einem Paket aus bewussten Erwartungen eine Aufführung zu besuchen und bei nicht Erfüllung emotional und nicht sachlich orientierte Kritik zu äußern und als Folge gemeine Unterstellungen zu verbreiten. Dabei verhält es sich doch ganz einfach: wenn Sie nicht in der Lage sind ihre Erwartungshaltung und Voreingenommenheit gelegentlich abzuschalten, dann liegt es weniger bei den Künstlern, als vielmehr an Ihnen, wenn Ihnen diese Arbeiten nicht gefallen.
Für alle Anderen: ob Ihnen diese Inszenierung gefallen wird, weiß ich nicht, aber es lohnt sich, es herauszufinden.


A.P, 23.09.14

Abstieg?
Das Thalia lebt von seinem Ruf.

Nach MOBY DICK, KOMMUNE, JEDERMANN nun eine auch noch eine öde HEDDA GABLER-Inszenierung. Wieso bekommen Stemann, Kraft und Bosse keine geistreichen Bilder mehr hin? Der Abstieg in die Mittelklasse scheint unaufhaltsam, von 61 vorgeschlagenen Inszenierungen auf nachtkritik.de ist das Thalia nicht berücksichtigt.
Ich freue mich nun auf die Alt-Inszenierung mit Jana Schulz. Wahrscheinlich das Beste, was in dieser Spielzeit zu sehen sein wird. Sehr schade.
Toren Sath, 29.01.14

Danke
Sehr schöne Inszenierung, die einen in das dunkle Skandinavien versetzt und u.a. die Männlichkeit der Hedda Gabler wunderbar vorführt. Danke.
Aus dem Gästebuch, 19.12.13

Von Mannheim nach Hamburg
Eine ausgezeichnete Inszenierung. Es lohnt sich deshalb von Mannheim nach Hamburg zu kommen.
Aus dem Gästebuch, 19.12.13

Eindringlich
Ein Literatur- und Bühnenklassiker, vordergründig auch klassisch inszeniert: Kostüme, Bühnenbild und Streichquartett zur Untermalung. Man fühlt sich gut, mal wieder an alte Theaterzeiten erinnert.
Zunächst ist alles locker, nett und freundlich, vielleicht auch etwas zu lange nett und freundlich.
Erst in der zweiten Hälfte bricht der Konflikt auf, durch den Gegensatz zur ersten Hälfte wirkt er umso intensiver. Der tragische Höhepunkt kommt unausweichlich - mit einer solchen Wucht und Eindringlichkeit, dass das Lockere aus der ersten Hälfte sofort vergessen ist. Man erkennt den Schein, das Verstellen der Einzelnen und bleibt sprachlos mit dem Desaster zurück.
Dirk Schneefuß, 15.12.13

Enttäuschend
Mehr Mut, mehr Regie, mehr subtile Interpretation möchte man rufen - trauen Sie Ihrem Publikum doch auch mal was zu! Eine riesige Enttäuschung und für mich für längere Zeit der letzte Thalia-Besuch. Verlorene Zeit.
Rike Schulte, 15.12.13

Hedda Gabler oder menschliche Abgründe
Jan Bosse karikiert bis zur Pause seine Probanden, sodass man sich mehr in einer Komödie als im Schauspiel glaubt. Doch Vorsicht dieser Schein trügt, Bosse entlarvt die perfiden Machenschaften der handelnden Personen auf diese Weise noch hinterhältiger und bösartiger, als es Realität vermocht hätte. Hedda möchte Macht und etwas Schönes schaffen, das dem herkömmlichen wiederspricht, eine Fiktion, um dem tristen Alltag zu entfliehen. Dies gelingt nicht, auch nicht im Kuss mit Lövborg, der mit Heddas Gewand an den KUSS von Klimt erinnert, aber mehr Kampf als Vereinigung ist und so keine Schönheit schafft. Nach der Pause ist Schluss mit dem Spaß, der Traum vom SCHÖNEN-REINEN platzt und es droht, sich mit dem Unvermeidbaren abfinden zu müssen. Zum Todesschuss von Hedda räsoniert Tesman „Sie spielt wieder mit den Pistolen ihres Vaters“. Jan Bosse entlarvt auf geniale Weise die bürgerliche Gesellschaft und der vorgehaltene Zerrspiegel wirkt nach. Großartige Schauspielerinnen und Schauspieler führen dieses Konzept zu einem vollen Erfolg.
Ein Theaternarr
Reiner Schmedemann

Reiner Schmedemann, 26.11.13

Beeindruckend
Trotz oder gerade wegen vermeintlich heiterer Momente eine tückisch böse Inszenierung! Fast alles bricht am Ende zusammen, menschlich wie bau- und sächlich! So wird Jan Bosse Ibsen gerecht; eine beeindruckende Inszenierung. Das passt, zumal einmal mehr ein großartiges Ensemble die Bühne durchmisst. Herzlichen Dank!
Rolf Döring, 25.11.13

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