Pressestimmen Danton

„Dantons Tod ist bei Jette Steckel ein bildmächtiger Aufschrei, der getragen wird von dem grandiosen Bühnenbild Florian Lösches und acht fantastischen Schauspielern, die auf, neben und in dieser Weltkugel spielen und sich mit Wort und Tat lustvoll ins Chaos stürzen. Denn, wie sagt Danton: Die Welt ist das Chaos“ - NDR Kultur

 

„„Dantons Tod“: Laut, rasant, mitreißend! [...] Specktakel statt Schulbuch: Das Thalia Theater bereitet das Drama unterhaltsam auf. [...] Man kann solch ein Stück über Französische Revolution als polit-philosophisches Thesentheater inszenieren, aber Jette Steckel entscheidet sich immer für den effektvollsten Kniff. Und brennt auch diesmal einen mitreißenden Bühnenzauber ab.“ - Hamburger Morgenpost

 

„Auf der Thalia-Bühne geht es weniger darum, was aus Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wird - nämlich wirtschaftliche Ungleichheit zugunsten des Stärkeren - es geht um Tempo und die revolutionären Träume, die eine Gruppe in der Jugend zusammenschweißen, die nun aber ausgefranst sind, so sehr, dass man einander zu hassen beginnt. Jette Steckel spart sich die politisch-ideologische Deutung, sie zeigt raffinierte Bilder, die von "sex and politics" erzählen, junge Menschen von heute: Nicht sehr diskursstark, aber auf persönliche Freiheiten bedacht. […] Daniel Lommatzschs Robespierre ist ein kalter, grauer Asket, der sich den Staub der Geschichte von seiner Kleidung wischt, ein freudloser Eiferer, unbestechlich und verklemmt. Sein Gegenspieler Danton ist bei Jörg Pohl freundlich bis zur Selbstaufgabe. Ein verspielter Mann, der nicht mehr kämpfen will, nur noch lieben. Er ist der große Zweifler, fast schon ein kleiner Hamlet. "Was ist das, das in uns lügt, stiehlt, hurt und mordet?", fragt er und weiß, dass er auf keine seiner existenziellen Fragen eine Antwort bekommen wird. Geradezu unverdrossen nimmt er sein Ende hin. […] Camille Desmoulins ist bei Mirco Kreibich ein leidenschaftlicher Freiheitskämpfer, der zärtlich seine Frau Lucile liebt und in einem Fremdtext erklärt, dass heute "täglich 37 000 Menschen an Hunger sterben". So spricht er uns und die Weltwirtschaft direkt an. Bewegend fragt Lisa Hagmeisters Lucile, nachdem Camille gehängt wurde: "Es darf ja alles leben. Warum denn er nicht?"[…] Auch Maja Schöne als Julie überzeugt durch Ausdrucksstärke. Und wie immer - es ist ja fast schon eine Selbstverständlichkeit - fesselt Karin Neuhäuser mit vielen Facetten. Selbst wenn sie nur ihren Kopf aus einer überdimensionalen Figur herausragen lässt, überrascht sie uns. Am Ende: langer Applaus.“- Hamburger Abendblatt

 

„Manchmal gelingt es im Theater tatsächlich, Hand an die Welt zu legen. Dann stemmen sich die da oben auf der Bühne gegen sie, bringen sie in Bewegung, mit Atempausen, aber so unermüdlich und verzweifelt und lustvoll und intensiv, als kenne das Theater und das Spiel, das Denken und die Welt kein Ende.In der Finsternis des Hamburger Thalia Theaters, anfangs lediglich beleuchtet von einer Fackel am Boden, beginnt ein solcher Weltendreh als das, was er ist: als Kraftakt. Büchners Drama von 1835, er war damals 21 und als Revolutionär schon ernüchtert, ist ein Akt der Verzweiflung, am Menschen, am Dasein, an der Ungerechtigkeit der Welt. Und genau als solchen - düster, grimmig, verzweifelt - inszeniert das auch Jette Steckel, eine Regisseurin, selbst erst 30, die in allen Stücken, die sie bisher wählte, Antworten auf die Frage sucht: „Warum ist die Welt nicht besser, als sie sein sollte (und könnte)?“ Büchners Antworten, die er in „Dantons Tod“ aussprechen lässt, lauten unter anderem: Weil „die Welt das Chaos“ ist, „das Leben eine Hure“ und die Menschen schwach, „nur Marionetten“ eines Weltgeistes namens „Nichts“ sind. Denn fünf Jahre nach der Französischen Revolution ist von den guten Absichten real nichts mehr übrig, fordert ihr „Strom“ immer mehr Leichen, stehen sich Robespierre und Danton, der Tugendterrorfürst und der abgewrackte Volkstribun der Gemäßigten, so ratlos wie unversöhnlich gegenüber.So, wie Daniel Lommatzsch und Jörg Pohl sie anlegen, sind die beiden vor allem Brüder im Geiste, lediglich getrennt durch ein paar Grad mehr an Charisma, Hybris, Zweifel, Mitleid und Verzweiflung auf Dantons Seite, die ihn letztlich auch das Leben kosten. Steckel hat dafür wie generell für das Rauhe, Aufwühlende, Verführerische an Revolutionszeiten, ein zentrales großartiges Bild gefunden: Zum Showdown, dem Prozess gegen Danton, schieben die beiden Männer je ein schwarzes Schlagzeug an die Rampe, setzen sich und beginnen ihr Rede- und Ideenduell. Zwei Gladiatoren unter Trommelfeuer. Sie treiben sich an mit Worten und Rhythmen, provozieren, kommentieren, intervenieren und kitzeln ganz nebenbei ihre Egos. Die Inszenierung bleibt in diesen Momenten, wie überhaupt an diesem wunderbar konzentrierten Abend, ganz nah bei Büchner und der Frage, warum Revolutionen so ablaufen müssen, warum der Mensch ist, wie er ist. […] Am Ende hängen Danton und seine drahtigen Männer an Ketten, schweben langsam gen Bühnenhimmel, bewegt sich der eiserne Vorhang bimmelnd nach unten. Davor sitzt Lucile, nun Witwe Camilles und erste Schmerzensfrau des Stücks. In der Hand das Messer. Sie wird sich richten. Und ihr Kind. Obwohl es nichts ändert. Weil die Welt sich immer weiter dreht da draußen. Und in den besten Momenten auch im Theater. Dies ist einer. Jubel!“ - Frankfurter Allgemeine Zeitung

