Die SchülerbotschafterInnen zu "Die Dreigroschenoper"

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Jedes Werk hat einen Autor. Jede Person in diesem Meisterwerk ist der Autor. Ihr glaubt mir nicht? Brecht beweist in seinem Stück: "Die Dreigroschenoper", dass es möglich ist. Doch wie?
Wie kann man ein Vater sein, der seine Tochter vor dem schlimmsten Verbrecher beschützen will und gleichermaßen eine Tochter, die einen Mann liebt, den der Vater hasst?
Wie oft muss Brecht sterben, bis der Protagonist es auch tut? Die Antwort ist:  Eine tief sitzende Brille, eine schüttelnde Hand und eine kranke Lache. Es gibt einen Weg, der durch Lachgas und berührende Songs führt. Durch Familienliebe und Spucke. Und wenn das große Ende naht, wenn sich das Publikum fasst die Haare rausreißt, dann, und nur dann, werden Pferde imaginäre Personen zu  Menschen werden lassen.
Maria Jarosiewicz, Sophie-Barat- Schule, Jg 12

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Eigentlich bedarf die Dreigroschenoper in Deutschland keiner Erklärungen, da der Inhalt, besonders in Hamburg, durch die gähnend langweilige Inszenierung des St. Pauli-Theaters, jedem bekannt sein sollte; und wer jene noch nicht live sehen konnte, – da er damals vielleicht zu klein war, oder noch gar nicht am Leben war, oder YouTube Tube noch nicht entdeckt hat – hat nun die Chance dies im Thalia Theater nachzuholen, nur dieses Mal in einer spannenden Inszenierung.
Da ich hier jedoch jeden auf seinem Stand abholen will, lässt sich sagen, dass es in diesem Theaterstück um Mackie Messer (Kristof Van Boven) geht – jener ist der Verbrecherkönig Londons und verliebt, mehr oder weniger, in Polly Peachum (Aenne Schwarz), welche die Tochter des Jonathan Jeremiah Peachum (Jörg Pohl) ist; dieser besitzt einen Laden, in welchem Obdachlose Kostümierungen kaufen können, welche die vier Typen des Elends darstellen und so die Leute zum Spenden zwingen soll, der Gewinn wird dann aufgeteilt.
Polly und Mackie heiraten, was Mr. Peachum sehr unglücklich stimmt, in einer Scheune.
Peachum und seine Frau zeigen Mackie bei der Polizei an, Mackie kann jedoch fliehen, stellt sich dabei aber relativ dämlich an – aber am Besten gehen sie ins Theater und gucken sich Nunes „Dreigroschenoper“ an, alternativ können sie sich auch den Wikipedia-Artikel durchlesen, macht aber weitaus weniger Spaß.

Ich werde das hier in drei Teile aufteilen, zuerst die Musik, dann die Schauspieler und dann die Gestaltung.

Die Musik ist, nicht das mein fehlendes musikalisches Verständnis hier ausreichen würde um vor Ahnung nur so zu strotzen, sehr schön anzuhören. Das Talent mancher Schauspieler ist zwar fragwürdig, was das Singen angeht, aber das ist ja Theater und kein Musical.
Wer die Aufnahme mit James Lasts Orchester kennt, wird sich teilweise wundern, wie manche Sachen betont werden, oder, dass z.B. das Lied der Seeräuber-Jenny zerhack-stückelt wird.
Mein größter Kritikpunkt ist, dass wir die Moritat von Mackie Messer nur leise im Hintergrund hören, obwohl jene das Bekannteste und auch mit eines der Interessantesten ist.

Die Schauspieler sind zu Teilen genial. Ich sah dieses Stück nun zweimal, aber leider auch mit zwei Unterschiedlich Besetzungen, es wechselten zwar nur zwei Schauspieler, aber dies war extrem störend – Ich kann die Namen der Schauspieler, die mich am 30.9. bespielten, zwar nicht finden, aber es geht auch nur um den Darsteller des Mackie Messer und der Polly Peachum. Mackie hatte einen Akzent, dieser war zwar relativ schwach, aber doch störend. Auch wirkte er eher so als hätte er seinen Text phonetisch auswendig gelernt und könnte nicht so ganz verstehen, was er da von sich gibt, was leider für eine relativ schwacher Performance sorgt, da er so humorverständig ist, wie ein Roboter. Die Darstellerin der Polly Peachums ist einfach um einiges schwächer und spielt den nervigen und pubertären Charakter nicht annähernd so gut wie ihre Vorgängerin.
Ansonsten ist es wie immer, Jörg Pohl brilliert und spielt alle an die Wand. Natürlich vergisst er auch, wie gefühlt immer, seinen Text und improvisiert gekonnt weiter und lacht auch noch drüber, aber das ist ja auch das, was man so an Jörg Pohl schätzt. Der Einzige, der Mithalten kann, ist Thomas Niehaus (Tiger Brown). Paul Schröder ist der MacGuffin dieses Stückes, der immer wieder zur Vorantreibung sorgt und auf jeden Fall mitverantwortlich für die lustigsten Szenen ist.

