Die SchülerbotschafterInnen zu "Hexenjagd"

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Das Theaterstück „Hexenjagd,“ geschrieben von Arthur Miller, wurde am 22.Januar 1953 uraufgeführt und gewann schnell an Popularität. Dieses Stück entstand zu der gdZeit der sogenannten „McCarthy-Ära“ in den USA. Diese Ära ist auch die Anfangsphase des kalten Krieges gewesen. Deshalb entstand in der USA eine antikommunistische Bewegung. Schnell wurden Personen beschuldigt, der kommunistischen Partei der USA anzugehören, wenn sie sich „auffällig“ verhielten. Schnell konnte man hier auf der sogenannten „Schwarze Liste“ landen, wenn man bei der Vernehmung keine zufriedenstellende Antwort geben konnte. Auf der „Schwarzen Liste“ landeten vor allem Künstler, beispielsweise Schauspieler. Wenn man erstmal auf der „Schwarzen Liste“ stand, wollte keiner einen mehr einstellen, da diese Person in Verbindung mit dem Kommunismus stünde und somit ein Feind des eigenen Landes und deren Freiheit wäre.
Das Stück spielt in Salem und beginnt zunächst damit, dass Abigail, die Nichte des Pastors, und Betty, die Tochter des Pastors, zusammen mit ihren Freunden im Wald tanzt, dort werden sie von dem Pastor Samuel Parris überrascht, welcher Abigail zur Rede stellt. Nach diesem Tänzchen in Wald werden auf einmal viele dieser Mädchen krank und fallen in Ohnmacht. Keiner der Ärzte in Salem kann sich dies erklären, weshalb schnell gemunkelt wird, dass es das Werk des Teufels sei. Pastor Parris holt sich daraufhin Pastor Hale zur Hilfe, um die Menschenmengen zu beruhigen und der Vermutung der Hexerei nachzugehen. Pastor Hale ist ein Meister der Erkennung von Teufelswerk und beginnt einige Personen zu befragen. So befragt er auch Betty und Abigail, diese bestätigen, dass es das Werk des Teufels ist und sie diesem verfallen wären. Nun werden immer mehr Leute in Salem der Hexerei beschuldigt. So auch Elizabeth Proctor, die Ehefrau von John Proctor. Sie wird von Abigail der Hexerei beschuldigt. Schnell wird dem Zuschauer klar, dass es nicht wirklich Hexen in Salem gibt. Die Menschen werden nur verklagt, um entweder einen eigenen Vorteil zu bekommen, oder die eigene Haut zu retten. Genauso wie Elizabeth, diese wird nur angeschuldigt, in der Hoffnung, dass sie stirbt und dass Abigail ihren Platz einnehmen kann, da diese ein Verhältnis mit ihrem Ehemanne hatte. John versucht seine Frau zu retten und geht zum Gericht, da Mary ihm zustimmt, dass die ganze Sache nur erlogen ist. Mit diesem Geständnis will er seine Frau retten. John wird jedoch nur geringfügig Glauben geschenkt, weshalb er den wahren Grund nennt, warum Abigail seine Ehefrau tot sehen möchte. Er gesteht, dass er einen Ehebruch begannen hat und seine Frau wird gebeten dies zu bestätigen. Sie verneint diese Aussage, da sie Angst hat, dem Ruf ihres Mannes zu schaden. Die Aussage von John wird als unglaubwürdig angesehen und Elisabeth wird von Mary der Hexerei beschuldigt, um ihre eigene Haut zu retten.

Das Theaterstück hat mir durchaus sehr gut gefallen. Es war sogar überraschend humorvoll, was eher an den absurden Nonsens-Argumentationen liegt. So wird Elisabeth beschuldigt, Abigail mit einer Voodoo-Puppe angegriffen zu haben, obwohl sie seit fünfzehn Jahren keine mehr besitzt. Wir haben sie ja nicht gesehen, das heißt, dass sie sehr wohl eine hat, lautet die Begründung. Man hat sich jedes Mal aufs Neue gefragt, wie ernst man solche Aussagen nehmen soll. Haben sie das jetzt ernst gemeint? Aber mit dem Ende bin ich persönlich nicht zufrieden, da einer meiner Lieblingscharaktere gestorben ist, aber ich denke es ist notwendig gewesen, da man so den Zuschauer zeigen will, dass wilde Beschuldigung nur schief gehen können. Ich würde dieses Theaterstück empfehlen, da ich denke das es höchst interessant ist und die Leistungen der Schauspieler phänomenal sind.
Eva-Lotta Kempe, Stadtteilschule Bergstedt, Jg 12

