Welche Relevanz hat Goethes gefühlsschwangerer Briefroman über den liebeskranken Werther noch in den Zeiten von myspace und"i-pod"-Kultur? Philipp Hochmair und Nicolas Stemann erzählen Werthers Geschichte unter Verwendung des Originaltextes aus ihrer persönlichen, heutigen Sicht. Eine Aufführung, die sich zwischen Lesung, Monodram und Performance bewegt. Eine Einladung zum wohl berühmtesten Ego-Trip der deutschen Literatur. Seit 1997 ist "Werther!" auf Erfolgstour. Ein jugendlicher Geniestreich der beiden Theaterkünstler. Die Low-Budget-Produktion schaffte es vom Nürnberger Klassenzimmer bis ans Wiener Burgtheater, auf Auslandsgastspielen von Moskau bis Bogotá. Philipp Hochmair beginnt aus Goethes Briefroman vorzulesen und vertieft sich dabei in Werthers Zustände vor einer Kamera. Ein junger Mann, zum ersten Mal von zu Hause weg, stürzt sich in eine unmögliche Liebesgeschichte und beobachtet und genießt dabei seine Gefühlswelt. Seine Video-Projektionen werden dabei zum Road- Movie, zur Falle seiner Eitelkeit. Eine Innenschau auf die Seele eines Unglücklichen, auf die Mechanismen der Selbstzerstörung.
Mehr auf: www.goethes-werther.info
Thalia-Premiere Gaußstraße am 20. September







Das Stück muss man einfach gesehen haben!
Taleja Menzel, 14.10.09
1 Stunde und 10 Minuten erklären und zum Schluss eine große Abschiedsszene inszenieren.
Werther! ein Egotrip inszeniert mit Esprit und gespielt mit einem Schuss Genialität.
Werther! (Das Ausrufungszeichen ist der Clou). Dieses wohl berühmteste Schülermartyrium ist hier neu erzählt in einem Bildwinkel von Frische und Leichtigkeit.
Werther! auf dem Weg – wohin weiß er noch nicht.
Dieser Schöngeist betrinkt sich am Busen der Natur, am Schönen, er lebt und er will erleben. Aber bevor sich Langweile einstellen kann, trifft er auf Lotte. Sie wird seine Obsession. Durch sie liebt er und liebt sich selbst, ist völlig gefangen, er will Lotte erobern, die Welt steht ihm offen …., ach, …
„und er lebt so glückliche Tage, wie sie Gott seinen Heiligen ausspart“.
Nur diese Rechnung hat er eben ohne Gott gemacht, der hat Lotte schon einen Gefährten an die Seite gestellt: Albert, lieb und langweilig, aber unüberwindbar. Werther! reibt sich an ihm und versucht kleine Lücken für sein Begehren zu finden. Er treibt eine zeitlang in diesem Gefühl dahin, muss aber dann doch resignierend das Feld räumen.
Er verlässt Lotte und damit auch sich selbst, verliert den inneren Halt, seine neue Umgebung wird ihm keine Heimat und auch eine neue Bekanntschaft, das Fräulein von B., kann ihm Lotte nicht ersetzen. Werther! strudelt in seinem Schmerz durch Zeit und Raum und findet sich am Ende mit einer Pistole an der Schläfe wieder.
„Lotte, in diesen Kleidern möchte ich begraben sein …..“. Ein Knall und das Licht geht aus.
Das Publikum, das diese Schleuderfahrt durch die Gefühlsebene miterlebt hat ist still, sehr still …
Applaus …..
Diese Inszenierung von Nikolas Stemann und
Philipp Hochmair ist ein Juwel.
Der Hauptdarsteller reist mit einem kleinen Handkoffer und diesem bezaubernden Stück durch die Welt (u.a. Wien, Hamburg, Sibirien, Sarajevo ..).
Absolut sehenswert
Rosabel Verde, 26.10.09