Die Gestaltung ist mit die Beste, die ich mir im Thalia jeh zu Gemüte führen durfte. Wir schauen zu Anfang auf eine Bühne, welche nahezu gänzlich leer ist und nur von ein paar Halogenlampen bestrahlt wird und dann betritt erst einmal Berthold Brecht die Bühne und erklärt uns das epische Theater. Diese wunderbare Einbindung der brecht'schen Theater-Theorie ist ungemein hilfreich und amüsant. Ein Dialog, in welchem sich Berthold Brecht und Berthold Brecht darüber streiten, wie Jörg Pohl und Paul Schröder jetzt ihren Text als Mr. Peachum und Filch zu sprechen haben, – sie merken schon, Verwirrung ist hier nicht ausgeschlossen – ist einfach unheimlich unterhaltsam. Die minimale Ausstattung ist wunderbar, da wir uns alles selber vorstellen dürfen. Das einzige, was uns zur symbolischen Darstellung dienlich ist, sind die Halogenlampen, welche drehbar sind und somit eine Vielzahl von Sachen darstellen können. Mein einziger Kritikpunkt wäre die kommunistische Moralpredigt, die man sich anhören muss – es ist fast noch schlimmer, als in Luk Percevals „Geld“, aber es gibt sicher Menschen, die auch das gut finden.
Eine Szene ist besonders heraus zu heben. Zum einem der Anfang, in welchem Filch durch Mr. Peachum eingekleidet wird. Hier werden ihm die vier Typen der Armut vorgespielt. Dies ist die wahrscheinlich böseste Darstellung von Bettlern und Obdachlosen, die ich jemals zu sehen bekam. Vom Rollstuhlfahrer mit Ekzemen, der sich in die Hose gemacht hat und nun bitte von einem gesäubert werden will, oder der Blinde, der immer weiter auf die Bahngleise zuläuft. Und dann noch der leicht retardierte Hinz und Kunz Verkäufer, welcher im wahrscheinlich lustigsten Monolog der Theater-Geschichte vorgestellt wird – alleine dafür kann man sich das Stück angucken.
Weitere wunderbare Szenen sind das Eifersuchts-Duett oder der Kanonensong – eigentlich ist alles super. Zum Ende gibt es noch mal einen Knaller – für den müssen sie jetzt aber ihre Maus auf den Spielplan bewegen, dann einen der letzten drei Termine auswählen, jetzt kaufen sie Karten schön weit vorne (es lohnt sich!) und dann sind sie glücklich.
Abschließend lässt sich sagen, dass jeder, der einen Sinn für Humor hat und sich nicht an kommunistischen Parolen stört, muss die Dreigroschenoper im Thalia auf jeden Fall angucken und alle anderen müssen sie auch auf jeden Fall sehen!
Paulo Jamil Sieweck, Corvey Gymnasium, 16 Jahre ; Jg 11

