Die SchülerbotschafterInnen zu "Tod eines Handlungsreisenden"

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„Tod eines Handlungsreisenden“ befasst sich mit einer sehr realen und leider viel vertretenen Lebensproblematik vieler, nach Glück strebender, Menschen. Nicht nur in Amerika, aus welchem das originale Stück stammt, herrscht der „American Dream“. Überall auf der Erde erlauben sich Menschen zu träumen, groß zu träumen, um dann umso größer enttäuscht zu werden. So auch Willy Loman, der Vater zweier Söhne, Biff und Happy und verheiratet mit deren Mutter, Linda. Verbittert durch den eigenen Misserfolg und vom Schicksal im Stich gelassen, setzt Willy alles auf seinen Sohn Biff, der ihn jedoch wohl noch schwerer zu enttäuschen vermag, als er sich selber enttäuscht hat. Der Zuschauer dieses Schauspiels wird geplagt von einer zermürbenden Reihe an Niederschlägen, Zusammenbrüchen und Streitereien, die deprimieren und bedrücken, dass man in Versuchung gerät den Saal zu verlassen. Das Stück ist in der Tat anstrengend und fordert mehr als es unterhält. Die aussichtslose Lage des fehlgeschlagenen und aufs neue fehlschlagenden Familienvaters, die Verzweiflung und Hilfslosigkeit der Mutter und die ungewollten selbstzerstörerischen Handlungen Biffs, werden direkt auf den Zuschauer übertragen, weshalb man im Saal wohl genau so unglücklich sitzt, wie es die Charaktere sind.
Das ist ein interessantes Spiel mit den Emotionen und bietet Identifikationsmöglichkeiten für die Zuschauer. Denn wer kennt nicht die Angst, nicht das zu erreichen, was man erreichen will oder seinen Weg bis aufs Zerbrechen nicht zu finden. Ein solcher Einsatz an Belastungseffekten bewegt sich jedoch auf einem schmalen Grad zwischen gekonnter Übermittlung einer Aussage und anstrengender Spannungslosigkeit. Leider wird das Stück durch fehlplatzierte und überstrapazierte Elemente, wie das dröhnende Football Team und die grob singende Strip Tänzerin auf die Seite der nervenzermürbenden Anstrengung gezogen.

Das Football Team hat mich bei meinem Besuch besonders gestört, da ich eine so eindeutige Zuordnung des amerikanischen Raumes kaum für nötig und in diesem Falle für sehr erzwungen und künstlich halte. Wie bereits erwähnt handelt es sich um ein äußerst universelles Thema und so hätte ich mir auch von dem Stück mehr, vielleicht sogar surreale, Universalität gewünscht.
Ein großes Lob möchte ich jedoch an Kristof Van Boven aussprechen, welcher den Willy mit einer solchen Überzeugungskraft dargestellt hat, dass ich seine unendliche Verbitterung, seinen Jähzorn und seine schiere und absolute Lebensenttäuschung zu keinem Zeitpunkt anzweifeln und mich nur von ihr mitreißen lassen konnte.
Ida Plumpe,  Eric-Kandel-Gymnasiums in Ahrensburg, Jg 12

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Kapitalismus ist doof. Das ist nicht unbedingt meine Meinung, aber die von Sebastian Nübling scheint es zu sein. Arthur Millers Stück, das sich eigentlich mit dem Untergang des amerikanischen Traumes – was ohne Kapitalismus-Kritik unmöglich ist – befasst, wird hier zum roten Buch in Spielfilmlänge. Das ist aber nicht unbedingt was Schlechtes.

Im Stück geht es um Willy Lohmann. Willy weiß, auf was es im Leben ankommt – auf Beziehungen, nicht auf Können. Seine Söhne, Happy und Biff, sind die absoluten Versager – sagen alle nur der Vater nicht, er sieht in ihnen Sportskanonen, die zu Höherem berufen sind.
Er arbeitet als – wer hätte es gedacht – Handlungsreisender für irgendeine Firma, das läuft natürlich nicht so recht. Er hat anscheinend des Öfteren probiert sich umzubringen, was seine Frau zur grund- nervösen Raucherin macht.
Happy und Biff, aufgestachelt durch den nicht zufrieden gestellten Geltungsdrang ihres wirklich sehr kleinen Vaters, wollen eine Firma gründen bzw. ein Event abhalten: Lohmann vs. Lohmann!
Dazu einer von Willys Sätzen während einer Traum-Sequenz (sehr anschaulich, mit netten Footballspielern) „Nur einmal möchte ich, dass mir etwas ganz gehört. Immer dieser Kampf gegen den Schrottplatz.“
Spätestens hier fühlt man sich ein wenig wie im „DIY: Spiegel-Artikel-Schreiben“.

Aber durch die Aufmachung mit viel Musik und sehr guten Schauspielern wollen wir diese ein wenig platte Kritik am Kapitalismus und freien Markt durch gehen lassen.
Sollte sie das alles abstoßen, müssen sie alleine wegen des Publikums trotzdem kommen. Jeder, der nicht zu den 1% gehört, bekommt ein flaues Gefühl, wenn er dieses Stück guckt, man merkt wie sich jeder mehr der weniger im erfolglosen Willy wieder erkennt, der nicht wahr haben will, wie das Geld nicht reicht und er sich schon wieder was leihen muss. Vor mir saß eine Schulkasse und den paar, die aufmerksam dabei waren, konnte man anmerken, wie jegliche Träume in diesen 2 Stunden zerplatzten.

Das Stück würde ich definitiv jedem empfehlen, der gerne den Spiegel liest und die SPD wählt – Kapitalismuskritik darf nämlich nie im Wege der persönlichen Lebensstandards und wirtschaftlichen Interessen stehen (stellen sie sich hier mein Gesicht vor, wie ich die Augen verdrehe und einen leicht zynischen Ton anlege) – aber auch so ist es relativ lohnenswert, die Schauspieler sind gut und die Inszenierung an sich auch.
Paulo Sieweck, Corwey Gymnasium, JG 11

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Premiere, Samstag 25.11.2017
Alles bleibt unerfüllt. Das Stück hat mir sehr gut gefallen, besonders Sebastian Rudolph in der Rolle, des Biffs. Er lebt die Rolle so authentisch, dass man den Eindruck hat, dass er nicht schauspielert. Und so ist Biff noch mehr die zentrale Figur des Stückes, als sein Vater Willy Loman (sehr gut und eigenwillig gespielt von Kristof van Boven). Zwar geht es um das Scheitern des Vaters, der Schulden hat, seinen Job verliert und am Ende stirbt und dessen "Amerikanischer Traum" sich nicht erfüllt. Doch die größere Last liegt auf dessen Sohn Biff, der diesen Traum nie hatte, sein eigenes Schicksal vom unerfüllten Lebenslauf, den Betrug vom Vater an seiner Mutter, das Scheitern des Vaters und die unerfüllte Suche nach dessen Liebe, zu verkraften hat. Am Ende bleibt für alle, alles unerfüllt, vor allem für Biff.
Sophie Urzua, Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Neumünster, JG 12