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12. Oktober 2018, Hamburg

Im heutigen Deutschland ist die Trennung von Staat und Kirche im Grundgesetz festgehalten. Natürlich gab und gibt es noch andere Systeme, wie zum Beispiel die Theokratie. Dort ist die Staatsgewalt religiös legitimiert: Was Gott (angeblich) sagt, ist somit Gesetz.
Dass so ein System natürlich auch seine (blutigen) Schattenseiten hat, zeigt Stefan Puchers Inszenierung von „Hexenjagd“.
Nachdem Pastor Parris einige Mädchen nachts tanzend im Wald beobachtet hat, beginnen merkwürdige Dinge in Salem vor sich zu gehen. Natürlich kann nur der Teufel dahinter stehen. Um die Kleinstadt in Neuengland von diesem Gräuel aus der Hölle zu befreien, wird sogleich ein Gericht eingesetzt, dass jeden an den Galgen bringt, der nicht zugibt, mit dem Teufel im Bund zu stehen. Es braucht auch nicht lange, bis Nachbarn ihre Nachbarn beschuldigen und man sich mehr vor dem Gericht als vor dem Teufel fürchten muss.
Man merkt schnell: Das auf realen Ereignissen basierende Stück von Arthur Miller ist keine leichte Kost. Und auch Puchers Inszenierung verzichtet auf keine (Text)stelle der Vorlage; die gesamte Atmosphäre ist durch ein gelungenes Bühnenbild und einige Video- und Musikeinlagen sogar noch unheimlicher gemacht worden.
Erstmal zum Bühnenbild: Auf einem riesigen, tribühnenartigen Scheiterhaufen aus Strohballen, Gittern und Brettern turnen während der gesamten Zeit die Charaktere herum. Nicht nur dass der Scheiterhaufen symbolisch und real auf das Ende der Hexenjagd hindeutet; während des Stückes wird dieser aufgrund seiner skurrilen Form vielfältig und kreativ verwendet.
Und um all jene Szenen abzuhandeln, die von dem Scheiterhaufen nicht abgedeckt werden können, werden regelmäßig kurze Videosequenzen eingespielt. So beginnt das Theaterstück auch urplötzlich mit einem psychedelisch angehauchten Filmchen, welcher den Tanz der jungen Mädchen recht kreativ zeigt. Die meisten Filme dienen jedoch nur dem Ambiente, so wird darin Holz gefällt oder man sieht Feuer vor sich hin flackern.
Natürlich sind es nicht der Scheiterhaufen oder Videosequenzen von Feuer, die dem Stück seinen Namen gerecht werden lassen. Sondern die aufkommende absurde Situation, dass jeder verklagt und vor dem Galgen enden kann (und eventuell wird). Dabei verliert auch irgendwann der aufmerksamste Zuschauer den Überblick, wer denn nun wirklich schuldig ist oder ob überhaupt jemand eine wirkliche Schuld begangen hat. Spätestens wenn Unschuldige aus selbstsüchtigen Gründen verklagt werden, hat das Stück seinen wahren Spannungshöhepunkt erreicht.
Doch die Spannung geht oftmals in einem ausschweifenden Dialog verloren. Es ist dabei natürlich keine Schande, den Text der Vorlage in dieser Inszenierung ungekürzt unterbringen zu wollen; jedoch muss er nicht komplett trocken und bewegungslos vorgesagt werden. Vor allem wenn man Schauspieler auf der Bühne stehen hat, die schon bewiesen haben, dass sich nicht jeder Dialogabschnitt wie ein Beratungsgespräch beim Zahnarzt anhören/anfühlen muss.
So hat man zum einen Sylvana Seddig, welche als obskure Tituba in einem auffällig pinken Plüschkostüm über die Bühne rollt und turnt und wie ein scheinbar alles beobachtender Erzähler die Situation kommentiert; wenn sie nicht gerade im Hintergrund ihre interessanten Akrobatiken vollführt.
Und zum Anderen Jörg Pohl, welcher in seiner Darstellung als einfacher Bauer John Proctor der gesamten Inszenierung einige Comedy-Elemente verleiht, wobei diesem spätestens ab der zweiten Hälfte das Lachen vergeht und er in seiner Rolle als unschuldig Verurteilter und erfolgloser Kämpfer für die Gerechtigkeit wahrlich aufgeht.
Und auch die anderen Schauspieler sind hervorragend, so auch Tim Porath in seiner Rolle als Proctors genügsamen Freund und Opfer des Systems Giles Corey, oder Rafael Stachowiak als manisch Psalm-verliebten Stellvertreter des Gouvenours Thomas Danforth.
Einziges Problem: Auch mit den besten Schauspielern kann man eine Szene aus trockenem Dialog nicht mehr retten. Und da bringt es auch nichts, wenn man bestimmte Spannungselemente dauerhaft wiederholt; wie das stilistische von oben herab Auftauchen des Pastors John Hail (sehr gut dargestellt von Kristof van Boven).
Jedoch gibt es viele Szenen und Bilder, die sich in das Gedächnis aufgrund ihrer Genialität einbrennen und dem Ambiente des Stückes zugutekommen. So könnte sich auch die hiesige Kirche an den mit Bass unterlegten Psalmgesängen dieser Inszenierung ein Beispiel nehmen, damit deren Besucher auch mal mit Gänsehaut (und eventuell einem Ohrwurm) das Gebäude verlassen.
Letztendlich stellt Stefan Puchers Inszenierung von „Hexenjagd“ die Tragik und den Wahnsinn der tatsächlich stattgefundenen Hexenprozesse sehr gut und sehr kreativ dar. Dennoch gibt es Szenen, bei denen man glaubt, bei einer Buchvorlesung und nicht im Theater zu sein, wodurch einiges an Spannung und Interesse verloren geht. Zum Glück können das gelungene Bühnenbild, die talentierten Schauspieler und einige wirkliche clevere Szenen dieses Stück ziemlich gut retten.
Luise Lämmerhirt, Leibniz Privatschule , Elmshorn, Jg 12