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Am 16. März 2017 besuchten wir die Inszenierung von Berthold Brechts „Dreigroschenoper“ im Hamburger Thalia Theater. Die Musik zu dem Stück wurde von Kurt Weill komponiert.
Das Stück behandelt die Geschichte von Mackie Messer, einem gefürchteten Verbrecher und spielt um das Jahr 1837 im Londoner Stadtteil Soho. Der Gegenspieler zu Mackie Messer, Peachum, ist Anführer einer Bettlerbande, der Leute verkleidet, um aus Mitleid Geld zu ergaunern. Mackie Messer heiratet Polly, die einzige Tochter von Peachum, womit dieser nicht einverstanden ist und versucht, Mackie an die Polizei auszuliefern. Dazu bestechen Peachum und seine Gattin den Polizeichef Brown, welcher allerdings ein Freund Mackie Messers ist. Daraufhin flüchtet Mackie umgehend ins Bordell, wird dort aber von seiner ehemaligen Geliebten Jenny, verraten und schließlich festgenommen. Mit Hilfe von Jenny gelingt es Mackie Messer zunächst, aus dem Gefängnis zu fliehen, kurze Zeit später wird er jedoch von den Huren verraten und endgültig inhaftiert. Als er später gehängt werden soll, begnadigt ihn die Königin Victoria in letzter Minute.
Die Inszenierung von Antú Romero Nunes fällt durch einige, wohl der Modernität geschuldeten, Sonderbarkeiten auf. Die Schauspieler richten sich teilweise direkt an ihr Publikum, wobei der äußerst zeitgemäße Stil stark vom Originaltext abweicht. Ein Bühnenbild ist nicht vorhanden, sodass die Akteure ihre Umgebung stets selbst beschreiben und erklären müssen. Mitunter stört dies das gleichmäßige Fortlaufen der Handlung. Alle Darsteller tragen die gleichen blauen Arbeitsanzüge, somit wird auf besondere Kostüme zunächst verzichtet. Es bedarf durchaus Anzweifelungen, ob dieser Verzicht im Sinne von Berthold Brechts epischem Theater ist. Lediglich in der Schlussszene wird plötzlich die schlichte Arbeitskleidung gegen prachtvolle Kostüme ausgetauscht. Der Grund hierfür ist nicht ersichtlich und trägt zur Verwirrung des Publikums bei.
Bekannte und für eine Inszenierung der Dreigroschenoper unverzichtbare Musiktitel wie „Die Moritat von Mackie Messer“ oder „Seeräuberjenny“ fehlen gänzlich, sodass die Zuschauererwartungen enttäuscht werden. Dennoch ist die Schauspielerleistung als lobenswert anzuerkennen und verdient den Respekt des Zuschauers.
Max Markowski und Marcel Mansouri, Jahrgangsstufe 11, Leibniz Privatschule Elmshorn

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Am 23.02.2017 habe ich mir die Inszenierung zu Dreigroschenoper von Bertolt Brecht angesehen und bin sehr positiv überrascht!
Die Inszenierung erzählt die Geschichte von Macki Messer, dem gefährlichsten Verbrecher in London, und spielt im 18. Jahrhundert.
Macki Messer heiratet Polly, die einzige Tochter vom Peachum, ebenfalls kriminell, aber ein angesehener Geschäftsführer unter anderem der Bettlerbande, in einem Stall. Als Peachum und seine Frau von dieser Heirat erfahren, sehen sie sich genötigt, ihre Tochter aus der ungesegneten Ehe zu befreien und ihn auszuliefern. Dabei bestechen sie den Freund von Macki, den Polizeichef Brown mit viel Geld. Macki Messer flüchtet ins Bordell, wo er sich auch schon früher mit den Huren vergnügt hat. Jedoch verrät ausgerechnet Mackis ehemalige Geliebte Jenny ihn und so wird Macki Messer verhaftet. Im Gefängnis überlistet Macki Messer die Tochter des Polizeichefs, die er ebenfalls geheiratet hatte, und kommt so wieder frei. Jedoch wird er abermals von den Huren verraten und wird endgültig gefangen. Als Macki Messer erhängt werden sollte, wird er in letzter Minute von der Königin begnadigt.
Der Fokus der Inszenierung ist nicht die Geschichte, sondern die Art und Weise wie sie vorgetragen wird.
Eine Wand zwischen Publikum und Schauspieler gibt es nicht. Die Schauspieler sprechen stets immer das Publikum direkt an und sogar in einigen Szenen wird man als Publikum miteinbezogen.
Ein Bühnenbild ist nicht vorhanden. Nur einige Leuchtröhren erscheinen plötzlich im  Bild. So kann man sich voll und ganz auf die Schauspieler konzentrieren.
Dennoch hat man immer ein klares Bild vor Augen, da die Schauspieler immer ihre eigene Umgebung beschreiben und erklären.
Die Kostüme sind ebenfalls sehr geschickt gewählt. Fast durchgehend haben alle Schauspieler das gleiche an. Wesentliche Symbole sind die blauen Arbeitsanzüge mit Mützen, so sehen alle aus, wie Bertold Brecht.
Nur in der Schlussszene werden die klassischen Anzüge gegen wundervolle und pompöse Kostüme ausgetauscht, die die letzte Szene besonders hervorhebt.
Ebenso darf das Orchester nicht vergessen werden, das ein erheblicher Teil des Stückes ist. Seine Aufgabe ist es, den Schauspieler bei ihren Gesanganlagen, die die Szenen untermalen zu begleiten oder auch bestimmte Szenen mit ihrer stimmigen Musik zu begleiten.
Die Geschichte wird sehr humorvoll vorgetragen. Der Regisseur weiß wie man das Publikum am laufenden Ball halten kann. Für eine Spielzeit von über 3 Stunden mit einer kurzen Pause verfliegt die Zeit wie im Fluge.
Schon der Anfang ist äußerst gelungen und entlockt den Zuschauern viele Lacher. Auch die sehr gelungene Kampfszene, die absolut super vorgetragen wird und die Schauspieler eine andere Sprache sprechen, ist sehr lustig.
Ebenso total überraschend ist die letzte Szene, in der ebenfalls mit einem echten Pferd gespielt wird und die Schauspieler ihre Kostüme ändern.
Schlussendlich kann man sagen, dass mir die Inszenierung sehr gut gefällt. Es erfüllt ihren Zweck den Zuschauer eine Moral zu vermitteln und gleichzeitig die Zuschauer auf Trab zu halten. Die einst ernste Geschichte wird sehr humorvoll gestaltet und dabei von stimmiger Gesanganlagen und Hintergrundmusik untermauert.
Jedoch empfehle ich jedem,  sich kurz mit dem Inhalt des Stückes zu beschäftigen, da es ansonsten zu einigen Verständnisproblemen kommen und man so einige Szene nicht vollkommen genießen kann.
Ein großes Lob an das Ensemble und wärmstens zu empfehlen!
Melis Tass,  Bismarckschule Elmshorn, 9. Klasse, 15 Jahre

