Rezensionen zu "Bilder deiner großen Liebe"


Kennen sie Isa? Nein? Sollten sie! Schließlich ist sie die Erschafferin des Universums! Sie kann – mit einer einzigen Bewegung ihres Fingers – die Sonne bewegen und so die Zeit zurückdrehen! Sie könnte auch das Tor aufmachen, das große Tor, aber das will sie gerade nicht.
Mit diesen Aussagen – getätigt von Isa – beginnt das Stück und damit ein kleiner Roadtrip.

Isa, ein Mädchen, das aus einer Heilanstalt oder Ähnlichem geflohen ist und sich jetzt mit zwei Tabletten in der vorderen linken Tasche, ihrem Tagebuch in der hinteren linken und etwas – von dem sie weiß, dass es da ist und deshalb nicht zu sehen sein braucht – in der rechten, durch Deutschland wandert. Immer geradeaus; ist ein Fluss im Weg, so watet sie hindurch und ist dort ein Berg so wandert sie hinüber!

Unterwegs trifft sie einen Jungen, der Frösche in seinem Eimer hat – die befreit sie aus ihrem Gefängnis und schwört sich  ab sofort keine Tiere mehr zu töten.
Einen alten Schiffer, der sie mitnimmt. An den probiert sie sich ranzumachen, was jener höflich ablehnt – schließlich ist sie erst 14.
Als Letztes – das absolute Highlight des Abends – trifft sie einen taubstummen Jungen. Diesem erzählt sie eine Geschichte von Treue, was total irrelevant ist – der Junge ist der Hammer!

Sie denken, wenn sie das so hören, sicher an „on the road“, „travels with Charlie“ oder vielleicht „fear and loathing in Las Vegas“. So ging es mir zumindest, als ich die Beschreibung las, aber Pustekuchen.
Die erste halbe Stunde ist super, man wird durch die schöne Stimme und gute Erzählweise von Birte Schnöink ins Stück förmlich hinein gesogen. Aber spätestens wenn sie singt, ist man genauso geschwind wieder draußen, wie man drin war. Die Musikauswahl ist total unpassend. Nicht fürs Stück an sich aber sie passen leider nicht gut genug zueinander.

Man fühlt sich ein wenig wie bei „Unterwerfung“ - hier übrigens (falls sie es noch nicht gesehen haben) meine absolute Anti-Empfehlung zu „Unterwerfung“. Sie bezahlen gutes Geld für etwas, was man auch für 14.99 € als Hörbuch verkaufen könnte. Kaufen sie sich das Buch. Das ist wirklich gut. Dann müssen sie sich auch nicht die ganzen „Möchte- gern-Intellektuellen“ anhören, die sich im Nachhinein im Foyer an politisch-korrekter Islamkritik üben und daran so kläglich scheitern wie Edgar Selge, wenn er auf der Bühne probiert spontan lustig zu sein... - in einem viel zu teuren Hörspiel gefangen.

Schnöink spielt gut, aber das alleine reicht einfach nicht, um 75 Minuten zu unterhalten.
Eigentlich würde ich jetzt probieren eine Gruppe von Menschen zu finden, denen das Stück trotz meiner Kritik gefällt, aber das muss ich nicht – das hat die Gruppe gestern schon für sich selbst getan, als sie tosend applaudierend aufstand. Es scheint typischen Schanzen-Hipstern mit dem Stil eines Obdachlosen zu gefallen. Vielleicht ist es geeignet für alle die, die irgendwas mit Medien machen und auf der Suche nach sich selbst sind. Der Besuchergruppe Ü-30 hat es deutlich weniger gefallen – wenn ich die Gesichter richtig gedeutet habe.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Text von Herrndorf und die Schauspielkünste von Schnöink gute Einzelleistungen sind, aber keine Symbiose aufzeigen, egal wie doll man es versucht.
Paulo Jamil Sieweck, Corvey Gymnasium, JG 11