SchülerbotschafterInnen zu "Vögel"

Unsere SchülerbotschafterInnen verfassen regelmäßig Rezensionen.

Kennt Liebe Religion? 

Was gibt eigentlich vor, wer wir sind? Unser Geburtsort? Unsere Überzeugung? Unsere Eltern?

Kann ich mich selbst so annehmen, wie ich bin?

Wie sehr kann ich mich auf mein eigenes Gefühl verlassen?

Die Geschichte beginnt in einer New Yorker Bibliothek. Eitan und Wahida treffen aufeinander. 

Aber lange hält diese Szene nicht an und keine 10 Minuten später sind 2 Beziehungsjahre vergangen. Die zu Beginn besonders geraffte Erzählung verlangt die Konzentration des Zuschauers, kurze Unaufmerksamkeiten werden bestraft. 

Dementsprechend entwickelt sich die Handlung binnen dieser 2,5 Stunden sehr weit und der Schwerpunkt wandert vom Religionskonflikt vermehrt hin zu Frage nach der eigenen Identität.

Das einfach gehaltene Bühnenbild tut der Inszenierung gut.

Die Musik von Daniel Kahn und Rasha Nahas ist eindringlich und umso gelungener ist der Umgang mit den Übertiteln, welche nur teilweise eingeblendet werden. 

Ein dynamisches Spiel und großartig verkörperte Brüche der Figuren machen die Inszenierung kurzweilig. Das ein oder andere Mal lässt sie einen zusammenfahren. Besonders Rosa Thormeyer geht während des „Verhörs“ zu ihrem Aufenthalt und zu Eitan in ihrer Rolle auf. Berührende und schockierende Momente lösen sich ab.

Sehr eindringlich ist die Darstellung des Totenzustandes von David, der eine relevante Frage aufwirft „Wie kann ich in Frieden leben, wenn ich selbst mein größter Feind bin?“. Die Geschichte des Amphibienvogels, welchem Kiemen wachsen, weil er sie anerkennt, wirkt wie ein Appell an die eigene Lebenseinstellung und Selbstliebe. 

Das Stück stößt viele Fragen an und bewegt sich an der Grenze zu zuvielen Eindrücken. Die schauspielerische Leistung in Kombination mit der aktuellen Relevanz macht es wirklich sehenswert.

02.02.2020 von Charlotte, Johann-Comenius-Schule, JG11