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Die musikalische, moderne und äußerst amüsante Inszenierung der "Dreigroschenoper" beschreibt das Duell zwischen dem Bettlermafiosi Jonathan Peachum, der in einer Zeit, in der Korruption London in den Klauen hält, schamlos Geld mit der Ausstattung der Armen mit Bettlerutensilien verdient, und dem Kriminellen und Freudenhausliebhaber Mackie Messer. Mit spritzigem Humor, der auch das Publikum regelmäßig aufs Korn nimmt, erzählt das im Großen Haus aufgeführte Stück von der naiven und in Mackie verliebten Tochter Peachums, von korrupten Polizisten und von Prostituierten mit Sinn für Gerechtigkeit. Auf allen Seiten stapeln sich die sprichwörtlichen Leichen im Keller und schließlich wartet das Thalia Theater sogar mit einem alternativen Ende auf.
Missgunst, Neid und unverholene Geschäftstüchtigkeit, über die Grenzen des Menschlichen hinweg und die dafür notwendigen Ausreden, machen die Dreigroschenoper zu einem Spiegel der heutigen und damaligen Gesellschaft.
Musik zum Mitwippen, nüchterne und urkomische Erzählersequenzen- 4 Stunden die sich lohnen.
Nina Niesche, Gebrüder-Humboldt- Schule in Wedel, Kl.12