„In ihrer Danton-Inszenierung macht Jette Steckel beides: den Disput und das Naturschauspiel. Sie macht aus der Konfrontation zwischen Robespierre und Danton den Kampf zweier Perkussionisten. Robespierre, der finstere Tugendterrorist, sitzt nämlich, während er befiehlt, nachdenkt und richtet, gern am Schlagzeug und drischt darauf ein. Dieser Robespierre ist gar nicht so, wie er üblicherweise gezeichnet wird, kein verbissener Lebensuntüchtiger, der dem Volk seine Vitalität übelnimmt und in der Revolution die Gelegenheit zur Rache erkennt. Der Robespierre, den der Schauspieler Daniel Lommatzsch zeigt, ist eher eine austrainierte Schreckgestalt von heute: ein Verschlanker bis aufs Skelett, ein feuriger Motivationskünstler und Erfolgscoach, der die Massen mit Trommelschlägen in den Abgrund schickt: Ihr könnt es doch! Und Danton, den die Wirkung der Schläge nicht kaltlässt, zieht zum Prozess, den Robespierre gegen ihn anzettelt, plötzlich auch ein Schlagzeug auf die Bühne. Ein alberner Trickfilm-Einfall eigentlich, ein Eskalationswitz, der aber funktioniert, weil er mit Entschlossenheit durchgehalten wird. Während Robespierre und Danton sprechen und brüllen, bearbeiten sie also ihre Instrumente, und jeder ist Verfolger und Gejagter, Guillotinierter und Scharfrichter in einem. Es ist eine Konfrontation, wie sie so bei Büchner nicht vorkommt, eine Zuspitzung ins wahlkampfartig Emblematische, die das Stück einerseits ein wenig verrät und banalisiert, es andererseits aber vielleicht für neue Zuschauer, die Augenmenschen von heute, öffnet und erschließt. Danton und Robespierre, über ihren Trommeln schwitzend, als hielten sie Kessel flüssigen Metalls am Kochen. Zwei Wirkungsbesessene, die genauso gut auf parallel fahrenden überhitzten Lokomotiven sitzen und einander bekämpfen oder in zwei feindlichen Doppeldeckerflugzeugen aufeinander zurasen könnten: Superhelden der Dramengeschichte. Man sieht sie als geheime Brüder; sie sind sich viel ähnlicher, als sie glauben, beide suchen den Zusammenprall, die lustvoll-erlösende Vernichtung. So ist dieser Abend: die Welt eine Knochenmühle, der Disput ein Drum Battle, und zwei Rockmusiker an den Bühnenrändern (ein Gitarrist, ein Keyboarder) schreddern und raspeln ihre Riffs und Akkorde drüber hin. Dialoge werden zu Rezitativen und Szenen zu Nummern. […] Eine Utopie, die mitten durch die Zerstörung hindurchmuss, eine Potlatch-Vision. Sie führt nicht sehr weit, aber sie wirkt doch menschenfreundlicher als der Traum vom großen Pranger, den Volker Lösch vor drei Jahren in dieser Stadt geträumt hat.“ - DIE ZEIT

 
„Ein magischer Premierenabend! Danton, des Terrors der nachrevolutionären Säuberungsaktionen in Frankreich müde, wird von seinem Weggefährten Robespierre wegen Verrats vorm Tribunal angeklagt. Steckel macht daraus einen Schlagabtausch der beiden brillanten Darsteller Jörg Pohl und Daniel Lommatzsch an Schlagzeugen. Das Publikum ist begeistert.“ -
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„Schon in ihrer längst in den Kultstatus erhöhten Inszenierung von Büchners unvollendetem „Woyzeck“ hatte die junge Hausregisseurin Jette Steckel die Nachtseite der menschlichen Existenz betont. Nun gelang ihr mit „Dantons Tod“ ein aufrüttelnder, im Zusammenprall der Handelnden heftig bewegter Abend. […] Das Ensemble verausgabte sich sehenswert. Wortgewaltig Jörg Pohl als nihilistischer Danton, blendend in seiner Beredsamkeit, Mirco Kreibich als Freund Camille, aalglatt Daniel Lommatzsch als tugendhafter Terrorist Robespierre mit einer Stimme des sanften Schreckens, Karin Neuhäuser als Zyniker der Macht St. Just, hochemotional Maja Schöne und Lisa Hagmeister als Julie und Lucile.“ - Stader Tageblatt