Don Giovanni. Letzte Party

Das Prinzip "Don Giovanni"
Erstmal wird die Stimmung richtig angeheizt! Als Dirigent gibt Leporello komische Laute und Grimassen von sich und das Publikum summt mit. Zum Schluss noch ein Paar Atemübungen und die Party kann losgehen.
Nach dem unerwarteten Auftritt von Leporello (Mirco Kreibich), pfeift er sechs Musikerinnen zu sich auf die Bühne, die von jetzt an zum festen Bestandteil des Bühnenbilds werden. Als nächste Überraschung kommen alle Darsteller in bunten, äußerst schrillen, barocken Kostümen hinzu, die schon den lustigen Verlauf des Abends erahnen lassen.
Ein knallhartes Pochen und viel Rauch geben den Ton für Don Giovannis (Sebastian Zimmler) und Donna Annas (Maja Schöne) heißen Liebeskampf. Nunes’ Don Giovanni: sexsüchtig, cool, baggert er alles an, was ihm in die Quere kommt und mit einer sorgfältig ausgewählten Wortwahl „Vögeln Sie mit dem Bild von mir in Ihrem Kopf “, ist er zu heutigen Zeiten auch für Männer bereit. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, dies laut in den Saal zu schreien. Donna Anna, die sich eindeutig mit Don Giovanni eingelassen hat, wird plötzlich hysterisch und schreit nach Rache, als sie ihren alten Vater tot auffindet. Dann ein erbärmlicher Leporello, der die Drama-Queen Donna Elvira (Cathérine Seifert) tröstet und ihr das „Don Giovanni-Ding“ erklärt. Und natürlich die etwas molligen Zerlina (Gabriela Maria Schmeide) und Masetto (Bruno Cathomas), zwei „Witzfiguren“, die ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag von Don Giovanni unterbrochen werden. Die Live-Band ist immer dabei und heizt schon mal ein, für die Party, schließlich ist das Leben ein Wunschkonzert.
Es sind vor allem die Charaktere – weniger die Story – die durch Aussehen, humorvolle Sprache und Benehmen, über Symbole und damit den Mythos in die Gegenwart setzen und auf den ersten Blick für lachhafte Unterhaltung sorgen, jedoch gerade wegen ihrer ironischen Darstellung zu einem Urteil anregen. Selbst der Tod (Karin Neuhäuser) ist hier nebensächlich und nimmt seine Rolle nicht sehr ernst, passend zu dem Don Giovanni Prinzip: „Niemand muss sterben heute, heute regiert die Freiheit“.
Die Vorliebe des jungen Regisseuren Antú Romero Nunes für reichlich Humor und Fantasie ist z.B. von „Merlin“ bekannt, doch durch seine einzigartige Inszenierung des von Mozart und da Ponte Don Juan beweist er wieder, dass er auf die große Bühne gehört. Und so eröffnet Nunes die Lessingtage 2013 mit viel Musik, Lametta und Sekt... für Frauen. Denn als Höhepunkt des Abends werden 100 Frauen aus dem Publikum von Don Giovanni auf die Bühne gelockt, es gibt Live-Musik, sogar einen Türsteher und eine erstaunlich feurige Party wird in Gange gebracht.
Fazit: Das ideale Programm für einen perfekten Samstagabend: mit einem Fuß im Theater, mit dem anderen auf der wohl verrücktesten Party des Jahres – ein Stück, das im wahrsten Sinne des Wortes Premiere gefeiert hat.