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Das Stück spielt im berüchtigten Londoner Stadtteil Soho im 18. Jahrhundert und beginnt in dem Büro von Jonathan Jeremiah Peachum, dem Besitzer der Firma „Bettlers Freund“. Hier erfährt Peachum von der Heirat seiner Tochter Molly mit dem Gauner Mackie Messer. Peachum beschließt darauf hin Mackie Messer der Polizei auszuliefern. Mackie flieht in ein Bordell, wird von einer Exgeliebten verraten und verhaftet. Im Gefängnis besucht ihn die Tochter des Polizeichefs, die er überreden kann, ihm zur Flucht zu verhelfen. Wieder auf freiem Fuß, findet Mackie Unterschlupf bei einer weiteren Geliebten, doch er wird erneut verraten, verhaftet und zum Tode verurteilt.
Kurz vor seiner Hinrichtung erscheint der Polizeichef Brown als berittener königlicher Bote und verkündet nicht nur Mackies Begnadigung, sondern auch seine Erhebung in den Adelsstand.
Es war ein wahrhaft unterhaltsamer Abend. Nicht nur, dass hier Brecht komplett neu erfunden wurde, humoristisch und modern, auch ist es das erste mir bekannte Stück, in dem Regieanweisungen mitvorgetragen werden. Soll heißen, dass die Darsteller immer wieder aus ihren Rollen heraustreten, um das Geschehen zu kommentieren oder aus einem anderen Blickwinkel zu zeigen. So verdeutlich Polizeichef Brown inmitten des Stückes den Vorgang der Wiederholung um die Bedeutung einer Szene genauer erfassen zu können. Die Szene wird nach seiner Ausführung selbstverständlich ein zweites Mal gespielt. Diese „Unterbrechungen“ im Geschehen, stellen jedoch bei Weiten kein Problem dar. Viel mehr fühlt man sich, als würde Berthold Brecht während der Vorstellung persönlich die Regie auf der Bühne führen.
Alle Schauspieler, egal welche Rolle sie verkörpern, tragen bei dieser Inszenierung einen Blaumann mit Schiebermütze. Kurz vor Schluss unterbricht einer dieser Schauspieler das Schauspiel und bringt seine Überlegung an, dass man die Moral dieses Stückes nicht ironisch übermitteln könnte, sondern eben ganz konkret mit einem königlichen Boten auf einem Pferd, der Macke Messer vor dem Galgen rettet. Und es passiert nichts Geringeres, als dass einer der Darsteller mit einem echten Pferd auf die Bühne reitet und seine Botschaft überbringt. Im Abschluss treten noch einmal alle Schauspieler in ihren charaktertypischen Kostümen auf.
Einziges Makel dieser Inszenierung ist, dass sich Regisseur Antú Romero Nunes dazu entschied bestimmte Musik-Stücke nur kurz anzuspielen oder anzutäuschen. Infolgedessen wartet man vergeblich auf die Moritat von Mackie Messer oder anderen Musikeinlagen.
Lucas Ice Pfeffer

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Die Dreigroschenoper – Jenes klassisches Musikstück von Berthold Brecht inszeniert Regisseur Antú Romero Nunes komplett neu. Überraschenderweise steht aber nicht die klassische Geschichte rund um Mackie Messer oder den Bettlerkönig Pechum im Mittelpunkt, sondern die Art der Vorstellung. Man hatte das Gefühl, als würden sich Schauspieler die Bühne zusammen mit dem Regisseur und dem Autor teilen, denn sie waren gefühlt dauerhaft anwesend. Eine musikalisch untermalte Vorstellung mittels  großartiger Live-Band im Hintergrund der Bühne bietet sich dem Zuschauer, im Gegensatz zu den tristen Kostümen und dem einfachen Bühnenbild, lichttechnisch aber sehr gut umgesetzt. Doch von dieser Tristheit, Neutralität und Distanz lebt die Brechtsche Epik. So bietet sich dem Publikum ein partiell satirischer Blick in die Theatertheorie des Autors. Die Inszenierung lebt von der darstellerischen Ironie im schlichten Gewand und den guten Dialogen – bis auf das Ende. Ein Highlight war für mich das echte Pferd, was final genutzt wurde, genau wie die großartigen Kostüme zum Ende hin. Zusammenfassend ein tolles Stück und ein Abend voller Lacher.
Lucas Timm, Jahrgang 11, Elsa-Brändström-Schule Elmshorn

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Der Anfang fängt schon sehr lustig an, denn ein Mann steht dort und hält einen Monolog über die Geschichte. Er erzählt etwas von einem/ seinem Geschäft, das mit Prothesen aller Art gefüllt ist, allerdings gibt es auch einen Vorhang und dort wäre etwas Besonderes zu sehen.
Es gibt kein Bühnenbild. So beschreibt er, wo was zu finden ist. Bis ein junger mittelloser Mann das Geschäft betritt, er erzählt dass er einen Job möchte und einen langen Leidensweg hinter sich hat. Jetzt beginnt es spannend und lustig zu werden. Denn der erste Sprecher weist den jungen Mann an klagender zu klingen. Denn mehr Dramatik wird auch mehr Geld geben. Der " Vorgang " wird gezogen und die Bettler Kluft wird in mehreren Typen vorgestellt.
Es handelt sich um einen Ganoven, der zur Bettelmafia gehört und sich an den " Angestellten" bereichert.
Er hat eine Frau und Tochter, diese Tochter hat sich verliebt in einen "großartigen" Mann, er ist als Macki Messer bekannt und gehört auch zu einer Mafia. Nun sieht sich der Vater bedroht und will seine Tochter nicht abgeben.
Die beiden heiraten still und leise, ohne den Segen der Eltern.
Macki kann es allerdings nicht lassen und vergnügt sich gerne mit den Huren aus dem Club. Die Damen halten das nicht immer für gut, denn sie verraten Macki an die Polizei.
Er kann fliehen, bleibt aber nicht zurück.
Im Hintergrund gibt es die Band zu sehen, die zwischendurch immer mal eine musikalische Einlage sorgt. Was ich teilweise mochte, ab und an war es schwierig zu verstehen.
Es kommt zu einer Kampfszene die mit  "Fachchinesisch" gesprochen wird das fand ich gut.
Macki Messer wird festgenommen und soll hingerichtet werden. Wartet nun auf das, was da kommen mag. Zum Glück, zu seinem Glück reitet ein Gesahnter  der Königin auf die Bühne mit einem richtigen Pferd um zu verkünden, dass Macki Messer begnadigt wird. Die Krönung der Königin ist der Anlass die Häftlinge zu entlassen.
Das Pferd hat mich überrascht und ich fand es richtig gut!
Ich kann das Stück empfehlen, Musik, Gesang und viele lustige Momente.
Kira Papenbruch, Kulturbotschafterin Franz von Asissi Schule, Kl. 9a

