Unsere SchülerbotschafterInnen zu "Cyrano de Bergerac"

Unsere SchülerbotschafterInnen besuchen Vorstellungen und verfassen regelmäßig Rezensionen.

Ausgestattet mit großer Wortgewandtheit, treffsicher wie sein Degen, einem Charme und Esprit, dem die Frauen zu Füßen liegen- zumindest bis sie ihn gesehen haben. Denn Titelheld „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand und unter der Regie von Leander Haußmann, hat einen großen Makel: Seine riesige Nase entstellt ihn und ragt wie ein unförmiger Fels aus seinem Gesicht hervor. Cyrano, der sich dieser Schwäche durchaus bewusst ist und jeden Spott in Extase mit Wort- und Fechtkunst parriert, kann aufgrund eben dieses Zinkens nicht bei seiner großen Liebe Cousine Roxanne landen. Die sehnt sich zwar nach Charisma, Esprit und Intelligenz, sucht aber eher nach einem Schönling wie Baron Christian. Dieser wiederum ist zwar schön von Gestalt, aber nicht die hellste Kerze auf dem Kronleuchter. Und so schreitet Cyrano zur Tat, leiht dem geistlosen Christan sein Liebeswort, schreibt in seinem Namen blumige Liebesbriefe, um die Angebetete letztendlich glücklich zu machen. Doch auch dieses verlogene Glück ist angesichts des nahenden Krieges und des  listigen Verehrers Graf Guiche nicht sicher.
Französisch, so lautet das Stichwort. Passagen gesprochen mit französischem Akzent, herrlich romantische Balkons, die auf die Bühne projiziert werden und die Darsteller in Federhut und Gehrock gehüllt und mit Degen und schulterlangem Haar ausgestattet. Ein einzelner knorriger Baum, der sich mit der Drehbühne knarzend dreht und auf dessen hölzerner Schaukel die in wallende Gewänder gekleidete Roxanne schaukelt, ist das einzige dauerhafte Element des Bühnenbildes. Je nach Stimmung rieseln einzelne Blütenblätter langsam auf den Boden, Gewitterwolken entladen sich, Kriegsgeschehen bildet den Hintergrund. Das Bühnenbild stellt einen Spiegel des Stücks dar: Tragisch, tiefromantisch, urkomisch- und doch ein roter Faden der sich durch das Stück spannt. Und gespannt bleibt, wie der ungeduldige Zuschauer, der die Pause doch lieber übersprungen hätte.
Sympathie für Cyrano wächst im Herzen des Zuschauers – erst ein kleines zarten Pflänzchen der Zuneigung, dann ein raumfüllender Baum. Angesichts so viel Hingabe, Aufopferung und Selbstvergessenheit für seine Liebste schrumpft sogar seine gewaltige Nase, in den Schatten gestellt von so viel charakterlicher Stärke. Und auch wenn Cyrano kaum die Bühne verlässt, selten das Kostüm wechselt, scheint er dem Zuschauer am Ende doch weniger abstoßend, als noch zu Anfang. Sogar Roxanne begreift am Ende, wie viel mehr das Innere zählt...
Nina Niesche; Gebrüder-Humboldt- Schule in Wedel; Jg 12