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02. Oktober 2018

Man stelle sich vor, man ist vor eine Wahl gestellt, eine bei der man nur verlieren kann. Hexenjagd, ein Phänomen, was man auch in abgewandelter Form mit der Gegenwart in Verbindung bringen kann.

„Hexenjagd“, ein Stück nach dem gleichnamigen Roman von Arthur Miller, erschienen 1953, wurde vom Regisseur Stefan Pucher aufgegriffen und auf die Bühne gebracht.
Es geht um die Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert in dem kleinen Dorf Salem, um die Ausnutzung der Paranoia der Dorfbewohner.
Stefan Pucher benutzt zwar Videomaterial, jedoch ist das ganze Stück relativ klassisch gehalten.

Von Hexerei ist im kleinem Dorf die Rede, als heraus gefunden wird, dass junge Frauen in der Nacht im Wald tanzen und geheimnisvolle Suppen kochen, scheinbar vom Teufel besessen. Manche von ihnen verfallen am Tag in merkwürdige, tranceähnliche Zustände. Der Pfarrer ruft einen Teufelsspezialisten, um der Sache auf den Grund zu gehen. Dieser stellt fest, dass die Sache nicht auf natürliche Weise erklärt werden könne, somit liegt für die Bewohner die Vermutung nahe, dass übernatürliche Mächte im Spiel sein müssen.
Schnell wird eine Art Gericht auf die Beine gestellt. Im Zeugenstand sitzen die Frauen, angeführt von Abigail Williams, die Nichte des Pfarrers, die nach und nach fast das ganze Dorf der Hexerei bezichtigen. Und die auch mit Vortäuschungen und Lügen durchkommen.
John Proctor, ein Bauer, durchschaut jedoch das ganze Spiel und versucht die Leute davon abzuhalten, den Mädchen Glauben zu schenken.
Da Abigail eine Affäre mit Proctor hatte, möchte sie ihn für sich alleine haben und beschuldigt seine Frau, eine Hexe zu sein. Dieser jedoch will das nicht zulassen und kämpft mit Hilfe seiner Magd Mary, die der Gruppe von Abigail einst angehörte, für seine Frau. Mary sagt aus, dass die Mädchen lügen. Doch dann wendet sich das Blatt, Mary lässt Proctor alleine stehen, schließt sich wieder Abigail an, beschuldigt ihn sogar sie gezwungen zu haben auszusagen und beschuldigt ihn somit auch der Hexerei. Seine letzte Chance ist, seine und Abigails Affäre aufzudecken, um die Unglaubwürdigkeit der Beschuldigungen zu beweisen. Er scheitert, da seine Frau seine Ehre retten möchte und aussagt ihn nicht mit Abigail gesehen zu haben.
Abigail flieht und Proctor muss sich zwischen seinem Recht und seinem Leben entscheiden.

Um ehrlich zu sein, ich wollte jeden Augenblick auf die Bühne springen und diese Heuchlerin schütteln und allen anderen sagen, wie dumm sie doch sind, so sehr habe ich mitgefiebert.
Welcher Mensch mit auch nur einem Hauch von Vernunft, würde so eine Sache unterstützen. Denn entweder man gesteht und füttert somit die ganze Geschichte oder man streitet alles ab und wird gehängt. Einmal beschuldigt ist dein Leben vorbei, so oder so du bist und bleibst dann eine Hexe! Mein Fazit ist, dass dieses Stück absolut gelungen ist und ich es jedem empfehlen kann, allein schon wegen des Spannungsbogens.

Mimi Bergmann, Jürgen-Fuhlendorf-Schule Bad Bramstedt, Jg 10