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Ich habe mir die Inszenierung der Dreigroschenoper von Antú Romero Nunes angesehen und war begeistert. Obwohl ich das Stück von Berthold Brecht als solches nicht gelesen hatte, wusste ich grob, dass die Dreigroschenoper ein gesellschaftskritisches Stück ist und wie der Name schon sagt, die Welt der unteren Schichten der Bettler thematisiert. Demnach bin ich davon ausgegangen ein ernst gespieltes Stück anzusehen. Insofern war ich sehr überrascht, als Gegenteiliges eintrat.
Ab der ersten Szene, in der ausdrücklich gesagt wurde, dass jeder, der über keine Fantasie verfügt augenblicklich den Saal verlassen und nach Hause gehen kann, da alles Räumliche nur beschrieben nicht vorhanden war (das heißt keine Kulisse und nur minimale Requisiten), wurden dem Publikum Lacher entlockt. Diese Komik wurde unter anderem durch die Akzente der Schauspieler, der lauten Ankündigungen für ihren Auftritt, besonders bei Frau Peachum, die lustigen Ansprachen an das Publikum und die direkte Wiederholung einer Szene innerhalb des Stückes um „den Ausdruck dieser Szene zu verstärken“, denn das Publikum sollte nach Meinung des Polizeichefs Brown ja auch etwas lernen, erzeugt. Selbst der top gespielte Bühnenkampf wurde komisch dargestellt, indem dieser durch die Übertreibung stellenweise wirkte wie ein Kampf im Zeichentrickfilm. In dem Kampf war auch eine mögliche Anlehnung an den Film „Karate Kid“ zu erkennen.
Toll war, dass die 8-köpfige Band, die die zahlreichen Gesangseinlagen unterstützte im Hintergrund auf der Bühne spielte und dort auch über die gesamte Aufführung platziert war. Eine kleine Enttäuschung über die starke Kürzung der Ballade der Seeräuber Jenny kam mir zu Ohren.
Als eine Figur mit einem Stoffpferd über die Bühne „ritt“ dachte ich, dass es wirklich lustig wäre, wenn er danach mit einem echten Pferd auf die Bühne kommen würde. Da fiel mir ein, dass das mit echten Tieren auf der Bühne so eine Sache ist. Ich staunte nicht schlecht, als der reitende Bote letztendlich wirklich mit einem echten Pferd über die Bühne trabte.
Es hat mich sehr gefreut, dass die Schauspieler am Ende des Stückes ihre schlichten blauen Anzüge mit weißem Shirt und Kurzhaar-Perücke (, die auch die weiblichen Rollen trugen) gegen ihre wundervollen Rollenkostüme tauschten.
Alles in allem war dies ein sehr gelungener und überraschender Theaterbesuch.
Julia Menk, Gymnasium Süderelbe Jg 12

