Berlin Elsewhere

Gastspiel Schaubühne Berlin, Constanza Macras / DorkyPark

„Das ist kein Stück über Berlin“ lautet die Überschrift zu dem neuen Abend der Choreografin Constanza Macras. Und tatsächlich beinhaltet dieser Abend ein weites Spektrum von Themen, die über Selbstreflektion hinausgehen. Von Ausgrenzung und Wahnsinn handelt diese Tanztheaterproduktion: Ausgrenzung als eine Form des Wahnsinns, die wiederum neue Ausgrenzung erzeugt. Wie viel Wahn wird in unserer Gesellschaft toleriert, was bedeutet Ausgrenzung in Zeiten einer globalen Migrationsbewegung? In der immer mehr Gestalten um die Welt irren, im Nirgendwo, im „Elsewhere“ an einem Punkt an Land gespült werden, um dort der absurden Logik von Sicherheitskontrollen und Einbürgerungstests ausgesetzt zu sein. Die Großstadt wird zur Insel, besiedelt von den hysterischen Großstadtbewohnern unserer Zeit: Gesundheitsfreaks und Bulimikern, Bio-Müttern, Neurotikern und den Klischeebildern jedweder Nation.

Die in Berlin lebende Argentinierin Constanza Macras hat mit ihrer internationalen Tanzcompagnie Dorky Park mit ihren wahnsinnigen, ausufernden und temporeichen Abenden in den letzten Jahren das Tanztheater geprägt. Denn wenn sich ihr multinationales Tanzensemble an die Arbeit macht und die fiktiven Stadträume, die für ihre Arbeit typisch sind, besiedeln, kommt es selten ohne Knieschoner und die Schönheit des inszenierten Chaos aus: Zwischen albernem Brainstorming, persönlichen Geschichten der Tänzer und philosophischen Diskurstexten, zwischen klassischen Solos und furiosen Gruppenszenen, angetrieben von einer Live-Musik, die sich ebenso wenig an herkömmliche Gattungsgrenzen hält, entsteht ein merkwürdig genaues Bild von den Dingen, die eigentlich gar nicht darzustellen sind. Mit ihren letzten Arbeiten hat sich Macras immer wieder mit dem Raum der Städte auseinander gesetzt. Ihre letzte, gefeierte Produktion „Megalopolis” über das Phänomen der MegaCitys war bereits während der Lessingtage 2011 im Thalia Theater zu sehen.

Regie und Choreografie Constanza Macras Bühnenbild Steffi Bruhn, Juliette Collas Kostüme Gilvan Coêlho de Oliveira Musik Kristina Lösche-Löwensen, Almut Lustig Dramaturgie Carmen Mehnert
Ensemble Hilde Elbers, Fernanda Farah, Anouk Froidevaux, Hyoung-Min Kim, Denis Kuhnert, Johanna Lemke, Ronni Maciel, Ana Mondini, Elik Niv, Miki Shoji sowie die Musikerinnen Kristina Lösche-Löwensen, Almut Lustig

In Koproduktion mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Maison des Arts de Créteil, dem Festival Perspectives Saarbrücken und tanzhaus nrw. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und den Regierenden Bürgermeister Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.
Mit Unterstützung der Ilse und Dr. Horst Rusch-Stiftung

Am 25. Januar findet anschließend ein Publikumsgespräch mit Constanza Macras und dem Ensemble statt.

Kommentare

Geniale Bühnenmusikerinnen
Selten so geniale Bühnenmusikerinnen erlebt. Großartig.
Aus dem Gästebuch, 25.01.12

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