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Der Bandenanführer Mackie Messer bezirzt Polly, einzige Tochter des kriminellen, jedoch angesehenen Geschäftsmanns Peachum. Nach der im Stall heimlich vollzogenen Hochzeit, sieht sich das Ehepaar Peachum genötigt, Mackie zur Strecke zu bringen, um  ihre Tochter aus dieser von den Eltern ungesegneten Ehe zu befreien. Der Polizeichef Brown wird dabei bestochen und gezwungen seinen Freund Mac zu stellen.
Die Inszenierung der „Dreigroschenoper“ von Bertold Brecht ist äußerst witzig, musikalisch und dabei wird die Waage zwischen Individuum und der chorischen Masse ausbalanciert.
In diesem Stück sind die Darsteller einheitlich mit einem Blaumann, einer Brille und einem Kurzhaarschnitt ausstaffiert. Die Kulissen werden von den Erzählern detailliert geschildert und somit für den Zuschauer visualisiert.
Einzig die plötzlich auftauchenden Leuchtröhren, und das auf einer Empore gelegene Orchester bestücken die Bühne dauerhaft.
Durch den in dieser Inszenierung deutlich werdenden V-Effekt, wird die Figur des Erzählers manifestiert. Von allen Darstellern gespielt, beschreibt er die Situationen und verbessert die Schauspieler in ihrer Rollenarbeit.
Hier hat mir die Szene besonders gut gefallen, in der der Erzähler die Zelle des entkommenden Mac beschreibt und schildert, wie neben der leeren Pritsche ein Wirbel aus Fusseln entsteht, die einer Schafherde ähneln... Diese Szene wird mehrmals wiederholt.
 Das Orchester unterstützt die Schauspieler in den Gesangspassagen. Die Musik ist stimmungsvoll, und gleichzeitig betont sie die skurrilen Texte der Lieder.
Am Schluss der Inszenierung, trabt ein Pferd auf die Bühne, aber das fand ich etwas zu übertrieben, gar fragwürdig. Es verfremdete nochmals verstärkt und schafft eine Distanz zwischen Kunst und Wirklichkeit. Eine weitere Überraschung stellt die Wandlung der Rollen dar, die für ihren Applaus die "Arbeitskleidung" gegen ihr „eigentliches Kostüm“ tauschen.
Diese Inszenierung ist großartig, da sie innerhalb der äußerlichen Einheit doch das Individuum in den Vordergrund stellt.
Es ist sehr spannend und gleichzeitig unglaublich amüsant zu beobachten, wie die Rollen sich ihre Requisiten visualisieren, sich mit dem Erzähler streiten oder sich an das stetig lächelnde oder lachende Publikum wenden.
Sehr zu empfehlen!
Isabel Dere, Rudolf-Steiner-Schule Nienstedten, Klasse 12

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Dreigroschenoper vollkommen entstaubt am Thalia Theater.
"Es muss etwas Neues geschehen!" Und ja, es geschieht etwas Neues. Antú Romero Nunes ist kein großer Fan der Dreigroschenoper gewesen. Schon so oft wurde sie auf verschiedenste Weisen gespielt. Jeder kleinste Satz wurde analysiert und jegliche Dinge wurden hineininterpretiert. Die Geschichte um den Kampf zweier Geschäftsmänner in einer korrupten Welt des Kapitalismus ist allseits bekannt. Mackie Messer, der die Tochter des Bettlerkönigs Jonathan Peachum heiratet und so zum ersten Mal Schwierigkeiten in seinem erklauten Leben bekommt. Die Affären zur Tochter des befreundeten Polizeichefs Brown und zur Hure Jenny bringen ihn letztendlich an den Galgen. Schauspieler, Regisseur und Dramaturg, alle sind sich einig: Brechts Text ist langweilig und muss erst einmal entstaubt werden. Kurt Weills Musik ist es, die das Stück so erfolgreich hat werden lassen. Trotzdem ist Bertolt Brecht eine faszinierende Person. So sieht es auch Nunes, der alle seine Schauspieler und Musiker als Bert Brecht auftreten lässt. Alle haben dieselben kurzen fettigen Haare, rauchen Zigarre und tragen Schiebermütze und Nickelbrille. Da Brecht Tag und Nacht seine sogenannte Wohnunterhose trug, tragen natürlich auch die Darsteller unter ihrem Blaumann eine lange Wohnunterhose. Es erscheinen 16 Bertolt Brechts auf der Bühne des Thalia Theaters, die sich gegenseitig verbessern und miteinander spielen. Sie spielen ihre Rolle und steigen dann aus dem Spiel aus, um als Brecht ihre Rolle zu kommentieren. Nunes hat sich sehr strickt an die Regeln des epischen Theaters gehalten, fast schon zu strickt. Man könnte sagen, er hat es auf die Spitze getrieben.
V-Effekt ist das Zauberwort. Alles wird verfremdet und sogar beim Gesang gibt es ein extra Licht, denn „nichts ist abscheulicher, als wenn der Schauspieler sich den Anschein gibt, als merke er nicht, dass er eben den Boden der nüchternen Rede verlassen hat und bereits singt. Die drei Ebenen: nüchternes Reden, gehobenes Reden und Singen, müssen stets voneinander getrennt bleiben, und keinesfalls bedeutet das gehobene Reden eine Steigerung des nüchternen Redens und das Singen eine solche des gehobenen Redens.“ So fordert Victoria Trauttmansdorff als Frau Peachum ganz richtig eine extra Songbeleuchtung.

Brecht sagt: „Es ist ein probates Mittel einen Vorgang zu wiederholen, um ihn zu verdeutlichen.“ Und so wird eine Szene gleich drei Mal gespielt, damit der Zuschauer in jedem Fall mitbekommt, in welchem Verhältnis die Charaktere zueinander stehen. Die Inszenierung lebt von viel Improvisation von herausragenden Schauspielern, einer wahnsinnig guten Band und der Imaginationskraft der Zuschauer. Denn die Bühne von Florian Lösche ist leer und außer der Dinge, die zu Brecht gehören, gibt es keine Requisiten. "Ein Zuschauer ohne Imaginationsvermögen kann gleich nach Hause gehen!", so sagt es Jörg Pohl direkt in der ersten Szene. So müssen sich die Zuschauer auch den Haifischsong und den Seeräuberjennysong vorstellen, denn Nunes hat die beiden wohl bekanntesten und beliebtesten Songs gestrichen. Beide Songs werden musikalisch nur angerissen und nur als Hintergrundmusik verwendet und nicht als die großen Hits des Abends präsentiert.
Auch wenn die beiden Lieblingsstücke nicht drin sind, kann der Zuschauer noch rund eine Stunde vielseitige Musik genießen. Von heiteren Liedern, wie dem „Kanonenlied“ über ruhigere Stücke, wie dem „Salomon Song“, der herzzerreißend von Franziska Hartmann gesungen wird, bis zum lustigen Gesangsduell zwischen Mackies beiden Liebhaberinnen Lucy (Anna-Maria Torkel) und Polly (Katharina Schubert) ist alles dabei.
Im letzten Lied sagt Mackie Messer (Sven Schelker) kurz vor seinem Tod noch einmal seine Meinung über die Käuflichkeit des Menschen. Über die Ungerechtigkeit der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten.
Doch „das Zusammentreffen einiger unglücklicher Zufälle hat Maceath zu Fall gebracht.
Gut – er fällt.“ Man hört Mackies letzte Atemzüge und das Licht geht aus.
Den Schlussapplaus unterbricht Jörg Pohl. Man könnte denken, er würde für Flüchtlinge Geld sammeln wollen, aber stattdessen geht das Stück weiter.

„Damit ihr wenigstens in der Oper seht
wie einmal Gnade vor Recht ergeht.
Und darum wird, weil wir’s gut mit euch meinen
jetzt der reitende Bote des Königs erscheinen.“

Am Schluss einer von außen betrachtet sehr schlichten Inszenierung kommt ein bombastisches Ende - da dürfen ein reitender Bote (Thomas Niehaus) auf echtem Pferd und aufwändige Kostüme nicht fehlen. Nach einem sehr lustigen und fröhlichen Abend, wo die politische Botschaft eher in den Hintergrund gerutscht ist, wird das Ende so prunkvoll, „wie nur Bettler es sich erträumen können...“
Rike Möller, Stufe 9, Walddörfer Gymnasium

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Die Dreigroschenoper, ein Stück an dem auch das Thalia Theater früher oder später nicht vorbeikommen kann. Heraus kommt eine schöne moderne Inszenierung, die nicht nur leicht verständlich ist, sondern auch die schönen Texte berücksichtigt.
Durch die absolute Leere der Bühne konnte sich der Zuschauer perfekt auf das eigentliche Spiel der Schauspieler konzentrieren, die alle aussehen wie Berthold Brecht persönlich.
Der Witz bestand darin, wie Brecht es auch vorhatte, zu zeigen, dass man zeigt.
Zudem eine perfekte Harmonie zwischen Musik und Schauspiel.
Nur das Ende war etwas enttäuschend und hat meiner Meinung nach das Stück etwas kaputt gemacht.
Trotzdem eine sehr sehenswerte Vorstellung.
Jarmo Busch, Elsa-Brändström –Gymnasium Städtisches Gymnasium Elmshorn, JG 13